Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR unterscheidbar"

Hier findet ihr die entsprechenden Kommentare - inkl. Link zur News!

Moderatoren: Moderatoren, Redakteure

Benutzeravatar
4P|BOT2
Beiträge: 149236
Registriert: 10.07.2002 12:27
Persönliche Nachricht:

Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR unterscheidbar"

Beitrag von 4P|BOT2 »

Mit etwas Verspätung und einer zusätzlichen hurricane-bedingten Unterbrechung des Seitenbetriebs hat sich jetzt auch Kotakus Stephen Totilo mit der Kolumne von Robert Florence und ihrem Echo ausführlich auseinandergesetzt. In dem Artikel kommen Kollegen wie Jeff Gerstmann zu Wort, die davon überzeugt sind: PR-Aufmerksamkeiten wie Geschenke für Journalisten würden vermutlich nur bei kleineren, weni...

Hier geht es zur News Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR unterscheidbar"
Easy Lee
Beiträge: 5375
Registriert: 06.08.2008 17:03
Persönliche Nachricht:

Kommentar

Beitrag von Easy Lee »

Das passiert halt, wenn Fanzines das Medienbild prägen. Gerade wenn die betreffende Branche so Marketing-lastig ist wie Gaming. Hobby-Autoren verfügen meist überhaupt nicht über die Fähigkeit zu filtern und zu reflektieren. So wirken diese Websites eher wie Megaphone für PR-Messages. Hab' das so oft angemahnt und mich in sinnfreie Diskussionen bzgl. Subjektivität und Objektivität etc. verstricken lassen. So lange der Dilettant mitspielen möchte und kann, werden wir solche Probleme haben. Und wir reden hier nicht von Bloggern mit 30 Clicks. Der Dilettantismus erstreckt sich mittlerweile bis rauf zu den Ehrenämtern im Printbereich. Die Medien sind durchsetzt von Amateuren, die bestenfallsTalent besitzen, aber kein journalistisches Handwerk beherrschen. Einer der Nachteile des freien Internets. Wenn du dich heute berufen fühlst Autor zu sein, dann gibt es keine prüfende Instanz dazwischen, die den Spreu vom Weizen trennt. Es ist ja nicht nur der Journalismus - viele Branchen leiden unter unprofessioneller bis hin zu illegaler Konkurrenz aus dem digitalen Umfeld.
solnor
Beiträge: 111
Registriert: 27.06.2009 12:35
Persönliche Nachricht:

Re: Kommentar

Beitrag von solnor »

Meiner Meinung nach ist das Problem einfacher: Ohne Geld, kein Medium und ohne Werbung kein Geld. Die Probleme ziehen sich direkt durch den gesamten journalistischen Bereich. Richtiger Qualitätsjournalismus ist doch kaum noch bezahlbar.
Außerdem sollte sich die Spielebranche nicht so wichtig nehmen. Als ob da Qualitätsjournalismus möglich wäre und als ob das die Zielgruppe sich sowas wünscht. Spiele sind Konsumgüter und dort gibt es nunmal ausschließlich PR.
Easy Lee
Beiträge: 5375
Registriert: 06.08.2008 17:03
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Easy Lee »

Zweimal nein.

1. Jeglicher Journalismus hat sich wichtig zu nehmen, weil er wichtig ist.

2. Gekaufter Journalismus wird vom Leser i.d.R. nicht gewünscht (warum auch?) und ist zum Glück offiziell immer noch illegal.
Benutzeravatar
Smurfocide
Beiträge: 174
Registriert: 30.11.2010 21:48
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Smurfocide »

Schön dass du denkst dass Gaming-Berichte Journalismus sind, wird aber wohl noch eine Weile dauern bis das wirklich so ist. Bis dahin wird weiterhin vieles gekauft. That`s life...
Erfahrere Gamer wissen eh welche Games sie interessieren und welche nicht. Und die Gaminganfänger? Nun, die fallen 6-24 Monate auf die "Presse" rein und wissen spätestens dann wie der Hase läuft.
Andernfalls stellen die sich wohl auch oben ohne auf 'ne Kreuzung, sprühen sich mit Axe voll und warten auf das Gros geiler Bunnies das ihnen die Klamotten vom Leib reisst. (true story, bro)
Benutzeravatar
Sevulon
Beiträge: 3839
Registriert: 01.09.2008 18:58
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Sevulon »

Smurfocide hat geschrieben:Andernfalls stellen die sich wohl auch oben ohne auf 'ne Kreuzung, sprühen sich mit Axe voll und warten auf das Gros geiler Bunnies das ihnen die Klamotten vom Leib reisst. (true story, bro)
Also bei mir hat das funktioniert. ;)

Aber man merkt es halt auch, dass Spieletester wohl oft gar nicht die Zeit haben jedes Spiel ausgiebig zu spielen und sich dann halt auf die Versprechungen berufen. Bei 4players.de merkte man das beim WWE 13 - Test auch. Für den Universe-Modus fehlte allen anschein nach die Zeit, also hat man einfach die Werbetexte der Verpackung wiedergegeben. Das diese Versprechen aufgrund momentaner noch existierender Bugs gar nicht so richtig erfüllt werden können bemerkte der Tester dadurch natürlich nicht.
Benutzeravatar
Wulgaru
Beiträge: 29391
Registriert: 18.03.2009 12:51
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Wulgaru »

Tja, die meisten Gamingmagazine sind letzendlich zwei Sachen: Eine Art Newsfeed und eine Art Produktestmagazin, gar nicht mal so unterschiedlich von Kram wie der Öko-Test. Beides sind Elemente die sehr stark beeinflussbar sind, zumal gut betucht eventuell für andere Journalismuszweige gilt (was ich ebenfalls bezweifle), aber sicherlich nicht für diese Branche. Ein Fingerzeig dafür ist die sehr geringe Anzahl an Reportagen in Gaming-Magazinen. Damit meine ich nicht "heyo wir sind bei Ubi in Montreal und testen geile neue Spiele an". Genau das ist eher Werbung als alles andere. Ich meine richtige Reportagen, die umfassend und auch kritisch über Entwickler und Publisher berichten.

Ich finde es beispielsweise auch und gerade in Tests häufig enttäuschend wie wenig auf die jeweiligen Entwickler eingegangen wird. Das wäre relativ leicht recherchierbar und würde die jeweiligen Tests in einen viel besseren Kontext setzen. Hier haben wir hier Spiel X, warum ist das Spiel so wie es ist, warum so schlecht oder gut? Was steckt dahinter? Auch 4players liefert das selten.
johndoe824834
Beiträge: 3685
Registriert: 05.03.2009 23:07
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von johndoe824834 »

alteingesessene Schreiber wie er hätten im Laufe der Jahre eh schon zu viel Kram bekommen, als dass man eine wirkliche Verwendung für Geschenke hätte.
Ja , is klar^^ Selten so einen Schwachsinn gelesen.
Benutzeravatar
Boesor
Beiträge: 7853
Registriert: 09.12.2009 18:49
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Boesor »

White Wolf_1986 hat geschrieben:
alteingesessene Schreiber wie er hätten im Laufe der Jahre eh schon zu viel Kram bekommen, als dass man eine wirkliche Verwendung für Geschenke hätte.
Ja , is klar^^ Selten so einen Schwachsinn gelesen.
Also wenn ich bedenke wieviele dieser Werbegeschenke bei PCG im Zuge von Gewinnspielen oder ähnlichem herausgehauen werden kann ich mir das durchaus vorstellen.
Man sollte allerdings auch nicht davon ausgehen, dass die Firmen mit supertollen Dingen locken. Das ist dann halt schonmal ne Gothic 3 Statue oder n Kalender.
Und welcher redakteur braucht schon sowas?
Benutzeravatar
Sevulon
Beiträge: 3839
Registriert: 01.09.2008 18:58
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Sevulon »

Ja. Ich erhalte durch meine Job-Position auch vermehrt Werbeartikel aller möglichen Art. Das meiste Zeug davon ist schlicht nicht zu gebrauchen. Entweder weil ich es einfach nicht brauche und selbst bei Artikeln, die einen praktischen Nutzen haben, ist entweder die Qualität zu schlecht oder das Design ist so furchtbar, dass ich bspw. mit einer solchen geschenkten Sporttasche niemals ins Fitnessstudio gehen würde ;)

Ich hab mittlerweile auch nen ganzen Stapel von T-Shirts, die ich nie anziehen werde. Bei T-Shirts sagt man ja gerne, die kann man immerhin noch zum Sport anziehen [Nein!] oder unter nem Pullover oder so. Ein Paar davon kann ich bestenfalls zum polieren meiner Autofelgen oder für Renovierungsarbeiten benutzen, das war's dann aber auch. Den Spiele-Redakteuren wird es wohl nicht anders gehen. Welcher 30-Jährige läuft denn privat mit nem Epic Mickey Mouse-Shirt durch die Gegend, oder möchte Super Mario auf seinem Rucksack haben? Eher die wenigsten, vermute ich.

Viel interessanter sind dagegen natürlich solche Sachen wie Werbeaufträge. Hier wird dann wohl auch der Knackpunkt sein, nach dem Motto: Gebt uns eine gute Note und ihr bekommt von uns lukrative Aufträge. Auch so Sachen wie Exklusivberichte, Vorab-Tests etc. sind eventuell ausschlaggebend.
ElWebs
Beiträge: 387
Registriert: 24.09.2007 16:11
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von ElWebs »

Was ich noch viel interessanter finde sind komplett vom Publisher bezahlte "Ausflüge" zu Previews inklusive teurem Hotel, Disko- und Barbesuchen und anderer Bespaßung. Davon war zumindest in den relevanten Threads (neogaf etc.) öfter die Rede. Ich erinnere mich an die Erzählung eines Journalisten, der zur Hellgatevorführung geladen war (inkl. allem oben Genannten) und sich vor lauter Bonding mit den Entwicklern nicht mehr getraut hat zu sagen, dass ihn das Spiel eher enttäuscht.
Vielleicht ist das in Deutschland nicht so verbreitet, jedenfalls hat Jörg nichts dazu geschrieben, aber zumindest Eurogamer (wenn ich mich nicht irre) haben ja jetzt versprochen, solche Dinge in Zukunft nicht mitzumachen bzw. selbst zu bezahlen.
Benutzeravatar
Sevulon
Beiträge: 3839
Registriert: 01.09.2008 18:58
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Sevulon »

Bei den großen amerikanischen Reviewern, wie IGN bspw. kann ich mir das durchaus vorstellen. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass man solche Methoden auch beim Rest der Welt anwendet und irgendwelche russischen, deutschen oder österreichischen Spielereviewer extra regelmässig in die USA oder nach Japan einfliegen lässt, um sie dort mit Champagner abzufüllen. Da gibt es sicher wirkungsvollere und billigere Methoden sich Wertungen zu kaufen, wenn man dies denn möchte.

Wenn natürlich wirklich mal wer eingeladen wird, wird der sicherlich auch entsprechend bespaßt. Klar. Aber das ist nichts anderes, als wenn wir hier einen wichtigen Kunden oder Mandanten zum Abendessen in ein teures Restaurant einladen. Vielleicht etwas im größeren Stil, aber das gehört bei einem Besuch natürlich dazu sich als guter Gastgeber zu erweißen.
Benutzeravatar
Boesor
Beiträge: 7853
Registriert: 09.12.2009 18:49
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Boesor »

Sevulon hat geschrieben:Bei den großen amerikanischen Reviewern, wie IGN bspw. kann ich mir das durchaus vorstellen. Aber irgendwie glaube ich nicht, dass man solche Methoden auch beim Rest der Welt anwendet und irgendwelche russischen, deutschen oder österreichischen Spielereviewer extra regelmässig in die USA oder nach Japan einfliegen lässt, um sie dort mit Champagner abzufüllen. Da gibt es sicher wirkungsvollere und billigere Methoden sich Wertungen zu kaufen, wenn man dies denn möchte.
Och, naja, also EA hat seinerzeit die PCG für "Alice: madness Returns" nach Shanghai eingeladen inkl. abendlicher Runde in Club usw.
Die Wertung hats aber scheinbar nicht gepusht: 73%
Benutzeravatar
Jörg Luibl
Beiträge: 9619
Registriert: 08.08.2002 15:17
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Jörg Luibl »

ElWebs hat geschrieben:Vielleicht ist das in Deutschland nicht so verbreitet, jedenfalls hat Jörg nichts dazu geschrieben, .
Doch, das ist verbreitet: Der Publisher bezahlt in der Regel Flug (Ausnahme z.B. Electronic Arts), Hotelkosten und stellt natürlich Verkostung vor Ort sicher. Dazu gesellen sich bei mehrtägigen Veranstaltungen auch Events, die vom Ultimate Fighting- bis zum Museums- oder Stierkampf-Besuch reichen. Das kollektive Besäufnis am letzten Abend nicht zu vergessen.

All das sind natürliche externe Mittel der Beeinflussung. Was das für den Bericht des einzelnen Redakteurs konkret bedeutet, ob nix, wenig oder doch mehr, ist natürlich eine andere Frage. Aber ganz wichtig: Der eine Redakteur, der in seinem Artikel das Mittelmaß hochjubelt, um dem PR-Mann, mit dem er in LA zwanzig Bier gesoffen hat, bloß nicht mit harschen Worten auf den Schlips zu treten, ist ein Faktor. Einer, der mit Berufsethos und Charakter zu tun hat, aber es ist nicht das Kernproblem der Branche, denn über der Eigenverantwortung stehen ja die Strategien und Umsätze der Firma. Und die sind (im wahrsten Sinne des Wortes) hochprozentiger als jedes Saufgelage.

Die Mauschelei, die Absprache von Coverage-, Exklusiv- und Cover-Deals findet nicht auf diesen Events für Pressefreaks statt, sondern auf ganz anderen Ebenen, zwischen Geschäftsführung bzw. Verlagsleitung auf der einen sowie Publisher auf der anderen Seite. Diese strategische Zusammenarbeit an der Spitze ist das Kernproblem, denn sie wirkt sich natürlich nach unten, also auf die Redaktionsarbeit aus.
Benutzeravatar
Kassibers
Beiträge: 435
Registriert: 23.03.2008 16:16
Persönliche Nachricht:

Re: Spielkultur: Florence: "Berichterstattung kaum von PR un

Beitrag von Kassibers »

Was man der Branche ja mal zugute halten muss ist das sie selbst offen mit dem Problem umgeht und es auch selber thematisiert obwohl es ja eine menge unangenehmer Fragen und Verdächtigungen aufwirbeln könnte die auf die jeweiligen Magazine zurückfallen.
Wobei sowas natürlich auch scheinheilige Strategie sein kann um zu beweisen das man mit offenen Karten spielt um nicht in Verdacht zu geraten. Aber sowas kann sich im Nachhinein dann noch ziemlich schlimm rächen sollte sowas auffliegen.