Wulgaru hat geschrieben:Die Frage nach Anitas Methodik kann man nicht als Abwehrargument benutzen, das ist ziemlich billig.
Sie wählt kein wissenschaftliches Publikum an einer Universität oder eine Fachzeitschrift. Sie wählt Youtube also die große Masse. Alles was sie zu sagen hat, muss für diese verständlich sein und ich bin der Meinung das das auch der Fall ist. Wenn man sie verteidigt ist das gar kein Problem, aber bitte doch nicht damit das man ihre Methodik nicht versteht. Wenn die Methodik irgendeine Rolle gespielt hätte, hätte sie sie in irgendeiner Form vorgestellt.
Die Beispiele in ihrem Video folgen aber keinem erkennbarem Muster. Ich habe schon paar Arbeiten nach Focault gelesen, aber die gehen wesentlich systematischer vor (und erklären vor allem die Fallauswahl) und das ist nicht dem Medium Video geschuldet.
Fühle mich mal angesprochen (auch von deinem zweiten Posting): Ich glaube nicht, dass man studiert haben oder sich mit Wissenschaftstheorie besonders gut auskennen muss, um Anitas Methodik zu verstehen. Finde diese sogar relativ simpel, aber auch für ein YouTube-Format total angemessen. Im Prinzip sagt sie im ersten Damsel-Video ja auch alles, was notwendig ist, um zu verstehen, wie sie im Folgenden vorgehen wird.
This project will examine the tropes, plot devices and patterns most commonly associated with women in gaming from a systemic, big picture perspective.
This series will include critical analysis of many beloved games and characters, but remember that it is both possible (and even necessary) to simultaneously enjoy media while also being critical of it’s more problematic or pernicious aspects.
Klar, dass kann man, gerade wenn man aus dem Wissenschaftsbetrieb kommt, etwas dünn finden, und ich würde mir von ihr auch öfter ein bisschen mehr akademische Tiefe von ihr wünschen, aber das ist dann halt auch irgendwie so ein Kompromiss zwischen "dem Zuschauer erklären, wie vorgegangen wird" und "Gleich ins Thema reinspringen". Wie gesagt, wenn ich sage: "Ihre Methodik wurde nicht verstanden" meint das weniger, dass sie so ungeheuer komplex und deswegen für den Durchschnittsgamer nicht geeignet ist, sondern viel mehr, dass ich ehrlich verblüfft darüber bin, wie vielen Gamern es schwer fällt sich auf ihre Big Picture Perspektive von Tropes anhand von vielen Beispielen einzulassen, gerade weil das so ein Common Sense Vorgehen in der feuilletonistischen/ populärwissenschaftlichen/ journalistischen Kulturkritik ist. Diese Art der Untersuchung von kulturellen Phänomenen findet man in so ziemlich jedem "geistreicheren" Printmagazin, auf unzähligen Websites, die sich etwas tiefergehend (aber nicht zu verkopft) mit Filmen auseinandersetzen, in jedem ordentlichen populärwissenschaftlichen Überblick über Literatur-, Musik-, und Filmgeschichte. Da finde ich es schon überraschend, dass das von manchen so rundheraus verdammt wird.
Und ja, wenn dann jemand sagt, dass ein bisschen Wissen über Diskursanalyse reichen würde, um zu sehen, wie unwissenschaftlich und schlecht Sarkeesians Vorgehen sei, dann habe ich kein Problem damit zurück klugzuscheißen.
PS.: Falls du dich durch meine Generalattacke gegen Sarkeesian-Hater angegriffen gefühlt hast (was ich nicht glaube/hoffe): Wenn ich an deine Postings zum Thema richtig erinnere, gehörst du ja eher zur Minderheit derer, die Sarkeesian inhaltlich nicht so prall finden und das vernünftig begründen können. Dazu genügt es wahrscheinlich schon, auf diese ganze Ad Hominem Scheiße und generalisierende antifeministische Entgleisungen zu verzichten, aber allein das fällt meiner Beobachtung nach der Mehrheit der Sarkeesian-Kritiker schon unfassbar schwer.