Meine Güte... erst auf Seite 4, und schon gehen sich die Leute hier an den Kragen und machen sich übereinander lustig. Die einen finden die archaische Sichtweise der vermeintlichen alten und bitteren Säcke zum Kotzen, die anderen finden die progressive Hippie-Gesinnung der vermeintlich blinden politisch Korrekten zum Lachen. Ich finde wem das Thema wichtig ist, der sollte sich doch ein wenig um Konstruktivität bemühen.
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Paradox scheint ein "Founding Ambassador" von der Organisation "Woman in Games" geworden zu sein. Das scheint zu bedeuten das sie Geld in die Organisation pumpen, damit sie ihre Programme besser gestalten können und somit ihr Ziel erreichen können. "Woman in Games" möchte, das die Spielebranche diverser wird. Im speziellen Fall dieser Organisation ist die Geschlechterdiversität gemeint. Sie wollen das Erreichen, in dem sie auf junge Frauen zugehen und ihnen die Branche schmackhaft machen. Sie wollen sie ermutigen die Branche als Karriere-Option wahrzunehmen.
Warum nicht? Davon werden die Spiele ja nicht schlechter. Es wird vermutlich einfach mehr Spiele geben, die etwas anders ausgerichtet sind. Die Sims wurde scheinbar von fast zur Hälfte von Frauen entwickelt. Über etwaige Klischees der Vorzüge was Spiele betrifft kann man sicherlich auch ganz vortrefflich streiten, aber so mal ganz stumpf und knapp formuliert kann man denke ich sagen, das Frauen
eher (aber nicht ausschließlich) Familiensimulatoren (Sims) und Männer eher Rennsimulatoren entwickeln wollen würden. Wenn also mehr Teams aus Frauen bestehen, dann kann die Genre-Palette der Publisher erweitert werden, sogar in Bereiche die vorher aufgrund von Personal-Knappheit vielleicht nur als Mini- oder Mobile-Games möglich waren.
Wie gesagt, warum nicht? Davon werden ja Waffen-Pornos nicht schlechter, und die physikalische Berechnung von Rennsimulatoren wird davon auch nicht beeinträchtigt. Übrigens auch nicht dann, wenn ein paar der Audio-Designer Frauen sind, oder wenn das Menü von Forza von einer Frau programmiert wird.
Ich habe aber dennoch ein kleines Problemchen an der Sache. Zum einen ist das, das von manchen kommuniziert, das Frauen (oder Diversität)
jeden Bereich der Branche "verbessern" würden. Zitat des Sprechers eines deutschen Entwicklers, die zusammen mit Paradox ebenfalls Ambassador wurde und auch auf der gleichen Veranstaltung zugegen war:
Jens Begemann, founder & CEO, Wooga hat geschrieben:I am convinced that only the most diverse team can deliver the best possible product for our global audience. We’re honoured to serve as a corporate ambassador for Women in Games and are looking forward to supporting the many extremely talented women we already have in our industry as well as showcasing the games industry as an excellent career option for girls and young women.
Das kann ich nicht so recht nachvollziehen. Ich verstehe ihn so, das er der Meinung ist, das nur das Team, was eine möglichste große kulturelle, geschlechtliche und sonstwie geartete Diversität aufzeigt, das beste Produkt erzeugen kann. Er scheint damit zu sagen, das weniger Diversität konkret auch weniger Qualität bedeuten würde. Sein Vorhaben in allen Ehren, aber da kann ich wirklich nicht zustimmen. Es ergibt für mich keinen Sinn. Das würde ja bedeuten, das ein reines Frauenteam schlechtere Arbeit leisten würde, als es ein gemischtes Team würde. Ebenso würde das Bedeuten, das ein Team aus afrikanischen Entwicklern ein nicht so gutes Spiel abliefern könnte, wie ein Team aus Afrikanern, Asiaten und Kaukasiern. Das ist für mich der Umkehrschluss der Aussage von Jens Begemann.
Zum Anderen finde ich das offizielle Ziel der Organisation "Women in Games" problematisch. Das Ziel ist:
Women in Games hat geschrieben:(To) achieve the strategic goal of doubling the number of women in games over 10 years
Das ist natürlich nicht das Gleiche wie eine Quote, denn die Branche wächst in allen Ecken und Enden, und nur weil mehr Frauen in der Branche arbeiten, heißt das ja nicht, das weniger Männer in der Branche arbeiten können. Aber dennoch finde ich es komisch, das man sein Ziel unbedingt in einer Zahl formulieren muss. Ist es denn zwingend notwendig für die Branche, das die Zahl der Frauen sich verdoppelt? Wäre es nicht wichtiger, das jede Frau, die sich aus gegebenen Umständen heraus nicht traut in die Branche zu gehen, Hilfe und Zuspruch bekommt? Wäre es fatal, wenn die Anzahl dieser Frauen nicht der Anzahl entspricht, die Woman in Games vorschwebt? Es ist doch egal wie viele es dann tatsächlich sind. Hauptsache sollte doch eigentlich sein, das niemand wegen seines Geschlechts unterdrückt oder zurückgehalten wird.
Die Formulierung "Die Anzahl der Frauen muss sich in 10 Jahren verdoppeln" hört sich für mich gezwungen an. Die Spiele werden nur dann besser, wenn mehr Menschen jedweder Art Spiele machen können, wenn sie wollen. Da gibt es meiner Meinung nach keine richtige oder falsche Anzahl. Nur gute oder schlechte Spiele.