Also vorangestellt: Als CEO wäre man auch in Deutschland da relativ schnell vogelfrei. Seine Aktion kann man entsprechend als unbedacht ansehen. Aber ist es nicht eigentlich erschreckend, dass Partner deshalb abspringen. Und die tun das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht, weil sie es selbst so doll furchtbar finden, was er da gemacht hat. Sie wissen nur, wie die Reaktionen in sozialen Netzwerken ausfallen werden, wo sich die ganzen berufsempörten Moralapostel berechenbar wegen jeder Fliegenscheiße zusammenrotten. Und die Partner springen ab, weil sie nicht mit in diesen Shitstorm gezogen werden wollen.
Das was er gemacht hat, ist völlig legitim, egal was er ist. Es sollte schlicht keine Rolle spielen. Eine Rolle spielt es nur, weil in der heutigen Zeit Debatten nur noch emotionalisierend und moralisierend geführt werden; sogar Wahlkämpfe!!! Eigentlich sollte hier so langsam wirklich jeder mal ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend kriegen, der sich noch halbwegs gedanklich innerhalb der Grenzen unseres Grundgesetzes bewegt. Und dass einige das scheinbar schon haben, ihnen ihre zeitgeistigen Überzeugungen aber irgendwie sagen, dass man das doch irgendwie richtig finden muss, zeigt sich an der Art, wie hier teils herumlarviert wird.
Das Grundgesetz ist NICHT irgendwie nur eine ganz gute Sache. Das sind verdammt noch einmal Grundrechte. Und das sehr oft davon ab Kündigungen, die formell dagegen verstoßen, doch vor Gericht durchkommen, ist schierer Blödsinn; sorry für die klaren Worte. Das von Chibi genannte Beispiel ist eines der wenigen, wo man als Arbeitgeber wirklich gute Chancen hätte. Diskriminierungen wegen politischer Ansichten werden vom Grundgesetz ausgeschlossen und dasselbe wird im AGG sogar noch einmal auf das Arbeitsleben präzisiert.
Und diese "Argumente" wegen "Neutralität" sind doch wirklich der Gipfel der Heuchelei. Natürlich geht es nicht um Neutralität. Selbstverständlich geht es darum, dass er seinen "Mangel" an Neutralität in die falsche Richtung ausgelebt hat. Hätte er das Geld aufgewendet, um nackte Trumpstatuen mit kleinen Pipimännern in Serienfertigung zu bringen, damit in einer Woche in jeder amerikanischen Stadt mit mehr als 5000 Einwohnern eine davon prominent aufgestellt werden kann, wäre niemand abgesprungen, denn dann hätte man von ausgehen können, dass die Heinis, deren Shitstorms man erwarten musste, ihn dann feiern würden.
Lustig (auf eine traurige Art): der im anderen Artikel verlinkte Bericht von "The Verge", in dem ihm, aufgrund seiner Position bei Facebook, vorgeworfen wird, nicht die redaktionelle Neutralität gewahrt zu haben, ist schon in der Überschrift in schon fast rabulistischer Art tendenziös. Da wird direkt von Trollen geredet, die er unterstützt. Aber ist klar. Leute, die für Trump oder in dem Fall wohl eher gegen Clinton Aktionen starten, müssen Trolle sein. Die aufrechten, mutigen Aktivisten sind selbstredend nur auf der anderen Seite zu finden...
Das Niveau in politischen und gesellschaftlichen Diskursen sinkt immer weiter. Es geht nicht mehr um Themen, sondern nur noch um "Moral". Obwohl jedem klar sein sollte: Moral ist zu weiten Teilen ein Kind des Zeitgeistes. Doch nun wird vermehrt die "Moral" Former des Zeitgeistes, welcher sie wiederum formt und vor allem einengt. Ein beständiger Teufelskreis der Entintellektualisierung.
Trump halte ich für untragbar (wenn auch als Kandidaten amüsant).
Clinton halte ich für unsäglich.
Aber was findet statt? Sie wird hofiert und bei ihm wird jedes seiner zahlreichen Fettnäpfchen ausgekostet. Gerade hier in Deutschland gleicht das ja schon geradezu einer Gesinnungskampagne. Ermittlungen des FBI gegen Clinton??? Bestenfalls Randnotizen. Trumps Tochter verwendet EINEN (!) Satz, den Obamas Frau auch so gesagt hat (dabei handelte es sich um eine Standardphrase, die wohl schon viele Verwandte von Kandidaten gesagt haben werden, weil sie vor allem pathetisch den American Dream widerspiegelt) und sofort wird voller Häme darauf ne Woche lang herumgeritten.
Aber ist ja hier bei uns nicht überraschend, in einem Land, in dem ein Politiker wochenlang die durchs Dorf getriebene Sau sein darf, wegen eines blöden Dirndl-Spruchs, aber eine Bundesministerin völlig kritikfrei in ein laufendes Gerichtsverfahren reinplappern kann, ohne dass irgdeiner mal auf die Idee kommt, dass es doch da mal so etwas gab wie Gewaltenteilung, über die sie sich damit klar hinweggesetzt hat. Es diente nun mal der "guten Sache" oder so.
Das wäre übrigens ein ganz klarer Fall von Verpflichtung zur Neutralität. Aber ist eben nicht so wichtig, wenn es nicht für die falsche Seite ist...
