Doc Angelo hat geschrieben: ↑13.11.2017 13:07
Was Archivierungswürdig ist oder nicht, muss man im Grunde der jeweils nächsten Generation überlassen. Abdrücke von Händen an Höhlenwänden (damals vielleicht als Schmiererei verschrien) gibts leider nicht mehr all zu viele, aber digitale Datenträger sollten kein Problem darstellen.
Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Digitalisierung ist für jeden Historiker eine Katastrophe und für die Historiker der zukünftigen Generationen erst Recht. Quellen werden ja in der Regel nicht bewusst hinterlassen, sondern unbewusst. Papier geht nicht so leicht flöten, außer vielleicht bei Bränden, aber digitale Dateien? Heilige Scheiße, sind die flüchtig. Da braucht es nur mal eine Änderung der unterstützten Dateiformate geben und die Katastrophe ist da. Sieht man ja, um bei Spielen zu bleiben, bei jedem neuen Betriebssystem von Microsoft. Ich kann z.B. bei Steam auf Windows 7 kein Crysis mehr spielen, obwohl das Spiel 10 Jahre alt ist. Nicht nur Dateiformate sind ein Problem, auch die Hardware. Ein Buch kann man immer lesen, auch nach 500 Jahren, aber versuch heute mal, ein Lochkartenlesegerät zu finden. Es reicht schon der Versuch, ein Word-Dokument von vor 25 Jahren in Word 2013 zu öffnen. Oder versuch mal, ein Diskettenlaufwerk zu finden, das die Formate des C64 lesen kann.
Klar, es gibt heute von fast jedem Spiel ROMs. Aber selbst Speichermedien wie Festplatten sind eine heikle Sachen: Die sind auch irgendwann defekt und ändern ebenfalls mit der Zeit ihre Dateisysteme (FAT32->NTFS; oder man schaue sich das Verhältnis von Windows und ext3 oder was es bei Linux aktuell gibt an).
Um mal einen kleinen Gedankengang zu vollführen: Stell dir vor, du hast einen Haufen Medien, den die du gerne vor dem Vergessen retten möchtest: Spiele, Filme und Musik. Du nimmst eine Metallkiste und packst sie voller Blu-Rays, VHS-Kassetten, DVDs, Festplatten, USB-Sticks usw. usf.
In 150 oder 200 Jahren gräbt es jemand aus und wird absolut nichts mehr damit anfangen können und es als Müll wegschmeißen.
Über Dateien abseits von Unterhaltung, Behördendokumente und -vorgänge, will ich lieber erst gar nicht zu sprechen kommen. Wenn da einer mal zurückblickt auf die frühen 2000er, wird er ein gähnendes Loch finden und eine Überlieferungssituation wie im Mittelalter vorfinden.