Chibiterasu hat geschrieben: ↑24.10.2017 11:54
billy coen 80 hat geschrieben: ↑24.10.2017 11:37
Sexuelle Belästigung ist ein viel zu schwammiger Begriff, da ist viel zu viel Unklarheit und Subjektivität drin, als dass es als Straftatbestand ins StGB aufgenommen werden könnte. Vor allem, wenn man sieht, wie wichtig es einschlägigen Lobbyisten ist, dass gefälligst nur die Perspektive des vermeintlichen Opfers Gewicht zu haben hat. So was geht gar nicht.
Gerade der vorliegende Fall zeigt es ja deutlich. Da lag nach dem, was sie beschrieben hat, nichts vor, weswegen man ihn ernsthaft juristisch belangen könnte. Sie fühlte sich in der Situation von seinem alkoholgeschwängerten Prollverhalten belästigt, weil sie gerade keinen Bock auf irgendwas hatte. Hätte sie Bock gehabt, wäre er zum Ziel gekommen und das wär’s gewesen. Sein Verhalten war plump, aber weder ein Grund ihn zu verknacken noch ihn dafür gesellschaftlich hinzurichten.
Bei der #metoo Kampagne geht es aber auch darum, dass Männer ihr Verhalten reflektieren.
Es geht nicht unbedingt darum was zu verwässern, gleichzusetzen etc. (manchen Hardcore-Feministinnen vielleicht schon).
Sondern darum aufzuzeigen wie weitreichend Belästigungen stattfinden.
Ja, Nachpfeifen auf der Straße ist zb ziemlich harmlos und kann juristisch natürlich nicht belangt werden.
Aber warum machen manche Männer das? Weil man "Komplimente" verteilen will?
Doch wohl eher um vor den Männern daneben als der Coole dazustehen und irgendwie das Revier zu markieren.
Es ist eine Art Machtdemonstration.
Und nicht wenige Frauen, die ich kenne wechseln lieber die Straßenseite, wenn sie auf eine Gruppe herumstehender Männer zugehen, weil sie da einfach fast immer mit blöden Blicken oder Sprüchen rechnen müssen.
Seinen Namen zu nennen, war ein Fehler - aber der Vorfall an sich ist auf jeden Fall in dem Kontext erwähnenswert.
Man merkt schon an deiner Formulierung, dass du ihr nicht glaubst bzw. die Geschichte verharmlost.
Du warst aber genau so wenig dabei, wie wir alle.
Nein, ich glaube ihr nicht. Ich bezichtige sie aber auch nicht der Lüge. Mönsch, übt doch mal, nicht immer von einem Extrem ins andere zu fallen! Dann ist man auch deutlich dichter an den Grundgedanken rechtsstaatlicher Gesellschaften dran. Gerade weil keiner weiß, was da geschehen ist, ist es schlicht ebenso fatal ihr zu glauben, wie ihr pauschal eine Lüge zu unterstellen.
Ebenso verharmlose ich hier nix. Ich stelle nur dar, inwieweit sexuelle Belästigung bisweilen subjektiven Wahrnehmungen und nicht selten schlichten Missverständnissen entspringt. Das ist längst nicht immer so klar, wie es der Internetmob in wildem Tugendfuror gerne darzustellen beliebt. Im Zuge meiner Betriebsratstätigkeit hatte ich sogar schon mit so etwas zu tun.
Und überhaupt: Männer sollen ihr Verhalten reflektieren? Wie bitte? Damit hast du zwar tatsächlich gut die Intention des Hashtags skizziert, aber ungewollt auch dessen Dämlichkeit und pauschalen Anklagegestus hervorgehoben.
Erstens ist es schon sehr grenzwertig, bei diesem Thema, wie du es in deinem Post ja auch tust, klar an der Geschlechtergrenze entlang die Opfer- und Täterrolle zu verteilen; Frauen stehen Männern da nämlich in wenig bis gar nichts nach. Zweitens: Wo soll da der tiefere Sinn stecken? Leute, die sich wie Arschlöcher benehmen, tun dies nicht, weil sie Männer sind, sondern weil sie meist eben einfach Arschlöcher sind. Die bewegst du durch einen Hashtag nicht zum Reflektieren. Und ansonsten? Wer soll da wie reflektieren? Sollen die Männer, die keine Arschlöcher sind, betroffen sein wegen des Verhaltens einiger weniger, mit denen sie nicht mehr gemein haben als das Geschlechtsteil? Und das alles wegen Aussagen auf Twitter mit absolut unmöglich zu klärendem Wahrheitsgehalt?
Es ist immer erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit gegen Männer als vermeintliche Gruppe derlei Pauschalisierungen akzeptiert und gar noch bereitwillige Selbstkasteiung betrieben wird, wo man vergleichbares bei nahezu keiner anderen demographischen Gruppe auch nur im Ansatz akzeptieren würde. Wenn es bei dem Hashtag #metoo darum ginge, Erfahrungsberichte mit radikalen Muslimen oder gar Terrorerlebnissen zu sammeln, glaube ich nicht, dass dies so euphorisch von den Medien begleitet werden würde; die dahinter steckende Intention würde in dem Fall sicherlich mal hinterfragt werden. Aber so…