Jondoan hat geschrieben: ↑28.04.2017 18:12
mr archer hat geschrieben: ↑28.04.2017 17:19
Sorry, die Frau ist Mitarbeiterin des American Enterprise Institut:
https://de.wikipedia.org/wiki/American_ ... _Institute
Wer so jemanden als unbefangen und jenseits politischer Agenden empfindet, der hält auch die Initiative Soziale Marktwirtschaft für eine Lobbyorganisation für Arbeitslose und Geringverdiener. Von mir aus kann man die Frau ja gern Sareesian entgegen halten. Nur treibt man dann halt den Teufel mit dem Belzebub aus.
Mir erscheint diese Verurteilung als etwas voreilig. Ihren eigenen Aussagen nach zu urteilen ist sie alles andere als konservativ. Habe mal ein Interview mit ihr gefunden:
http://www.gameobjective.com/2016/12/06 ... interview/
Da geht sie auch darauf ein, warum sie für einen konservativen Thinktank arbeitet, nämlich weil sie mit ihre Kritik am neuen Feminismus von vielen liberalen Thinktanks abgelehnt wurde. Sie also auf eine Stufe mit Sarkeesian zu stellen, deren fehlerhafte und unwissenschaftliche Arbeit wieder und wieder zu recht kritisiert wurde, finde ich also absolut nicht gerechtfertigt.
Sehr richtig. Dieses ständige Raussuchen von irgendwelchen Dingen, die jemand woanders vermeintlich sagt oder tut, ist klassisches Argumentieren ohne wirkliche Argumente zu haben. Das ist einfach nur die völlig kleingeistige Vorstellung von "wer bei Punkt A Meinung B ist, kann bei Thema X ja nur Meinung Y sein und ist somit bei allen Themen nicht Ernst zu nehmen."
Sharkie hat geschrieben: ↑28.04.2017 17:59
Richtig. Bin ja grundsätzlich der Meinung, dass es ohnehin illusorisch ist, von den Protagonisten einer solchen Diskussion "Neutralität" oder gar "Objektivität" einzufordern. Es ist vollkommen okay, nicht neutral zu sein, solange man entgegengesetzten Positionen fair begegnet und nicht vorgibt etwas zu sein, was man nicht ist. Gerade was letzteres angeht, erscheint mir Hoff Sommers eher suspekt. Ich habe jetzt nicht alle ihre Videos gesehen, aber ihre selbstverfassten Inhaltsbeschreibungen in der von Alanthir verlinkten Playlist zeichnen sich dadurch aus, dass in 95% der Fälle nicht etwa Kultur aus feministischer Perspektive analysiert wird, sondern vor allem feministische Positionen (oder das, was man dafür hält) angegriffen werden. Es geht
gegen Gamergate-Gegner,
gegen Sarkeesian,
gegen eine feministische Konferenz in London,
gegen die feministische Interpretation von Gewaltstatistiken. Argumentation im Sinne der
Befürwortung feministischer Anliegen führt demgegenüber bei Hoff Sommers ein Nischendasein. Gut, sie hängt sich an Emma Watson dran (zur teilweisen Irritation ihrer eigenen Youtube-Kommentatoren), aber die ist ja auch populär.
Zum anderen verzapft sie rhetorisch verzerrende, einen opportunistischen Opfermythos nährende Narrative wie jenes eines vermeintlichen "War on Gamers". Somit kann ich mich nicht wirklich des Eindrucks erwehren, dass Hoff Sommers' Videos weniger dazu dienen feministische Kritik zu üben, als vielmehr feministische Kritik zu kritisieren. Natürlich darf Hoff Sommers sich selbst bezeichnen, wie sie will, aber "Feminismuskritikerin" wäre da meiner Einschätzung nach die treffendere Selbstbeschreibung als "Feministin". Man sieht ja in den entsprechenden Diskussionen auch, dass ihre Selbstbeschreibung als Feministin vor allem den Effekt produziert, dass auch beinhärteste Gamergater darauf verweisen dürfen, dass "eine andere Feministin das aber so sieht wie wir". Da dient Hoff Sommers' Feminismusanspruch dann vor allem der Legitimierung des Angriffs auf Sarkeesian, aber nicht der Forderung nach einer gegenüber Sarkeesians fehlgehendem Ansatz verbesserten Durchführung feministischer Kulturkritik.
Wir fassen also zusammen: DEEEN Feminismus gibt es zwar nicht, aber eine Feministin, die sich in einer mehrteiligen Videoreihe mit dem Titel "The Factual Feminist" mit den meist völlig faktenbefreiten Narrativen (radikal-)feministischer Lobbyisten kritisch auseinandersetzt, DIE ist bestimmt nicht feministisch. Schließlich beschmutzt sie das Nest und hilft doch nur den anderen, die, weil man selbst ja gut ist, nur die Bösen sein können.
Darüber hinaus wäre es angebracht sich mal mit den Gründen auseinanderzusetzen, warum sie die von dir genannten Themen "antifeministisch" kritisiert. Denn die Inhalte etwa "feministischer Inerpretation von Gewaltstatistiken" gehen fast immer nur in die Stoßrichtung, weibliches Opfertum hervorzuheben und Täterschaft unsichtbar zu machen. Ganz besonders und auch am widerlichsten, wie auch gleichzeitig faktenwidrigsten tut man dies im Bereich der häuslichen Gewalt. Da ignoriert man halt schlank die Ergebnisse von inzwischen mehr als 600 internationalen Studien, um weiterhin das Narrativ vom männlichen Täter und weiblichen Opfer hochzuhalten, natürlich nicht zuletzt mit dem Ziel, staatliche Gelder auch weiterhin nahezu uneingeschränkt für weibliche Opfer beanspruchen zu können.
Und warum bitte ist eineKritik einer feministischen Interpretation solcher Studien nicht feministisch? Konnte eine Kritik am Stalinismus nicht auch sozialistisch sein?
Was sie meines Wissens kritisiert ist die Einseitigkeit und Faktenresistenz des heute vorherrschenden Feminismus', der sowohl medial als auch politisch den Ton angibt. Sie kritisiert (um beim Beispiel der Gewaltstatistik zu bleiben), dass eben in diesem Bereich Narrative gepflegt werden, die in anderem Kontext von in der Regel denselben Leuten als zutiefst abscheulich empfunden werden würde. Etwa die Fixierung auf immer nur Frauen z. B. bei derlei Aktionen der UN oder EU. Warum wird immer nur geschlechterspezifisch nach Gewalt gegen Frauen "geforscht", nicht aber eine Gegenstudie mit Gewalt gegen Männer, obwohl diese etwa 2/3 der Opfer von Gewalt im öffentlichen Raum sind? Warum richten sich nahezu alle Hilfsangebote nur an Frauen? Warum ignoriert man z. B. die Hälfte der Opfer häuslicher Gewalt oder macht (wie Erin Pizzey ihrerzeit in GB in den von ihr gegründeten, ersten Frauenhäusern erfahren durfte) sogar (Mit-)Täterinnen zu reinen Opfern?
Man stelle sich mal eine öffentlich herausgegebene "Interpetation" einer Gewaltstudie vor, die sich nur auf die weißen Opfer von Gewalt konzentriert und spinnt daraufhin Slogans wie "Stoppt Gewalt gegen Weiße!!!". Aber gewiss hat das eine mit dem anderen nun mal wirklich so rein gar nichts zu tun...
Christina Hoff-Sommers vertritt in etlichen Punkten klar feministische Positionen. Dass man sie aufgrund ihrer Kritik an den zahlreichen neuzeitlichen Auswüchsen dieser Ideologie versucht, instant dem "bösen" Gegenlager zuzuschustern, sagt eigentlich alles über die Anhänger dieser Ideologie aus.