Kaaruzo hat geschrieben:Das Problem ist halt, dass der erste Weltkrieg halt auch (vorsicht, das ist nicht böse gemeint) spannungsmäßig sehr eintönig und langweilig ist.
Der zweite Weltkrieg bietet einfach viel mehr Abwechslung. Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass es viel mehr Bücher, Serien, Filme und Spiele über den zweiten als über den ersten Weltkrieg gibt.
Daran lag es nicht. Nicht wirklich
Der erste Weltkrieg war für die Europäer eine selbstverschuldete Katastrophe, in die man mit schier unglaublicher Naivität reingestolpert ist. Da gab es nichts, worauf man stolz sein konnte. Niemand hat sich so wirklich als "Sieger" gefühlt. Auch in den USA war der erste Weltkrieg nicht wirklich populär. Man hatte zwar nach der Versenkung der Lusitania wüste Rache den hunnischen Horden geschworen, aber so richtig wohl gefühlt hatte sich da auch niemand. Die zurückkehrenden Veteranen wurden kaum als Helden verehrt. Die Eindrücke aus den Massenschlachten in Flandern, die erstmalige Industrialisierung der Kriegsführung, der Totale Krieg, der keinen Unterschied dabei macht, ob Zivilisten, adelige Offiziere oder gemeine Soldaten durch Artilleriegranaten zerfetzt werden, hat die Menschen in eine Art Schockstarre versetzt.
Der Zweite Weltkrieg war hingegen für die Siegermächte ein gerechter Krieg, seine Veteranen Helden und große Sieger. An die Schrecken der modernen Kriegsführung hatte man sich ratzfatz gewöhnt, die A-Bombe schien nur als logische Fortsetzung. Deswegen haben sie die Menschen auch sehr viel leichter mit WK2 beschäftigt als dem WK1. Der Stellungskrieg des WK1 hatte die unfassbare Vernichtungskraft moderner Technik auf einen Punkt konzentriert, während die mobile Kriegsführung des WK2 den Schrecken "besser" verteilt hatte, er nicht so einfach wahrgenommen werden konnte. Deswegen galt der WK1 lange Zeit als Bäää!Ihgitt!, während D-Day und Co. halt schnell zu coolen Filmabenteuern wurden.
Was zu der etwas seltsamen Situation führt, dass "Saving Private Ryan" als unterhaltsamer Popcorn-Film angeschaut werden kann, während "Im Westen nichts neues", ein Film aus dem Jahr 1930, heute noch sehr bedrückend und eindringlich wirkt.