Der Chris hat geschrieben: ↑30.10.2017 17:01
Klingt ein bisschen "Scrum-artig" (hab den Artikel jetzt nicht komplett gelesen). Find ich grundsätzlich eine gute Herangehensweise, die aber auch einige Probleme birgt...vor allem für einen Konzern wie EA. Man muss zum einen wissen, dass man die Leute am Start hat um den Entwicklungsprozess so gestalten zu können, dafür ist nicht unbedingt jeder geeignet und in jedem Fall bedeutet das einen großen Kontrollverlust für die oberen Etagen bei EA.
Es ist schön, dass das bei Naughty Dog so funktioniert, [...]
Für die Kontrolle hast Du ja den Product Owner.
Auch bei Scrum hat das Team ja relativ wenig über das WAS zu entscheiden.
Eigentlich nur über das WIE. (Was im Falle von Programmierern sowieso keine
Sau interessiert. Allenfalls beim Game Design wird wohl auch von außen
gerne reingeredet.)
Bei Naughty Dog "funktioniert" es btw. so, dass sich die Mitarbeiter schier
krummbuckeln - Überstunden ohne Ende. ND ist berüchtigt dafür.
Ob das an knapper Planung oder persönlicher Motivation liegt, vermag
ich nicht zu sagen.
[Scrum Rant Start]
Scrum ist für mich btw. eine Schöpfung aus der Hölle. Kommt unter dem
Deckmäntelchen daher, dem Team mehr Freiheiten zu geben, in der
Praxis schiebt man das Risiko von Terminverzögerungen auf die einzelnen
Mitarbeiter. Wenn irgendwas schief läuft, steht der einzelne Mitarbeiter
unter Druck, seinen Sprint trotzdem noch zu erreichen. Und es entsteht
wahnsinnniger Stress, der Leute ausbrennt.
Und grad bei Spieleentwicklung läuft ständig etwas anders als vorhergesehen
- dazu ist die Arbeit meist zu wenig Routine und jeden Tag wollen andere
Probleme gelöst werden.
Obendrein ist Scrum nach meiner Erfahrung absolutes Gift für die Produkt-
qualität. Keiner guckt mehr nach links oder rechts, sondern fokussiert sich
nur noch darauf, seinen Sprint rechtzeitig beendet zu kriegen.
Das und der Stress führen dann noch dazu, dass die Kommunikation den
Bach runter geht. Kommunikation, Feedback würde in der Regel nur noch
mehr Arbeit bedeuten und die Einhaltung des Sprint-Ziels gefährden.
Außerdem kostet Reden Zeit... und die Uhr tickt.
Die Iteration in einem Nachfolgesprint lässt man dann meistens auch weg,
da es nach außen besser aussieht, wenn man an das Feature einen Haken
setzt.
Scrum kommt daher als Methodologie, die Entwicklung mehr zu einem
Team-Effort macht und dem Team mehr Entscheidungsfreiheit gibt,
aber brennt eigentlich nur Leute aus und am Ende redet keiner mehr
mit dem anderen - was man dann durch ein Paintball-Team-Event wieder
reparieren will.
Wo Scrum für Mitarbeiter funktioniert: Bei Auftragsarbeiten und Service-
Departments. Dort hat man dann meist alle Zeit der Welt, die halbe Woche
mit Scrum-Poker o.ä. zu verbringen. Der Kunde zahlt oder ist zu weit weg
um Druck zu machen. Die Sprint-Ziele werden dann entsprechend locker
geplant.
[Scrum Rant Ende]