Der Chris hat geschrieben: ↑06.09.2019 11:28
Wie gesagt...ich finde deine Ideen grundsätzlich gut, aber halt nicht in unserer Realität verortet. Es sind sehr theoretische Ansätze. Bist du Informatiker?
Ne, ich habe weder Informatik noch sonstwas studiert. Ich ab mich allerdings schon immer und sehr früh für Computer interessiert. Und ich musste als Erwachsener mit angucken, wie studierte Ingenieure ihre Zeit verschwenden, und zwar manchmal mehrere Stunden am Tag, weil sie die simpelsten Computertechnologien nicht verstanden und nicht einsetzen konnten. Das möchte ich der nächsten Generation sehr gerne ersparen. Unsere Gesellschaft kann meiner Meinung nach in ungeahnten Maßen von und mit Computern profitieren. Man muss nur wissen was geht, und wie es geht. Die bisherigen Schulungsmethoden sind größtenteils ungeeignet.
Der Chris hat geschrieben: ↑06.09.2019 11:28
Damit meine ich deinen Ansatz quasi universal für alle Umgebungen zu lernen, was defacto eine zusätzliche Abstraktionsebene bedeutet. Du hast einen permanenten Transfer, den die Schüler dann leisten müssen, weil das vorhandene Wissen in abstrakter Form vorliegt und immer wieder auf eine neue Plattform übertragen werden muss. Wenn du also einem Kind beibringst wie der Text in irgendeiner lustigen Textverarbeitung zu vergrößern ist, dann sitzt das Kind am Nachmittag daheim am Windows Rechner, muss das Gelernte nehmen und dann eine Transferleistung für Windows erbringen und quasi ein zweites Mal lernen.
Das finde ich nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn man die Basis einer Sache schult, dann ist es nur ein kleiner Sprung den passenden Button im Programm zu finden, was man zu Hause installiert hat. Blödes Beispiel: Die Diskette speichert das Dokument. Das ist überall so.
Hier mal ein Bild von Abiword, was ich hier mal als Beispiel für eine potentielle Software zur Schulung von Dokumentenerstellung und -bearbeitung heranziehen möchte.
Das ist alles vorhanden, was man in einer Schule so braucht. Und genau genommen... was geschätze 99% der User von einem Office-Dokumenten-Programm brauchen. Die Basis von Dokumenten kann man hier ausreichend lehren. Es sind einfache und wenige Buttons, und diese wird man in MS-Office, in OpenOffice, in LibreOffice, und in sonstigen Office-Suites wiederfinden. Es geht doch um das Verständnis der Sache, und nicht das auswendig lernen wo genau die Knöpfe sind. Das ändert sich ja sowieso leider noch oft genug, selbst wenn man einem Produkt treu bleibt.
Darüber hinaus gibt es dieses Programm für alle erdenklichen Betriebssysteme und speicher in einem standardisierten Format ab. Nicht ganz unwichtig.
Der Chris hat geschrieben: ↑06.09.2019 11:28
Ich weiß nicht welche Generation du bist, aber ich sage jetzt einfach mal "wir". Wir sind noch damals ganz anders in diese Themen eingestiegen...in Informatik waren die nerdy Kids, die bock hatten ihren eigenen Rechner zu bauen und wir hatten mit Smartphones und Tablets auch keine Konsummaschinen als Computer zu Hause, weil der Computer als Konsummaschine noch gar nicht wirklich erschlossen war. Und heutzutage hast du da halt alle möglichen Kinder sitzen, die für die ein Computer so was wie ein iPad sein sollte. Da gibts keine seriellen Kabel, sondern AirDrop und AirPlay. Das ist ein ganz großer Generationenunterschied, den doch auch noch gar keiner so wirklich zu handhaben weiß...vor allem an den Schulen nicht. Und dann möchtest du quasi eine idealisierte Form des Informatikunterrichts einführen.
Wie gesagt...ich sage nicht dass die Idee dumm ist. Ich halte sie sogar für sehr gut. Allerdings nicht mehr wenn sie mit der realen Welt zusammentrifft.
Das ist ja genau das Problem. Die alten Säcke stehen mittlerweile genau so auf dem Schlauch wie die junge Generation. Manche wissen zwar vielleicht, wie man einen FTP-Server aufsetzt, aber so ganz einfach ist die Bedienung dann doch nicht, und dann braucht man erstmal ein FTP-Programm für Android/iPhone, weil die sowas nicht eingebaut haben - manchmal noch nicht mal einen Dateibrowser, der den Namen verdient.
AirDrop ist schon mal ein guter Ansatz, aber leider nur für bestimmte Geräte. Demnach kann man das nicht im Unterricht verwenden - denn man würde hier eine Abhängigkeit zu einem kommerziellen Produkt schaffen. Angenommen Apple wäre das meistgenutzte Produkt. Würde es das besser machen? Meiner Meinung nach nicht.
Und genau das Problem gilt es zu beseitigen. Wenn die Generation von morgen damit aufwächst, die Technologie zu benutzen, und nicht anders rum, dann kann das was werden. Natürlich muss man dann so einige alte Zöpfe abschneiden. Aber ohne unser zutun müssen wir der Industrie überlassen, unsere digitale Welt für uns zu gestalten.
Ich hoffe das es dazu nicht kommt. Genau genommen ist das unter anderem der Grund, warum ich in die Betreuung gegangen bin. Weil ich hoffe den Kindern mitzugeben, was sie morgen wissen müssen, um es besser zu machen als wir. Denn wir haben es ganz ehrlich verbockt. Ich steck den Kopf aber noch nicht in den Sand.
Der Chris hat geschrieben: ↑06.09.2019 11:28
Nach dem was wir wollen fragt keiner. Wir haben (entgegen der Behauptung einiger verstrahlter Rechter) vor allem eine wirtschaftsliberale Politik in diesem Lande. Erklärtes Ziel ist seit Jahrzehnten "Wachstum" und das erreichst du nicht zwingend durch Bildung und Wissen. Mehr durch zielgerichtetes Lernen (für den Arbeitsplatz/die Wirtschaft) und gezielte Desinformation.
Ich hatte das Vergnügen zuletzt noch auf einer Hochschule zugegen sein zu dürfen...wer glaubt, dass es da in irgendeiner Form um Bildung ginge ist da entweder vor sehr sehr langer Zeit zuletzt gewesen oder völlig blind durchgegangen. Diese Institutionen kann ich nicht mehr als Orte der Bildung sehen. Es geht straight darum für die Wirtschaft auszubilden und nichts anderes.
Da kann ich dir leider nur zustimmen. Unser Schulsystem ist teilweise hochproblematisch. Was ich an 3 unterschiedlichen Schulen während der Ausbildung zum Staatl. gepr. Techniker so alles ansehen musste... grausam. An einer Schule in Bremen war einer der besten Lehrer, den ich je kennen lernen durfte. Der Typ ist allen ernstes an Wochenenden zu den Lerngruppen privat nach Hause gekommen und hat geholfen. Der hat in seiner Freizeit geholfen, die Steuererklärung so zu gestalten, das wir als Studierende möglichst viel zurück bekamen (das war Samstags-Schule parallel zum Beruf). Der hat sogar seine eigenen Schulungsunterlagen verfasst. Und am Ende wurde er, das hatte ich noch mitbekommen, von den restlichen hohen Tieren der Schule rausgeekelt - obwohl er der Gründer eben jener Schule war. Er war den profitorientierten Arschlöchern einfach ein zu großer Dorn im Auge. Mit ihm sind einige der Lehrer ebenfalls gegangen. Oh wunder... all die Lehrer, die ich gut fand, waren auf der Liste zu sehen. Auf einer anderen Schule wurde ebenfalls ein Lehrer gefeuert. Er wurde von den Schülern verklagt, weil die Noten zu schlecht seien. Auch er war an Wissen und Technik interessiert. Nur wollte das keiner. Nur bei ihm waren die bereits gelösten Klausuren als PDF aufm Stick ohne Nutzen... weil er sich erdreistet hat, tatsächlich selbst welche zu schreiben. Jedes Jahr neue. Die Folge: Schlechte Noten, weil man nicht schummeln konnte. Deswegen wurde er verklagt, und verließ am Ende am Boden zerstört die Schule.
Ich möchte nicht, das die nächste Generation auch so einen Scheiß mitmachen muss. Das kotzt mich an. Ich möchte das ändern. Auch, wenn es nicht einfach wird.