Keine Ahnung, wie man sich bei einem Spiel, in das man locker 50, 100 oder 200 Stunden versenken kann, an einem Baby/Kindheits-Intro stören kann, das in einem halben Stündchen durchgespielt ist. Dass das allemal besser ist als Charakterwerte einfach auszuwürfeln, da sind wir uns doch wohl einig, oder?
Ansonsten haben mich an FO3 andere Dinge viel mehr gestört. Es fühlt sich mehr wie ein Shooter als wie ein Rollenspiel an. In guter alter Bethesda-Tradition hat man sich keine große Mühe gegeben, die Gamepad-Steuerung beim Übergang zu Tastatur und Maus großartig den gängigen PC-Standards anzupassen (statt einfach M für Map drücken zu können, muss man ewig mit diesem verkackten PipBoy rum hantieren). Dieser ständige Braun/Grau/Grün-Stich der Grafik geht einem irgendwann auch total auf den Sack und ist nicht nur hässlich, sondern auch nicht wirklich realistisch (Postapokalypse hin oder her). Wieso bringt ein steinaltes Spiel wie Gothic 2 Dinge wie Tageslicht, Nachthimmel oder Sonnenuntergang tausend mal atmosphärischer rüber als FO3? Obwohl ich weiß, dass es nicht so war, hatte ich beim Spielen aufgrund der kontrastarmen Grafik ständig das Gefühl, man habe die Farbpalette künstlich auf 12 oder 16 statt 32 Bit beschränkt, um das Spiel vielleicht auch auf der PS1 noch lauffähig zu machen
Ansonsten ist halt auch FO3 eines dieser Spiele, das seine Open World nur begrenzt überzeugend mit Inhalten füllt. Eine U-Bahn-Station sieht genauso aus wie die andere und das gleiche gilt für Abwasserkanäle, Bürogebäude, Supermärkte oder Städte. Aber vielleicht muss das bei einem Open World-Spiel auch so sein, wenn die Entwicklungskosten nicht explodieren sollen: Sie ist entweder leer oder voll von Copy-And-Paste. Und vielleicht mutet es deshalb auch so völlig albern an, wenn OW-Spiele einfach nur mit der schieren Größe ihrer Welt protzen (denke da gerne noch an das erste Just Cause als besonders negatives Beispiel), weil das letztlich eher kontraproduktiv ist: Wenn man 150 oder 200 Stunden in ein solches Spiel versenkt, nur um auch den letzten Winkel noch zu erkunden, sich ab Stunde 50 aber eh alles wiederholt und man am Ende einfach nur noch froh ist, durch zu sein, ist man regelrecht dankbar für Spiele, die in einer viel kleineren Welt nach Stunde 30 oer 50 einfach Schluss machen und von Anfang bis Ende ein unterhaltsames Erlebnis waren.
Mir reichen Spiele mit relativer Bewegungsfreiheit (wie Mafia 2, auch wenn das leider nie einen wirklich überzeugenden Free Roam-Modus spendiert bekam) vollkommen aus. Meine OW-Erlebnisse hingegen fallen eher zwiespältig aus: Just Cause, Fallout 3 oder Far Cry 3 haben mir alle Spaß gemacht, hätten das aber mit weniger OW, kleineren Welten und dafür mehr Abwechslung sicher ebenso getan.