Nur ganz kurz:USERNAME_1909691 hat geschrieben:Brakiri hat geschrieben:
Der Vergleich mit der Schokolade hinkt alleine deshalb schon wieder, weil es um ein materielles Gut geht, nicht um ein immaterielles. Die angebissene Schokolade hatte Herstellungskosten, und ist nun unverkäuflich, ergo ein realer Verlust. Eine Kopie, angefertigt von einer Crackergruppe hat der Firma die das Spiel entwickelt/publiziert hat, keine Mehrkosten verursacht und hat auch keinen zählbaren Schaden angerichtet.
Dennoch ist der Vergleich nicht schlecht - wenn man ihn ein wenig erweitert!
Stell dir vor, die Schokolade (besser: Kleidungsstück aber wir bleiben mal bei der Schokolade) kann mitgenommen/gestohlen (kopiert) werden, und die Original-Schokolade bleibt an Ort und Stelle! Nicht jeder, der die Schokolade mitnimmt, hätte sie auch gekauft! Dennoch ist es doch moralisch nicht rechtzufertigen ein Gut, für das jemand anderes gearbeitet hat kostenlos mitzunehmen, obwohl gezahlt werden müsste!
Nicht falsch verstehen, ich denke auch dass der finanzielle Schaden von Raubmordkopien eher gering ist! Aber moralisch vertretbar ist das ganze nicht! Der Verkäufer kann entweder die Schokolade auf eigene Kosten besser schützen und sich den Zorn der Konsumenten aufhalsen, oder die Schokolade weiterhin ungeschützt lassen und alle Personen die mit dieser Schokolade ohne Quittung herumlaufen abmahnen!
Es ist nicht zu bestreiten, dass es hier von beiden Parteien her ein Problem gibt! Eine Einigung wird wohl nie zustande kommen - und wenn, dann zugunsten des Stärkeren (wer schliesst sich effektiver zusammen - Die Konsumenten oder die Verkäufer)!
Leider ist unsere Rechtssprechung so kompliziert, das bei so einem
komplexen Thema zu viele verschiedene Meinungen (und persönliche Interessen) mitspielen, als dass je ein eindeutiges Urteil gefällt werden kann, das allen passt!
Du vergisst hier eine ganz wichtige Sache, die auch volkswirtschaftlich von grosser Bedeutung ist.
Ein immaterielles Produkt, mittlerweile fast ein öffentliches Gut, verursacht einmalig Herstellungskosten. Danach ist jede Kopie fast zu Nullkosten herstellbar.
Sobald also die Entwicklungskosten wieder drin sind, plus einem ordentlichen Gewinn verläuft sich die moralisch klare Lage nämlich.
Ich habe jetzt so gut wie keine Kosten mehr mit der Produktvervielfältigung, verlange aber weiterhin den vollen Preis.
Hier wäre es volkswirtschaftlich sinniger den Leuten das Produkt günstiger oder für lau anzubieten, denn die Kosten sind drin, ein Gewinn wurde gemacht, und es fallen keine weiteren Kosten für die weiteren Kopien an.
Ein ähnliches Problem hat man bei Medikamenten. Dadurch, dass die Patente so lange laufen, können die Pharmakonzerne nach dem Amortisieren der Entwicklungs- und Herstellungskosten ordentlich Gewinne fahren, die Preise bestimmen, und so grosse Bevölkerungsgruppen von dem Nutzen des Medikamentes ausschliessen.
Dies ist volkswirtschaftlich suboptimal, und moralisch zumindest fragwürdig.
Patentierte Krebsmedikamente z.B. kosten in der Herstellung teilweise niedrige ein- bis zweistellige Euro-Beträge, werden aber teilweise zu weit über 1000€ pro Dosis verkauft.
Der Nutzen für alle wäre höher, wenn ab einer bestimmten Gewinngrenze das immaterielle Gut für wenig oder kein Geld angeboten wird(Im Medikamtenen-Sinne wäre eine Limitierung der Patente bis die Kosten wieder drin sind, +einem Gewinnzuschlag sinnvoll). Eine strafrechtliche Verfolgung macht diese Rechnung noch ungünstiger, weil man viele Ressourcen verschwendet für einen vernachlässigbaren Nutzen.
