Sun7dance hat geschrieben: ↑17.09.2019 08:38
Mit "leer" meinen die Spieler wahrscheinlich, dass die Welt keine "Seele" hat.
Wenn inhaltlich ein Gebiet dem anderen gleicht, dann ist das auch für mich keine "lebendige" Welt, sondern nur noch abgrasen von a nach b, wobei der Weg manchmal noch über c führt.
...
Das die Welt sich "inhaltlich" wiederholt, stimmt schon. Überall hat man quasi dieselben vorgefertigten Muster drinne - aber welche OW macht das anders? Tierverhalten ist schon sehr arcadig, aber ein RDR2 setzt auch ganz andere Maßstäbe an sich selbst. Da will man Realismus, in AC:O sind das a) Gegner und b) ne laufende Ressource. Klar finde ich es auch immersiver und ein Stück weit cooler, wenn man ein Tier häuten muss, es aufs Pferd wirft, zum Trapper oder ins Camp bringt etc. als die flappsige Handbewegung, mit der man in AC Leder, Holz und Eisen aufsaugt. Ehrlich gesagt mag ich das auch nicht, weil da in mir auch von selbst diese Einstellung hoch kommt "Oh, da blinkt was! *Knöpfchen drück*". Aber insgesamt ist es für mich kein großer Kritikpunkt.
Händchen für Story und Charaktere? Also ich fand AC1 von seinem Ansatz her überragend. Danach war es die immerselbe Mottenkiste aus "böser Overlord der Templer versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen". Hier und da gab es mal gelegentlich Höhepunkte, wie die Vater-Sohn-Beziehung in Teil 3 oder auch Edward Kenway in Blackflag, insgesamt finde ich aber Odyssey sehr weit oben, was die Story betrifft. Die deutsche Version von Gamesünden hat das sehr schön persifliert: zum ersten Mal in einem AC Spiel seid ihr nicht durch ein TOTES Familienmitglied motiviert - sondern durch ein LEBENDIGES!
Was an den Welten schlauchig sein soll musst du mir auch noch erklären. Die sind im wahrsten Sinne des Wortes offen. Es gibt, von den eigentlichen Grenzen der Spielwelt einmal abgesehen, keinerlei Grenzen. Überall kannste hoch und drunter und drüber. Erkundungsreize sind vor allem visueller Natur, und evtl. wenn man weiter im Spiel ist auch gewisse Mechaniken (oh, eine alte Tempelruine, da gibt es bestimmt die Platten, die ich für Schiffupgrades benötige etc.) Aber das ist Genrestandard. In jedem Spiel weiß ich schon aus der Ferne prinzipiell, was mich erwartet - ob Skyrim oder Witcher. Einzige Ausnahme ist hier das geniale BotW, deren Ortschaften allein durch ihre mysteriöse Ausstrahlung eine gewisse Anziehungskraft ausüben, eben weil man nicht weiß, dass da vorne nur ein weiteres Nordgrab / Monsterlager / Banditencamp ist.
Sammelkram gabs in alten ACs - auch schon im genialen Teil 1 (100 Flaggen). Später dann Shantys, Schatztruhen, Tagebucheinträge, Weinflaschen und und und ... was ich hier komplemtiert habe waren Rüstungen, Waffen und Kultisten. Ein ganz anderes Gefühl, weil es mit dem Gameplay verwoben ist. Klar gibt es noch immer unzählige Fragezeichen (könnte auch ohne leben, dazu unten mehr) und es nervt auch absolut, dass man jede Kiste eines Stützpunkts umdrehen muss, um ihn zu komplementieren.
Als ich Odyssey so ca. 10 Stunden gespielt hatte, war ich kurz vorm Burnout. Bei Origins hatte ich nämlich jedes Fragezeichen immer gleich an Ort und Stelle abgegrast. Und in Odyssey wird man gleich noch mehr erschlagen mit den Dingern. Da hab ich mir gesagt, dass ich ab sofort nur noch dahin gehe, wo ich auch Bock drauf habe - und ey, seither hat das Spiel geflowed. Nicht mehr zwangsweise die Fragezeichen abklappern (wozu das Spiel einem ja durchaus verleitet!) sondern questen und im Vorbeigehen oder wenn etwas interssant wirkt auch mal andere Locations abhaken. Dass ich tatsächlich am Ende hingegangen bin, und jedes einzelne verfluchte Militärcamp abgegrast habe, hat mich selbst überrascht

aber ich hatte halt meinen Spaß mit dem Spiel, hatte eine zusätzliche Motivation durch die angehobene Levelcap und fands gut, überhaupt noch was zu tun zu haben. Klar ist das nicht jedermanns Sache - in 99% der anderen Spiele bin ich da auch eher Minimalist. Wenn ich bei manchen lese, die haben das 100% durch nur um es 100% durchzuhaben, tun die mir schon irgendwie leid. Weil ohne Spaß an der Sache die 284 Fragezeichen (vorsichtige Schätzung) abzustottern würde mir nicht in den Sinn kommen.