Eine Frage, die sich sicherlich jeder Mensch für sich selbst beantworten darf (und sollte). Vergessen wir aber nicht: Es sind Spiele. Vor der digitalen Revolution haben Kinder mit Stöckern oder Wasserpistolen Cowboy und Indianer gespielt. Dieser spielerische Umgang mit Gewalt ist gerade für junge Menschen ganz normal, und das schon immer - ohne dass wir Grund zur Annahme hätten, dass die moralische Entwicklung der Kinder dadurch negativ beeinflusst werden könnte.FlyingHorst hat geschrieben:Allein die Diskussion um die Frage bis zu welchem Grad die Zurschaustellung und Inszenierung von grob menschenverachtendem, gewaltverherrlichendem, z.T. rassistisch-diskriminierendem Verhalten, sprich eine Verletzung von Menschenwürde, noch im Rahmen dieses Spiels haltbar sei, spricht meiner Meinung nach für einen Werteverfall. Die Argumentation, es sei kein Spiel für Kinder, man könne ja abgesehen davon auch harmlosere Spiele wählen, lässt mich ebenso mit der Frage stehen: Wieso möchte man in einem Spiel, das vermutlich wie wenig andere eine derart realistische und bewohnte Umgebung darstellt, solche Taten verüben?
Woher diese Faszination rührt, kann ich Dir nicht beantworten. Freud wüsste es sicher. Es scheint uns aber in den Genen zu liegen.
Des Weiteren gehe ich sicher nicht zu weit in der Annahme, dass Menschen (auch Jugendliche) durchaus in der Lage sind, Realität und Spiel klar von einander zu trennen. In Spielen kann ein Jeder den "Bad Guy" spielen und die gesamte Menschheit virtuell versklaven, danach das Spiel beenden und ein ganz normaler, hochmoralischer Mensch sein. Das verhält sich da nicht sonderlich anders als z.B. auch mit Filmen und Fernsehserien.
Vorsicht, das scheint mir eine "slippery slope fallacy" zu sein. Im Jugendhilfebereich dürftest Du es wohl verstärkt mit problematischen Jugendlichen zu tun gehabt haben und ziehst daraus Rückschlüsse auf die Spielgewohnheiten der Kids. Aber weder sind Dir (oder vielmehr uns) die wirklichen Gründe für das Kratzen an der "gesellschaftlich notwendigen Mindestgrenze an ethischem Verhalten" in ihrer Gänze bekannt, noch sind diese Jugendlichen die Einzigen, die gerne GTA spielen. Korrelation heißt nicht zwangsläufig Kausalität. Dass der allergrößte Teil der GTA-Spieler eine gesunde Moralität in einem gesunden sozialen Umfeld pflegt, erklärt sich von selbst.FlyingHorst hat geschrieben: Ein mögliche Antwort darauf: Nachdem ich mehrere Jahre im Jugendhilfebereich gearbeitet habe, kann ich nur sagen, dass gerade die GTA Reihe bei den betreuten 10- bis 15-jährigen sehr beliebt ist...das liegt nicht an GTA, sondern daran, dass aus alles medialen Richtungen Gewalt, Rassismus, Abwertungen anderer auf uns einrieseln... so lange schon, dass die "Grenzen des guten Geschmacks" oder wie ich es bevorzugt nennen würde, die gesellschaftlich notwendige Mindestgrenze an ethischem Verhalten, verwischt sind....so lange schon, dass wir Erwachsenen schon oben besagte Diskussion führen und die jüngeren nichts anderes kennen und sich wundern, warum GTA mit FSK-18 Siegeln bedruckt wird.
