Dein Beitrag ist in Grundzügen durchaus richtig, man sollte nicht alles einfach so hinnehmen wie es gesagt wird, aber du machst wieder diesen Fehler, aus einer privilegierten Position heraus zu sprechen und hängst dem Irrglauben an, man könne die Verhältnisse ändern, indem man nur allen Diskriminierungen ausweicht.
Hier beschreibt die Frau saudumme (Anmach-)Sprüche von Männern auf einer Messe. Ja, Vollidioten gibt es überall, egal welche Messe. Ich hab auch Frauen auf Messen erlebt, die sich unangemessen Verhalten. Ich denke jeder hat im öffentlichen Leben schon mal Leute gesehen, die sich äußerst ausfallend verhalten. Aber jetzt gleich alle über einen Kamm zu scheren ist falsch.
Klar heißt das nicht, dass absolut jeder Mann das so macht. Das ist auch nie so der Punkt. Der Punkt ist dass es keine ganze institutionalisierte Kultur sich auf Gaming-Messen schlecht benehmender Frauen gibt.
Die "Boys-Club"-Logik hingegen, eben diese Anmachkultur ist es sehr wohl. Und sie wird, wie wir sehen, auch nur all zu gern verteidigt.
Und da sind wir wieder bei dem was ich gesagt habe: Solange die Mehrheit der Stimmen des Gamings eben zuerst einmal eben diese Strukturen verteidigen, oder wenn sie sie schon angreifen, gleich dahinter sagen "Naja, aber eigentlich sind die Frauen ja selbst schuld", dann ist es absolut kein Wunder dass uns das ewige Stigma des Sexismus anhaftet.
- paid half the salary of her peers: Umstände etc. unklar...Viele Fragen hätte ich. Warum hat sie den Job angenommen wen dieser so schlecht bezahlt ist? Warum hat sie nicht mehr verhandelt? Hat sie die gleiche Arbeit gemacht wie ein anderer? Waren unter den "peers" auch Frauen?
Damit sind wir weder "Wer nicht diskriminiert werden will, muss halt wegrennen". Aber ist das ernsthaft vernünftige Logik? Nochmal: Warum erwarten wir von einer Frau dass sie mehr Energie darin steckt, die selben Rechte wie ein Mann zu bekommen? Warum hängen wir dieser idiotischen Vorstellung vom selbstregulierenden Kapitalismus an, der einfach nur offen illegal sein kann, weil es wird sich schon irgendwie ausgleichen weil Angebot und Nachfrage und blabla.
Womit wir wieder sind bei: Wir können, denke ich, alle zugeben dass es nicht legal sein sollte, aufgrund seines Geschlechtes den halben Lohn zu bekommen. Warum aber ist dann bitte die Person, die den halben Lohn bekommt Schuld, nur weil sie nicht um ihre gottverdammten Grundrechte gebettelt hat?
Womit wir wieder bei meinem Beispiel vom Beginn sind, die Bürgerrechtsbewegung der Schwarzen, welche sich weigerte eine Ausnahme im Gesetz anzunehmen sondern klipp und klar gesagt haben wollte "Ihr kriegt diese Rechte, und habt sie immer gehabt, einfach nur weil ihr Menschen wie jeder andere seid".
Aber wenn es um die Gleichstellung von Frauen geht, sollen sie sich mit eben solchen Ausnahmen abgeben, sollen sie irgendwie versuchen, das beste aus dem System zu machen statt das System an sich ein zu reißen.
Hmm...schauen ist jetzt schon Sexismus?? Holy crap.
Stell dir bitte einmal vor, jede zweite Frau der du auf der Straße begegnest blickt dir lange und gierig auf die dicke Beule in deiner Hose. Jetzt stell dir vor du willst ein Gespräch mit irgendeiner Frau führen, die für dich ein großes Vorbild ist, aber während des Gespräches siehst du ihre Blicke immer wieder nach unten sinken.
Kannst du es dir vorstellen? Weil ich kann es ehrlich gesagt nicht. Wo wir wieder bei der Geschichte sind "Ja klar kann ich mir als Mann diese alltäglichen Formen des Sexismus nicht vorstellen, weil ich nie vergleichbares erlebt habe, aber das heißt nicht, dass sie nicht existieren."
Und wenn es die Frau gestört hat, dann hätte sie halt was sagen sollen .
Erneut: Er starrt. Warum ist sie dafür verantwortlich?
Selbst wenn wir von der offensichtlichen Antwort ausgehen: "Damit er aufhört.", warum sehen wir dieses Szenario schon wieder als "war doch ihre Schuld". Und genau das ist es, was ich meine, wenn ich sage, die Gaming-Community muss etwas dagegen sagen. Die Mehrheit der Gaming-Community sind keine Sexisten, wie wir aus dem Artikel gelernt haben, haben viele, viele Leute bei den Developern Bedenken wenn es um hypersexualisierte Charaktere und Co geht. Aber solange wir diese Arschlöcher, die wirklich verantwortlich sind stillschweigend tolerieren, solange wir fragen "Warum hat sie sich nicht vor diesem Arschloch geschützt" statt "Warum tolerieren wir so ein Arschloch hier", solange sind wir nun einmal unweigerlich Kollaborateure, und damit, obwohl wir aktiv nicht mitmachen, Teil des Problems.
Dieser beschreibt ein allgemeines Problem und keines, welches sich nur auf die Spieleindustrie beschränkt. Ich kann in dem Artikel nichts finden, welches sich nur auf die Spieleindustrie bezieht. Diese Probleme findet man in vielen Firmen (nicht jeder). Das Thema hatten und haben wir doch auch in der Politik mit der Frauenquote etc. Das ist also nichts was sich nur auf eine Branche beschränkt.
Die Spieleindustrie trägt mit einigen Eigenheiten durchaus zum Problem bei. Siehe eben diese Boys-Club-Mentalität, die typische Frauendarstellung in Spielen selbst, lockerer Umgang miteinander an sich (siehe die Story mit den Pornoheften auf dem Damenklo), etc. Also kann man schon sagen dass das Problem in der Spielebranche nicht genau das gleiche wie etwa das in einer Bank wäre.
Davon abgesehen ist das aber auch wieder diese Abwandlung des "Es gibt größere Probleme"-Arguments. In seiner klassischen Form fragt dieses "Warum beschäftigen wir uns damit, es gibt doch größere Probleme", und eliminiert dadurch das kleinere. In seiner hier zu sehenden abgewandelten Form sagt es "das ist ein Problem, dass überall auftritt, also muss es auf allgemeinerer Ebene gelöst werden". Die Frage ist dann nur: Wie? Gibt es irgendein geheimes, sämtliche Industrien übergreifendes feministisch-bolschewistisches Komitee das insgeheim alle beeinflusst? Nein? Dann wird die Sexismus-Frage wohl oder übel in der spezifischen Industrie an sich gelöst werden müssen, womit wir eben wieder an dem Punkt sind, an dem wir schon waren.
Und Sexismus ist keine Einbahnstraße. Männer sind genauso davon betroffen.
Richtig, nur auf eine andere Weise und es ändert auch nichts daran, dass trotzdem Frauen diskriminiert werden.
Ich weiß nicht, ganz ehrlich, dass "Aber Männer leiden auch unter Sexismus"-Argument ist meiner Meinung nach komplett sinnlos, denn es läuft auf folgende Möglichkeiten hinaus:
a) Es unterstellt der anderen Person, dass sie dies nicht in Betracht gezogen hat, und dass demzufolge ihre gesamte Argumentation sinnlos ist - das ist sowohl ein enormes Missverständnis bezüglich der Funktionalität logischer Argumente als auch eine sich selbst auflösende Unterstellung wenn der Gegenüber die ganze Zeit von Gleichstellung redet.
b) Es versucht das Problem zu relativieren, nach dem Motto "Männer werden auch diskriminiert und heulen nicht rum, also haben Frauen überhaupt keinen Grund es zu tun" / "Wenn beide diskriminiert werden, ist das auch eine Form von Gleichstellung". Jetzt mal von der Relativität und Vergleichbarkeit männlicher und weiblicher Diskriminierung abgesehen kann ich nur auf meine Antwort von eher verweisen:
Ich weiß ja ehrlich gesagt echt nicht, wie solche Leute durchs Leben gehen können deren gesamtes Gesellschaftskonzept darauf basiert, sich darüber zu freuen dass man mit dem Kopf noch aus der Scheiße gucken kann solange sie jemand anderem schon bis zur Stirn geht, statt mal zu hinterfragen, warum wir denn überhaupt alle in der Klärgrube stehen müssen.