Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

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Wigggenz
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Wigggenz »

Abe81 hat geschrieben:Hättest du aufmerksamer gelesen, hättest du das hier entdeckt:
Du hast geschrieben:
Man tut so, als gebe es nur hilfbedürftige, schwache Frauen. Man tut so, als seien Frauen ansich, ihrem Wesen nach schwach und hilfsbedürftigt.
Das Wörtchen nur ist mit Gegenbeispielen bereits widerlegt, denn es setzt Ausschließlichkeit voraus.
Abe81
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Abe81 »

Wigggenz hat geschrieben:
Abe81 hat geschrieben:Hättest du aufmerksamer gelesen, hättest du das hier entdeckt:
Du hast geschrieben:
Man tut so, als gebe es nur hilfbedürftige, schwache Frauen. Man tut so, als seien Frauen ansich, ihrem Wesen nach schwach und hilfsbedürftigt.
Das Wörtchen nur ist mit Gegenbeispielen bereits widerlegt, denn es setzt Ausschließlichkeit voraus.
Man meint hier die gesamtgesellschaftliche Tendenz, also so, wie man denkt, daß Frauen im Allgemeinen seien (das lässt also besondere Gegenbeispiele/Ausnahmen zu): Der Frau wird ein bestimmtes Wesen angedichtet. Und dieses Wesen lässt sich assoziieren mit : passiv, emotional, schwach... usw. usf. Das wird exemplarisch an dem kulturindustriellen Trope der Jungfrauenerrettung ausgeführt. Die Existenz von Gegenbeispielen ist nicht sonderlich wirksam, denn das Hauptnarrativ ist Legion.

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Es ist wirklich müßig, gegen Ressentiments anzuargumentieren. Es mag sein, daß obiges 'man' undeutlich war; aber um es als so undeutlich zu behaupten, wie du das getan hast, gehört schon ein perfides Erkenntnisinteresse dazu; es gehört eine bis zur Unkenntlichkeit vollzogene Abstraktion und logizistische Haarspalterrei dazu, die diese Ausflucht nimmt, um sich nicht mit dem eigentlichen Inhalt beschäftigen zu müssen. Ich resigniere vorerst vor diesem Ansturm an Ressentiment... vielleicht später ja wieder.
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Wigggenz
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Wigggenz »

Jegliche Gegenargumentation einfach als antifeministische Ressentiments abspeisen und sich dann zurückziehen... sowas nennt sich Totschlagargument.

Wie hat ein Lehrer von mir mal gesagt, wie das früher ausgesehen hat:
"Wer zuerst Fascho schreit gewinnt!"
Draegonfly90
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Draegonfly90 »

JesusOfCool hat geschrieben: man könnte jetzt genau gegenteilig argumentieren in dem man sagt, dass die hauptzielgruppe für videospiele heranwachsende männer sind weil man als mann super toll wegkommt. das ist aber wohl mehr ein streitthema als sonst was.
Die Hauptzielgruppe von Disneyfilmen ist auch weiblich und dort wird das Klischee auch benutzt um es an zu verkaufen...
Zuletzt geändert von Draegonfly90 am 10.03.2013 14:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Pyoro-2
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Pyoro-2 »

JesusOfCool hat geschrieben:man könnte jetzt genau gegenteilig argumentieren in dem man sagt, dass die hauptzielgruppe für videospiele heranwachsende männer sind weil man als mann super toll wegkommt. das ist aber wohl mehr ein streitthema als sonst was.
Njoa, dafür sind die ganzen Antagonisten ja normalerweise auch männlich ;) Die "böse Hexe" gibt's in games seltener als 'ne "starke Protagonistin", würd ich mal behaupten. Sind wir hier wieder bei der gesamtgesellschaftlichen Tedenz ala "Frauen vergewaltigen keine Männer"? ^^
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JesusOfCool
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von JesusOfCool »

Pyoro-2 hat geschrieben:
JesusOfCool hat geschrieben:man könnte jetzt genau gegenteilig argumentieren in dem man sagt, dass die hauptzielgruppe für videospiele heranwachsende männer sind weil man als mann super toll wegkommt. das ist aber wohl mehr ein streitthema als sonst was.
Njoa, dafür sind die ganzen Antagonisten ja normalerweise auch männlich ;) Die "böse Hexe" gibt's in games seltener als 'ne "starke Protagonistin", würd ich mal behaupten. Sind wir hier wieder bei der gesamtgesellschaftlichen Tedenz ala "Frauen vergewaltigen keine Männer"? ^^
das ist ebenfalls richtig. aber antagonisten sind ja auch mächtig. :P
Draegonfly90 hat geschrieben: Die Hauptzielgruppe von Disneyfilmen ist auch weiblich und dort wird das Klischee auch benutzt um es an zu verkaufen...
das ist korrekt.
wobei man sagen muss, dass sich das über die letzten ~10 jahre durchaus etwas geändert hat.
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Nightmare King Grimm
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Nightmare King Grimm »

Für mich ist das einfach wieder zuviel hineininterpretiert. Man kann solche Dinge immer zweifach auslegen.

Natürlich kann ich sagen: Peach ist nur ein Objekt, welches zwischen Bowser und Mario gleich einem Tennisspiel hin und her gepfeffert wird.
Kann man machen, klar.
Man könnte sich aber genauso hinstellen und sagen: Die 'Jungfrau in Nöten' ist überhaupt erst nötig, um den Mann, den Helden anzuspornen, weil er ohne sie nicht vollkommen ist.
Kann man genauso machen.

Ich denke, jeder sieht da drin einfach, was er will. Diese Universelle Wahrheit gibt es nicht und wenn, dann liegt sich sicher nicht in einem der beiden Extremen.
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Wizz
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von Wizz »

Die Forderung der Abkehr von Stereotypen ist absurd.
Stereotypen sind eine vereinfachte Darstellung spezifischer Muster. Mustererkennung ist nunmal eine Grundsäule menschlicher Wahrnehmung. ALLES fällt in irgendeinen Stereotypen.
Es gibt keinen Videospielcharakter, Filmhelden oder real existierende Persönlichkeit die nicht in irgendein Klischee fällt.

Beyond Good and Evil bedient sich genauso dem langweiligen schon 100% durchgekauften Muster "junger mutiger Held rettet die Welt".
Okay diesmal ist der Held halt mal eine Frau, aber die Authenzität ihres Charakters wird in erster Linie dadurch erzeugt indem man fast alle anderen Charakter blaß und belanglos gemacht hat.

Genau sowas erzeugt eben auch das "Fräulein in Nöten", ein blaßer Nebencharakter der nur deswegen existiert um dem Haupthelden eine Antriebsmotivation zu geben.
Man könnte den Spieß auch so drehen: die häufige Verwendung der Damsel in Distress ist ein Zeugnis dafür, dass ein Frauenleben grundsätzlich als wertvoller, rettungswerter einzustufen ist als das eines Mannes, welcher daher im Notfall verpflichtet ist das eigene Leben wegzuwerfen um das der Frau zu schützen.
Und diese Aussage wäre genauso falsch wie die Feststellung dass dieser Stereotyp mit der Absicht böser Frauenhasser geschaffen wurde die Jugend darauf zu prägen das es die Rolle der Frau ist schwach und inkompetent zu sein.

Wahr: Die Videospielbranche könnte allgemein mehr Abwechslung im Storytelling und im Cast ihrer Protagonisten gebrauchen.
Wahr: Eine Überverwendung immer derselben Stereotypen in Kombination mit oberflächlicher Erziehung kann beim Nachwuchs zu ungewollten Prägungen führen.
Falsch: der "Jungfrau in Nöten"-Stereotyp ist per se schlecht und frauenfeindlich und entsprechende Spiele sind ein Beweis der Misogynie unserer Gesellschaft.
LastSplash
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von LastSplash »

Wigggenz hat geschrieben:Jegliche Gegenargumentation einfach als antifeministische Ressentiments abspeisen und sich dann zurückziehen... sowas nennt sich Totschlagargument.
Wie hat ein Lehrer von mir mal gesagt, wie das früher ausgesehen hat:
"Wer zuerst Fascho schreit gewinnt!"
dieses wirst du aus dieser diskussion aber nicht wegbekommen, funktioniert als totschlagargument im übrigen ähnlich gut wie "antisemitismus" sobald man sich fundiert kritisch zu israels politik äußert.
Dieses video nehm ich persönlich jetzt nicht sonderlich ernst, da es natürlich extrem einseitig unreflexioniert und ohne auch nur einen hauch von gegenargumenten oder zielgruppenorientiertheit eben (nicht) funktioniert.
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mr archer
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von mr archer »

Wizz hat geschrieben: Falsch: der "Jungfrau in Nöten"-Stereotyp ist per se schlecht und frauenfeindlich und entsprechende Spiele sind ein Beweis der Misogynie unserer Gesellschaft.
Auch für Dich:

21:52 im Video

Leute, macht Euch doch bitte die Mühe, Euch die Sache wenigstens einmal von vorn bis hinten konzentriert anzuhören, bevor Ihr hier in die Meinungsschlacht zieht.
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JesusOfCool
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von JesusOfCool »

@archer: wenn du schon nen zeitpunkt postest kannst du doch auch gleich nen link zu der sekunde machen. die funktion gibts nicht umsonst. ;)
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crashcrush
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von crashcrush »

ihr könnt ja hier gern weiter rumdiskutieren, ich geh jetzt erstmal eine prinzessin retten!
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mr archer
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von mr archer »

JesusOfCool hat geschrieben:@archer: wenn du schon nen zeitpunkt postest kannst du doch auch gleich nen link zu der sekunde machen. die funktion gibts nicht umsonst. ;)
Schuldigung. Bin alt und tappsich mit der Technik hier. Hab ich bisher noch nie versucht.
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muecke-the-lietz
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von muecke-the-lietz »

Draegonfly90 hat geschrieben:
JesusOfCool hat geschrieben: man könnte jetzt genau gegenteilig argumentieren in dem man sagt, dass die hauptzielgruppe für videospiele heranwachsende männer sind weil man als mann super toll wegkommt. das ist aber wohl mehr ein streitthema als sonst was.
Die Hauptzielgruppe von Disneyfilmen ist auch weiblich und dort wird das Klischee auch benutzt um es an zu verkaufen...
Was es überhaupt nicht besser macht.

Diese extreme Geschlechterklassifizierung schon in der Kinderunterhaltung ist doch auch noch mal ein Thema für sich. Kinder sind per se geschlechtsneutral und bis auf die blöden und ungehobelten Jungs und die lieben und lerninteressierten Mädels sollte es da auch gar keine weiteren Klischees geben. Stattdessen aber packt man schon Grundschulkinder voll mit einem Sack aus geschlechterspezifischen Mustern, die eigentlich überhaupt noch keine Rolle spielen. Der Junge geht zum Fußball, das Mädchen zu Tanzen. Der Junge hilft Papa beim Bauen und Basteln am Haus, das Mädchen Mutti beim Abwaschen und Kochen. Jungs bekommen Kampfroboter, Spielzeugautos und Pistolen, Mädchen bekommen Prinzessin Lillifee, pinke Rucksäcke, ein Germanys Next Top Model Schminckset, Pferdezeitschriften und jetzt seit neuestem sogar extra rosa Überraschungseier.

Dabei wären all diese Dinge den Jungen und Mädels in dem Alter scheißegal, wenn da nicht ständig drauf rumgehackt werden würde. Aber da alle Mädchen Pink mögen und alle Jungs auf Fußball stehen und zu Hause Call of Duty spielen, denken die Kinder auch alle, dass sie das wollen. Sie bekommen diese Rollen schon von klein auf indoktriniert, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu haben, sich anders zu entwickeln.

Jungs, die kein Fußball mögen, Disney Filme gucken und mit Puppen spielen, gehen gar nicht. Die sind schon dazu verdammt, gehänselt zu werden und natürlich schwul zu sein. Obwohl es noch gar kein sexuelles Interesse gibt, drängt die Außenwelt sie in diese Rollen.

Und viele Mädchen haben es auch nicht immer einfach, aus ihrer Rolle zu kommen, obwohl ich als angehender Lehrer feststellen muss, dass es eher fußballspielende, autoliebende Mädels gibt, als rosatragende mit Puppen spielende Jungs.

Und diese extreme und zum Teil unnötige und auch unnatürliche Rollenverteilung zieht sich durch unseren gesamten Alltag, ohne, dass man mal aufschaut und sich darüber im Klaren wird, wie blödsinnig das eigentlich alles ist. Dass viele Vorstellungen einfach nur Humbug sind und keine rationale Grundlage haben.
Mädchen und Frauen sind die besseren Mathematiker und in Naturwissenschaften ganz vorne und dennoch findet man überwiegend junge Männer in den naturwissenschaftlichen Studiengängen, ebenso Informatik, ein Studiengang, bei dem es keine körperlichen und geistigen Beschränkungen für irgendein Geschlecht gibt.
Das ändert sich jetzt langsam alles nach und nach und dennoch bleiben viele Rollenbilder hängen. Und das zeigt sich nunmal auch verstärkt in der Unterhaltungsindustrie.

Einerseits werde unsere Vorstellungen wiedergespiegelt und andererseits durch die starke Stereotypisierung verstärkt.

Frauen sind nicht das schwache Geschlecht, aber mittlerweile scheint das irgendwie jeder zu glauben. Dabei sieht der Alltag oftmals ganz anders aus. In einer Gesellschaft wie dieser, in der reine Körperkraft immer unwichtiger wird und Empathie, Kommunikation und Rationalität immer wichtiger werden, sind die Frauen oft sogar überlegen. Und das macht vielen Männern Angst.
Zuletzt geändert von muecke-the-lietz am 10.03.2013 14:45, insgesamt 1-mal geändert.
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JesusOfCool
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Re: Spielkultur: Die Jungfrau in Nöten

Beitrag von JesusOfCool »

mr archer hat geschrieben:
JesusOfCool hat geschrieben:@archer: wenn du schon nen zeitpunkt postest kannst du doch auch gleich nen link zu der sekunde machen. die funktion gibts nicht umsonst. ;)
Schuldigung. Bin alt und tappsich mit der Technik hier. Hab ich bisher noch nie versucht.
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resultat: http://www.youtube.com/watch?feature=pl ... _Q#t=1311s