Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

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johndoe1238056
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von johndoe1238056 »

Fiddlejam hat geschrieben: Zum allerletzten Mal, es geht nicht bloß um irgendeinen wirtschaftlichen Aspekt.
Warum soll ich als Autor Bücher schreiben, wenn sie irgendein Penner im Hinterzimmer fotokopiert und ins Netz stellt?
Warum soll ich als Maler Bilder malen, wenn sie dann abgelichtet und tausendfach gedruckt werden?
Es geht nicht bloß um irgendeinen wirtschaftlich Aspekt? Warum ist es dir dann nicht völlig egal, ob deine Bücher/Bilder von irgendeinem Penner fotokopiert, oder von irgendeinem anderen Penner bei amazon verkauft werden? Da geht es doch ganz offensichtlich nur um den wirtschaftlichen Aspekt.
Fiddlejam hat geschrieben:Kopien können Kunst sicher erhalten, aber nur wenn sie gesteuert sind. Die gemeine Wald-und-Wiesen-Kopie dagegen macht sie kaputt.
Die ganzen Drucke von da Vinci, Cézanne, Monet, Warhol und co. haben die Kunst also kaputt gemacht und der Louvre macht auch bald dicht, weil sich kein Mensch mehr die Originale ansehen will.
Fiddlejam hat geschrieben:Die Analogie mit dem Schweinesteak mag sicher nicht ganz passen, aber ihr könnt doch auch nicht ernsthaft behaupten, dass ab sofort bei Konzerten jeder über den Zaun klettern soll, da sowieso kein realer Schaden entsteht.
Wenn ich beim nächsten Konzertbesuch am Einlass erstmal eine aufs Maul kriege und danach gezwungen werde, mich komplett auszuziehen, war das für mich persönlich mein letzter Konzertbesuch. Die Softwarebranche würde das wohl so handhaben. Es könnte ja jemand das Konzert illegal mitschneiden. Andere springen dann eben über den Zaun, um es zu hören.
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brent
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von brent »

The Incredible Hojo hat geschrieben:nein, boykottieren und runterladen ist nicht das gleiche. Das eine ist Marktwirtschaft, das andere, inzwischen können wir uns wohl darauf einigen, "digitale Zechprellerei".
Ist ein Restaurant schlecht oder schenkt ein Wirt nicht ordentlich ein, dann bleibe ich dem Betrieb fern und schädige es durch fehlenden Umsatz, wenn nur genug andere dies so machen.
Aber ich setze mich nicht in die Ecke und gehe ohne zu bezahlen, wenn ich satt bin und meinen Wein getrunken habe.
Das ist der Unterschied zwischen Boykott und Piraterie
Würde ich ein Restaurant boykottieren wollen, weil die Preise zu hoch und die Bedienung zu unfreundlich sind, könnte ich genauso versuchen, an das Essen ranzukommen.
Will ich einen Publisher wegen kundenunfreundluchem DRM, DLC-Politik etc boykottieren, kann ich das Spiel also trotzdem ziehen, ohne den Boykott zu untergraben.
Auch wenn die Spiele idR so scheiße sind wie die Publisher, weil die Kohle fürs DRM nämlich am Produkt fehlt.
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crewmate
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von crewmate »

mit dem laden trotz Boykott befeuerst du aber nur die Argumente, die die Vertriebe nutzen, um wiederum die DRM Maßnahmen begründen, gegen die du protestiert. Sinnvoller ist es doch Spiele zu unterstützen, die gar kein DRM haben. Unter dem Angebot ist definitiv etwas dabei was dir gefällt.
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The Incredible Hojo
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von The Incredible Hojo »

bei allen Beispielen bleibt es dabei:
man beschafft sich ware, die man nicht bezahlt. Da dafür normalerweise Geld bei demjenigen landet, der es vertreibt und/oder entwickelt, entsteht jemanden Schaden. Dem Spiel mag es egal sein, wie oft es kopiert wird, dem Rechteverwerter und dem Urheber aber nicht.
Das versteht aber nur, wer den Unterschied zwischen nicht kaufen und herunterladen versteht.
Alle Argumente, illegale Downloads zu rechtfertigen, sind nichts weiter als Ausreden fürs Gewissen. Man macht ja nichts falsch, man macht ja nichts illegales, man ist ja sogar im Recht.
Und selbst Activision würde handeln, wenn beim nächsten CoD der Umsatz in den ersten drei Wochen um 40-45% zurückgehen würde. Solange die Menge nicht auf illegalen Downloadportalen auftauchen würde.

Und die Capcoms und EAs dieser Welt würden nicht mit einem "me too!" auf den Lippen wie Lemminge hinterherrennen...
lilphil91
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von lilphil91 »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Da dafür normalerweise Geld bei demjenigen landet, der es vertreibt und/oder entwickelt, entsteht jemanden Schaden.
Hast du nur dann Recht, wenn man davon ausgehen könnte, dass jede Raubkopie gekauft worden wäre, sollte kopieren unmöglich sein.
The Incredible Hojo hat geschrieben:Das versteht aber nur, wer den Unterschied zwischen nicht kaufen und herunterladen versteht.
So schwer ist das gar nicht zu verstehen, aber das heißt ja nicht, dass man nicht anderer Meinung sein darf bzw. das ganze einfach differenzierter sieht.
The Incredible Hojo hat geschrieben:Alle Argumente, illegale Downloads zu rechtfertigen, sind nichts weiter als Ausreden fürs Gewissen. Man macht ja nichts falsch, man macht ja nichts illegales, man ist ja sogar im Recht.
Ich weiß, das hohe Ross ist ne tolle Sache um so zu tun, als ob man alle Menschen kennen würde und die eigene Meinung richtig sein muss, aber mit so ner schwarz-weißen Sichtweise kommt man einfach nicht weiter.
So einfach ist das ganze nunmal nicht, auch wenn die Vertriebe gerne so tun, als ob jede Raubkopie ein Minus von 60€ (oder welchem aktuellen Ladenpreis auch immer) auf dem Konto darstellen würde - hat man ja auch bei Kim Schmitz gesehen, Schaden von 500 Millionen Dollar für die Wirtschaft, schon klar :roll:
Der "gemeine Raubkopierer" hat natürlich ebenso Unrecht wenn er so tut als würde er nichts falsch machen und hätte sogar Recht. Aber dass das nicht jeder so einseitig sieht, haben wir hier ja eigentlich oft genug gelesen...
Aber die Diskussion wird eh weiter ihre Runden drehen, weil keiner sich auf die Sichtweisen des Anderen einlassen kann und seine Moralentscheidungen für die vertretbarsten hält... :?

Und Ausrede fürs Gewissen, im Ernst?! Gewissen hat immer auch was mit Ethik zu tun, und ob ich nun raukopieren als ethisch schlecht sehe, ist sowieso ne ganz eigene Sache. Ich z.b. finde es ethisch viel fragwürdiger, den "ehrlichen Kunden" aufgrund von den "bösen Raubkopierern" zu benachteiligen, das ging mir damals schon bei DVDs auf den Sack, wo man diesen "Raubkopierer sind Verbrecher"-Mist nicht wegschalten konnte. Da wird man als Käufer schon verdächtigt, jippie...
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The Incredible Hojo
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von The Incredible Hojo »

Nein, es reicht, wenn eine Kopie runtergeladen statt gekauft wurde, um Schaden zu verursachen.

Was als schwarz/weiß-Denken vorgeworfen wird ist tatsächlich so einfach: Entweder etwas ist erlaubt oder nicht. Personen, die sich Kopien aus dem Netz besorgen, ohne zu bezahlen, machen etwas strafbares. Rechtlich gesehen gibt es nur schwarz oder weiss, entweder Diebstahl oder nicht, ich kann nicht ein bisschen klauen. Entweder Betrug oder nicht, ich kann nicht ein bisschen betrügen.

Das hat aber nichts mit hohem Ross zu tun, sondern mit einer, in dieser Szene vielleicht sehr seltenen, Ansicht von Unrechtsbewusstsein. Ich bedaure dabei allerdings am meisten, dass Downloader nicht verstehen, dass sie der ihnen unsympathischen Industrie nur Munition für ebenso fadenscheinige Argumente liefern.

Dazu gesellt sich eben eine häufig anzutreffende Inkonsequenz, dass ich ein Spiel boykottieren will, aber andererseits eben auch zocken will.

Ich kann viele Spieler verstehen, darum geht es nicht. Wie gesagt, auch ich hatte meine Phase, in der die Leitung vom Download geglüht hat. Der eine macht's weil er kein Geld für Spiele hat, den bekomme ich nicht auf die Käuferseite. Der andere, weil er Game-Messi ist und alles runterlädt, den auch nicht. Der nächste knackt es selbst, um die Programmierer zu überlisten. Den erst recht nicht. Der andere zieht's, weil er der Firma eins auswischen will, so arrogant wie die ihm vorkommt. Da es hierbei um Antipathie geht, bringt auch ein Spitzen-VK nichts, weil er mich schlichtweg nicht mag. Und es gibt die, die aus Bequemlichkeit saugen - das Angebot ist halt da, also warum bezahlen? Um die geht es. Die wollen sich nicht den Rechner mit verseuchten Cracks und Keygens vollmüllen, habe keine Ahnung von iso-Files und no-cd keys, die wollen nur Geld sparen, das sie theoretisch hätten. Um die geht es aber. Je aufwendiger das Spielen wird und je dubioser die Seite, die man besuchen muss, um das Spiel zu spielen, desto mehr schrecken diese zurück. Und bei denen entsteht auch der Schaden, zumal diese Gruppe immer größer wird.

Und wie gesagt: Eine Diskussion ist ein Meinungsaustausch, keine Überzeugungsarbeit. Wir können noch 1000 Beiträge hier lesen, ohne unseren Standpunkt zu verändern. Wäre auch schlimm, wenn alle so opportunistisch wären...
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Sir Richfield
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von Sir Richfield »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Rechtlich gesehen gibt es nur schwarz oder weiss, entweder Diebstahl oder nicht, ich kann nicht ein bisschen klauen. Entweder Betrug oder nicht, ich kann nicht ein bisschen betrügen.
Ähm, die aktuelle, tägliche Lage straft Deine Aussage lügen.

Wir haben mit voller Absicht recht interpretierbare Gesetze und richterliche Freiheiten.
Eben weil nicht alles Schwarz/Weiss ist.

Weil man eben DOCH nur ein wenig betrügen kann.
Weil es eben wohl einen Unterschied zwischen 10€ beim Aldi und 100.000€ beim AUDI klauen gibt.

Und darum ist Lizenzerschleichung im nichtkommerziellen Ausmaß A) verflucht schwammig formuliert, denn jeder Richter legt nichtkommerziell anders aus und B) Zivilrecht und nicht Strafrecht und damit ist "strafbar" ja schon auf tönernen Füßen.

Dies alles dient übrigens dazu, die Gesellschaft als solche vor so Schwarz/Weiß Denkern wie Dir zu schützen.

Es gibt halt zur Zeit ein Problem mit nicht-Gütern, also dem, was man so schön "Immaterielle Güter" nennt.
Das löst man aber nicht, indem man sie einfach mit Gegenständen gleich setzt. Denn das führt zu mehr Problemen, als sich auch der größte Zyniker in der Piratenpartei ausdenken kann.
PixelMurder
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von PixelMurder »

Sir Richfield hat geschrieben:Weil man eben DOCH nur ein wenig betrügen kann.
Weil es eben wohl einen Unterschied zwischen 10€ beim Aldi und 100.000€ beim AUDI klauen gibt.
Der Unterschied dabei ist rechtlich nur das Strafmass, da man für das zweite mehr kriminelle Energie und Vorrsatz braucht, moralisch ist es das selbe und das gilt auch für sogenannte virtuelle Güter.
Ob Schokoriegel, Audi oder Game, es wurde von Leuten hergestellt und gehört nicht dir, bevor du es bezahlt hast.
Ich mag den Ansatz von Robin Hood auch, der die Reichen bestiehlt und es den Armen gibt, aber Raubkopierer und Runterlader sind einfach nur Diebe.
Zu den immateriellen/virtuellen Gütern: es braucht nur spezielle Gesetze dafür, weil immer mehr Leute flächendeckend meinen, es seien keine echten Güter und weil die Justiz ein Problem hätte, würde sie die selbe Energie für Game-Diebe, wie für Audi-Diebe aufbringen müssen.

Man soll nicht alles schwarz-Weiss sehen, aber es gibt Momente, in denen es angebracht ist.
johndoe1238056
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von johndoe1238056 »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Und bei denen entsteht auch der Schaden, zumal diese Gruppe immer größer wird.
PixelMurder hat geschrieben:weil immer mehr Leute flächendeckend meinen
Ich glaube, ich lese gerade die Bild. Immer mehr, in immer kürzer Zeit... Quellen? empirische Belege? nicht? Na gut, dann stelle ich auch mal einfach so eine Behauptung auf, das sind 0,0000000001%. Viel Spaß beim Widerlegen.
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The Incredible Hojo
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von The Incredible Hojo »

Downloadzahl 2011
Auch wenn Crysis 2 nicht das meistverkaufte PC-Spiel 2011 war - diesen Titel heimste das Rollenspiel Skyrim mit über 10 Millionen verkauften Exemplaren ein - so führt der deutsche Shooter zu Jahresende doch noch ein Ranking an. Allerdings dürfte das Publisher EA nicht sonderlich freuen - der Crytek-Titel war 2011 das am häufigsten illegal heruntergeladene PC-Spiel. Das besagt ein Ranking des Blogs Torrentfreak.com - demnach wurde Crysis 2 seit seiner Veröffentlichung im März mehr als 3,92 Millionen mal über Bittorrent heruntergeladen.

Verkaufszahlen des gleichen Spiels
Crytek und EA können sich bezüglich der Crysis 2-Verkaufszahlen sehr freuen. Electronic Arts meldet mit den aktuellen Finanzzahlen zum abgelaufenen Quartal, dass der CryEngine 3-Shooter über drei Millionen Mal verkauft wurde.

2008
Die diesjährigen Raubkopie-Charts 2008 wurden soeben veröffentlicht. Laut dem Blog TorrentFreak wurde alleine das Spiel Spore von Electronic Arts nur 10 Tage nach seiner Veröffentlichung über eine halbe Millione Mal via BitTorrent heruntergeladen. Schätzungen besagen (genau weiß man das ja nie), dass Spore bis heute rund 1,7 Millionen Mal heruntergeladen wurde..

Verkaufszahlen:
Im Zuge des heute veröffentlichten Finanzberichtes gab Branchenriese Electronic Arts die aktuellen Verkaufszahlen seiner Spiele bekannt: Madden NFL 09 rutschte rund 4,5 Millionen über die Ladentheken, gefolgt von Spore mit 2 Millionen verkauften Exemplaren.

1. Seit 2008 hat sich die Zahl der illegalen Downloads des führenden Spiels mehr als verdoppelt
2. 2008 hat sich das Spiel noch mehr verkauft als es heruntergeladen wurde, 2011 war die Downloadzahl höher
Das entspricht also nicht 0,viele-Nullen-1 Prozent

Viel Spaß beim Belegen deiner Aussage...
johndoe1238056
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von johndoe1238056 »

The Incredible Hojo hat geschrieben:Und es gibt die, die aus Bequemlichkeit saugen - das Angebot ist halt da, also warum bezahlen? Um die geht es. Die wollen sich nicht den Rechner mit verseuchten Cracks und Keygens vollmüllen, habe keine Ahnung von iso-Files und no-cd keys, die wollen nur Geld sparen, das sie theoretisch hätten. Um die geht es aber. Je aufwendiger das Spielen wird und je dubioser die Seite, die man besuchen muss, um das Spiel zu spielen, desto mehr schrecken diese zurück. Und bei denen entsteht auch der Schaden, zumal diese Gruppe immer größer wird.
Wo, in deiner Statistik, taucht denn genau diese Gruppe an Leuten auf? Das man die Anderen nicht erreicht, hast du doch selbst gesagt. Insofern ist meine Behauptung ebenfalls nicht widerlegt. Eine Gruppe wurde übrigens noch gar nicht erwähnt. Es soll Leute geben, die sich ein Spiel saugen, obwohl sie es gekauft haben, weil es sich mit dem Crack angenehmer spielt.
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Sir Richfield
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von Sir Richfield »

PixelMurder hat geschrieben:Der Unterschied dabei ist rechtlich nur das Strafmass, da man für das zweite mehr kriminelle Energie und Vorrsatz braucht, moralisch ist es das selbe
Rechtlich ist es das selbe, aber nicht das gleiche, richtig.
Vorsatz ist übrigens wieder ein ganz anderes Ding, das ist eine extra Wertung.
Oft ist aber der Preis entscheidend.
und das gilt auch für sogenannte virtuelle Güter.
Ob Schokoriegel, Audi oder Game, es wurde von Leuten hergestellt und gehört nicht dir, bevor du es bezahlt hast.
Und eben da irrst Du, weil Dir das Spiel nämlich NICHT gehört.
Du erwirbst... oder besser mietest - ein Lizenz, die Daten nutzen zu dürfen.
Das ist ein großer und technischer Unterschied zu "Ich kaufe einen Schokoriegel und werfe ihn weg oder esse ihn oder schenke ihn meinem Freund... Bzw. im Falle von Twix oder Kitkat: Ich teile ihn mit meinem Freund."
Ich mag den Ansatz von Robin Hood auch, der die Reichen bestiehlt und es den Armen gibt, aber Raubkopierer und Runterlader sind einfach nur Diebe.
Sind sie weder technisch noch rechtlich, deal with it.
Eben diese Sturheit in der Law and Order Fraktion führt ja zu nix. Dieses Augen schließen von der Wirklichkeit macht alles ja nur viel schlimmer.
Zu den immateriellen/virtuellen Gütern: es braucht nur spezielle Gesetze dafür, weil immer mehr Leute flächendeckend meinen, es seien keine echten Güter und weil die Justiz ein Problem hätte, würde sie die selbe Energie für Game-Diebe, wie für Audi-Diebe aufbringen müssen.
Häh? Wir HABEN spezielle Gesetze für Urheberrechtsverletzungen, Produktpiraterie, Patentverletzungen, Geschmacksmusterverletzungen, Beleidigung, Ehrverletzung und was auch immer.
Die Justiz sollte eigentlich mal das Problem haben, aber das haben sie ja wunderbar der Wirtschaft überlassen. Rechtlich müsste jeder Torrent Upload zur Anzeige gebracht werden und dann auch verfolgt werden.
Aber alle Beteiligten lehnen sich lieber zurück und lassen Anwälte massenhaft Briefe schreiben.
Warum werden die nicht alle rigoros angezeigt?
Warum kommt es bei der Menge an Verweigerern nicht zu massenhaften Verurteilungen?
Weil die Anwälte genau wissen, dass ihre Argumentation rechtlich auf nicht allzu festem Fundament steht.
Weil das schwarz-weiße und falsche "Kopierer sind Diebe" eben NICHT so absolut sicher ist.
Man soll nicht alles schwarz-Weiss sehen, aber es gibt Momente, in denen es angebracht ist.
Nein, gibt es nicht! Nie!

Deine und die Art von anderen über dieses Thema zu denken läuft denn auch völlig ins falsche Ende.
Weil ihr Alle die Rechteverwerter meint, wenn ihr Urheber sagt.
Die Urheber sind bereits beklaut worden, was ihr da erwerbt, wäre in S/W Denke Hehlerware.

Denn das Game und das Buch und der Film und der Zeitungsartikel und das Musikstück, die gehören nicht dem Entwickler, dem Autoren, dem Regisseur, dem Redakteur, dem Sänger - die gehören dem Publisher, dem Verlag, dem Studio, der Zeitung, dem Label (und/oder der Gema - und die bezahlt dem Texter mehr, als dem Interpreten, Robin Hood Prinzip)
Und da musst Du Dich mal nach den Methoden umhören, gerade bei den Verlagen.
Um das auch nur Ansatzweise rechtfertigen zu wollen, kommst Du mit S/W Denken nicht mehr weiter.
Der Reifen-ans-Auto-Schrauber bei Audi hat deutlich mehr Rechte und Lohn von seiner Arbeit als die Pixelnutte aus Ungarn, die ein Model für irgendein Spiel zusammengeklickt hat.
Und DIE schützt keiner dadurch, dass man Lizenzerschleichung mit Diebstahl gleich setzt.

PS: Wir hatten ja am Anfang, dass es immer eine Geldfrage ist. Audi kann den Verlust sehr deutlich beziffern, immerhin gibt es pro Fahrzeug eine sehr genaue Kalkulation, was die Herstellung kostet.
Warum können die Rechteverwerter das nicht? Das ist keine rhetorische Frage, denk mal drüber nach.
Das ist nämlich der Grund, warum das Diebstahlsargument flach fällt und warum die alles tun, die "Verluste" nicht beweisen zu müssen. Bzw. es gar nicht können!

PPS: Nein, ich finde NICHT, dass man einfach so alles kopieren sollte.
Ich finde es aber grandios, dass die Indie Szene immer weiter wächst, die Szene, die die Publisher aussen vor und alleine gegen die Wand laufen läßt.
Fiddlejam
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von Fiddlejam »

Es geht nicht bloß um irgendeinen wirtschaftlich Aspekt? Warum ist es dir dann nicht völlig egal, ob deine Bücher/Bilder von irgendeinem Penner fotokopiert, oder von irgendeinem anderen Penner bei amazon verkauft werden? Da geht es doch ganz offensichtlich nur um den wirtschaftlichen Aspekt.
Nein, denn als Macher eines Werkes muss mir das Recht eingeräumt werden, es zu kontrollieren.
Ich muss Geld dafür verlangen dürfen, ich muss es versteckt halten dürfen, ich muss das Recht haben, es gegen Veränderung und/oder Kopie zu schützen, wie ich auch das Recht haben muss, von all diesen Dingen genau das Gegenteil zu tun.
Das ist keine wirtschaftliche Angelegenheit, das ist eine moralische.
Die ganzen Drucke von da Vinci, Cézanne, Monet, Warhol und co. haben die Kunst also kaputt gemacht und der Louvre macht auch bald dicht, weil sich kein Mensch mehr die Originale ansehen will.
Alles, was du aufzählst muss bezahlt werden. Im Übrigen besteht ein Unterschied zwischen dem Druck eines Bildes und des Originals, wohingegen die Kopie eines Spiels exakt dieses Spiel, nur eben losgelöst von einem physischen Datenträger ist.
Wenn ich beim nächsten Konzertbesuch am Einlass erstmal eine aufs Maul kriege und danach gezwungen werde, mich komplett auszuziehen, war das für mich persönlich mein letzter Konzertbesuch.
Bitte, dann war es dein letzter, aber legitimiert das das Einschleichen ins Konzert/eine Schwarzkopie?
Würde ich ein Restaurant boykottieren wollen, weil die Preise zu hoch und die Bedienung zu unfreundlich sind, könnte ich genauso versuchen, an das Essen ranzukommen.
Womit du Diebstahl begehst, und was noch dazu, wie bereits gesagt, hochgradig heuchlerisch ist.
Wie gesagt: Euch gefällt etwas nicht? Dann verzichtet darauf. Ihr saugt es trotzdem? Dann kann es so schlecht nicht sein.
Hast du nur dann Recht, wenn man davon ausgehen könnte, dass auch nur eine einzige Raubkopie gekauft worden wäre, sollte kopieren unmöglich sein.
Fixed.
Die Höhe des Schadens ist irrelevant, und dass kein einziger das Spiel gekauft hätte, das beweist ihr mal schön.
Eine Gruppe wurde übrigens noch gar nicht erwähnt. Es soll Leute geben, die sich ein Spiel saugen, obwohl sie es gekauft haben, weil es sich mit dem Crack angenehmer spielt.
Mit deinen Worten: Quellen? Empirische Belege?
Selbst wenn wir annehmen, was völlig abwegig ist, dass jeder, der das Spiel kauft, dann den Crack runter lädt, hast du noch einige Millionen, die es offenbar nicht gekauft haben - und willst du ernsthaft behaupten, nicht einer dieser Personen hätte es gekauft?
(Womit wir wieder nur beim wirtschaftlichen und nicht beim moralischen Aspekt wären.)
Denn das Game und das Buch und der Film und der Zeitungsartikel und das Musikstück, die gehören nicht dem Entwickler, dem Autoren, dem Regisseur, dem Redakteur, dem Sänger - die gehören dem Publisher, dem Verlag, dem Studio, der Zeitung, dem Label (und/oder der Gema - und die bezahlt dem Texter mehr, als dem Interpreten, Robin Hood Prinzip)
Der Publisher vertritt den Schaffenden in den meisten Fällen nur - recht wenige Autoren verkaufen ihr gesamtes IP einfach so, und viele werden nach Erfolg des Produktes bezahlt, nicht nur einmalig.
PixelMurder
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von PixelMurder »

Sir Richfield hat geschrieben:
und das gilt auch für sogenannte virtuelle Güter.
Ob Schokoriegel, Audi oder Game, es wurde von Leuten hergestellt und gehört nicht dir, bevor du es bezahlt hast.
Und eben da irrst Du, weil Dir das Spiel nämlich NICHT gehört.
Du erwirbst... oder besser mietest - ein Lizenz, die Daten nutzen zu dürfen.
Ich mag den Ansatz von Robin Hood auch, der die Reichen bestiehlt und es den Armen gibt, aber Raubkopierer und Runterlader sind einfach nur Diebe.
Sind sie weder technisch noch rechtlich, deal with it.
Eben diese Sturheit in der Law and Order Fraktion führt ja zu nix. Dieses Augen schließen von der Wirklichkeit macht alles ja nur viel schlimmer.
Solche Feinheiten wie dass Software Lizenzen sind, sind mir schon klar.
Und da bin ich stur, Raubkopierer und Runterlader sind für mich Diebe. Wie schwere Diebe sie nach Gesetz sind oder ob sie verurteilt werden oder nicht, ist für mich dabei nicht von Belang, wenn ich auch nicht gleich dazu aufrufen würde, Raubkopierer höher zu hängen ;-).
Ich gehöre keineswegs zur Law and Order-Fraktion und ich traue mir sogar zu, zu wissen, welche Gesetze ich verletzen kann, das sind alles solche, die niemandem anderen weh tun. Diebstahl gehört aber nicht mehr dazu, seit ich zuletzt vor 30 Jahren mit meinen Kollegen beim Ladendiebstahl erwischt wurde. Ich habe nur irgend wann mal gemerkt, dass meine Eltern Recht damit hatten, als sie mich über mein und dein aufklärten.
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Sir Richfield
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Re: Quo Vadis 2012: Vertrauenskrise in der Branche?

Beitrag von Sir Richfield »

Fiddlejam hat geschrieben:Der Publisher vertritt den Schaffenden in den meisten Fällen nur - recht wenige Autoren verkaufen ihr gesamtes IP einfach so, und viele werden nach Erfolg des Produktes bezahlt, nicht nur einmalig.
Generell nicht unrichtig.
Wenn wir beim Publisher im Bereich Software bleiben, so ist da aber inzwischen eher ein Angestellten Verhältnis gewachsen. Oder besser: Dienstleistung.
Dass die Entwickler dann mehr als für die Erstellung bezahlt werden ist eine Einzelfallrechnung und meist noch an Bedingungen geknüpft.

Was Buchautoren betrifft, fehlen mir die Zahlen.

Interessant finde ich allerdings, dass im Moment gerade die Gruppe Medienwirksam aufheult, die eben genau wie beschrieben bestohlen wird.
Die Tatort Autoren z.B.
Also 1) sind die von einer "Kulturflatrate" bezahlt worden, nämlich unseren Rundfunk-Gebühren und 2) bekommen die nur Geld für's Drehbuch und sonst nix mehr. Wollen die wieder Geld, müssen die wieder ein Drehbuch verkaufen.
Von Zeitungsredakteuren mal ganz zu schweigen. Da nehmen sich die Verlage heraus, den freien Autoren einen Vertrag zu geben, in dem steht, dass sie auch das Recht erhalten, die Dinge auf "noch unbekannte Weise" zu verkaufen - ohne dass der Autor davon einen Cent sieht.

Aus diesem Grund darf man in meiner Gegenwart gerne mit dem Recht kommen - dann aber bitte mit dem richtigen!!! - aber nicht mit der Moralkeule.
Denn solange sich die angeblichen Vertreter so gegenüber denen verhalten, an deren Arbeit sie verdienen, brauchen die von mir keine Gewissensbisse erwarten, weil ich die Produkte nicht kaufe.