Ich denke ein Grund dafür, dass immer wieder Verweise auf männliche Zahlen kommen, wenn Dinge aus einer weiblichen Perspektive beleuchtet werden, könnte daran liegen, dass es immer mehr Leuten zunehmend auf den Trichter geht, dass es bei zahlreichen Themen verlässlich stets exklusiv die weibliche Perspektive ist, die beleuchtet wird, selbst wenn Männer davon genauso oder gar stärker betroffen sind. Das mag dann in einzelnen Situationen unangebracht wirken, es teilweise vielleicht sogar sein, aber das ist dann eben darunter zu verbuchen, dass sich da langsam eine gewisse Dünnhäutigkeit bildet.
Diese Dünnhäutigkeit erklärt sich teils auch darin, dass es ja nicht bloß um irgendwelche unverfänglichen Forendiskussionen geht, denn in dieser Form wird auch Politik betrieben. Obdachlosigkeit, Selbstmordraten, Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, etc., etc., etc... Alles Dinge die weder von offizieller Seite mal nach Geschlecht durchleuchtet werden noch entsprechend über gezielte Maßnahmen sinniert wird; und das sind eben Themen, die klar mehrheitlich Männerthemen sind. Stattdessen ist es Geschlechterpolitisch halt von höchstem Belang, dass Managerposten wegen imaginierter gläserner Decken mehrheitlich von Männern besetzt sind, ungeachtet dessen, dass dies nichts weiter ist, als lächerliche Klientelpolitik, von der nur ein verschwindend kleiner Anteil von Frauen profitiert, die ohnehin schon in durchaus gut situierten Arbeitsverhältnissen standen oder stehen. Ob das Desinteresse der Politik an speziell männlichen Themen nur Zufall ist??? Schaut man in das Parteiprogramm der SPD oder liest Statements der Grünen dazu, würde ich sagen, sind das tatsächlich systematische Interessens- und Empathieverweigerungen.
Dies alles führt langsam aber sicher zu Frust, der sich dann auch hin und wieder in Situationen seinen Weg bricht, in denen es, wie gesagt, eventuell unangebracht ist.
Diese Entwicklung zu massivem Gynozentrismus ist im übrigen nicht die Schuld des Feminismus'. Der ist da eigentlich von seinen Anfängen an nur drauf geritten. Entgegen retrospektiver Verklärung wurden nämlich die angeprangerten Ungerechtigkeiten Frauen gegenüber nicht von einigen wenigen tapferen Frauen gegen eine patriarchale Phalanx durchgesetzt. Effektiv wurden die aus den Forderungen abgeleiteten Änderungen stets von einer männlichen Mehrheit unterstützt und mitgetragen; alle anderen Darstellungen dieser Umstände sind nichts als infame Geschichtsklitterungen und vor allem vor dem Hintergrund, dass dies ja im Umfeld demokratischer Prozesse stattzufinden hatte, geradezu absurd(wie soll man demokratisch etwas durchsetzen, wenn angeblich eine Mehrheit dagegen ist???).
Dass die Belange und Nöte von Frauen als schwerwiegender empfunden werden, während Männer, die mit vergleichbarem ankommen, eher mit einem "jetzt stell dich mal nicht so an" rechnen müssen, das sind geradezu archaische Verhaltensmuster. Umso amüsanter, dass sich jene, die sich in besonderer Form diesbezüglich hervortun, in ihrem Selbstverständnis für "progressiv" halten.
Eine These dazu, woher das kommt, nimmt an, dass zu Zeiten, in denen der Mensch noch in kleinen, weit voneinander getrennt lebenden Grüppchen seinen Weg machte, für die einzelnen Gruppen der Verlust eines Weibchens eine weitaus höhere existentielle Gefahr barg, als der Verlust eines Männchens. Da dies nicht erst den Menschen betraf, sondern grundsätzlich für alle Tierarten mit zweigeschlechtlicher Fortpflanzung und ausgeprägtem Sozialverhalten gilt, ist der Verdacht naheliegend, dass dieser Instinkt so fest in uns verwurzelt ist, dass er sich bis heute und wahrscheinlich noch weit in die Zukunft erhalten hat und wird. Das mag nun dem einen oder anderen platt erscheinen, vielleicht finden sich auch noch bessere Thesen dazu, aber ich empfinde sie zumindest zunächst einmal als durchaus plausibel.
Und dieser Instinkt führt eben zu so Dingen, dass in Zeitungen gerne mal geschrieben wird, das unter den insgesamt 1078 Toten 12 Kinder und 28 Frauen waren, dass die Verbrechen einer Terrorgruppe erst weltweiten Aufruhr auslösen, als sie beginnen, Schulmädchen zu entführen, nachdem sie aber in den Monaten zuvor schon gezielt mehr als 1000 Schuljungen massakriert haben, dass häusliche Gewalt in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu nur weibliche Opfer und männliche Täter sieht und entsprechend einseitig die Hilfsangebote auslegt, obwohl hunderte wissenschaftliche Studien bereits eine Gleichverteilung der Geschlechter bei diesem Thema festgestellt haben...
Also daher bitte ich um Nachsicht, dass ich hier ein wenig getriggert auf Chibis kurzen Schwenk auf GamerGate und Frauen, die online belästigt werden, reagiert habe und hier doch nun, zugegebenermaßen, ganz schön derailt habe...

Ich wollte hier wirklich niemanden angreifen und hatte auch eigentlich vorgehabt, hier niemanden zu nerven... :wink:
Aber es ist eben auch wirklich schwierig, mal über solche Themen zu diskutieren, ohne die fest eingeübten Opfer- und Täterrollen zu perpetuieren. Versucht man dagegen zu argumentieren, selbst mit Fakten, kriegt man in der Regel nur als Antwort ein freches "mimimi, what about ze menz?!" garniert mit einem "lustigen" Male-Tears-Meme... ja, so läuft Geschlechterdebatte in unseren "aufgeklärten" Zeiten...
