Alter Sack hat geschrieben:@Skabus: OK das mit der Arbeit nehme ich zurück das war unhöflich. Entschuldigung.
Man sollte da immer vorsichtig sein. Ich arbeite seit einiger Zeit in einer Marketing-Firma die 3D-Apps für namenhafte Großunternehmen herstellt
Und ziemlich wahrscheinlich wirds von mir in Zukunft auch den ein oder anderen Indie-Titel geben
Aber ist halt Internet, bins gewohnt, und meistens selbst nicht besser
Alter Sack hat geschrieben:Bei der Größe eines solchen Unternehmens muss ich Spiele haben um damit Kohle zu erwirtschaften. Und zwar sichere Kohle. Ich kann mir keine tollen Ideen aus den Fingern saugen und hoffen das es klappt. Sollte ich ausreichend Überschüsse erwirtschaften kann man bestimmt mal das ein oder andere ausprobieren. Aber das sind keine 10 Mann Buden mehr aus der Gründerzeit der Viedeospiele.
Ja, das ist mir schon bewusst, und ich will auch gar nicht sagen, dass die mayors völlig daneben liegen, das Problem ist nur, dass sie seit etwa 10 Jahren in so einer ewig gleichförmigen Tretmühle gefangen sind, und absolut keine Ambitionen haben die Spiele an sich inhaltlich und durch Innovationen auf eine neue Stufe zu heben und nicht nur ständig grafische Updates zu präsentieren, wärend der spielerische Anspruch aber zurückgeht.
Alter Sack hat geschrieben:Ich denke das unsere Erfahrung im Bereich "Firmenskalierung, Gewinnerwartung und dem Verhältnis zwischen Firmengröße und der Gewinnerwartung " etwa ähnlich sein wird. Ich arbeite seid knapp 30 Jahren und davon die letzten 20 in demselben IT-Unternehmen und hab schon so einiges mitbekommen.
Oha, dann bin ich ja im Vergleich zu dir ein richtiger Frischling

Dein Name ist scheinbar doch Programm. Nichts für ungut, das Internet ist eben immer etwas unpersönlich.
Du müsstest in dem Punkt aber wissen, das Firmengröße und Wachstum keine Faktoren sind die vom Himmel fallen, es ist eine bewusste Entscheidung einer Firma, die expandieren will und auch die wirtschaftliche Stärke gewonnen hat um das zu tun. Dabei verlieren viele Firmen aber den Fokus auf ihre Produkte. Das geht solange gut, wie es genug Kunden gibt die die Produkte kaufen. Die Firma sagt sich in diesem Fall, es wäre richtig so und nicht anders zu handeln, der Erfolg bemisst sich also nur über Gewinn nicht über die Qualität der Produkte. Sobald dann aber der Zusammenbruch kommt, gibt man sich wiederrum reumütig und tut so, als hätte man das ja schon seit Jahren geahnt. Unternehmertum ist in vielerlei Hinsicht sehr verlogen, das durfte ich bereits am eigenen Leib erfahren(zum Glück nicht meine aktuelle Firma!)
Niemand hindert EA, Ubisoft und Co. aber daran z.B, eigene kleine Indie-Abteilungen aufzubauen, und dort mit kleineren Bugets(=geringeres Risiko), kleine Entwicklerteams anzustellen, die dann eben vom Umfang her kleinere Produkte herstellen, aber eben mehr Wert auf Innovation und Originalität legen. So könnte ein mayor auch aktive Feldforschung betreiben und evtl. Indie-Ideen aus der Taufe heben die, sofern sie gut ankommen, auch die AAA-Titel berreichern würden. Bestes Beispiel ist aktuell Minecraft: Das Spiel hat selbst bei den mayors eine Welle losgetreten, mehr Spiele mit prozedural erstellten Inhalten anzubieten. Denke da an Gameglobe oder Project Spark.Gibt aber noch jede Menge anderer Produkte. Die Secon Life-Macher arbeiten aktuell z.B. an Patterns, einem Minecraftklon.
Was ich an den mayors aber so schrecklich finde,ist die Arroganz und die Ignoranz für Innovationen, für kleinere Zielgruppen, die ebenso gerne Videospiele spielen und nichts mit CoD anfangen können.
Dieses Vakuum hat ja letzendlich auch die Indie-Welle losgetreten und es zeigt sich, dass sich kleine Projekte, selbst mit sog. "altbackenem"(man wie ich dieses Wort hasse!) GameDesign gut verkaufen. Ich denke da an "Legend of Grimrock", einem extrem guten Indie-Titel der die "Dungeon Crawler" für die neue Generation wieder salongfähig gemacht haben und daher zurecht 500.000 Mal verkauft wurde.
Für die mayors ist sowas aber Peanuts. Es geht ihnen auf Deutsch gesagt am Arsch vorbei, dass es eine mittlerweile große Indie-Szene gibt, die vor allem durch Innovation und nicht durch gutes Marketing punktet.
Ich sehe daher keinen wirklich überzeugendes Argument zu sagen "Wir wollen Geld verdienen!". Denn es verdienen nicht nur die mayors, sondern auch die Indies, kleine Firmen, die große Innovationen anbieten. Ist ja in artfremden Branchen auch so. Es gibt die großen mayors die z.B. Kleidung in Massenware produzieren, das schließt aber kleine, selbstständige Schneidereien nicht aus, die dafür dann aber keine Ware von der Stange, sondern originelle und außergewöhnliche Ware herstellen. Das weiß ich deswegen, weil ich selbst in einer sehr kleinen Firma arbeite(etwa 10 Mitarbeiter), die aber trotzdem durch ihre innovativen Konzepte großes Interesse bei namenhaften Firmen wie Autohersteller, Immobilienfirmen, etc. hervorgerufen hat.
Es stellt sich immer die Frage was ich "wirklich" machen will, wie ich am Markt bestehen will, und vor allem ob ich eben wirklich nur möglichst viel Geld machen will, oder ob ich meine Kunst/mein Handwerk ausleben und davon leben will. Da ist es einfach kein Argument, dass EA sich immer größer frisst und dann floppen nach und nach ihre ganzen "tollen" Projekte. Die letzte Flaute war doch erst mit The Old Republic: Ein gigantisches Entwicklungsbuget hat man lockergemacht, wobei sicher mehrere Millionen nur für Marketing draufgegangen sind. Namenhafte WoW-Clans haben für "The Old Republic" ihre WoW-Server verlassen und kaum ein paar Monate später sind die selben wieder zurückzukehren. Warum? Weil "The Old Republic",wie sovieles was EA macht,ein Windbeutel ist. Viel Wind, aber keine Substanz.
Jetzt frage ich dich: Was hat es mit Geld verdienen zu tun, ein Produkt am Kunden vorbeizuentwickeln, Millionen Kosten zu verursachen um dann zu merken, dass all das Marketing nicht darüber hinweggetäuscht hat, dass das Produkt über weite Strecken absolut substanzlos ist und bei den Kunden nicht ankommt.
Ich glaube nicht, dass die Publisher wirklich verstehen wie der Spielemarkt funktioniert. Die meisten Entscheidungsträger(ich durfte einige kennenlernen, gute wie schlechte) verstehen viel von Marktwirtschaft aber kaum was von Spielen. Sie glauben immernoch es gäbe eine Formel X mit der man SICHER immer den Gewinn Y einfahren, wenn man sich doch nur an eine genaue Kombination aus Marketing(bis zur Grenze des Betrugs), Geheimniskrämerei und Technologieeinkauf hält. Daher produzieren sie auch ständig Hypes, in der Hoffnung die Leute zu dieser Formel "hinzuerziehen". Erst war es "Social Media", nun F2P. Dieser Leute kapieren einfach nicht, dass all das Facetten des großen Ganzen sind, und wirklich erfolgreich wird der sein, der ein breites Spektrum an Kunden bedient und nicht versucht sich Konsumzombies zu züchten, die alle das selbe aufgetischt kriegen und alles immer und immer wiederkauen müssen.
Ich sehe daher auch den Sinn bei Ubisoft nicht. Eine Idee muss nicht zwangsläufig in die Form gegossen werden, dass jede IP sofort ein Franchise wird, das ist utopisch und sorgt wieder nur dafür, dass viele gute oder gar sehr gute Ideen im Keim erstickt werden, eben weil sie sich nicht als Marketing-Monster eignet. Und genau das ist Gift wenn man nicht nur mit Technikern sondern mit kreativen Menschen zusammenarbeiten will.
MfG Ska