Sharkie hat geschrieben:
Ich würde auch gern auf einen Deiner Punkte eingehen:
Randall Flagg78 hat geschrieben:
Zeigt ein Film aber Gewalt wie sie wirklich ist, nämlich abstossend und menschenverachtend, schreien plötzlich alle nach Verboten.
Alle feiern SAW, Hostel und solche MTV Horrorfilmchen. Ist doch alles nur ein Film und man kann sich so schön mit Bier und Chips wohlig gruseln. Die Regie blendet ja weg wenn es ernst wird und alles wird mit einem Augenzwinkern präsentiert, um es erträglich zu machen.
Zeigt man den gleichen Leuten dann einen Martyrs, A Serbian Film, Leben und Tod einer Pornobande und ähnliche konsequente und kompromisslose Werke, ist es plötzlich mit der Toleranz vorbei und das Popcorn bleibt im Halse stecken.
Da werden dann auf einmal Worte wie "krank", "ekelhaft" und "unerträglich" verwendet, oder es werden gar Forderungen laut, die Macher gehören eingesperrt, die Filme zensiert, oder gar verbrannt.
Bei solcher Doppelmoral kriege ich jedes Mal das Kotzen. Denn solche auf "leicht verdaulich" getrimmte Gewalt ist viel viel schlimmer, da sie eine Akzeptanz schafft und den Spieler/Zuschauer aus der Verantwortung nimmt. Oft ist ihm gar nicht richtig bewusst was er da sieht/spielt. Es ist so aufbereitet das man sich sogar noch gut dabei fühlt und immer noch ein Lächeln auf dem Gesicht hat. Das finde ich persönlich viel schlimmer.
Da ist durchaus was dran, allerdings würde ich drauf hinweisen, dass es auch abseits des variierenden graphischen Blutgehalts noch weitere Variablen gibt, die mich über die Gewaltdarstellung in solchen Medien von Fall zu Fall ganz unterschiedlich urteilen lassen. Diese Variablen habe ich hier schon öfter mit "Inszenierung" oder "Präsentation" versucht zu umschreiben. Ein sehr, sehr brutaler Film wie Martyrs oder A Serbian Film kann in seiner Gewaltdarstellung unabhängig von deren graphischer Brutalität ganz anders daher kommen, als ein zweiter, ebenso blutiger Film. Soweit ich weiß wird Martyrs ja auch allgemein trotz seiner extremen Brutalität vielfach als Meisterwerk wahrgenommen, während sich bei A Serbian Film schon eher die Geister scheiden. Dazu will ich mir jetzt überhaupt kein Urteil erlauben, da ich beide Filme noch nicht gesehen habe. Es reicht, festzuhalten, dass ein Medium nicht durch das bloße Vorhandensein von extremer Gewalt schlecht wird, allerdings auch nicht gut. Es kommt nicht auf das
ob an, sondern auf das
wie.
Wenn ein Medium seine Gewaltdarstellung ausschließlich so inszeniert, dass sie nur auf Voyeurismus, Triebabfuhr und das Bedienen niederer Instinkte abzielt und dabei jeglichen kritischen Kommentar, jegliches (über "Igitt, soviel Blut!" hinausgehendes) Verstörungspotential oder auch nur den Versuch einer Psychologisierung vermissen lässt, so wäre das für mich reine Gewaltpornographie und damit schlecht. Gemeint ist hier selbstredend schlecht im Sinne von "schlechte, extrem billige Schund-Kunst", nicht etwa "moralisch verwerflich". Dies ist bei Hatred meiner Ansicht nach der Fall. Auch hier natürlich unter Vorbehalt, da das Spiel noch nicht erschienen ist (immerhin haben die Entwickler wohl ziemlich eindeutig und eindrucksvoll gezeigt, wohin die Reise gehen wird - ich lasse mich aber gerne positiv überraschen).
Ich verstehe was Du meinst und kann das auch so unterschreiben bzw. Deine Sichtweise nachvollziehen.
Wenn alle Kritiker auf diesem Niveau argumentieren würden, hätte ich keinerlei Problem damit. Jeder empfindet anders.
Ich habe z.B. kein Problem mit reiner Exploitation, auch wenn ich sie mir selbst nicht anschaue.
Mein Filmgeschmack ist z.B. als recht normal zu bezeichnen, aber ich sehe mir auch gerne mal einen kontroversen Film an.
Mit einem Human Centipede 2 kann ich z.B. überhaupt nichts anfangen. Das ist für mich nur eine Aneinanderreihung von möglichst ekelhaften Abscheulichkeiten, die nichts weiter tun sollen als schocken. Und genau daran scheitert er grandios. Ich hab nach einer halben Stunde ausgemacht, da ich es einfach nur absolut dumm und grenzdebil fand.
Klar war es ekelhaft, aber es hat innerlich nichts mit mir gemacht. Stumpfe sinnlose Gewalt, um der Gewalt Willen. Keine Aussage dahinter.
Und wenn ich das richtig verstanden habe, ist es genau das was Du Hatred auch ankreidest. Das kann ich verstehen und nachvollziehen.
Trotzdem würde ich einem solchen Spiel/Film nie seine Daseinsberechtigung absprechen, nur weil es nicht in mein Weltbild passt.
Und das tun leider viele Leute, womit ich jetzt aber ausdrücklich nicht Dich meine, sondern die vielen medienwirksamen Verurteilungen. Siehe Giga.
Was Exploitation im Allgemeinen angeht, ist der Grad zwischen dem was als Kunst durchgeht und voyeuristischem Trash sicher extrem schmal.
Nehmen wir A Serbian Film. Laut dem Regisseur ist die dort gezeigte Gewalt als Parabel auf den Serbienkrieg und die Aufarbeitung dessen zu verstehen.
Ich persönlich konnte davon leider überhaupt nichts entdecken und fand ihn einfach nur hart an der Grenze und teilweise schon darüber hinaus. Gerade wenn man selbst Kinder hat, stehen einem die Haare zu Berge.
Andererseits hat es mich aber auch extrem berührt und nachdenklich gemacht.
Mir ist bewusst geworden das solche Dinge überall auf der Welt geschehen und das Gezeigte sich 3 Häuser weiter abspielen könnte. Der Film hatte also eine Wirkung auf mich, trotz und nicht vor allem wegen der Gewalt.
Übrigens: Wenn Du vorhast ihn Dir anzusehen, sie Dir auf jeden Fall auch Leben und Tod einer Pornobande an.
Der ist ebenfalls aus Serbien und hat das gleiche Ziel. Im Gegensatz zum anderen Film kann ich hier aber die Gesellschaftskritik deutlich erkennen und die gezeigte Exploitation ist nicht aufgesetzt und zum Selbstzweck. Dieser Film ging leider im Fahrwasser des Skandal Bruders, im Geiste, total unter.
Das aber nur als kleiner Exkurs.
Long story short: Niemand braucht Gewalt in dieser Form, dass ist unbestritten. Dennoch darf m.M.n. auch so etwas gezeigt werden und wer Spaß daran hat, dem sei es gegönnt. So tolerant muss man sein, dass muss eine Gesellschaft aushalten können, finde ich.
Alle wollen doch immer das Spiele erwachsen werden. Und damit meine ich jetzt nicht, das Gewalt erwachsen ist, sondern das es in anderem Medien auch solche Themen gibt, wo es ans Eingemachte geht und es anfängt weh zu tun.
Wenn sich dann mal jemand so etwas traut, aus welcher Intention auch immer, regen sich plötzlich alle auf.
Wenn das Spiel genauso als Film gekommen wäre, hätte kaum jemand Notiz davon genommen. Ob es als reines Spiel etwas taugt und tatsächlich noch mehr zu bieten hat, als einen stupiden Amoklauf, dass muss sich natürlich noch zeigen.
Ich hab jedenfalls zuerst gelacht, als ich den Trailer sah. Kurze Zeit später dann nicht mehr, als ich gemerkt habe, dass dies ernst gemeint ist. Auf eine Art mag ich so etwas, weil es schockt.