CryTharsis hat geschrieben: ↑23.10.2017 23:19
sabienchen hat geschrieben: ↑23.10.2017 22:58Wieso gilt für dich nicht die Unschuldsvermutung?
Ganz einfach: wenn eine Frau behauptet, sexuell belästigt worden zu sein, dann glaube ich ihr. Wenn es zu einem Verfahren kommt, und sich dieser Vorwurf als unberechtigt herausstellt, sieht es halt anders aus.
Aber das Problem ist, dass es in vielen Fällen nicht zu einem Verfahren kommt, weil Opfer von Missbrauch schweigen, was wiederum verständlich ist.
Das ist tatsächlich eine sehr problematische Haltung. Egal was Sache ist, man sollte nie prinzipiell direkt einer Person / Fraktion glauben. Ernst nehmen ja, glauben nein! Vielleicht ist es dir nicht aufgefallen, aber die von dir aufgestellte Reihenfolge stellt nämlich rechtsstaatliche Grundsätze auf den Kopf. Es geht nicht, dass bewiesen werden muss, dass Aussagen
nicht wahr sind, es muss bewiesen werden,
dass sie den Tatsachen entsprechen. Und auch wenn wir alle (Gott sei Dank) keine Richter sind, so finde ich es durchaus sinnvoll, sich auch als Otto-Normal-Bürger diese Reihenfolge immer zu vergegenwärtigen. Das könnte gerade bei solchen Themen zu etwas mehr Nüchternheit, weniger Lynchmob-Mentalität und weniger sozialen Folgen für fälschlich Beschuldigte führen (ich weiß, ist eher eine Utopie).
Zumal im vorliegenden Fall noch nicht mal ein Prozess kommen dürfte, es sei denn, er bezichtigt sie der üblen Nachrede oder ähnliches. Wie gesagt: in dem Fall fällt es mir wirklich schwer, etwas vom Range eines Straftatbestandes zu finden. Heißt: nach deiner Herangehensweise wird seine Unschuld nie bewiesen werden können (auch wenn das ja, wie eben beschrieben, nicht die Aufgabe eines Prozesses ist). Das nächste Problem: du kommst in deinem Post in innerhalb von zwei Sätzen von Belästigung zu Missbrauch. Das ist leider auch die Verwischung von Dingen, die sich in vollkommen anderen Ligen bewegen, die leider auch gerade derzeit mal wieder den medialen Grundtenor im Zuge von #metoo etc. auszeichnen. Sehr bedenklich. Das Hochstilisieren von blödem bis asozialem Verhalten zu schwersten Straftaten hilft niemandem. Es führt nur dazu, dass in der Wahrnehmung schnell auch die Betitelungen wirklicher Verbrechen verwässert und beliebig gemacht werden.