Der Chris hat geschrieben: ↑11.02.2018 10:22
Aber ich seh keine Chance sinnvoll zu argumentieren, dass Teil 2 das schlechtere Spiel sei. Es ist eigentlich in allen Belangen, die relevant sind ein ganzes Stück besser. Vor allem dieses elendige Recycling von Vigrid im ersten Teil ist mir irgendwann ziemlich auf den Zeiger gegangen. Diesen einen Ort hat man schon insgesamt 3 mal, wenn nicht sogar 4 mal besuchen müssen und so geil ist die Stadt dann auch wieder nicht gewesen. Alleine dass der zweite darauf verzichtet ist schon von unschätzbarem Wert. Der Flugabschnitt war auch weniger nervig als der in Teil 1 (wegen mir könnten sie das eigentlich in der Form weglassen) und auch dass besagte Insta-Death-QTEs weggefallen sind war eine sehr vernünftige Entscheidung.
Nein, also ich seh keine Chance, dass Teil 1 das bessere Spiel ist. Dass man den Ton den ersten Teils mehr mag, das kann ich sehr gut nachvollziehen...aber in allen anderen und relevanten Bereichen ist der zweite Teil eine deutliche Verbesserung.
Die Atmosphäre ist das, was ich am wenigsten in Teil 2 kritisiere, nein, ich beziehe mich schon wirklich auf viele fundamentale Unterschiede. Auch im Gameplay:
Ich habe Bayonetta 1 bestimmt 10x rauf und runter gesuchtet, vielleicht bin ich da ein wenig biased, aber wenn es Teil 2 nicht schafft zumindest auch nur im Ansatz ähnliche Begeisterung auszulösen, dann liegt es daran das mir deutliche Schwächen aufgefallen sind, gerade im Leveldesign:
Man merkt einfach dass Hideki Kamiya nicht aktiv in dem Projekt involviert war, denn die Levels in dem Spiel hätte er niemals so designed, leider hat es sich dabei viel zu oft um Schläuche gehandelt die einen zum nächsten Arena-Kampf führen, ohne Abwechslung nebenbei zu liefern.
Bayonetta 1 hatte mich deshalb so geflashed, weil alle paar Meter irgendwas neues und abgefahrenes passiert, was man unmöglich so erwarten würde, nicht bloß ein neuer Gegner-Typ.
Hier haben sie aber scheinbar gedacht dass neue Gegnerarten und Waffen alles sind um den Spieler bis zum Ende zu unterhalten... ja irgendwie hat es das sogar, aber nicht auf dem Niveau wie sein Vorgänger.
Das beste Beispiel waren da für mich Grace & Glory, von ihren agressiven Kampfstil aus Teil 1 ist nicht mehr viel geblieben, es fehlen wichtige Angriffsmuster und Tag-Combos die sie zu zweit ausgeführt haben, ähnlich sieht es mit Beloved aus, dem man seiner Schwachstelle beraubt hat, wodurch dieser Gegner nur zu einem weiteren HP-Sponge verkommt.
Der Ersatz für Grace & Glory, also das Pendant in Teil 2 ist da ja sehr ähnlich, 2 riesige Klotze, die nicht viel können außer viel einzustecken, am Ende begibt man sich nur konsequent hinter denen und weicht den grobmotorischen Angriffen aus. War davon ziemlich enttäuscht, man hat deutlich auf mehr Masse gesetzt ohne sich zu überlegen, wie man die jeweiligen Gegnertypen auch wirklich interessant gestalten kann, wie sie sich maßgeblich voneinander unterscheiden.
Genau das Gleiche muss ich da leider zu den Bossgegnern sagen, das Intro und die Kämpfe gegen den Masked Lumen waren phänomenal, da wurden fast sämtliche Register gezogen, ich war nach der Demo zu Bayonetta 2 so gehyped wie selten zu einem Spiel, weil es eben das gesamte Intro umfasste.
Tatsächlich hat das Spiel es danach aber nie wieder geschafft dieses Level von der Inszenierung in Kombination mit dem Gameplay zu erreichen.
Ein Großteil der Endgegner fühlen sich leider wie Zwischenendgegner an, nichts im Vergleich zu den Kardinalitätstugenden. Ich war beim Kampf gegen Glamour überrascht, dass es sich am Ende des Kapitels tatsächlich dabei um einen Boss gehandelt haben soll.
In Bayonetta 1 verwandeln sich im Laufe der deutlich längeren Endgegnerkämpfe gesamte Spielsituationen, hier sind es tatsächlich fast immer nur die setpieces, die absolut keinen Einfluss auf den Kampf nehmen, als würde man einen Film im Hintergrund ablaufen lassen.
Ähnlich überrascht war ich auch bei den Leveln wie schnell die teilweise vorbei waren, während das Erste noch eine vernünftige Länge hat, gehen fast alle nachfolgenden deutlich zu kurz, manche davon fühlen sich an wie Filler. Gerade den Weg zur Hölle hätte man doch in einem Level zusammenfassen können. Ich schätze mal, man wollte es nicht so aussehen lassen, als hätte das Spiel weniger Kapitel als Teil 1.
Überhaupt war ich von der Hölle mal sowas von enttäuscht, 2 Level die vor den Toren Spielen. Ein tatsächlich lieblos gestaltes Level mit schwebenden Plattformen und vielen Dornen, ein handelsüblicher Bosskampf und dann eine Fluchtsequenz, das waren gerade mal 3 Level die wirklich in der Hölle gespielt haben und die waren nichts mal vollwertig, ich habe mir da eine richtige Odyssey bei vorgestellt, ich war da wirklich massiv unterwältigt.
Man hat sich hier und da schon noch bemüht Abwechslung rein zu bringen, doch je weiter man im Spiel kommt desto weniger gibt es davon, dafür wiederholen sich die Gameplay Elemente zu oft. Im Prinzip hat man an vielen Stellen viel zu wenig Level und viel zu viel Arenakämpfe, das hatte man im Vorgänger deutlich besser dosiert ohne den Fokus zu verlieren und da war fast jede Auseinandersetzung eine Wucht.
Hier gibt es leider viel zu viele Gegnertypen die man alle immer nur auf ein und die selbe Art bekämpft und dabei gefühlt viel zu viel HP besitzen, man muss wirklich niemals seine Herangehensweise ändern und gleichzeitig wurde die gute Gegner-Ki der früheren Gegnertypen ihres Facettenreichtums beraubt.
Mag ja sein dass die Designs nach wie vor abgefahren sind, aber was bringt mir das wenn sich vom Gameplay gefühlt kaum was ändert?
So genug gerantet, am Ende des Tages war das Spiel trotzdem ein Action-Kracher und wenn es darum geht einfach nur das Kampfsystem zu genießen, würde ich vermutlich eher zu Teil 2 greifen, aufgrund der Waffenvielfalt und dem verfeinerten Kampfsystem. Was aber Level- und Gegnerdesign betrifft konnte mich das Spiel leider lange nicht so überzeugen wie Teil 1, weswegen ich am Ende trotz der immer noch hervorragenden Qualität etwas enttäuscht von dem Spiel war.
Vor allem dieses elendige Recycling von Vigrid im ersten Teil ist mir irgendwann ziemlich auf den Zeiger gegangen. Diesen einen Ort hat man schon insgesamt 3 mal, wenn nicht sogar 4 mal besuchen müssen und so geil ist die Stadt dann auch wieder nicht gewesen.
Es gibt im gesamten Spiel insgesamt 2 aufeinanderfolgende Kapitel die in Vigrid spielen. Also zumindest in der Innenstadt. Nichts davon wird jedoch wirklich recycled. zunächst geht man einmalig durch die Stadt durch, im nächsten Kapitel fängt sie dann an zu brennen, schon da hat sich das Level massiv verändert und lässt sich kaum mit dem vorangeganenen vergleichen und mündet später in einem Höhlenbereich und soar einen kleinen Ausflug in Paradiso an.
Das Teil 2 darauf verzichtet stimmt ebenfalls nicht. Denn ab dem letzten Drittel des Spiels (Vorsicht Spoiler) macht man eine Zeitreise und landet eben genau wieder in jener Stadt.
Ich gehe mal davon aus dass du Bayonetta 1 nicht mehr so gut in Erinnerung hast und du es möglicherweise mit anderen, dir nervig vorgekommenen Leveln verwechselst. Evtl der Stadt in Bayonetta 2 *gg*