Kant ist tot! hat geschrieben: ↑19.09.2018 11:29
Ich finde solche Wahlresultate sind eine gute Motivation, am Wahltag nicht zu Hause zu bleiben.
Das kommt darauf an, wo Du wohnst.
Bist Du Anhänger der Republikaner und lebst in Kalifornien, kannst Du bei der Präsidentschaftswahl zu Hause bleiben. Weil Deine Stimme dort überhaupt keine Rolle spielt. Kalifornien ist durch und durch ein Blue State, fest in der Hand der Demokraten, so wie Texas oder Montana fest in der Hand der GOP sind. Auf Grund des dort geltenden Mehrheitswahlrechts ist es nämlich vollkommen wurscht, ob die unterlegene Partei 7, 23 oder 41% der Stimmen bekommt. Sie bekommt keinen einzigen Wahlmann, alle (!) Wahlmännerstimmen gehen an die andere Partei.
Und wenn dann noch mit dem Neuziehen von Wahlbezirksgrenzen, dem sog. Gerry-Mandering, die Wahlbezirke so festgelegt werden, dass Bevölkerungsanteile mit oppositionellen Stimmen möglichst in der Minderheit in diesen Wahlbezirken sind, ist es als Anhänger der jeweiligen Minderheitsspartei in dieser Region vollkommen sinnlos zur Wahl zur gehen. Dass die Wahlbeteiligung in den USA teilweise unterirdisch niedrig ist, hat schon nachvollziehbare Gründe. Wahlmänner + Mehrheitswahlrecht förden die Herausbildung von oligarchen Strukturen, die immer weniger durch den tatsächlichen Wählerwillen legitimiert werden, sondern abgelöst davon ein Eigenleben führen.
Anders ist das in den sog. Swing-States, wo es keine klaren Mehrheiten für eine der beiden Parteien gibt. Da werden dann all die Milliarden Dollar für Wahlwerbung verpulvert, welche von den Kandidaten gesammelt werden. Da kommt es wirklich auf jede Stimme an, denn es reicht tatsächlich schon EINE EINZIGE Stimme, um die Mehrheit zu bekommen und alle Wahlmänner für sich zu holen.