Wigggenz hat geschrieben:
Du hast meine Vorbehalte monokausal mit meinem männlichen Geschlecht verknüpft, was mich hier verärgert. Das ist nämlich nichts anderes als "Du bist ein Mann, darum kannst du das alles nicht verstehen!"
Das war nicht meine Absicht. Ich wollte nur deutlich machen, dass "Erforderlichkeit" in dieser Sache absolut im Auge des Betrachters liegt, und Frauen insbesondere haben da eben aus offensichtlichen Gründen andere Ansichten als Du.
Wigggenz hat geschrieben:Darauf antworte ich: versetze dich in die Lage eines Menschen, der sich bewerben will, sehr gute Qualifikationen hat, die Wirtschaft allerdings
..und hier kann man den Satz auch umdrehen, denn in dieser Situation befinden sich Frauen derzeit bereits. Personalleitungen haben auch unter "dem Joch der Quote" noch genügend Spielraum (bspw. 70%), sodass ein hervorragend geeigneter Mann selten eine Ablehnung fürchten muss, während Frauen oft genug nur ihrer Weiblichkeit wegen abgelehnt werden. Hingegen gibt es nicht viele Szenarien, in denen eine Frauenquote wirklich negative Auswirkungen hat; ein Unternehmen muss bereits stark männlich dominiert sein (sonst wäre die Quote ja schon erfüllt), die offene Stelle ist neu oder ehemals die einer Frau, der Bewerber ist ein Mann, er ist nachweislich qualifizierter als jede sich bewerbende Frau und innerhalb der 70% vergleichbaren variablen Positionen in anderen Unternehmen steht derzeit kein Posten als Alternative zur Verfügung. Aktuell hingegen muss es nur eine Frau sein, die sich bewirbt und der jew. Verantwortliche Vorbehalte gegenüber Frauen haben. Was ja augenscheinlich nicht allzu weit hergeholt ist.
Wigggenz hat geschrieben:Zunächst mal meine ich in Erinnerung zu haben, dass sich auf solche Führungspositionen zunächst mal viel weniger Frauen als Männer überhaupt bewerben (was manch einer wieder mit Gehirnwäsche durch das Patriarchat verknüpfen würde). Leider keine Quelle parat, ist auch schon ca. 2 Jahre her. Ich kann gerne recherchieren, wenn du mir nicht glaubst, aber kann dir nicht garantieren, dass das schnell geht.
Ich kenne keine wirklich verlässlichen Zahlen dazu (jene, die vor einiger Zeit mal durch die Presse geisterten, widersprachen sich aber teilweise heftig), aber nehmen wir mal an, es wäre so. In dem Falle wäre es durchaus denkbar, eine Fallback-Lösung in das Gesetz zu implementieren, das Abweichungen von der Quote im Einzelfall
zulässt, sofern die Bewerberinnensituation nicht zufriedenstellend ist. Dafür habe ich Verständnis. Und natürlich macht eine Quote derzeit auch nur dort Sinn, wo sie überhaupt erreicht werden kann. Es spricht ja nichts dagegen, sie schrittweise und branchenspezifisch einzuführen.
Wigggenz hat geschrieben:Und in hohen wirtschaftlichen Positionen sollten Eignung/Qualifikation alles sein. Ich wäre ja für ein anonymisiertes Einstellungsverfahren, wie es beispielsweise in der ersten Bewerberfilterungsphase für manche Behörden genutzt wird, aber das schließt ja persönlichen Kontakt aus, und ohne solchen Kontakt sind Einstellungsverfahren oft nicht aussagekräftig genug.
Ja, das wäre der Optimalfall. Bzw.: Im Endeffekt sollte genau das alles sein, was die jeweiligen Unternehmen eben wollen, und wenn es ein "Mit denen kann ich in der Pause wenigstens auch mal 'nen Kaffee trinken" ist. Aber das setzt eben einen anderen gesellschaftlichen Status voraus, den wir derzeit noch lange nicht erreicht haben.
Anonymisierte Einstellungsverfahren haben natürlich selbst ihre Tücken und Probleme, eines hast Du selbst genannt. Leider nicht wirklich eine Alternative.