Heruwath hat geschrieben: ↑14.11.2018 19:39
SethSteiner hat geschrieben: ↑14.11.2018 09:19
Niemand erwartet Perfektion oder Fehlerfreiheit. Warum wohl haben Spieler so wenig Probleme mit Verschiebungen? Selbst wenn man Day One Patches nervig findet, würde wohl kaum jemand zurückwollen in die Zeit der 00er und 90er als man noch mühsam sich Patches einzeln besorgen musste und solange ein Spiel nicht rauskommt wie Mass Effect Andromeda oder Colonial Marines ist man auch sehr nachsichtig mit Fehlern. Besonders hilft hierbei übrigens auch immer Kommunikation, je transparenter man mit Fehlern umgeht, desto eher ist man auch bereit zu vergeben oder man muss gar nicht erst vergeben, weil man eben direkt kein Problem sieht.
Man erwartet aber die Nachfrage zu kennen und die Nachfrage zu bedienen und nicht die Nachfrage zu übergehen und zu ignorieren. Und nein, das ist wirklich nicht so schwer, das ist so ziemlich die Basis eines Unternehmens. Ein Handygame auf der Blizzcon als Hilight vorzustellen ist kein kleiner Fehler oder ein Versehen, vor allem wenn man eben auch die Pressekonferenz anschaut und sich anhört was dort zu Journalisten (also noch nicht mal dem eigenen Publikum) gesagt wird. Das ist Arroganz, Inkompetenz und allen voran Ignoranz. Übrigens, selbst zu Diablo Immortal hat es selbst Netease gepackt mehr Infos rauszurücken als Activision Blizzard selber. Also sogar wenn man diesen Titel verkaufen will, ist der eigene Kooperationspartner informativer.
Ich stimme dir in sehr vielen Punkten zu. Bei einem davon stimme ich dir nicht zu, nämlich dem, dass es nicht so schwer ist. Wenn es nicht so schwer wäre, dann würden sehr viel mehr Leute sehr viel mehr richtig machen.
Bei einer Entscheidung ist es wahrscheinlicher, dass sie negative Folgen haben wird, als das sie positive Folgen haben wird. Um die Wahrscheinlichkeit der negativen Folgen zu reduzieren erfordert es ein ungleich schwierigere und aufwändigere Analyse der möglichen Folgen. Ein weiterer Punkt kommt hinzu. Die Schwierigkeit steigt mit der Reduktion der Wahrscheinlichkeit von negativen Folgen. Der Schritt von 50/50 (positiv/negativ) zu 60/40 ist ungleich schwerer und aufwändiger als der Schritt von 40/60 zu 50/50. Der dritte Punkt, der noch hinzukommt ist das Gewicht der Folgen. Wenn du die Folgen größtenteils ins positive bewegt hast und das über einen recht großen Zeitraum, dann trifft jede negative Folge um einiges härter, weil die Leute in diesem Fall viel öfter positive Folgen gespürt haben und viel weniger mit negativen Folgen gerechnet haben.
Wir wissen das, denn wir wissen auch dass es niemals 100/0 erreichen kann, deswegen ist Perfektion ja nicht möglich.
Diese Schwierigkeit sorgt dafür, dass je mehr Variablen ich bei einer Entscheidung beachten muss, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine davon übersehe und desto schwerer ist die Folge dieser einen Variable.
Das ganze hat nicht unbedingt etwas mit Ignoranz, Inkompetenz und Arroganz zu tun, denn mein Ziel des ganzen ist sicherlich nicht negative Folgen explizit zu ignorieren, oder in anderen ein negatives Gefühl zu wecken. Würdest du jemanden als inkompetent bezeichnen, wenn diese Person 99 Sachen richtig gemacht hat und die 100te total vor die Wand fährt?
Natürlich kann man jetzt sagen, dass diese 100te Sache selbstverständlich ist und zu den basics gehört. Tja, die 99 anderen sind es wahrscheinlich auch.
Da hängt so viel mit drin, dass es nicht so einfach ist dieses Thema überhaupt zu analysieren. Allein in dieser Diskussion hier spielen so viele Variablen eine Rolle, dass es immer schwieriger wird zum Kern vorzudringen. Genau deswegen sollte ich nicht den Fehler machen und die Leute als ignorant, arrogant und inkompetent zu bezeichnen, denn schließlich kann ich durchaus eine Variable übersehen haben. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt aufhören sollte darüber zu reden um eine Lösung zu finden, auch nicht dass ich Sachen nicht kritisieren soll. Allerdings bedeutet das für mich noch genauer hinzuschauen und dieses genaue Hinschauen kann angelernt und verfeinert werden durch Praxis an sich selbst. Hier kommen wir wieder zu dem Punkt "vor seiner eigenen Tür kehren".
Als Abschluss möchte ich ein weiteres Video von Jordan Peterson verlinken. Falls du es dir anschaust, achte bitte auf die Details z.B. wie lange er sich Zeit nimmt bevor er antwortet und wie es sich auch mittendrin verbessert um seine Aussage zu verbessern. Und wir sprechen hier von einem klinischen Psychologen, der auf jahrzehnte an Erfahrung zurückgreifen kann. Selbst er mit seiner Erfahrung, der genau darauf achtet was er sagt kann auch durchaus was falsches sagen. Das gibt er recht oft in Diskussionen selbst zu.
https://www.youtube.com/watch?v=TCowBCMVhfU
PS.: Danke für diese Diskussion, sie bringt mich zum nachdenken und dazu meine eigene Meinung und meine Aussage immer wieder zu evaluieren.
Die zwei wichtigsten Mechanismen in der Marktwirtschaft sind Angebot und Nachfrage. Ich sehe als Firma eine Nachfrage und sorge für ein Angebot. Nun haben wir hier eine Firma, welche mit PC Spielen bekannt und großgeworden ist und wenn sie nun überlegt, was für ein Produkt sie als nächstes produziert und anbietet, ist doch die erste Aufgabe zu schauen was die Kunden die sie gewonnen haben wollen und die Kunden sprachen nicht über "boah, ich bin so scharf auf ein Handygame, wärs nicht geil wenn sie als Höhepunkt der BlizzCon eine App ankündigen?!". Wir leben nicht mehr in den 80ern, sondern in einer Zeit in der Kommunikation allgegenwärtig ist und man seit nun sicher 20 Jahren die eigene Kundschaft in Foren versammelt hat, wo sie konstant ihre Wünsche äußern.
Das hier ist kein komplexes Wahrscheinlichkeitsspiel, hier dreht sich alles nur um eine einzige Frage, um einen einzigen Punkt. 1. Und das ist Nachfrage. Gab es eine Nachfrage nach einem Handygame? Nein. Gab es eine Nachfrage nach einem neuen Teil? Ja. Gab es eine geringere Nachfrage nach einem Addon? Ja. Gab es eine ebenso geringere Nachfrage nach einem Remaster? Ja. Es war also klar im Vorfeld erkennbar, wie die eigene Kundschaft reagieren würde, nicht klar war es natürlich en detail. 100%ige Zufriedenheit können wir ausschließen, klar. Ein Diablo dass sich stilistisch an den Originalen orientiert? Hätte hohen Zuspruch gefunden. Ein Diablo dass sich am letzten Teil orientiert? Einen geringeren. Beide hätten wiederum mehr Zuspruch gefunden als bloßes Addon oder Remaster aber beides wiederum höheren Zuspruch als ein Handygame, da beim Addon ein Kontrast erwartbar wäre aufgrund eines neuen Gebiets und kaum Stein des Anstoßes und bei einem Remaster nur dann Probleme entstünden würde man sich vom Kernmaterial entfernen.
Und hier kommt dann eben ein Begriff wie Ignoranz. Es ist ignorant, die Nachfrage des eigenen Publikums, dass man den Ruhm und die Größe zu verdanken hat, zu ignorieren um ihnen etwas zu verkaufen, nach dem keine Nachfrage bestand. Hier kommt auch der Begriff Arroganz zum tragen, da man so eingebildet ist zu denken die Konsumentenschaft würde alles feiern was man ihnen vorsetzt, unabhängig davon ob es ein Interesse und eine Nachfrage danach hegt oder nicht. Und hier haben wir dann die Inkompetenz. Denn die Unfähigkeit im Vorfeld zu erkennen, dass von all den Dingen die das Publikum sehen möchte, ein Handygame von einer chinesischen Schweinefarm das ist was man am aller wenigsten will, ist schlichte Inkompetenz.
Deine Analogie hat hierbei nebenbei bemerkt zwei Probleme. Erst mal ist eine Firma kein Mensch. Blizzard ist nicht Blizzard. Blizzard ist Activision Blizzard und ständiger Veränderung unterworfen. Das Unternehmen, dass Warcraft, Diablo, Starcraft und Co. gemacht hat existiert schon lange nicht mehr. Das ist was anderes als irgendeine Person die 99 Sachen richtig und 1 falsch macht. Das zweite Problem ist, dass du vermutlich bei der Frage erwarten würdest, dass ich "nein" sage. ich sage aber "ja", wobei ich es abhängig vom Einzelfall machen würde und nicht generalisieren. Arbeitet diese Person in einem Büro und benennt zig Dateien richtig, schreibt die Dokumente korrekt, vergisst aber den Anhang in irgendeiner E-Mail? Nein, sicher nicht. Ist diese Person 90 und immer korrekt gefahren, nun aber direkt verantwortlich für einen Autounfall mit Todesfall? Ja, absolut. Die Art des Fehlers und der Kontext in dem es zu ihm gekommen ist, ist immer entscheidend. Nicht jede Fehlentscheidung oder Nachlässigkeit ist gleichwertig. Dass Fehler passieren, egal wie oft man etwas macht, ist völlig normal und absolut menschlich, bedeuten aber im Umkehrschluß nicht, dass ein Fehler nicht das Produkt von Ignoranz, Arroganz und Inkompetenz sein kann. Das gilt für Einzelpersonen aber noch viel mehr für Organisationen von der Firma bis zur Behörde, in denen nämlich anders als bei einer Einzelperson noch so Elemente aktiv sein sollten wie Kontrollorgane, Mehraugenprinzip und spezialisierte Abteilungen. Und an dieser Stelle, ich habe keine einzelne Person mit einem dieser Begriffe belegt, sondern die Organisation.
Und um als aller letztes noch auf die eigene Tür zurück zu kommen - ein Beispiel. Es hat seinen Grund warum ich bspw. niemals einen Führerschein machen und ein Auto fahren würde. Ich weiß um meine Unzulänglichkeiten, niedrige Aufmerksamkeitsspanne, leichte Ablenkung und dementsprechend die Gefahren, die das im öffentlichen Straßenverkehr mit sich bringt. Ich arbeite in einem Büro und kenne die üblichen Fehlerquellen, sowohl bei mir als auch anderen und ziehe aus diesem Wissen heraus den Schluß, mit entsprechenden Fehlern auch angemessen umzugehen, Fehler nach ihren Auswirkungen zu beurteilen und ihre Ursachen zu erforschen um sie in Zukunft zu vermeiden oder wenigstens minimieren. Der Umgang ist gemeinhin ungeheuer nachsichtig, weil die Fehler trivialster Natur sind und keine nennenswerten Auswirkungen haben. Die Fehlerquellen liegen ebenso häufig in schlechter Kommunikation (wenn nicht sogar mehr) wie in simpler Schußeligkeit und Ablenkung. Um an dieser Stelle den Bogen zurück zum Ausgangsthema zu spannen, denke ich dass hier und anderswo die Reaktionen deshalb nicht nachsichtig sind, weil sich eben genau in diesen Fragen so eklatante Unterschiede offenbaren.