Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ein Recht hier zu sein"

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Dicker Igel
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Dicker Igel »

TaLLa hat geschrieben:Ja Frauen haben das Recht in der Gamingbranche aktiv zu sein....die Frage ist, hat wer was anderes behauptet? Müssen sie nun so herausstechen, weil sie so unterdrückt werden? Ich denke nicht, wieder mal reine Schaumschlägerei und Wichtigtuerei.
this!

Verstehe nich woher die Behauptung kommen soll..... noch nie von so etwas gehört.
Frauen sind da genau so normal wie Männer oO
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Seth666
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Seth666 »

@Fiddlejam

Zu der Trans-Sache: Da gibts nix zu diskutieren. Das ist ne klare Diskriminierung. Punkt.

Zu dem Gamasutra-Artikel:
Gamasutra-Artikel hat geschrieben: I’ve been to GDC every year…since 2007…I have someone ask me if I’m lost. I have someone ask me if I’m looking for my boyfriend… And I’m just like I’m standing here, in a World of Warcraft T shirt and a Nintendo bag. Do I look lost? And yet, it happens. It’s constant. Constant. If I comment on Kotaku, and people realize I’m a woman, and I design games, I get told I should quit my job. And like, I’ve never known guys in the industry that have had to put up with that.
Hier beschreibt die Frau saudumme (Anmach-)Sprüche von Männern auf einer Messe. Ja, Vollidioten gibt es überall, egal welche Messe. Ich hab auch Frauen auf Messen erlebt, die sich unangemessen Verhalten. Ich denke jeder hat im öffentlichen Leben schon mal Leute gesehen, die sich äußerst ausfallend verhalten. Aber jetzt gleich alle über einen Kamm zu scheren ist falsch.

Schließlich geht es den Frauen ja um grundliegendere Probleme.
Gamasutra-Artikel hat geschrieben:Meet Subject 12. She’s a veteran game designer who wants to make games more than anything. Unfortunately, since launching her career in 2007, she’s been turned away at interviews, paid half the salary of her peers, been made greatly uncomfortable by sexual harassment, and even lost out on full time job positions – all due to her gender. She had suffered from two types of sexism identified in my forthcoming study The Prevalence of Sexist Practices in the Game Industry and their Relation to Game Content. Overt, obvious sexism, which explores the pay gaps and direct discrimination directly linked to gender and covert sexism, which is more subtle. Her story has a happy ending, but being a woman shouldn’t be punishable by tragedy and abuse.
Wie der Artikel schon zu beginn sagt, sind es "verbal depictions".
- she’s been turned away at interviews: Hmm, wem ist das nicht schon passiert
- paid half the salary of her peers: Umstände etc. unklar...Viele Fragen hätte ich. Warum hat sie den Job angenommen wen dieser so schlecht bezahlt ist? Warum hat sie nicht mehr verhandelt? Hat sie die gleiche Arbeit gemacht wie ein anderer? Waren unter den "peers" auch Frauen?
- been made greatly uncomfortable by sexual harassment: Was genau? Hat sie es gemeldet? Was waren die Konsequenzen?
- even lost out on full time job positions: Wie will sie da bitte wissen, dass das nur aufgrund ihres Geschlechts war? Klingt nach reiner Vermutung. Oder hat sie was schriftliches?
Da hätte ich schon gerne mehr Details. Ist halt alles wieder pauschal...wieder nix greifbares.
Gamasutra-Artikel hat geschrieben:Meet Subject 4, a female designer, who was disappointed when she had the opportunity to meet an industry icon. His gaze was so sexual and prolonged that she had to leave his presence.
Hmm...schauen ist jetzt schon Sexismus?? Holy crap. Und wenn es die Frau gestört hat, dann hätte sie halt was sagen sollen .
Gamasutra-Artikel hat geschrieben:Meet Subject 30, a female marketer, who attended a party after her studio's acquisition by a larger company where they had relabeled the only women’s restroom for men and left pornographic magazines all over inside.
In so einer Proletenfirma möchte ich auch nicht arbeiten und ich glaube auch nicht, dass ein Arbeitsgeber sowas duldet. Kommt mir sehr spanisch vor. Hat die Frau sich beschwert? Was ist passiert?

Und den Rest des Artikels möchte ich so zusammenfassen:
Dieser beschreibt ein allgemeines Problem und keines, welches sich nur auf die Spieleindustrie beschränkt. Ich kann in dem Artikel nichts finden, welches sich nur auf die Spieleindustrie bezieht. Diese Probleme findet man in vielen Firmen (nicht jeder). Das Thema hatten und haben wir doch auch in der Politik mit der Frauenquote etc. Das ist also nichts was sich nur auf eine Branche beschränkt.

Aber der Artikel führt jetzt auch ein wenig weg von der eigentlichen Diskussion, denn es ging ja ursprünglich um Sexismus in der Spielebranche und warum diese Branche (angeblich) nicht willens ist, Inhalte, die die Frauen ansprechen, zu entwickeln und "weibliche Entwickler". Also es ging ja um grundlegende Problem in der Spielebranche, die Frauen stören.

Und Sexismus ist keine Einbahnstraße. Männer sind genauso davon betroffen. Sowas kann aber mMn nur firmenintern gelöst werden. Es braucht dafür auch die entsprechenden Ansprechpartner. Betroffene Personen müssen da erstmal anonym agieren können via einer Vertrauensperson.
Fiddlejam
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Fiddlejam »

Dein Beitrag ist in Grundzügen durchaus richtig, man sollte nicht alles einfach so hinnehmen wie es gesagt wird, aber du machst wieder diesen Fehler, aus einer privilegierten Position heraus zu sprechen und hängst dem Irrglauben an, man könne die Verhältnisse ändern, indem man nur allen Diskriminierungen ausweicht.
Hier beschreibt die Frau saudumme (Anmach-)Sprüche von Männern auf einer Messe. Ja, Vollidioten gibt es überall, egal welche Messe. Ich hab auch Frauen auf Messen erlebt, die sich unangemessen Verhalten. Ich denke jeder hat im öffentlichen Leben schon mal Leute gesehen, die sich äußerst ausfallend verhalten. Aber jetzt gleich alle über einen Kamm zu scheren ist falsch.
Klar heißt das nicht, dass absolut jeder Mann das so macht. Das ist auch nie so der Punkt. Der Punkt ist dass es keine ganze institutionalisierte Kultur sich auf Gaming-Messen schlecht benehmender Frauen gibt.
Die "Boys-Club"-Logik hingegen, eben diese Anmachkultur ist es sehr wohl. Und sie wird, wie wir sehen, auch nur all zu gern verteidigt.
Und da sind wir wieder bei dem was ich gesagt habe: Solange die Mehrheit der Stimmen des Gamings eben zuerst einmal eben diese Strukturen verteidigen, oder wenn sie sie schon angreifen, gleich dahinter sagen "Naja, aber eigentlich sind die Frauen ja selbst schuld", dann ist es absolut kein Wunder dass uns das ewige Stigma des Sexismus anhaftet.
- paid half the salary of her peers: Umstände etc. unklar...Viele Fragen hätte ich. Warum hat sie den Job angenommen wen dieser so schlecht bezahlt ist? Warum hat sie nicht mehr verhandelt? Hat sie die gleiche Arbeit gemacht wie ein anderer? Waren unter den "peers" auch Frauen?
Damit sind wir weder "Wer nicht diskriminiert werden will, muss halt wegrennen". Aber ist das ernsthaft vernünftige Logik? Nochmal: Warum erwarten wir von einer Frau dass sie mehr Energie darin steckt, die selben Rechte wie ein Mann zu bekommen? Warum hängen wir dieser idiotischen Vorstellung vom selbstregulierenden Kapitalismus an, der einfach nur offen illegal sein kann, weil es wird sich schon irgendwie ausgleichen weil Angebot und Nachfrage und blabla.
Womit wir wieder sind bei: Wir können, denke ich, alle zugeben dass es nicht legal sein sollte, aufgrund seines Geschlechtes den halben Lohn zu bekommen. Warum aber ist dann bitte die Person, die den halben Lohn bekommt Schuld, nur weil sie nicht um ihre gottverdammten Grundrechte gebettelt hat?

Womit wir wieder bei meinem Beispiel vom Beginn sind, die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen, welche sich weigerte eine Ausnahme im Gesetz anzunehmen sondern klipp und klar gesagt haben wollte "Ihr kriegt diese Rechte, und habt sie immer gehabt, einfach nur weil ihr Menschen wie jeder andere seid".
Aber wenn es um die Gleichstellung von Frauen geht, sollen sie sich mit eben solchen Ausnahmen abgeben, sollen sie irgendwie versuchen, das beste aus dem System zu machen statt das System an sich ein zu reißen.
Hmm...schauen ist jetzt schon Sexismus?? Holy crap.
Stell dir bitte einmal vor, jede zweite Frau der du auf der Straße begegnest blickt dir lange und gierig auf die dicke Beule in deiner Hose. Jetzt stell dir vor du willst ein Gespräch mit irgendeiner Frau führen, die für dich ein großes Vorbild ist, aber während des Gespräches siehst du ihre Blicke immer wieder nach unten sinken.
Kannst du es dir vorstellen? Weil ich kann es ehrlich gesagt nicht. Wo wir wieder bei der Geschichte sind "Ja klar kann ich mir als Mann diese alltäglichen Formen des Sexismus nicht vorstellen, weil ich nie vergleichbares erlebt habe, aber das heißt nicht, dass sie nicht existieren."
Und wenn es die Frau gestört hat, dann hätte sie halt was sagen sollen .
Erneut: Er starrt. Warum ist sie dafür verantwortlich?
Selbst wenn wir von der offensichtlichen Antwort ausgehen: "Damit er aufhört.", warum sehen wir dieses Szenario schon wieder als "war doch ihre Schuld". Und genau das ist es, was ich meine, wenn ich sage, die Gaming-Community muss etwas dagegen sagen. Die Mehrheit der Gaming-Community sind keine Sexisten, wie wir aus dem Artikel gelernt haben, haben viele, viele Leute bei den Developern Bedenken wenn es um hypersexualisierte Charaktere und Co geht. Aber solange wir diese Arschlöcher, die wirklich verantwortlich sind stillschweigend tolerieren, solange wir fragen "Warum hat sie sich nicht vor diesem Arschloch geschützt" statt "Warum tolerieren wir so ein Arschloch hier", solange sind wir nun einmal unweigerlich Kollaborateure, und damit, obwohl wir aktiv nicht mitmachen, Teil des Problems.
Dieser beschreibt ein allgemeines Problem und keines, welches sich nur auf die Spieleindustrie beschränkt. Ich kann in dem Artikel nichts finden, welches sich nur auf die Spieleindustrie bezieht. Diese Probleme findet man in vielen Firmen (nicht jeder). Das Thema hatten und haben wir doch auch in der Politik mit der Frauenquote etc. Das ist also nichts was sich nur auf eine Branche beschränkt.
Die Spieleindustrie trägt mit einigen Eigenheiten durchaus zum Problem bei. Siehe eben diese Boys-Club-Mentalität, die typische Frauendarstellung in Spielen selbst, lockerer Umgang miteinander an sich (siehe die Story mit den Pornoheften auf dem Damenklo), etc. Also kann man schon sagen dass das Problem in der Spielebranche nicht genau das gleiche wie etwa das in einer Bank wäre.

Davon abgesehen ist das aber auch wieder diese Abwandlung des "Es gibt größere Probleme"-Arguments. In seiner klassischen Form fragt dieses "Warum beschäftigen wir uns damit, es gibt doch größere Probleme", und eliminiert dadurch das kleinere. In seiner hier zu sehenden abgewandelten Form sagt es "das ist ein Problem, dass überall auftritt, also muss es auf allgemeinerer Ebene gelöst werden". Die Frage ist dann nur: Wie? Gibt es irgendein geheimes, sämtliche Industrien übergreifendes feministisch-bolschewistisches Komitee das insgeheim alle beeinflusst? Nein? Dann wird die Sexismus-Frage wohl oder übel in der spezifischen Industrie an sich gelöst werden müssen, womit wir eben wieder an dem Punkt sind, an dem wir schon waren.
Und Sexismus ist keine Einbahnstraße. Männer sind genauso davon betroffen.
Richtig, nur auf eine andere Weise und es ändert auch nichts daran, dass trotzdem Frauen diskriminiert werden.
Ich weiß nicht, ganz ehrlich, dass "Aber Männer leiden auch unter Sexismus"-Argument ist meiner Meinung nach komplett sinnlos, denn es läuft auf folgende Möglichkeiten hinaus:
a) Es unterstellt der anderen Person, dass sie dies nicht in Betracht gezogen hat, und dass demzufolge ihre gesamte Argumentation sinnlos ist - das ist sowohl ein enormes Missverständnis bezüglich der Funktionalität logischer Argumente als auch eine sich selbst auflösende Unterstellung wenn der Gegenüber die ganze Zeit von Gleichstellung redet.
b) Es versucht das Problem zu relativieren, nach dem Motto "Männer werden auch diskriminiert und heulen nicht rum, also haben Frauen überhaupt keinen Grund es zu tun" / "Wenn beide diskriminiert werden, ist das auch eine Form von Gleichstellung". Jetzt mal von der Relativität und Vergleichbarkeit männlicher und weiblicher Diskriminierung abgesehen kann ich nur auf meine Antwort von eher verweisen:
Ich weiß ja ehrlich gesagt echt nicht, wie solche Leute durchs Leben gehen können deren gesamtes Gesellschaftskonzept darauf basiert, sich darüber zu freuen dass man mit dem Kopf noch aus der Scheiße gucken kann solange sie jemand anderem schon bis zur Stirn geht, statt mal zu hinterfragen, warum wir denn überhaupt alle in der Klärgrube stehen müssen.
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Seth666
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Seth666 »

@Fiddlejam

In den comments bei Gamasutra schreibt auch einer ziemlich berechtige Fragen:
However, two points/contentions:

1. When sharing research data such as the above it would also be helpful to include some information about your research methodology, statistical methods, etc. Context is vitally important in any statistical report.

2. I find that your conclusion regarding 'neutrality' is perhaps taking things a little too far. Assuming your direct question in the survey was "Do you believe discussions about gender in the game industry is critical to its growth?" I don't believe that you can conclude a neutral response means that "over a third of those men don’t care about the sexism all around them". I'm not 100% sure what you meant by "growth", but it's clear that it could mean a number of different things to different people - and some of those meanings have very little to do with gender (e.g. commercial growth). If you had 36% in disagreement of your query, then it would be a different story.
Fiddlejam hat geschrieben:Die Spieleindustrie trägt mit einigen Eigenheiten durchaus zum Problem bei. Siehe eben diese Boys-Club-Mentalität, die typische Frauendarstellung in Spielen selbst, lockerer Umgang miteinander an sich (siehe die Story mit den Pornoheften auf dem Damenklo), etc. Also kann man schon sagen dass das Problem in der Spielebranche nicht genau das gleiche wie etwa das in einer Bank wäre.
Sorry, aber da kann ich dir auch nicht mehr folgen. Diese Einzelheiten zu generalisieren auf die gesamte Branche ist doch totaler quatsch. Und zur Frauendarstellung: Es sind Spiele/Filme etc. Ich hoffe es gibt noch einige Leute dort draußen die zwischen Realität und Entertainment unterscheiden können. Nicht jeder Mann sieht aus wie Arnold Schwarzenegger, Brad Pitt und ist täglich ein Superheld und rettet die Welt. Dieses verzerrte Männerbild glaubt doch auch keiner, oder. Es gibt auch super Filme mit sehr guten Frauen als Actionhelden (Kill Bill, Alien-Filme). Und jetzt?? Wer zwischen Realität und Entertainment nicht unterscheiden kann, sollte sich fernhalten von solchen Medien. Ich möchte überhaupt nicht an die ganzen Magazine an den Zeitungsständen denken....tiefste Steinzeit *ACHTUNG: Sarkasmus*

Ich habe persönlich das Gefühl, dass unser gesellschaftlich moralischer Kompass teilweise aber schon sowas von im Arsch ist. Nur noch political correctness an allen Ecken und Enden, und @home ist dann jeder wieder "normal". Wir begegnen uns auf den Fluren und Straßen nur noch als heuchelnde Menschen und bidern uns gegenseitig an, damit wir virtuellen moralischen Idealen entsprechen, die überhaupt nicht mehr greifbar sind. Das perfekte Hochglanzleben in der Arbeitswelt und der Alltag darf nur Zuhause stattfinden. Das ist mir alles eine Nummer zu spießig und das riecht für mich ja nur noch nach kaputter Gesellschaft.

Und zu dem Fall mit dem "Mann starrt Frau an": Ich war nicht dabei, du warst nicht dabei...keiner von uns hier war dabei. Das ist alles so extrem subjektiv. Ich kann hier Kommentare schreiben mit einem ernsteren Ton und Sarkasmus und Ironie und andere fassen das evtl. als aggressiv und beleidigend auf. Das ist alles im Auge des jeweiligen Betrachters. Aber hier jetzt jeden geschilderten Internet-Fall einzeln zu diskutieren führt doch zu überhaupt nix. Das ursprüngliche Ziel dieser Diskussion ist doch jetzt schon total verloren gegangen. Es ging um generelle Dinge in der Spielebranche....und da habe ich eben festegestellt, dass diese eben NICHT nur auf die Spielebranche beschränkt sind. Davon ist JEDE Branche betroffen, weil da auch Menschen arbeiten. Ist ja nicht so als würden in einer gewissen Branche nur Engel arbeiten und in der Spielebranche frauenfeindliche Männer. Das ist mir gerade alles zu schwarz/weiß-Malerei hier.

Wie ich schon schrieb: Die Frauen/Männer brauchen in der Firma eine Vertrauensperson/Anlaufstelle. Sowas muss direkt intern geklärt werden, ohne das die betroffene Person sich selbst in die Schusslinie begibt. Diese ganzen Statistiken sind ja schön und gut, aber das es ein Problem gibt war schon länger bekannt. Noch mehr Statistiken lösen keine Probleme. Die Probleme müssen wie gerade erwähnt, direkt und intern gelöst werden. Wenn man nix anspricht kann auch nix gelöst werden. Die Firmen können ja keine Parapsychologen einstellen und Gedanken lesen.
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Alter Sack
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Alter Sack »

Seth666 hat geschrieben: Ich habe persönlich das Gefühl, dass unser gesellschaftlich moralischer Kompass teilweise aber schon sowas von im Arsch ist. Nur noch political correctness an allen Ecken und Enden, und @home ist dann jeder wieder "normal". Wir begegnen uns auf den Fluren und Straßen nur noch als heuchelnde Menschen und bidern uns gegenseitig an, damit wir virtuellen moralischen Idealen entsprechen, die überhaupt nicht mehr greifbar sind. Das perfekte Hochglanzleben in der Arbeitswelt und der Alltag darf nur Zuhause stattfinden. Das ist mir alles eine Nummer zu spießig und das riecht für mich ja nur noch nach kaputter Gesellschaft.
Da schließ ich mich an und möchte noch ergänzend dazu sagen das ich das auch für sehr gefährlich halte. Das ist ähnlich wie beim Thema Integration oder anderen Themen. Da werden Meinungen (egal wie falsch oder absurd man das selber sieht oder auch nicht) komplett weggedrückt oder es werden auch bestehende Probleme einfach wegignoriert nur um dem "Mainstream" der politischen Korrektheit Folge zu leisten. Zusätzlich werden oft die Menschen mit anderen Meinungen für dumm und unwissend erklärt. Da stauen sich dann Aggressionen auf die versucht werden unter dem Deckel zu halten die irgendwann mal explodieren. Dieser Rechtsruck in Europa kommt nicht von ungefähr ... leider. Ich hatte vorher schon geschrieben das eine gesellschaftliche Entwicklung nicht von heute auf morgen durchgeführt werden kann. Das dauert seine Zeit und man muss so viele Menschen wie möglich mitnehmen sonst gehts irgendwann genau in die andere Richtung.

Was ich sehr interessant finde bei der Situation der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ist doch das die Bevölkerungsgruppe die dort die meisten Probleme hat komplett aussen vorgelassen wird aus Gründen der Political correctness (also ich meine unsere Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund, das Frauenbild dort ist ja unerträglich sogar für extrem konservative Menschen). Daher sucht man sich dann lieber leichtere Ziele wie die Spieleindustrie oder Vorstände oder was auch immer. Und dann wirds richtig unglaubwürdig.
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Seth666
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Seth666 »

@Alter Sack

Ja, die Integration ist auch ein gutes Beispiel für verlogene Diskussionen. Welcher Politiker spricht schon die Kernprobleme bei der Integration an. Immer schön auf Multi-Kulti als politische Meinstreammeinung fahren, dann macht man sich nicht unbeliebt. Die nächsten Wahlen kommen ja. Und wie du schon sagst, brodelt es dann in der Bevölkerung, weil die eigentlichen Probleme überhaupt nicht gelöst werden. Und schließlich hört man dann immer, dass Geldbetrag X bewilligt wurde, um das Problem zu lösen. Aber ich hab noch nie gesehen, dass Geld Probleme löst. Geld in der Politik ist wie das Wasser auf den Mühlen. Quasi das Allheilmittel um Diskussion zu beenden (siehe Kinderbetreung, Rente, Pflege, Bankenkrise etc.).
Alter Sack hat geschrieben:Daher sucht man sich dann lieber leichtere Ziele wie die Spieleindustrie oder Vorstände oder was auch immer. Und dann wirds richtig unglaubwürdig.
Ja, ein sehr gutes Argument, welches ich auch bei anderen Gruppen sehen.
Greenpeace z.B. müsste im Endeffekt die Bürger des jeweiligen Landes kritisieren, weile diese sind im Kapitalismus durch ihr Verhalten dafür verantwortlich , was konsumiert wird. Greenpeace als Verein, der selbst im Kapitalismus agiert und somit auch profitiert, kritisiert aber nur die Auswirkungen und NICHT die Ursache der Probleme. Greenpeace sucht sich somit lieber ein abstrakteres und unpersönliches (leichteres) Ziel (Firmen etc.). Greenpeace müsste die Leute und ihren Konsum kritisieren, aber so würden die sich ja ihre eigene Grundlage entziehen, nämlich die Unterstützung durch die Menschen. Ich würde sowas etwas überspitzt als ABM-Kritik bezeichnen. Und das Greenpeace-Mitglied spendet dann 20€ im Jahr und meint die Welt zu retten. Für mich ist das schon nahezu ein Ablasshandel wie in der Kirche um sein Gewissen zu erleichtern, und zu gewissem Grad auch eine Form der Heuchelei in der heutigen Zeit.

Wir sehen im TV wie schlecht es den Menschen geht in armen und/oder undemokratischen Ländern, die unsere Waren produzieren und sagen dann alle wie traurig das ist. Und am nächsten Tag kauft man sich Produkt XY einer Firma, die in diesen Ländern produzieren lässt. Und ja, ich zähle mich auch dazu. Und ja, ich ertappe mich auch selbst beim heucheln. Ich habe das Gefühl, das wir Menschen nur noch das Nebenprodukt der Industrie sind und sich unser Leben wie ein Werbeblock im TV entwickelt: "Man fährt mit seinem super tollen Auto zur tollen Arbeit, hat Zuhause eine attraktive schlanke Frau und Kind, kauft im Supermarkt nur die gesündestens Produkte ein und rettet nebenbei den Urwald durch den Kauf eines Bierkastens. Nach der Arbeit treibt man noch Sport um seinen super Body zu trainieren. Und am Wochenende schaut man Sport, trinkt Getränk X dazu, welches das Lebensgefühl und die Gesundheit gleich nochmal 10x besser macht."
Und alles was nicht in dieses perfekte Bild passt, muss von den Menschen kaschiert werden. Da verbiegen sich die Leute wie Grashalme um sich alltäglich anzupassen.

Um jetzt wieder die Kurve zum Sexismus zu bekommen: Ich denke, dass der Sexismus einer der Auswüchse von dieser falschen Entwicklung in der Gesellschaft ist. Das Bild von Frau und Mann ist einfach zu verzerrt worden. Meiner Meinung nach bekämpft der Feminismus eben auch nur ein Symptom und keine Ursache. Als Beispiel sei hier der "Erfolg" für die Frauenquote in DAX-Unternehmen angeführt: 99,999% der Frauen haben davon überhaupt nix....aber die Frauen feiern es als Erfolg. Und die Frauen, die es schon vorher geschafft haben in den Unternehmen aufzusteigen, die müssen sich doch verarscht vorkommen. Und ich wette man kommt sich total gut vor, wenn man durch eine Quote einen hochbezahlten Job bekommt *Sarkasmus*. Aber ich wette da ist es dann schon egal, wenn man auf einer so hochbezahlten Stufe angekommen ist. Wenn das nicht verlogen ist, dann weiß ich auch nicht.
Zuletzt geändert von Seth666 am 15.08.2014 14:14, insgesamt 2-mal geändert.
spacys
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von spacys »

Keiner sagt "Ihr dürft aber nicht". Immer hört man nur "Wir wollen aber auch"
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Jondoan
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Jondoan »

Wieso sollten Frauen das Recht haben, auf der Gam Developers Conference teilzunehmen? Ich bin der unsäglichen Meinung, an der Game Developers Conference sollten ausschließlich Game Developers und deren Entourage teilnehmen, das Geschlecht ist doch dabei egal.
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Jondoan
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Jondoan »

Seth666 hat geschrieben:
Wir sehen im TV wie schlecht es den Menschen geht in armen und/oder undemokratischen Ländern, die unsere Waren produzieren und sagen dann alle wie traurig das ist. Und am nächsten Tag kauft man sich Produkt XY einer Firma, die in diesen Ländern produzieren lässt. Und ja, ich zähle mich auch dazu. Und ja, ich ertappe mich auch selbst beim heucheln.
Ich kann dir den Tipp geben, als einer der sich deswegen auch lange Zeit selber kritisiert hat, dich selbst ein wenig zu entlasten. Heutzutage mag man jahrelang nach einem gewissen Schema leben ("ich kaufe nur noch beim Metzger, um die Massentierhaltung nicht zu unterstützen etc.") um irgendwann zu merken, dass man trotzdem die ganze Zeit verarscht wurde. Es ist unglaublich schwer, nahezu unmöglich, sich von irgendeinem noch so banalen Thema ein objektives Bild zu machen, weil zu jedem Thema einfach jede nur erdenkliche Haltung von irgendjemandem vertreten wird, und die ist dann Teil unserer Desinformationsgesellschaft.
Ich gehe mittlerweile nur noch kleine Schritte, denke dafür aber ganz groß. Jedes Mal, wenn ich mich auf dem Fahrrad durch die Kälte kämpfe weil ich schon vor Jahren beschlossen habe, auf mein Auto zu verzichten, merke ich, dass es eben doch geht. Das mag dann nicht die Ozonschicht wiederherstellen, aber in dem Moment fühlt es sich gut an. Das muss dann manchmal reichen und man kann nie wissen, welche Auswirkungen deine Taten einmal haben werden, egal wie klein und geringfügig sie doch vermeintlich sind.
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Seth666 »

@Jondoan

Ja, klingt nach einer gesunden Einstellung.
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Jondoan
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Jondoan »

Ist auch immer schön zu merken, dass man nicht der einzige ist, der sich den Kopf zerbricht ;)
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von 3nfant 7errible »

"ein Recht hier zu sein"
Das ist doch direkt wieder eine provozierende, um nicht zu sagen unverschämte, Aussage. Als würde irgendjemand sagen "nö, ihr habt kein Recht hier zu sein". Sowas albernes.

Und die angesprochenen Probleme.... als würde jeder männl. Programmierer gleich sein Traumjob bekommen. Also würde jeder Mann angehört werden, wenn er seine eigenen Ideen einbringen möchte. So läuft das eben nicht, es kann nicht jeder, weil es da oben an der Spitze nunmal ziemlich eng wird. Das hat nichts mit männlich oder weiblich zu tun, man muss nur richtig gut sein, oder zumindest besser als die anderen.

Eine Corrinne Yu zB müsste nur kurz twittern, dass sie auf dem Arbeitsmarkt wieder zu haben ist, und innerhalb von ein paar Minuten würde sich jede Spieleschmiede der Welt um sie kloppen und ihr Wahnsinns-Angebote machen.

Aus Amy Hennigs Wikipedia Eintrag...
Hennig has been cited as an example of a successful woman in a historically male dominated industry, and of how women are taking more important roles within it.[17] Hennig herself claims that she has not encountered sexism in the industry, but that differing perspective from men in the industry has helped on some occasions
Es gibt kein Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, nur ein Unterschied zwischen Leuten, die wirklich gut sind, und welchen, die nur denken sie wären so gut.
humb0rt
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von humb0rt »

Bei der Menge an persönlichen, fast schon Beleidigenden Kommentaren und Befindlichkeiten mancher User hier im 4players- Forum, bin ich sehr überrascht und absolut begeistert dass gerade dieses Thema auf einer argumentative, sachlichen Ebene geführt wird.
Großes Lob und ein herzliches Dankeschön an alle Vorredner!
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Nekator
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Nekator »

*gähn* für die Aktion.. die Kommentare sind hier hingegen, zur Abwechslung für dieses Thema, mal interessant ;)
Doc Angelo
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Re: Game Developers Conference Europe 2014: Frauen haben "ei

Beitrag von Doc Angelo »

Seth666 hat geschrieben:Nach der Arbeit treibt man noch Sport um seinen super Body zu trainieren.
Nicht vergessen: Auch Sport ist längst zu einem Produkt geworden: Mit dem tollen Superwagen fährt man in die Filiale des Mucki-Buden-Franchise-Teilnehmers in deiner Nähe! Und wenn man mal Fahrrad fährt, braucht man auf jeden Fall super duper Funktionswäsche mit Werbung drauf, eine Profiflasche aus Raumfahrer-Aluminium und wissenschaftlich getestete (nicht bestätigte) Superriegel für zwischendurch.

Ansonsten bin ich ebenfalls der Meinung, das man dem Thema etwas Zeit geben muss. Natürlich sollte nichts verschwiegen werden, aber man sollte auch nichts übers Knie brechen. Gleichberechtigung sollte nicht erzwungen, sondern gefördert werden.