Melcor hat geschrieben:1. Die Forderung "Gebt das Geld zurück". Hier fehlt ein fundementales Verständnis von Kickstarter. Da muss niemand Geld zurückgeben, weil noch keiner tatsächlich gezahlt hat. Soll nur reißerisch klingen. Hier sollte man aufhören zu lesen.
Stellt sich die Frage ob es ein "fundamentales Missverstehen" ist, oder einfach nur plakativ? Man kann das auch bewusst falsch verstehen und dem Autor einfach unterstellen, dass er keine Ahnung hat, weil man das eben so sehen und hinstellen will.
Tatsächlich gab es ja schließlich auch bereits ernsthaft durchgeführte Refunds von Seiten des Kickstarter-Erstellers. Faktisch ist es natürlich so, dass zum aktuellen Zeitpunkt noch gar kein Geld an Ys Net geflossen ist. Dies passiert erst in ca. 20 Tagen. Das einzige was man also machen kann, ist seine Unterstützung zurückzuziehen. Mehr nicht. Und zwar wenn dann alle oder zumindest soviele, dass das Funding-Ziel am Ende nicht erreicht wird. In wie weit das aber nun Shenmue 3 hilft finde ich fragwürdig. Sollte Shenmue nun sein Ziel doch nicht erreichen, glaube ich kaum, dass Sony dann doch eine Vollfinanzierung übernehmen wird. Wie ich bereits sagte, ist es Sonys gutes Recht, eine Investition in eine alte Marke als zu risikoreich zu beurteilen. Als zahlungsfähiger Millardenkonzern, aber mehrere Millionen durch private Fans finanzieren zu lassen ist meiner Meinung nach nach wie vor eine Schweinerei. Vor allem dann auch noch so scheinheillig zu behaupten "man glaube an Shenmue 3". Wenn dem so wäre, dann hätten sie es ja auch vollfinanzieren können. Und wenn sie ernsthaft wissen wollten, wie groß das Interesse an Shenmue ist, hätte man auch schauen können, ob man zunächst eine HD-Auflage für den PSN-Store rausbringen können. Das wäre taktisch ohnehin klüger gewesen. So hätte man auch neuen Spielern die Chance geben können in den Genuß des Spiels zu kommen. Ich hab z.B. keins der beiden Spiele lange spielen können, da ich selbst damals kein Dreamcast-Gerät besessen hab und es daher bei/mit einem Kumpel spielen musste und so nie intensiv spielen konnte. Eine HD-Auflage hätte aber gezeigt, wieviele Leute bereit sind, Geld für die Marke auszugeben. Echte Fans hätten es sich ja sowieso gekauft und mit genug Werbung hätte man so schauen können, wie erfolgreich eine Wiederbelebung der Marke ist. Das wäre auch eine "echte" WinWin-Situation gewesen. Die Backer hätten SOFORT etwas bekommen können, etwas handfestes und Sony hätte seine tolle "Marktforschung" sogar relativ risikofrei betreiben können. Aber haben sie nun nicht, als müssen sie mit der Kritik auch klarkommen die nun auf sie einprasselt.
Halten wir also fest, dass der Autor mind. eine ungünstige weil falsche Formulierung gewählt hat. Als Beweis für fehlendes Verständnis von Kickstarter würde ich diesen Punkt allerdings keinesfalls durchgehen lassen. Maximal als ziemlich plakativ.
Melcor hat geschrieben:2. "Es sei von Anfang an der Plan gewesen, dass Sony die restliche Entwicklung von Shenmue 3 finanziere, wenn die Crowdfunding-Kampagne Erfolg habe." Einfach falsch. Wie nun bereits in dutzenden News-Meldungen zu lesen. Die nächsten Absätze beziehen sich auf diesen Falschaussage.
Ok, das ist tatsächlich falsch. Offiziell bestätigt wurde allerdings nur, das Sony im Bereich Marketing und Produktion unterstützt. Zusätzlich heißt es aber, dass man in das Projekt "investieren" würde.
Ob und in wie weit das bedeutet, dass finanzielle Zuschüsse zum Entwicklerbuget beigesteuert werden, nachdem die KS-Kampagne vorbei ist, wurde hingegen nicht klar kommuniziert. Falls doch, würde ich mich über eine Quelle freuen. Bissher ist es so, dass alles sehr schwammig und undeutlich formuliert ist, sodass es tatsächlich sein kann, dass Sony Marketing und Produktion zu 100% übernimmt, wärend sie in der konkreten Entwicklung "nur" monetäre Unterstützung liefern. Wie gesagt man kann es so oder so interpretieren. Aber ich lass mich natürlich gerne korrigieren, wenn du entsprechend Quellen hast, die beweisen, dass Sony AUF GAR KEINEN FALL auch nur ein Cent zum Entwicklerbuget zusteuern. Das zweifle ich nämlich SEHR STARK an. Was wäre denn(und das wird mit 99%iger Wahrscheinlichkeit passieren), wenn am Ende das Geld nicht reicht? Wenn Ys net noch 3 weitere Monate braucht um das Spiel rauszubringen? Sony hätte dann die Wahl entweder mangelhafte Qualität auf den Markt zu bringen oder noch weiter Geld zuzuschießen. Wenn man sich mal überlegt, wie sie das bei The Last Guardian gehandhabt haben, erscheint es mir recht unwahrscheinlich, dass man sich komplett aus dem Entwicklerbuget raushalten wird. Aber wie gesagt, wenn du das das Gegenteil beweisen kannst: Her damit. Würde uns einiges an Klarheit verschaffen
Abgesehen davon möchte ich dich nochmal auf ein evtl. Missverständnis aufmerksam machen. Der Begriff "Entwicklung" umfasst für viele Leute, die gesamte Entwicklung des Videospiels, sodass ALLE Teilaspekte inbegriffen sind. Ich versteh unter dem Wort "Entwicklung" auch nicht nur die reine Umsetzung des Spiels, sondern den gesamten Prozess von Konzept über Umsetzung, zu Marketing-Plänen und am Ende dann Vertrieb und Auslieferung. Daher kann es hier zum Missverständnis gekommen sein, sodass Sony tatsächlich Marketing, Produktion, Entwicklung, etc. als isolierte Teilaspekte ansieht.
Dieses Missverständnis hätte man aber durch mehr Transparenz und einem offenen, ehrlichen Plan kommunzieren können und eben nicht so hintenrum. Dann wären viele Missverständnisse vielleicht gar nicht erst aufgetreten.
Melcor hat geschrieben:3. "Und wer schon 50 Kröten in Shenmue 3 gesteckt hat, überlegt sich zweimal, ob er auch noch 5 Dollar in ein unbekanntes Liebhaberprojekt investiert." Falsch. Durch solche Projekte werden mehr Accounts erstellt. Die Hemmschwelle Projekte zu finanzieren sinkt und kleine Projekte profitieren dadurch.
Das ist eine Behauptung deinerseits. Beide Sichtweisen sind letzendlich aber nur Spekulationen auf Basis von Beobachtungen. Ich z.B. stimme dem Autor zu und teile seine Beobachtung. Große Studios machen es aus meiner Sicht sehr schwe für kleine Indies. Das ist ja bereits der Fall. Brian Fargo, Tim Cain, Collin McComb, Monty Cook, Lori&Cori Cole, Chris Roberts,Tim Schaefer und Peter Molyneux sind schließlich keine Unbekannten, sondern Prominente im Videospielbereich. Sie haben es viel einfacher Aufmerksamkeit zu bekommen. Nicht umsonst zählen die KS-Kampagnen von inXile, Obsidian und Co. zu den erfolgreichsten Kampagnen. Ein unbekannter Indie kann nur hoffen genug Marketing zu machen oder Glück zu haben. Selbst wenn er nur 10.000 Euro braucht. Selbst dann hat er es verdammt schwer, wenn er eben kein Prominenter in der Branche ist. Große Publisher haben hingegen nochmal ganz andere Möglichkeiten(Pressekonferenz bei der E3, hallo? Gibts noch bessere Werbung für eine KS-Kampagne?) und auch Wissen und Erfahrungen. Natürlich kann man Publishern schlecht verbieten auch KS-Kampagnen anzuregen und durchzuführen. Aber dann kann es natürlich passieren, dass KS bald keine Alternative mehr zum klassischen Publisher ist, sondern dass es von den Majors assimiliert wird und das wäre ein Verlust für die Branche, aus meiner Sicht.
Somit ist dieser Punkt sehr strittig. Ich vermute mal, du hast außer deinen Spekulationen auch nicht mehr Beweise als der Johannes Rohe?
Melcor hat geschrieben:Das ist schon der ganze Inhalt dieser Kolumne. Daneben gibts noch geistigen Dünnschiss wie "Übrigens auch, weil Sony den Dreamcast-Hersteller Sega mit aggressivem Marketing aus dem Markt gedrängt hat." - Ja, Sony ist Schuld daran, dass Shenmue keinen 3. Teil bekommen hat. Der Idiot weiß wahrscheinlich nicht einmal, dass Shenmue 2 auch auf der Xbox erschienen ist.
Eine weitere Mutmaßungen deinerseits. Inklusive Beleidigungen. Wenn man das Niveau anderer Leute ankreidet, sollte man vielleicht selbst auch ein gewisses Niveau an den Tag legen? Das kommt immer besser, wie ich finde. Der Autor räumt ja ein, dass er von Shenmue keine Ahnung hat. Ob die Aussage, dass Sonys agressives Konkurenzverhalten Sega aus dem Geschäft gedrängt hat,stimmt kann ich weder bestätigen noch ausschließen. Schließlich waren Sega und Sony Konkurenten und die Playstation war damals deutlich erfolgreicher als die Dreamcast. Vor allem konnte sich Sony richtig gute Marken sichern, hatte ein extrem gutes Lineup und war im Westen sehr schnell in einer sehr guten Marktposition. Und wie sah es mit der Dreamcast aus? Die Dreamcast hatte kaum Spiele, die im Westen wirklich erfolgreich waren bzw. überhaupt rauskamen. Es gab wohl gerade mal 216 PAL-Spiele für die Dreamcast. In Japan erschienen hingegen mehr doppelt soviele Spiele für die Dreamcast. Shenmue ist schon einer der wenigen wirklich herrausragenden Titel für die DC. Schau dir mal
diese Liste an und sag mir welche Spiele da mit PS-Titeln wie "Spyro", "Crash Bandicoot" "Medievil" "Legacy of Kain" "Soul Reaver", "Final Fantasy" und vielen weiteren Top-Titeln mithalten konnten?
Sprich Sony hat durch das extrem gute Lineup und die Marktbeherrschung im Westen einiges dafür getan, dass die DC total untergegangen ist. In wie weit es also kompletter inkompetenter Schwachsinn sein soll, dass u.A. Sony Sega aus dem Geschäft gedrängt hat, erschließt sich mir nicht. Analysiert man diese Zeit kritisch, dann erscheint diese Annahme zumindest plausibel. Heißt natürlich nicht, dass es deswegen richtig ist. Solange es aber keinen anderen leicht nachprüfbaren, offensichtlichen Grund gegeben hat, kann man seine These auch nicht als besser oder schlechter ansehen als andere Thesen.
Fassen wir also mal zusammen:
Ca. 60% All deiner Kritikpunkte sind entweder unbewiesene Tatsachen,Mutmaßungen, Unterstellungen oder Beleidigungen. Nur in einigen Punkten stimme ich dir zu, dass der Autor wirklich mehr Polemik betreibt als Fakten zu analysieren oder grobe Fehlinformationen als wahr präsentiert. Selbstverständlich war die Kolumne auch sehr darauf bedacht zu polarisieren. Dennoch sind im Kerne einige Dinge nicht derartig faktisch falsch, wie du es hier darstellst. Insgesamt also keine schöne Billanz wie ich finde. Was meinst du?
MfG Ska