casanoffi hat geschrieben: ↑04.12.2017 19:59
SethSteiner hat geschrieben: ↑04.12.2017 19:34Battlefront sieht schön aus und das wars doch auch, Tiefe und Größe sind ein Witz... Das ist dann der an den angeblichen Massengeschmack angepasste Visceral Titel.
Schade ist - zumindest meiner Meinung nach - dass man damit nicht nur den angeblichen sondern den tatsächlichen Massengeschmack trifft.
Was bedeutet denn in der Regel Massengeschmack?
Der kleinste gemeinsame Nenner. Also so simpel und zugänglich wie möglich.
Das trifft ja nicht nur auf Videospiele zu, sondern auf nahezu jedes Unterhaltungsmedium.
Schauen und hören wir uns doch mal die gequirlte Scheiße an, die sich überall am besten verkauft.
Ausnahmen gibt es immer wieder, keine Frage.
Aber das sind eben die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
Und genau deshalb lachen sich große Unternehmen wegen ein paar Tausend Unterschriften doch einen Ast ab, solange die Millionen anderen damit kein Problem haben.
Was ja auch in Ordnung ist, wenn die damit keine Probleme haben.
Muss mir nicht gefallen, aber ich bin auch nicht der Nabel der Welt mit meinem "elitären Geschmack".
Kann der Mehrheit doch egal sein, wenn ich resigniert abwinke und sage, dass ich es doch gesagt hatte.
Gutes Beispiel ist mein Kumpel. 50 Jahre alt und zockt nahezu alles, was er in die Finger kriegen kann.
Das sind nicht nur Titel für die Masse, nein, auch die skurrilsten Indie-Kunstwerke, die sonst kein Schwein kennt.
Es darf nur nicht zu kompliziert werden (war bei ihm schon immer so, ist keine Alterserscheinung ^^).
Um irgendwelche "Modeerscheinungen" wie MTAs etc. kümmert er sich nicht. Spielt zudem nur SP.
Kauft sich jedes Jahr das neue AC/CoD/Battlefront/field, nur um ein paar Stunden einen Grafikblender zu erleben.
Das genügt ihm nicht immer, aber trotz diverser negativen Urteile wird der kommende Titel garantiert wieder gekauft.
Ich mach jetzt mal den Gandalf und sage: Was soll man gegen solch tollkühne Torheit schon ausrichten?
Der Massengeschmack erscheint doch nur als tatsächlich. Es gibt doch keinen absolut ausgewogenen, fairen Wettbewerb, woran wir sehen könnten was "alle" wollen. Überhaupt, wenn es Massengeschmack gäbe, wieso will dann eine Masse das was für den Massengeschmack ist das nicht, sondern einfach nur sehr viele? Klar, wir erleben auch mal zweistellige Millionenabsätze aber im Bezug auf die tatsächliche Größe des Marktes ist es immer noch Minder- und nicht Mehrheit. Also nein, es ist kein Massengeschmack, es gibt keinen Massengeschmack, das ist nichts weiter als ein Mythos, ein Wunschglaube von Unternehmern und ein hübsches Wort für Aktionäre aber es ist nicht real, sondern allerbestens ein Begriff der für hohen Absatz steht in Bezug auf die Absätze anderer.
Ein hoher Absatz in Bezug auf die Absätze anderer, sagt uns nichts über die tatsächliche Masse, die zutiefst differenziert ist und gespalten ist. Es stellt sich dann die Frage, wie diese Absätze generiert werden. War Battlefront erfolgreich weil es den Geschmack der Masse traf? War also das Spiel so wie es ist nötig? War die Motivation der Konsumenten "Battlefront 2015 ist ein Spiel genau so wie ich es mir Wünsche"? Also ich kann nur für mich sprechen: Nein. Ich habe es gekauft weil es ewig kein Star Wars Spiel mehr gab und weil es gut aussah. Das war die Motivation, das Spiel selbst war durchschnittlich, um nicht zu sagen für ein kompetetiven Shooter sogar scheiße. Der Geschmack, der mich mit anderen zusammenführte, war gar nicht das Spiel, sondern die optische Präsentation des Spiels und das Thema. Aber das funktioniert genau 1 mal. Battlefront 2 nutzt ja nahezu das identische Rezept, nur angereichert um einen Singleplayer. Und der war tatsächlich das einzige was mich interessiert hat und zu einem Kauf bewogen hätte. Nur war er halt auch schieße. Ergebnis: Nichtkauf.
Ein nicht vermeintlicher sondern tatsächlicher (!) Massengeschmack würde aber voraussetzen, dass es ein allgemeingültiges Konzept gibt. Tatsächlich sind es ganz spezielle Reize und Argumente in Abhängigkeit vom Faktor Zeit und Ort, die dadurch mal vorhersehbarer und unvorhersehbarer sind. Battlefront bspw. war absolut vorhersehbar, etliche Jahre kein Star Wars Titel hat ja schon beim Film eine gute Voraussetzung für starken Erfolg geliefert. Man füttere das noch mit dicken Marketing und zack, Millionenabsätze. Dagegen ist ein Minecraft eine totale Überraschung, das nach und nach aus sich selbst heraus so ein großer Erfolg wurde, dass Microsoft bereit war Milliarden (!) dafür zu bezahlen. Man stelle einfach mal die Produkte Minecraft und Battlefront nebeneinander, ein tatsächlicher Massengeschmack? Überhaupt nicht ablesbar, da die Titel keinerlei Gemeinsamkeiten haben.
Es gibt zig verschiedene Typen von Konsumenten, natürlich auch den von dir beschriebenen. Aber Erfolg ist etwas sehr variables, den man durch verschiedene Faktoren zwar forcieren kann wie eben Zeit der Veröffentlichung im Bezug auf die letzte Veröffentlichung, Marke und Werbung aber allenfalls mit Wahrscheinlichkeiten angeben kann. Ein allgemeingültiges Rezept existiert nicht. Und genau das bringt ja auch ein EA gerade so in Bedrängnis. Wenn die Masse es ja so gut finden würde, müsste sich alles wiederholen, es dürfte gar keine lautstarke Kritik existieren, weil die Masse ja viel größer und lauter sein müsste. Ist sie aber nicht, stattdessen haben wir verschiedene Parteien mit unterschiedlichen Motivationen und eine Tendenz in Richtung Ärgernis ("Weg mit dem Dreck!") und Lethargie ("Ach was soll man schon dagegen tun?") und demgegenüber eher eine verschwindende Menge von Opposition innerhalb der Konsumentenschaft ("Ich mag und will das!"). Es wird ja gern gesagt, dass immer die Kritiker lautstark sind und alle anderen finden alles toll aber die Wahrheit ist eher, dass die Verhältnisse absolut uneinheitlich sind. Ein Witcher 3 bspw. hat auch Kritik unterschiedlichster Form aber die mehrheitlichen Reaktionen dürften recht positiv Ausfallen alà "Schönes Spiel, Kampfsystem ist nur echter Müll und Hauptstory ziemlich mikrig aber Quests und Optik geil". Es gibt da durchaus Kontraste, was natürlich nicht heisst dass die Verhältnisse sich exakt so in der Konsumentenschaft wiederspiegeln müssten wie in einem Forum aber in Hinblick darauf wie Statistik funktioniert, denke ich dürfte man zumindest soweit gehen und Tendenzen feststellen können, wenn man das mal ernsthaft untersuchen würde.