Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

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Oldholo
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Oldholo »

kamm28 hat geschrieben:Wenn jemand trotzdem der Meinung ist, dass so etwas für Kinder nicht geeignet ist, bitte, dann soll man es weglassen. Aber nicht allgemeingültig und -verbindlich verbieten, zensieren oder löschen. Ebenso wenig, wie ich es für gut heißen würde, Mario in den alten Spielen nicht mehr die Prinzessin retten zu lassen. Wenn in neuen Spielen endlich ein anderer Ansatz verfolgt wird: Um so besser!
Eben, um mehr ging es mir in dieser Sache von Anfang an nicht, und wenn ich muecke-the-lietz richtig verstanden habe, geht es ihm/ihr dabei nicht anders.
Das Spektrum möge erweitert und nicht mit Knüppel und Faust eingeschränkt werden.
Ich finde z.B. die Aktion des Vaters super, der das alte Donkey Kong umgedreht hat, aber ich hab' noch nie gesehen, dass jemand (auch nicht Anita Sarkeesian) verlangt hat, die Originale umwiderruflich umzuschreiben. Genauso mit Büchern. Und auch ich käme niemals auf die Idee, ein "Legend of Zelda" zu einem "Legend of Link" zu machen. Wenn der nächste Teil dann aber so (oder etwas origineller..) hieße, würde es mich dennoch freuen. :D
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De_Montferrat
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von De_Montferrat »

Wenn man kein Argument mehr hat, bemüht man das Totschlagargument "Stammtischgerede". :roll: Man kann auch eine Meinung haben, ohne Pädagogik, etc studiert zu haben. So mancher Student/ Studierter meint tatsächlich, weil er etwas studiert/ studiert hat, sei er bzw. seine Meinung der Weisheit letzter Schluss. Nur mal so nebenbei: Wissenschaften können sich irren und wandeln sich ebenso mit der Zeit. Du befürwortest ja schließlich auch keine zünftige Tracht Prügel mehr, oder? Und Kinder können eben doch damit umgehen, wenn man es ihnen erklärt. Den Negerkönig durch den "Südseekönig" zu ersetzen ist einfach Schwachsinn aller erster Güte. Negerkönig ist viel aussagekräftiger und charakterisiert den betroffenen König als Schwarzen. Oder sollte ich sagen Afrikaner? Oder Mensch mit anderer/ dunklerer Pigmentierung? Oder Mensch mit anderer/ dunkler Pigmentierung durch erhöhte Melaninproduktion, weil er einer intensiveren UV-Strahlung ausgesetzt ist, weshalb sich seine Haut bzw. sein Körper besser schützt, weil dadurch weniger UV-Strahlung absorbiert wird? Es ist völlig sinnbefreit, das ändern zu wollen. Als ob man den Kindern damit Schaden zufügen würde.
War es zu Lebzeiten der Autoren noch ganz normal, solche Worte zu verwenden, gibt es den Texten heute etwas skandalöses und ruchloses, was da aber überhaupt nicht so beabsichtigt war. Somit ändert sich durch das "Nicht-Ändern" der Kontext, weil die Passagen plötzlich eine weitere Ebene bekommen.
Was bitte ist denn plötzlich skandalös und ruchlos? Empfindest du Wörter wie Weib auch als beleidigend, weil es heute eine negativere Konnotation hat, als damals? Die Passagen bekommen auch nicht plötzlich eine weitere Ebene. Wenn Kinder das lesen/ hören, wissen sie erst einmal gar nichts damit anzufangen und fragen nach. Dann erklärt man es ihnen. Ich kann kamm28 nur zustimmen bei der Frage, woher diese Löschen/ Verändern des Mediengedächtnisses kommt.

Oldholo, sprachlich betrachtet können Eigennamen wie "iPhone" in der Tat so geschrieben werden, wie es der Erfinder als richtig erachtet. Genauso wie die Artikelnutzung bei diesen Namen uneindeutig ist (z. B. der oder das Ketchup). Die seltsame Frickelmethode mit Unterstrich, Stern oder was auch immer ist wie Wigggenz schon anmerkte grammatikalisch wie orthographisch eine schlimme Verschandelung. Bei deinem Beispiel mit dem Chef bist du übrigens nicht wirklich aus deinem Gender-Wahn ausgebrochen. :lol: Du hast schließlich von der Herrentoilette geschrieben und das Problem auf eine männliche Belegschaft inkl. Chef bezogen. Außerdem hättest du im weiblichen Fall wohl von einer Chefin gesprochen. Daran stört sich auch niemand. Es geht nur um das Gefrickele und zwanghafte Nennen beider Geschlechte am besten noch im selben Wort. Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass ich ausgerechnet Informatik studieren würde?
Zuletzt geändert von De_Montferrat am 15.03.2013 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
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muecke-the-lietz
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von muecke-the-lietz »

Oldholo hat geschrieben:
kamm28 hat geschrieben:Wenn jemand trotzdem der Meinung ist, dass so etwas für Kinder nicht geeignet ist, bitte, dann soll man es weglassen. Aber nicht allgemeingültig und -verbindlich verbieten, zensieren oder löschen. Ebenso wenig, wie ich es für gut heißen würde, Mario in den alten Spielen nicht mehr die Prinzessin retten zu lassen. Wenn in neuen Spielen endlich ein anderer Ansatz verfolgt wird: Um so besser!
Eben, um mehr ging es mir in dieser Sache von Anfang an nicht, und wenn ich muecke-the-lietz richtig verstanden habe, geht es ihm/ihr dabei nicht anders.
Das Spektrum möge erweitert und nicht mit Knüppel und Faust eingeschränkt werden.
Ich finde z.B. die Aktion des Vaters super, der das alte Donkey Kong umgedreht hat, aber ich hab' noch nie gesehen, dass jemand (auch nicht Anita Sarkeesian) verlangt hat, die Originale umwiderruflich umzuschreiben. Genauso mit Büchern. Und auch ich käme niemals auf die Idee, ein "Legend of Zelda" zu einem "Legend of Link" zu machen. Wenn der nächste Teil dann aber so (oder etwas origineller..) hieße, würde es mich dennoch freuen. :D
Eben.

Aber mir ist auch schon in der Uni aufgefallen, dass die Befürworter der leichten Änderungen, bzw. Transportieren der Texte aus der Grundschule in die Mittel- und Oberstufe da wesentlich entspannter waren.

Der Originaltext SOLL auch weiterhin gedruckt und verkauft werden, aber wenn man die Geschichten als solche, ohne irgendwelche historischen Kontexte, mit den Kleinen behandeln möchte, kann man solche Worte einfach durch etwas harmlosere Worte ersetzten und diese Version doch dann beim Verkauf eindeutig kennzeichnen.

Ich weiß aber auch nicht, warum da so ein riesen Fass von der Gegenseite aufgemacht wurde. Bei Fritz Reuters (plattdeutscher Dichter) wurden seine leicht antisemitischen Passagen auch in den Schultexten entfernt und die Originaltexte kann man dennoch ganz problemlos in der Originalfassung kaufen. Diese Texte sind dann aber vor allem für Literaturwissenschaftler interessant.
Ansonsten sind das aber schöne Texte, die man auch im Plattdeutsch Unterricht behandeln kann, zumal es nicht soviel mehr große und bekannte Plattdeutsche Dichter gibt.

@De_Montferrat

Wie kommts du darauf, dass studierte Menschen nicht zu Stammtischgerede in der Lage sind? Mit dieser Aussage habe ich nicht auf irgendwelche Bildungsunterschiede aufmerksam machen wollen, sondern nur, dass sich viele Pädagogen und Literaturwissenschaftler einig waren, diese Texte ins 21. Jh. zu heben und dazu waren eben einige, kleine Änderungen nötig.
Diese Leute haben sich aber eingehender, wissenschaftlicher, länger und in Absprache mit den Eltern, Lehrern und Schulen mit diesem Thema auseinandergesetzt und daraus resultierend diese Entscheidung getroffen.

Das jetzt einfach mit klassischen, auch in Literaturkreisen durchaus gebräuchlichen Stammtischargumenten wie Zensur und ideologischer Bevormundung, vom Tisch zu fegen, halte ich einfach für unangebracht. Zumal es sich bei Wörtern wie "Neger" um Begriffe handelt, die aus einer Weltanschauung stammen, die zutiefst diskriminierend und rassistisch geprägt war. Dass sie von vielen einfach als Bezeichnung benutzt wurden, heißt nicht, dass diese Begriffe nicht per se verdammenswert sind.
Und wenn die aktuelle Ideologie eine Gleichheit zwischen den Menschen möchte, eine Welt, in der niemand mehr wegen seiner Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Nationalität benachteiligt und diskriminiert werden darf, ist das für mich eine verschmerzbare ideologische Anpassung.

Zumal ich absolut dafür bin, dass die original Texte weiterhin erhältlich sind.
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De_Montferrat
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von De_Montferrat »

muecke-the-lietz hat geschrieben:Zumal es sich bei Wörtern wie "Neger" um Begriffe handelt, die aus einer Weltanschauung stammen, die zutiefst diskriminierend und rassistisch geprägt war. Dass sie von vielen einfach als Bezeichnung benutzt wurden, heißt nicht, dass diese Begriffe nicht per se verdammenswert sind.
Und warum sollten das Kinder nicht wissen wollen/ sollen?
Und wenn die aktuelle Ideologie eine Gleichheit zwischen den Menschen möchte, eine Welt, in der niemand mehr wegen seiner Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Nationalität benachteiligt und diskriminiert werden darf, ist das für mich eine verschmerzbare ideologische Anpassung.
Tja, da liegt auch das Problem. Übertriebene politische Korrektheit, bei der auch nur ja jedes Individuum oder noch so kleine Minderheit bloß nicht verletzt werden soll. Und du kannst doch nicht ideologische Bevormundung als Stammtischargument kritisieren und gleichzeitig selber von aktueller Ideologie sprechen, der man seine eigene Meinung opfern solle...
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Oldholo
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Oldholo »

De_Montferrat hat geschrieben:Den Negerkönig durch den "Südseekönig" zu ersetzen ist einfach Schwachsinn aller erster Güte. Negerkönig ist viel aussagekräftiger und charakterisiert den betroffenen König als Schwarzen. Oder sollte ich sagen Afrikaner? Oder Mensch mit anderer/ dunklerer Pigmentierung? Oder Mensch mit anderer/ dunkler Pigmentierung durch erhöhte Melaninproduktion, weil er einer intensiveren UV-Strahlung ausgesetzt ist, weshalb sich seine Haut bzw. sein Körper besser schützt, weil dadurch weniger UV-Strahlung absorbiert wird? Es ist völlig sinnbefreit, das ändern zu wollen.
Schwarze/r. :wink:
De_Montferrat hat geschrieben:Die seltsame Frickelmethode mit Unterstrich, Stern oder was auch immer ist wie Wigggenz schon anmerkte grammatikalisch wie orthographisch eine schlimme Verschandelung.
Das ist aber wieder keine sachliche Begründung, sondern eben ein "Es ist eine Verschandelung, weil es eine Verschandelung ist" - eine Begründung durch sich selbst. Was mich interessiert ist, wieso das als Solche empfunden wird, warum Sprachreinheit in diesem Punkt relevant ist, während sie an anderen Punkten ständig allerlei Änderungen unterworfen ist (z.B., dass wir auch nicht länger "Neger" sagen). Sprache ist doch ein Werkzeug, und wenn ein Werkzeug seinem Zweck nicht angemessen ist, dann brauchen wir eben ein anderes Werkzeug. Wir haben ja noch nicht einmal eine übergreifende, verbindliche Grammatik, es beruht alles nur auf Konventionen.
De_Montferrat hat geschrieben:Bei deinem Beispiel mit dem Chef bist du übrigens nicht wirklich aus deinem Gender-Wahn ausgebrochen. :lol: Du hast schließlich von der Herrentoilette geschrieben und das Problem auf eine männliche Belegschaft inkl. Chef bezogen.
Das mit dem Chef war wie erwähnt tatsächlich eher ein Versehen, das mit der Herrentoilette aber Absicht, um die Situation ein wenig zu erschweren.
De_Montferrat hat geschrieben:Wie kommst du eigentlich auf die Idee, dass ich ausgerechnet Informatik studieren würde?
Das war nur eine Frage, weil ich Dir in dem Falle ein gewissermaßen programmiertechnisches Szenario vorstellen würde, in welchem sich die meisten Entwickler für eine Änderung der Sprachsyntax aussprechen würden. :)
De_Montferrat hat geschrieben:Übertriebene politische Korrektheit, bei der auch nur ja jedes Individuum oder noch so kleine Minderheit bloß nicht verletzt werden soll.
Das klingt nun sehr zynisch so, als könne man auf "kleine Minderheiten" doch einfach scheißen.
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De_Montferrat
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von De_Montferrat »

Oldholo hat geschrieben:Das war nur eine Frage, weil ich Dir in dem Falle ein gewissermaßen programmiertechnisches Szenario vorstellen würde, in welchem sich die meisten Entwickler für eine Änderung der Sprachsyntax aussprechen würden. :)
Ah, ok. Dann nein. :wink:
Oldholo hat geschrieben:
Das ist aber wieder keine sachliche Begründung, sondern eben ein "Es ist eine Verschandelung, weil es eine Verschandelung ist" - eine Begründung durch sich selbst. Was mich interessiert ist, wieso das als Solche empfunden wird, warum Sprachreinheit in diesem Punkt relevant ist, während sie an anderen Punkten ständig allerlei Änderungen unterworfen ist (z.B., dass wir auch nicht länger "Neger" sagen). Sprache ist doch ein Werkzeug, und wenn ein Werkzeug seinem Zweck nicht angemessen ist, dann brauchen wir eben ein anderes Werkzeug. Wir haben ja noch nicht einmal eine übergreifende, verbindliche Grammatik, es beruht alles nur auf Konventionen.
Naja, es gibt grammatikalische Regeln, die die Nutzung von Sonderzeichen regeln. Die denke ich mir nicht aus, die sind in der Tat, wenn eben auch Änderungen und einem Wandel unterworfen -sinnvoll oder nicht sei einmal dahin gestellt-, festgelegt. Zumal erstmal diskutiert werden muss, ob dieses Werkzeug Sprache wirklich nicht mehr für die aktuellen Bedürfnisse ausreicht. Ich für meinen Teil stelle schließlich in Frage, ob dieser Fall wirklich gegeben ist und es zu einer exzessiven (gut, sprachlich neutraler: intensiven) Nutzung der geschlechterspezifischen Ansprache kommen muss.
Oldholo hat geschrieben:Das klingt nun sehr zynisch so, als könne man auf "kleine Minderheiten" doch einfach scheißen.
Mh... zynisch war das jetzt nicht gedacht. Eher genervt. Ich fand, um mal ungefähr zum Themenbereich "Spiele" zurückzukommen, dass der Aufschrei der Schwarzen (war es eine afro-amerikanische Vereinigung) bzgl. RE 5 maßlos übertrieben war. Schließlich gab es nicht nur schwarze, sondern auch andere Menschen. Also ich würde sagen, dass man bei Lappalien -und nichts anderes ist mein genanntes Beispiel wie ich finde- nicht jede Befindlichkeit, solange sie nicht absichtlich beleidigend sind, beachten muss.
Randall Flagg
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Randall Flagg »

muecke-the-lietz hat geschrieben: Ich habe mich etwas vertan, hier aber mal eine Definition:

Der Begriff Frühe Neuzeit, Frühmoderne oder Neuere Geschichte bezeichnet in der Geschichte Europas üblicherweise das Zeitalter zwischen dem Spätmittelalter (Mitte 13. bis Ende 15. Jahrhundert) und dem Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert.

Du hast natürlich absolut Recht und ich muss mich für die Fehlinformation entschuldigen. :oops:

Aber du hattest halt nach Neuzeit gefragt und die wird für gewöhnlich nach der "frühen" Neuzeit angesetzt.
Ach was, ist doch kein Problem. Ganz ehrlich? Der Begriff Neuzeit klang für mich immer schon nach 18. Jahrhundert und später (also 19., 20. und 21. Jhd). Hat mich selbst damals gewundert, warum man "so weit" in die Vergangenheit geht.
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Raksoris
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Raksoris »

Randall Flagg hat geschrieben:
Hier ist übrigens die Antwort eines Typens namens "Thunderf00t" auf Anitas Video, es heißt: Feminism vs. FACTS: http://www.youtube.com/watch?v=QJeX6F-Q63I
Schöner kann man eine Videoantwort nicht machen.
Und er hat sogar Kommentare zugelassen :wink:
johndoe702031
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von johndoe702031 »

Oldholo hat geschrieben:Was mich interessiert ist, wieso das als Solche empfunden wird, warum Sprachreinheit in diesem Punkt relevant ist, während sie an anderen Punkten ständig allerlei Änderungen unterworfen ist (z.B., dass wir auch nicht länger "Neger" sagen). Sprache ist doch ein Werkzeug, und wenn ein Werkzeug seinem Zweck nicht angemessen ist, dann brauchen wir eben ein anderes Werkzeug.
Was den Fluss der Alltagssprache angeht: korrekt. Aber hier haben wir historische Schrifterzeugnisse, und somit stehen wir wieder vor der Kunstwerkdebatte. Und der Frage, unter welchen Umständen man bereits vom Künstler in Form gegossene Sprache nachträglich bereinigen / säubern / geradebiegen darf. Ab wann darf man reinpfuschen? Das ist nunmal sehr knifflig. Meine persönliche Linie ist folgende: Ist der Künstler mit Änderungen einverstanden oder bewirkt sie sogar selbst, ist das vollkommen zu respektieren. Nachträgliche Zensur, ob nun für extra Schuleditionen oder nicht, lasse ich nur als "ultima ratio" gelten. Gerade für Schuleditionen böten sich imho ohnehin viel eher kommentierte Ausgaben an, mit nützlichen Backgroundinfos zur damaligen Sprache und zum Zeitgeist, auch wenn's nur ein paar Anmerkungen sind. Sprachlich Säubern und mit der pc-Schere Herumschnippeln finde ich hingegen denkbar unkreativ und irgendwie seltsam verkrampft und "vertuschend".

Und da reichen mir persönlich Argumente wie "ach, sind ja nur ein paar alte und überkommene Begriffe, kann man ja schnell mal eben nachjustieren...Verlage profitieren sogar..."Südseekönig" klingt grad auch viel besser, moderner, sauberer etc. einfach nicht aus. Solche nachträglichen Änderungen sind für mich jetzt kein Drama (ich hüpfe deswegen also nicht vom Balkon, keine Sorge :) ), aber ich beäuge sie sehr skeptisch. Auch, weil ich ein sehr vorsichtiges Verhältnis zur Zensur als solche pflege (und das aus Überzeugung auch immer tun werde, ist mir einfach eingeschrieben).
Oldholo hat geschrieben:Wir haben ja noch nicht einmal eine übergreifende, verbindliche Grammatik, es beruht alles nur auf Konventionen.
Man weiß es nicht. Frag mal Noam Chomsky :Häschen:


edit: Das soll um Gottes Willen kein Aufruf zu einer erneuten Kunstwerkdebatte sein. Um es gleich zu sagen: Da werde ich nicht zum drölfzigsten Mal mitmachen :mrgreen:
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brent
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von brent »

muecke-the-lietz hat geschrieben:
Genau meine Meinung. Damals hat das Wort niemanden gestört, heute wirkt es deplatziert und stellt das Ganze in einen komischen Kontext. Dabei ist Pipi Langstrumpf an sich wunderschöne Kinderliteratur. Warum sollte man diese im Original zu historischen Texten verdammen, wenn man sie doch mit leichten Anpassungen auch noch wunderbar als Kinderliteratur nutzten kann.

Zumal Astrid Lindgren ja selbst alles andere als eine Rassistin ist. Von daher sehe ich kein Problem darin, diese kleinen, für die Geschichte unwichtigen Aspekte zu ändern. Der Kontext bleibt doch der gleiche, wenn das jetzt eben ein Südseekönig ist, oder nicht.

Es handelt sich wie Oldholo sagt, nicht um Zensur oder Verbote. Alte Sachen werden neu aufgefrischt, das macht mal mehr, mal weniger Sinn. Entfernen von Wörtern wie Neger und Mohr halte ich tatsächlich eher für weniger schlimm.
Tja, in 10 Jahren muss das Buch dann plötzlich alle Quoten erfüllen, da muss Solarenergie rein, Frauen in Führungspositionen, Asiaten die nicht rechnen können und generell müssen mindestens 18 gleichwertige ProtagonisterInnen (das wird an der Wortzahl festgemacht) jeder nur irgendwie eventuell beschwerdeinteressierten Gruppierung ihren Auftritt haben. Ist schließlich modern und so.
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De_Montferrat
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von De_Montferrat »

SardoNumspa hat geschrieben:
Oldholo hat geschrieben:Was mich interessiert ist, wieso das als Solche empfunden wird, warum Sprachreinheit in diesem Punkt relevant ist, während sie an anderen Punkten ständig allerlei Änderungen unterworfen ist (z.B., dass wir auch nicht länger "Neger" sagen). Sprache ist doch ein Werkzeug, und wenn ein Werkzeug seinem Zweck nicht angemessen ist, dann brauchen wir eben ein anderes Werkzeug.
Was den Fluss der Alltagssprache angeht: korrekt. Aber hier haben wir historische Schrifterzeugnisse, und somit stehen wir wieder vor der Kunstwerkdebatte. Und der Frage, unter welchen Umständen man bereits vom Künstler in Form gegossene Sprache nachträglich bereinigen / säubern / geradebiegen darf. Ab wann darf man reinpfuschen? Das ist nunmal sehr knifflig. Meine persönliche Linie ist folgende: Ist der Künstler mit Änderungen einverstanden oder bewirkt sie sogar selbst, ist das vollkommen zu respektieren. Nachträgliche Zensur, ob nun für extra Schuleditionen oder nicht, lasse ich nur als "ultima ratio" gelten. Gerade für Schuleditionen böten sich imho ohnehin viel eher kommentierte Ausgaben an, mit nützlichen Backgroundinfos zur damaligen Sprache und zum Zeitgeist, auch wenn's nur ein paar Anmerkungen sind. Sprachlich Säubern und mit der pc-Schere Herumschnippeln finde ich hingegen denkbar unkreativ und irgendwie seltsam verkrampft und "vertuschend".

Und da reichen mir persönlich Argumente wie "ach, sind ja nur ein paar alte und überkommene Begriffe, kann man ja schnell mal eben nachjustieren...Verlage profitieren sogar..."Südseekönig" klingt grad auch viel besser, moderner, sauberer etc. einfach nicht aus. Solche nachträglichen Änderungen sind für mich jetzt kein Drama (ich hüpfe deswegen also nicht vom Balkon, keine Sorge :) ), aber ich beäuge sie sehr skeptisch. Auch, weil ich ein sehr vorsichtiges Verhältnis zur Zensur als solche pflege (und das aus Überzeugung auch immer tun werde, ist mir einfach eingeschrieben).
Klasse, gerade den markierten Teil hatte ich vorhin in Gedanken, ihn dann aber vergessen einzubringen. Anmerkungen, wie sie ohnehin in (guten) Schulausgaben vorkommen, sind in Ordnung. Dort steht dann das Original im Text, die Bedeutung und Alternativen dann in den Fußnoten, im Anhang, etc. Stimme SardoNumspa da zu.
muecke-the-lietz hat geschrieben: Genau meine Meinung. Damals hat das Wort niemanden gestört, heute wirkt es deplatziert und stellt das Ganze in einen komischen Kontext. Dabei ist Pipi Langstrumpf an sich wunderschöne Kinderliteratur. Warum sollte man diese im Original zu historischen Texten verdammen, wenn man sie doch mit leichten Anpassungen auch noch wunderbar als Kinderliteratur nutzten kann.

Zumal Astrid Lindgren ja selbst alles andere als eine Rassistin ist. Von daher sehe ich kein Problem darin, diese kleinen, für die Geschichte unwichtigen Aspekte zu ändern. Der Kontext bleibt doch der gleiche, wenn das jetzt eben ein Südseekönig ist, oder nicht.

Es handelt sich wie Oldholo sagt, nicht um Zensur oder Verbote. Alte Sachen werden neu aufgefrischt, das macht mal mehr, mal weniger Sinn. Entfernen von Wörtern wie Neger und Mohr halte ich tatsächlich eher für weniger schlimm.
Wieso stellt das Wort "Negerkönig" das Ganze in einen "komischen" Kontext? Und wieso sollten die Originale zu historischen Texten verdammt werden? Die einzigen, die hier etwas verdammen, sind die Befürworter der Abänderung. Schließlich habe ich noch von keinem Kind gehört, das nach der Pipi Langstrumpf-Lektüre plötzlich durch die Welt rennt und alle Schwarzen als Negerkönig tituliert. Ach und hast du Astrid Lindgren persönlich gefragt, wie sie zu einer Umformulierung ihrer Werke stehen würde? Jetzt lässt sich da viel fabulieren.
Änderungen machen einfach keinen Sinn, weil es alte Kindergeschichten sind. Da gibt es kein schlimm und weniger schlimm. Jetzt kann natürlich jede Generation alles nocheinmal in ihre Zeit kleiden und neu aufwärmen. Der Industrie würde es sicherlich gefallen. Und ein paar Erwachsenen, die damit ihre Seele und Gewissen beruhigen wollen, weil sie ja ach so politisch korrekt und vorurteilsfrei sind. Halleluja!
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brent
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von brent »

Raksoris hat geschrieben:
Randall Flagg hat geschrieben:
Hier ist übrigens die Antwort eines Typens namens "Thunderf00t" auf Anitas Video, es heißt: Feminism vs. FACTS: http://www.youtube.com/watch?v=QJeX6F-Q63I
Schöner kann man eine Videoantwort nicht machen.
Und er hat sogar Kommentare zugelassen :wink:
Im Gegensatz zum Anlass dieser 70 Seiten währenden Belustigung war das Video tatsächlich recherchiert. Ohne einen Kostenvoranschlag von 6000$.
100 Internetz dafür.
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Felix_Krull »

Randall Flagg hat geschrieben:
muecke-the-lietz hat geschrieben: Hier ist übrigens die Antwort eines Typens namens "Thunderf00t" auf Anitas Video, es heißt: Feminism vs. FACTS: http://www.youtube.com/watch?v=QJeX6F-Q63I
Traurig, dass gerade dieser Kerl, der in der Atheismus-Debatte nicht die schlechtesten Videos postete, und daher eigentlich eine Nähe zu vorbehaltsfreiem kritischem Denken hatte, nicht einmal die simpelsten Argumente von Sarkeesian verstehen kann bzw. will.
Ich fand ihn mal gut, aber das ist einfach nur peinlich.
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Wigggenz
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Wigggenz »

Auch das Video von Thunderfoot konnte ich mir nicht angucken, weil mich seine Stimme so schrecklich nervt :D

Wie nimmt der denn auf, um sich so komisch anzuhören? :Kratz:
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Wurmjunge
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Wurmjunge »

muecke-the-lietz hat geschrieben: Hinzukommend kauft heute komm noch jemand seinem Kind die Willhelm Busch Texte, weil es gar keinen Grund gibt. Weder sind sie sonderlich unterhaltsam, noch haben sie eine wünschenswerte pädagogische Wirkung.
Hier muß ich aber auch noch für den alten Wilhelm Busch in die Bresche springen. Pädagogisch hoffnungslos veraltet war der auch schon zu meiner Zeit, sein humorvoller und in seiner derben Eleganz für jederman verständliche Umgang mit der deutschen Sprache sucht aber seinesgleichen. Das ist für Kinder schon durchaus interessant und der Sprachentwicklung förderlich m.M.n., ich habe mich jedenfalls schon in frühester Jugend prächtig über die Geschichten von Plisch und Plumm oder den Raben Hans Huckebein amüsieren können. Ich denke eine gewisse Diversität der Medien die wir als Hilfsmittel bei der Erziehung unserer Kinder nutzen, ist für die Herausbildung einer gesunden Fähigkeit zur Meinungsbildung unverzichtbar.