Hatred: Die ersten zehn Minuten

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The_Spectre
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von The_Spectre »

Armin hat geschrieben:Weil es nur ein Spiel ist? Weil es deswegen lustig ist? Bist Du echt jemand, der in GTA und Postal sowas nie probiert? Ich frag mich manchmal, ob das hier noch ein Spieleforum ist, und nicht das CSU Parteiforum....
Ich habe ehrlich gesagt im Zusammenhang mit Hatred lange über Postal nachgedacht. Also warum mir ein politisch inkorrektes Spiel Spaß macht und mir das andere sauer aufstößt. Ich glaube der Hauptunterschied zwischen beiden ist dass der Tabubruch in Postal so extrem überzeichnet und forciert ist und die Welt selbst so absurd und comichaft überzeichnet, dass man sich keine Sekunde Gedanken darüber macht, dass man da gerade Menschen tötet, wenn auch nur virtuell.

Auf der anderen Seite wird in Hatred alleine durch die Optik schon eine ganz andere, wesentlich düsterere Stimmung heraufbeschworen. Und im Gegensatz zu Postal sind die meisten der Getöteten einfach nur Zivilisten (also keine militanten Mütter oder Dschihadisten, die dem Dude ans Fell wollen), die im Falle der häufigen Exekutionen auch noch vergeblich um ihr Leben betteln.

Ich glaube der letzte Punkt ist relativ entscheidend. In Postal sind die "Gegner" selbst so agehoben, dass man sich in keiner Sekunde mit ihnen identifiziert, wohingegen die "Opfer" in Hatred ganz normale Menschen sind, die ihrem Tagwerk nachgehen, was wiederum etwas ist mit dem zumindest ich mich sehr wohl identifizieren kann.
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mr archer
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von mr archer »

G34RWH33L hat geschrieben:
Grundlegend bediene ich mich doch einer, wie soll ich es nennen, "krassen" Sache (Also mit Waffen irgendwas verletzten oder töten) (Jetzt geht es auch wieder um virtuelle Gewalt) um damit spaß zu haben. In wie weit macht mich das anders (besser/schlechter) als jemand der "Vergewaltigungsspiele" spielt? Hier hätte ich gerne eine fundierte einordnung. Vielleicht kann ich dann die "Abscheu" oder "Angst" vor Hatred auch besser verstehen. In meinen Augen ist es einfach nur eine odere mehrere "Waffe(n)" (Tötungs- oder Gewaltwerkzeuge) benutzen.
Da sind wir dann wieder bei meinem wenn ich mich richtig erinnere zweiten Post hier im Thread, der die längere und teils unwillige Diskussion um "Kontext" nach sich gezogen hat.

Ich kann es nur noch einmal sagen: Es geht im Actionspiel um einen Wettbewerb mit der KI. Dieser wird seinem Gameplay nach über Orientierungssinn in der Levelarchitektur (früher mal ...), Hand-Augen-Koordination, Reflexe und Ressourcenmanagement (früher mal mehr ...) ausgetragen. Das Spielziel ist dabei der Levelausgang mit möglichst hohem Gesundheits-, Munitions- und Schildwert (früher mal mehr ...). Das macht inzwischen schon reichlich zwei Generationen von Spielern viel Spaß.

Weil aber der immer wieder ähnlich ablaufende "Kampf" mit den KI-Routinen nach einiger Zeit seinen Reiz verliert, bekommt das Actionspiel auf der zweiten Ebene einen erzählerischen Überbau. Also einen - ta ta - Kontext. Dieser läuft seit es das Actionspiel gibt nach dem Muster: Einzelner/Einzelne erwehrt sich einer drückenden Übermacht und geht am Ende wider allen Erwartens als Sieger/Siegerin von der Bühne. Applaus. Vorhang. Diese Geschichte ist so alt wie die Menschheit und sie wurde in jeder nur erdenklichen Kunstgattung unzählige Male erzählt und wird das auch in Zukunft. Weil wir sie mögen. Zusätzlich ist es erzählerischer Usus, in diesem Szenario schwarz-weiß zu zeichnen - also strahlender Held/Heldin gegen die Schergen der Finsternis. Es gab und gibt immer mal wieder Versuche, dies umzukehren. In der Regel funktioniert das aber nur über den Kniff der Ironie, Satire oder des Schwarzen Humors. Dann gibt es noch den Anti-Helden - der ist aber dadurch gekennzeichnet, dass er eigentliche ein Lieber ist - nur die Zeiten sind halt nicht so. Geschichten, in denen wir als aus tiefstem Herzen böser Mensch Böses tun, sind absolut marginal und ziehen in aller Regel die Ächtung der Autoren nach sich. Selbst Tie Fighter, wo ich auf der "bösen Seite" des Star Wars - Universums spiele, lässt mich innerhalb dieser Konfiguration quasi einen Guten spielen, der ein militärische Verschwörung gegen die eigenen Leute aufdeckt. Gewalt ist ein gesellschaftlich und moralisch normalerweise streng beäugter Aspekt der menschlichen Natur. Sie muss sich rechtfertigen. Im Lauf der Zivilisationsgeschichte haben sich nun Kontexte herauskristallisiert, in denen wir sie tolerieren, akzeptieren oder vielleicht sogar strikt bejahen. Diese Kontexte werden durch moralphilosophische Diskurse kontrolliert und gesellschaftlich stetig auf ihre Gültigkeit hin überprüft.

Grafische Gewalt nun, auf die hier einige immer wieder ihr Augenmerk richten, ist in dieser Sicht der Dinge nicht das zentrale Moment. Sie ist womöglich für einige ein zusätzlicher Spielanreiz, sie kann zur Atmosphäre und zur Geschichte beitragen und den Verkauf ankurbeln - aber außerhalb von Hoch-Pubertären und Leuten mit einem sadistischen Krankheitsbild (und da spreche ich tatsächlich von Therapiebedürftigkeit) trägt sie nicht als alleiniger, selbstzweckhafter, jeglichen Kontextes beraubter Erzählinhalt über eine Spielzeit von mehr als zehn Stunden. Das heißt, sie ist als Element des Spiels Teil dessen erzählerischen (und in aller Regel nicht des spielerischen!) Überbaus. Hier wird sie begründet, legitimiert und erzählerisch für mich eingeordnet.

So. Und nun kann ich mir das Angebot aussuchen, in was für einen Avatar ich mich gern hinein versetzen würde. Will ich einen Vergewaltiger spielen? Einen Soziopaten und Massenmörder? Ein willenloses Rad in einem militärischen Apparat? Oder einen Space-Marine, der die Menschheit vor den geöffneten Toren der Hölle bewahrt?

Ich kann die Liste weiter fortsetzen. Und ich nehme mir die Freiheit heraus, als erwachsener Mensch in dieser Liste Szenarien auszumachen, deren Abfeierei um des reinen Gores und Schauwertes Willen ich moralisch ablehne und deren erwachsene Abfeierer ich als Arschlöcher zu bezeichnen beliebe.
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WH173W0LF
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von WH173W0LF »

@Mr Archer: Danke. Jetzt kann ich die intension besser verstehen. Mir war oder ist gar nicht bewußt dass die erzählerische Ebene, also weißer Ritter rettet das Königreich oder so, derart wichtig ist. Bei genauem überlegen stelle Ich nun tatsächlich fest dass ich mir gedanklich unbewußt auch ein geschichtliches Konstrukt als "Rechtfertigung" für den Protagonisten zurechtgelegt habe. Gleichzeitig kann ich aber so, ich sage mal "maschinell" denken, dass ich das Gameplay von allen Werten befreien und auf die nackte Mechanik reduzieren und konsumieren kann. Also das was du denn Wettbewerb mit der KI nennst. Da dieser augenscheinlich nicht sonderlich anspruchsvoll ausfällt fehlt auch das verlangen ein Hatred im Gegenzug zu einem Contra zu konsumieren. Okay, das kann ich nun verstehen. Deine Aussage "von Arschlöchern für Arschlöchern" verzerrt dies aber negativ und verhindert dass man sich damit befasst. Ich stelle nun auch fest das meine Nazi uns IS vergleiche meine Intension genauso verzerrt haben. Man lernt nie aus, nicht wahr?

@all: Noch mehr? Ich möchte gerne noch mehr lesen.
Armin
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von Armin »

Sindri hat geschrieben: Weil man irgendwann aus dem Alter raus ist? Mit 14 fand ich das noch ganz lustig aber mit 35 verlange und erwarte ich mehr von einem Spiel als nur Gewalt.
Und ja bei GTA macht man das auch. Einfach rum fahren und scheisse bauen. Aber nach 15 minuten macht das auch kein Spass mehr. Ich fahre bei GTA lieber rum und hoffe ein seltenes Auto zu finden um es tunen zu können. Das ist für mich persönlich der grösste Spass im Spiel. Der Rest ist leider Öde.
Das ist kein CSU-Parteiforum sondern ein Spieleforum in der Spieler jeden Alters miteinander diskutieren.
Geht mir ja auch so, aber dann verstehe ich nicht wieso sich Leute ueber das Spiel aufregen? Ich persoenlich haette ohne deren Aufregung nur gesagt: "Naja das 5000ste Actiongame,was mich nicht interessiert". Aber wenn es Leute so auf die Palme bringt, ist es wohl sehenswert, und 15 minuten reichen bestimmt schon.
Und deren Aufregung erinnert nunmal an CSU Funktionaere, die ueber Killerspiele reden.
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Skabus
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von Skabus »

Nochmal zur USK: Das sich dort mittlerweile etwas verändert hat, wusste ich nicht. Danke für den Hinweis an die jeweiligen Poster! :)

Ich finde aber, dass es an meiner Kernaussage nichts ändert. Explizite Gewaltdarstellung wird nicht weniger explizit durch den Kontext. Zumindest habe ich bissher immernoch kein auch nur annährend stichhaltiges Gegenargument gelesen.

Abgetrennte Köpfe, herausfallende Gedärme, Innenansichten von zerplatzenden Organen, Zombies die auf das übelste zerstückelt oder verwest sind, sind für sich gesehen ein für Kinder und Jugendliche verstörender Faktor. Der Kontext kann hier aus meiner Sicht keine Minderung erzeugen. Wenn genannte explizite Gewaltdarstellungen in einem Spiel vorkommen oder nicht, dann stehen sie trotzdem für sich selbst.

Ich wiederhole nochmal: Der Kontext kann für die Bewertung des Szenarios von Bedeutung sein. So kann man einen sinnlosen, rein aus niederen Motiven ausgeführten Amoklauf verurteilen und die parodisch verzerrte Welt der Kriminellen in GTA wiederrum als weniger schlimm empfinden. Das ist völlig nqachvollziehbar.

Man kann sich aber nicht Hatred anschauen und der Ansicht sein, dass die kaum expliziten Gewaltdarstellungen in Hatred durch den Kontext schlimmer sind. Dort werden keine Gedärme gezeigt, keine abgerissenen Körperteile, keine heulend und bettelnden Menschen gefoltert. Zumindest nicht in dem Abschnitt den die 10 Minuten Spielzeit zeigen. Alles was man sieht ist eine mittelmäßig Ballerorgie mit mittelmäßigem Blut und ein paar schlecht inszenierte Exekutionen, die aber gemessen am Gewaltgrad nicht an GTA heranreichen.

Das Spiel allein wegen der Amok-Thematik als schlimmer einzustufen, folgt also keinerlei logischer Argumente und scheint einzig und alleine nur durch den Empörungsreflex bedingt zu sein.

Wahrscheinlich würde man das Spiel, selbst wenn es exakt genauso aussehen würde, mal eben als noch schlimmer einstufen, wenn der Typ ein Rechtsradikaler wäre und die Opfer nur Schwarze oder Juden. Nagut, in dem Fall würde ich den Empörungsreflex dann zumindest verstehen können. Es würde aber dennoch nix daran ändern, dass selbst wenn es thematisch auf dem Niveau eines Ethnic Cleansing wäre(das auch einfach nur ein absolut mies programmierter Softwaremüll is), dennoch den Gewaltgrad eines GTA oder eines Mortal Kombat nicht überschreiten würde. Die Thematik und der Kontext ist natürlich wichtig für die Bewertung. Ich würde ja auch kein Ehnic Cleansing spielen, eben weil mich die Thematik abstößt. Ich würde aber nicht behaupten, dass die absolut schlecht dargestellte Gewalt in Ethnic Cleansing durch die Thematik "schlimmer" wird. Da auch hier gilt, dass die Gewalt in GTA deutlich expliziter und eingängiger dargestellt ist, als in dem benannten Rassisten-"Spiel".

Ich hoffe einfach mal, dass das wenigtens ein bisschen klar macht, warum ich hier diese Kontext-Fixierung nicht nachvollziehen kann. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt :D

MfG
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mr archer
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von mr archer »

Ich fasse mal für mich kurz zusammen, was ich deinem Text entnommen habe:

Du siehst Gewalt im Grunde rein technizistisch, und zwar in erster Linie über Gore und dessen grafische "Auspinselung".

Ich halte das für extrem verkürzt.

"The Path" ist ein Spiel über Gewalt, das völlig ohne deren Visualisierung auskommt. Verfolgt einen trotzdem.
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Skabus
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von Skabus »

mr archer hat geschrieben:Zusätzlich ist es erzählerischer Usus, in diesem Szenario schwarz-weiß zu zeichnen - also strahlender Held/Heldin gegen die Schergen der Finsternis. Es gab und gibt immer mal wieder Versuche, dies umzukehren. In der Regel funktioniert das aber nur über den Kniff der Ironie, Satire oder des Schwarzen Humors.
Das ist mal wieder völlig falsch. Richtig formuliert wäre: "In der Regel erwartet die Masse der Spieler, aufgrund ihrer Erziehung und ihrer Erwartungshaltung ein Happy-End bzw. einen guten Ausgang. Die Nutzung von Ironie, Satire oder schwarzem Humor ist notwendig, da die meisten Menschen sich ansonsten moralisch über ihre Rolle als ernstgemeinter Bösewicht empören würden, bzw. sich selbst moralisch als Versager empfinden würden und darum davon, verständlicherweise, Abstand nehmen solche Spiele zu spielen."

Und genau das zeigt ja Hatred. Das Spiel zeichnet gewollt oder ungewollt einen eben nicht satirisch verzerrten oder humoristisch relativierten Bösewicht. Und genau darum entsteht ja auch dieser Empörungsreflex.(Was ich auch bis zu einem Gewissen Grad verstehe, wie bereits gesagt)

Das Ganze ist aber irgendwo ein selbstauferlegtes Tabu und schränkt auch die künstlerische Freiheit ein. Ich sehe keinen Grund, warum man nicht auch einen schonungslos, ernsthaften Bösewicht spielen sollte? Der Grund warum das nicht gemacht wird ist ja nicht, weil es so eine Art heiliges Gesetz ist, dass ein Spiel immer eine plakative Gut/Böse-Story zeichnen muss, sondern der Grund ist, weil der Geschmack der Masse nunmal in diese Richtung geht.

Und das ist eben der Kern des Problems. Menschen, deren Ansicht mit der Masse konform geht, verwechseln immer ihre Massenmeinung mit der objektiven Wahrheit, weil sie glauben, die Tatsache, dass viele Menschen ihnen zustimmen, ihre Meinun automatisch "richtiger" macht, als die Meinung der Minderheit.

Das diese Ansicht aber wiederrum objektiv nachweisbar falsch ist, sollte jedem hoffentlich klar sein? Man denke bitte daran, dass früher die Masse der Menschen der Ansicht war, dass "Neger" angeblich unterentwickelte Menschen sind. Oder das Homosexualität Gotteslästerung ist oder Homosexualität eine Form von psychischer Krankheit ist. Oder nicht zu vergessen, dass man früher geglaubt hat, die Erde ist eine Scheibe.

Fakt ist: Nur weil die Masse der Menschen etwas glaubt, ist es noch lange nicht richtig. Auch wenn das Mainstream-Konformisten immer so gerne glauben wollen. Im Schutze der Masse der Menschen seine kruden Thesen zu vertreten ist ja auch so schön bequem. ;)

Und wenn ihr dem Freidenker Skabus in dem Punkt kein Gehör schenken wollt, dann vielleicht dem Freidenker Schiller, der sagte:
Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.
Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
[...]
Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

-Friedrich Schiller
mr archer hat geschrieben:So. Und nun kann ich mir das Angebot aussuchen, in was für einen Avatar ich mich gern hinein versetzen würde. Will ich einen Vergewaltiger spielen? Einen Soziopaten und Massenmörder? Ein willenloses Rad in einem militärischen Apparat? Oder einen Space-Marine, der die Menschheit vor den geöffneten Toren der Hölle bewahrt?
Punkt 1.) Falls du es immernoch nicht kapiert hast: Man spielt in GTA einen oder mehrere Soziopaten und Massenmörder. Warum geht das in deinen Kopf nicht rein? Das kann 100 Mal satirisch sein. Das ändert nichts daran, dass man oft grundlos haufenweise Menschen über den Haufen schießt, aus absolut niederen Motiven wie Geldgier oder einfach nur aus purem Wahnsinn.

Punkt 2.) Angenommen ich würde einen Vergewaltiger spielen oder einen Massenmörder, sagt das immernoch nicht viel über meinen Geisteszustand aus, oder macht mich zum Freiwild deiner Beleidigungen. Eine Fantasie zu haben und eine bestimmte unmoralische Handlung richtig zu finden sind zwei Paar Schuhe. Auch hier verstehe ich nicht, warum du das nicht akzeptieren kannst.
mr archer hat geschrieben:Ich kann die Liste weiter fortsetzen. Und ich nehme mir die Freiheit heraus, als erwachsener Mensch in dieser Liste Szenarien auszumachen, deren Abfeierei um des reinen Gores und Schauwertes Willen ich moralisch ablehne und deren erwachsene Abfeierer ich als Arschlöcher zu bezeichnen beliebe.
Naja dann sei froh, dass wir in einer Gesellschaft leben, indem das Herabwürdigen anderer Menschen kein Verbrechen darstellt. Hätte ich was zu sagen, würde ich generell Leute einsperren lassen, die für sich das Recht rausnehmen, andere Menschen in einer absolut unverhältnismäßigen Weise herabzuwürdigen.

Aber halt dich ruhig für moralisch erhaben, wenn du dich dann dabei besser fühlst. ;)

MfG Ska
Zuletzt geändert von Skabus am 02.06.2015 15:54, insgesamt 1-mal geändert.
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mr archer
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von mr archer »

Skabus hat geschrieben:
Und wenn ihr dem Freidenker Skabus in dem Punkt kein Gehör schenken wollt, dann vielleicht dem Freidenker Schiller, der sagte:
Schiller, ja? Na, dann hilf mir doch mal auf die Sprünge und nenne mir ein Bühnenwerk Schillers, in dem am Ende der Sieg des Bösen steht - erzählt und bejaht aus der Perspektive eines bösen Charakters, der dem Publikum als Hauptfigur präsentiert wird, mit der man sich identifizieren soll.

Du wirst in der deutschen Bühnenliteratur nur wenige Autoren finden, die größere Moralisten waren als Schiller. Ne, da wirst du schon bei de Sade weiter suchen müssen. So als Freigeist.
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Skabus
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von Skabus »

mr archer hat geschrieben:Schiller, ja? Na, dann hilf mir doch mal auf die Sprünge und nenne mir ein Bühnenwerk Schillers, in dem am Ende der Sieg des Bösen steht - erzählt und bejaht aus der Perspektive eines bösen Charakters, der dem Publikum als Hauptfigur präsentiert wird, mit der man sich identifizieren soll.

Du wirst in der deutschen Bühnenliteratur nur wenige Autoren finden, die größere Moralisten waren als Schiller. Ne, da wirst du schon bei de Sade weiter suchen müssen. So als Freigeist.
Seufz. Wieder nicht verstanden. Du machst es mir nicht einfach. :steinigen:

Ich sagte nicht:

"Schaut, Schiller ist ein Beispiel für einen Schriftsteller, der seine Charaktere böse darstellt."

Ich sagte:

"Schaut, Schiller kam vor 200 Jahren auf die selbe Schlussfolgerung, dass die Fixierung auf die Meinung der Masse unsinnig ist, da die Kunst der Vernunft meistens nur sehr wenige Menschen beherrschen und auf diese Leute sollte man mehr hören, als auf die pure Masse."

btw.: Findest du dann z.B. Game of Thrones schlecht? Dort werden sehr viele Charaktere behandelt, die ich eindeutig als absolut unmoralische Verbrecher ansehe und die dennoch oft genug den Status eines Hauptcharakters einnehmen(z.B. Cersei).

Oder stört es dich nur dann, wenn der entsprechende Charakter "grundlos böse" ist? Weil das trifft ja nur auf relativ wenige Geschichten zu. Nahezu jeder Bösewicht hat auf seine eigene, verquere Weise einen Grund, warum er eben nicht gesellschaftskonform handelt. Da ist es relativ selten so platt wie bei Hatred...

MfG Ska
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mr archer
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von mr archer »

Skabus hat geschrieben:
Oder stört es dich nur dann, wenn der entsprechende Charakter "grundlos böse" ist? Weil das trifft ja nur auf relativ wenige Geschichten zu. Nahezu jeder Bösewicht hat auf seine eigene, verquere Weise einen Grund, warum er eben nicht gesellschaftskonform handelt. Da ist es relativ selten so platt wie bei Hatred...
Du bist da wie es scheint einer Sache auf der Spur.
johndoe1730081
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von johndoe1730081 »

Spoiler
Show
FuerstderSchatten hat geschrieben:
Antiidiotika hat geschrieben:
FuerstderSchatten hat geschrieben:
? Ich habe Infinite nicht mit Bioshock 1 verglichen und ich hätte auch Bud Spencer und Terence Hill Filme mit Kill Bill vergleichen können, weil es mir um den Kampf gegen die Schergen bis zum Endboss ging.
Lern erst mal lesen und Textverständnis...
Ich habe geschrieben, das Bioshock Infinite den Fehler macht, seine Kämpfe zu oft und zu viel zu setzen, während der erste das wesentlich seltener und besser macht. Das ist ein Rückschritt in der Serie.
Du hast lediglich gesagt, dass dieses übertriebene und leider etwas zu wenig hinterfragte massenhafte Ballernei eine reine Verteidigungshaltung ist. Dafür ist BI leider etwas zu "laut" und "CODartig".

XD Wie wäre es, dann Alfred Bioleck und Das Schweigen der Lämmer zu vergleich, hey, in beiden kommt ja immerhin etwas über Kochen?
Immerhin schreibe ich subtil nicht mit p. Kommt nicht von Persil Freund. So das war jetzt echt armselig.

Also wenn ich deinen Satz so lese, liest sich das immer noch so als ob ich Bioshock 1 mit Infinite verglichen habe, aber ok. Zusätzlich mag ich Bioshock Infinite viel lieber als der dröge erste Teil, der mir auch nur immer wieder irgendwelche Trottel entgegenschickt. Mir macht es auch nichts aus das er CODartig, weil ich das lieber mag, als Gegner die von allen Seiten auf mich ballern wie in Bioshock mit seinen ätzenden Drohnen.

Und ob etwas ein Rückschritt ist oder nicht, solltest du doch jeden einzelnen überlassen, oder bist du von einer offiziellen Instanz zum Bioshock Bewerter ernannt worden. Das hört sich ja sowas von herablassend an: Das ist ein Rückschritt.... Das ist deine verfickte Meinung, mir kommt es beim Spiel auf was ganz anderes an, als wieviele Pappfigürchen auf mich zurennen.

Egal, auf deinen letzten Satz antworte ich nicht, nur soviel mich interessiert Shogun halt nicht, ich muss nicht jeden Film kennen und ich muss auch nicht wissen, woher Quentin Terentino seine Inspiration herzieht.
Jap, ist deine Meinung und meine Meinung, habe ich auch nicht bestritten. Ich hab auch nie behauptet, dass ich der offizielle Bioshock Bewerter bin.
Aber es ist nur leider Fakt, dass bei Bookers Handlung da nicht mehr von Verteidigungsstellung geredet werden kann, gegen Ende wird es komplett zum Racheakt. Man kann Booker auch keine rein edelen/verabscheuenswerten Motive und Charakterzüge zuschreiben.

Naja, dass ich nicht ernst bleiben kann, wenn jemand der Kill Bill nur vage kennt und Behauptungen wie "...wie Dragon Ball..." oder "...Terence Hill und Bud Spencer..." aufstellt, sollte wohl klar sein! Man muss nicht jeden Film kennen, kann man auch nicht, selbst Tarantino tut das nicht. Aber man sollte zumindest verstehen können, dass die Gewalt nicht nur selbstzweckhaft ist, sondern auch zur Ästhetik des Films beiträgt. Ein anderes Beispiel wäre Romeros Dawn of the Dead. In spielerischer Sicht beispielsweise The Last of us. Auch hier tragen Gewalt, Darstellung und Thematik nicht nur zum reinen Selbstzweck bei.

Was mr. archers Ansicht über Spieler, Entwickler und Befürworter von Hatred betrifft: Autsch!
Mal abgesehen von der Gameplay/Technik/Abwechslung des Spiels und der Tatsache, dass die Inszeniernung hier sehr plump und lahm ist, was spricht im Allgemeinen dagegen auch einfach mal einen Bad Guy spielen zu wollen? Nicht jeder möchte immer nur Dämonen, Schurken, Parasiten oder wasauchimmer bekämpfen um die Welt, die Prinzessin oder einfach nur sich selbst zuverteidigen.
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mr archer
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von mr archer »

Antiidiotika hat geschrieben: ... was spricht im Allgemeinen dagegen auch einfach mal einen Bad Guy spielen zu wollen? Nicht jeder möchte immer nur Dämonen, Schurken, Parasiten oder wasauchimmer bekämpfen um die Welt, die Prinzessin oder einfach nur sich selbst zuverteidigen.
Geschenkt. Aber nenne mir doch bitte mal sagen wir drei Nicht-Nischentitel im Actionbereich, in denen der "Bad Guy" wirklich und wahrhaftig ein solcher ist. Also keinerlei Einbettung in ein wie auch immer geartetes abfederndes erzählerisches Setting, keine Ironisierung, kein Antihelden-Setting, das mir die eine Brücke zum Identifizieren baut. Ich spiele ein moralisches Schwein, dass aus niederen Beweggründen verabscheuungswürdige Dinge an deutlich als unschuldig markierten NPC´s vollzieht. Und das ganze gecoded mit dem Anspruch, reine Unterhaltung zu sein. Bin gespannt.
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von WH173W0LF »

Kain aus Blood Omen?
Arthas aus Warcraft 3?

Wird alles was einen nachvollziehbaren Hintergrund hat zu einem Antihelden?
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von adventureFAN »

Sehr schöner Talk zu Harted:
https://www.youtube.com/watch?v=xOMDLQxemKU
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mr archer
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Re: Hatred: Die ersten zehn Minuten

Beitrag von mr archer »

G34RWH33L hat geschrieben:Kain aus Blood Omen?
Arthas aus Warcraft 3?

Wird alles was einen nachvollziehbaren Hintergrund hat zu einem Antihelden?
Na ja, da muss man sich tatsächlich die jeweiligen Welten und ihre Geschichte anschauen. Klassisches Beispiel für einen Anti-Helden wäre wohl Max Payne. Über Kratos müsste man auch reden.