Imperator Palpatine hat geschrieben:Ich bleibe bei meiner Aussage und ich will dir auch nahelegen warum.
Die Feminismus oder besser die Emanzipationsbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und in den darauf folgenden Jahrzehnten waren sinnvoll und entstanden aus tatsächlicher Ungleichheit.
Gut - darin, dass der frühe Feminismus sinnvoll war, sind wir uns also einig. Dass aber heutzutage keine "tatsächliche Ungleichheit" mehr bestehe, ist erstens aus der Gegenwart heraus beurteilt leicht gesagt, und zweitens meiner Ansicht nach auch nicht richtig. Man muss jetzt gar nicht erst mit Schwergewichten wie dem Lohngefälle oder der Zusammensetzung gewisser Chefetagen anfangen, lass uns ruhig mal beim (Luxus?-)Thema "Computerspiele" bleiben. In den aller-, allermeisten Computerspielen konstituiert das Männliche eine Norm, das Weibliche dagegen eine bloße Abweichung von dieser. Das ist natürlich eine Kleinigkeit im Vergleich zu Thematiken wie "Frauenwahlrecht". Dennoch ist es eine Ungleichheit, die (gerne ganz unhysterisch und ohne groß zu moralisieren) diskutiert werden kann. Undzwar ohne sich ständig anhören zu müssen "Was habt ihr bloß für Luxusprobleme, euch geht's wohl zu gut!"
Zumal es herzlich einfach ist, als Nichtbetroffener (also als spielender Mann) diesen Sachverhalt als Luxusproblem abzuqualifizieren. Wärest Du eine spielende Frau (was übrigens auch ich nicht bin), so würdest Du die Sache womöglich anders sehen, wenn Du das Gefühl bekommst, dass in Deinem geliebten Hobby eine Unterrepräsentation deines Geschlechts quasi Standard ist. Was selbstredend nicht heißt, dass Frauen das durch die Bank so sehen werden, auch da wird sowas vielen herzlich egal sein. Was aber nichts daran ändert: Luxus ist es vor allem, zu bestimmen, was ein Luxusproblem ist.
Der " massive patriarchalischer Backlash in den Fünfziger Jahren " von dem du sprichst kam aber nicht einfach nur durch die Männer. Die Frauen, insbesondere in Deutschland, haben ihre Stellung ohne grossen Widerstand wieder abgegeben. Nach Jahren des Krieges und allen damit einhergehenden Strapazen und Entbehrungen war man insgeheim recht froh die Verantwortung wieder ein wenig abzugeben.
Ich schrieb ja extra "
u.a. durch die Rückkehr der Männer in die Berufe". Man muss darüber hinaus anfügen, dass Deutschland in dieser Hinsicht ein absoluter Sonderfall ist, da die Nazis eine Generation lang ein Frauenbild geprägt haben, das international (im beinahe ausschließlich negativen Sinne) ohne Vergleich ist. Nichtsdestoweniger würde ich mich solch spekulativ-psychologisierender Geschichtsdeutung wie "Die Frauen waren sicher insgeheim ganz froh..." lieber enthalten.
Und wenn ich von der außergewöhnlich langen Friedens- und Wohlstandsperiode rede, dann meine ich die Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere für dieses Thema jene seit den 80er Jahren.
Das westlich orientierte Europa hatte seit dem Ende des 2. Weltkrieges eine bis heute nicht endende Friedensperiode erfahren, die Gründe sind vielfältig und würden hier den Rahmen sprengen aber das Prinzip der atomaren Abschreckung war z.B einer der Gründe. Die Vereinigten Staaten hatten Korea und Vietnam aber in beiden Fällen waren dies keine Kriege von Globalem Ausmass bei der z.B. die US Wirtschaft auf den Krieg umgestellt wurde inklusive der damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen. Zu keinem Zeitpunkt wurden Frauen zum Dienst an der Waffe verpflichtet, seltsamerweise hatte in all den Jahren bis zur Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland keine Frauenbewegung hier Gleichberechtigung gefordert.
Die (auch) globale Bedeutung des Korea- und vor allem Vietnamkrieges sind vor dem Hintergrund des kalten Krieges überhaupt nicht zu überschätzen. Das waren Stellvertreterkriege, man kann das nicht ernsthaft Angelegenheit abtun, mit der wir in Europa überhaupt nichts zu tun hatten.
Weiterhin ist es abwegig bis fahrlässig, die "gesellschaftlichen Folgen" dieser Kriege für die USA herunterzuspielen - der Vietnamkrieg ist für die USA ein nationales Trauma wie sonst nur die Sklaverei. Gesellschaftliche Auswirkungen gab es da doch nun wirklich zuhauf, das würde doch niemand ernsthaft infrage stellen wollen. Und auch die wirtschaftliche Tragweite war selbstverständlich groß, allein schon durch den Wegfall einer signifikanten Anzahl männlicher Arbeitnehmer, wie in jedem großen Krieg.
Der Bezug zur Gleichberechtigung an der Waffe erschließt sich mir nicht ganz, aber über die kann man ja diskutieren, wüsste nicht wieso man das nicht tun sollte. Bin mir sicher, die (heutigen) Feministinnen reden da auch gerne drüber, da würde ich mir mal überhaupt keine Sorgen machen.
Und als die Frauenbewegung auch in rechtlicher Hinsicht ihre Ziele erreicht hatte kamen jene ins Spiel auf die ich mich beziehe. Frauen wie auch Männer die merkten dass sich hier in Kombination mit der Political Correctness ein grosses Potential für ein leichtes Leben ergibt. [...]
Nur ein Staat dessen Bewohner nicht unmittelbar von Tod durch Hunger, Durst, Kälte, Hitze, Krieg bedroht sind. In dem ein jeder, selbst ohne Arbeit, Geld und eine Wohnung erhält. In dem jeder genug Freizeit hat um alles mögliche zu tun. Nur ein solcher Staat kann sich eine Idiotie wie Gender Studies und Political Correctness leisten. Und nur dessen Bewohner eine GaymerX. Der Rest hat dringendere, reale Probleme die er angehen muss.....
Über "Political Correctness" will ich hier nicht reden. Das ist ein blödes Kampfwort, das Diskussionen eher schadet, statt sie in irgendeiner Weise voranzubringen.
Außerdem: Dass jeder zunächstmal über die Probleme klagt, die ihn vor dem Hintergrund seiner ganz persönlichen Lage, ob privilegiert oder prekär, subjektiv stören, ist doch wohl mehr als normal. Habe nie verstanden, warum dann immer einer ankommt, der sagt "Zähne zusammenbeißen, wo anders ist's (respektive damals war's) noch schlimmer!".
Besonders schlimm finde ich dies jedoch, wenn der harte Hund, der "Deal with it" fordert und "First World Problems" ruft, selbst überhaupt nicht von dem Problem betroffen ist. Womit wir wieder beim weißen, gutsituierten Mehrheitsmann wären, bei dem es offenbar momentan voll im Trend liegt, weniger Privilegierten zu erklären, ab wann sie sich unterrepräsentiert, benachteiligt oder gar diskriminiert fühlen "dürfen".