Also ich fand das gerade eine große Stärke von GTA:
Dass es nämlich zustandebrachte, Milieus zu schildern, die (damals) noch nicht durch Medien-Mainstream massentauglich geworden sind und auch im eigenen Medium (Videospiele) unberührt waren.
GTA: SA wurde nicht zu unrecht als das "erste schwarze Videospiel überhaupt" bezeichnet und hat mir die gesellschaftlichen Brennpunkte der frühen 90er in Kalifornien näher gebracht. Ich kannte davor weder Hoods, noch Homies, die Los Angeleser Rassenkonflikte, federnde Low-Rider etc. Und das war nur ein winziger Aspekt im gesamten fiktiven Staat San Andreas.
GTA IV war in meinen Augen insofern auch eine tolle Weiterentwicklung, da es deutlich erwachsener wirkte und weniger auf pubertären Dildo-Humor machte. Auch hier fand ich es mutig und toll, dass Rockstar einen serbischen Einwanderer als Hauptfigur wählte und somit wieder eine Nische bediente. Besonders auch hier in Europa ist man mit süd-osteuropäischen Migranten konfrontiert, kennt diese jedoch zumeist nur aufgrund stumpfer politischer Meinungsmache und hat meist kaum einen tieferen Einblick.
Ebenso hat mir der insgesamt realistischere Touch sehr zugesagt, angefangen von Schusswechseln, Waffen und Fahrzeugverhalten (auch wenn es gerade am letzteren noch viel Verbesserungsbedarf gibt.)
Der Umstieg auf die neue Rage-Engine hatte natürlich auch seine Nachteile, die besonders durch eine kleinere spielerische Freiheit als noch San Andreas auffielen.
Vom V_er würde ich mir wünschen, dass die eingeschlagene Route beibehalten wird und etwas tiefgründigerer Humor zum Einsatz kommt, weiter weg von plakativen, platten Sprüchen und stattdessen etwas mehr Subtilität. Eine Persiflage bzw. Parodie muss nicht zwangsweise derart gestaltet sein, dass sie ein 12jähriger auch noch versteht. (Ich weiß natürlich, dass damit ein beträchtlicher Anteil der Spieler wegfällt

)
Durch die Splittung in 3 Hauptfiguren gäbe es ein wunderbares Pontential die groteske Situation des heutigen Amerika aus verschiedenen Perspektiven zu schildern. Während man sich als Franklin in den sozial schwächsten Schichten bewegt und mit dem täglichen (Über-) Lebenskampf in einer aus den Fugen geratenen kapitalsdominierten Welt bewegt, hat man als Michael mit dem sinnentleerten Überfluss zu kämpfen und erkennt dabei nicht nur welche unterschiedlichen Lebenswelten tatsächlich parallel existieren, sondern auch welche Mechanismen und Prinzipien da wie dort wirken.
Das alles bedeutet nicht, dass darum herum kein Spiel gestrickt sein kann, dass tatsächlich auch Spaß macht.