Sehr geehrte Damen und Herren der "Aspekte"-Redaktion,
ich habe aufmerksam Ihren Bericht über Videospiele und Gewalt verfolgt, gesehen auf
www.youtube.com.
Sicherlich haben Sie schon im Vorhinein mit heftigen Reaktionen von Mitgliedern der Videospielszene gerechnet. In diesem Schreiben möchte ich Ihre Berichterstattung bezüglich dieser Thematik kritisieren.
So erwähnten Sie in Ihrem Bericht in keinster Weise, dass in unserem Staat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) dafür zuständig ist u.a. Videospiele zu prüfen und gegebenenfalls zu zensieren. Die Siegel der "USK" sind nur eine Empfehlung für Hersteller und Vertriebe. So sieht z.B. Microsoft freiwillig von einer Veröffentlichung des Konsolentitels "Gears of War" in Deutschland ab, weil die "USK" diesem Spiel ein Siegel verweigert hat.
Als Frechheit empfinde ich es Videospiele in Zusammenhang mit wirtschaftlichen bzw. sozialen Problemen zu stellen: "In Zeiten von Armut und Arbeitslosigkeit boomt vielleicht nicht zufällig besonders eine Branche, die der Computerspiele."
Dadurch ordnen Sie Videospieler einer gewissen Schicht zu. Gerade diese Thematik hat in den vergangenen Tagen zu heftigen Kontroversen geführt.
Anschließend sofort von "Gewaltspielen" zu sprechen verleiht dem Beobachter den Eindruck, Videospiele hätten generell jugendgefährdende Inhalte und schafft somit Vorurteile. So entsteht beispielsweise der Eindruck alle Spieler seien potentielle Gewaltverbrecher oder stehen kurz davor es zu werden.
Weiter greifen Sie im Laufe Ihrer Berichterstattung auf das Spiel "Hitman" zu, erwähnen dabei allerdings nicht das eigentliche Ziel des Spiels. So entsteht der Eindruck, man müsse im Sanatorium so viele wehrlose Menschen töten, wie möglich. Dies entspricht nicht der Realität.
Kurz: Durch Ihre falsche bzw. unvollständige Berichterstattung werden bewusst Vorurteile Videospielkonsumenten gegenüber geschürt.
Auch haben Sie nicht erwähnt, dass Minderjährige auf keinem legalen Weg in der Lage sind Spiele mit jugendgefährdenden Inhalten zu erwerben. Hier verhält es sich genauso wie mit Filmen mit pornografischen oder gewalttätigen Inhalten. Dass die Möglichkeit besteht über Schwarzmärkte und Raubkopien an entsprechendes Material zu gelangen, möchte ich nicht leugnen.
Ein Verbot dieser Spiele erachte ich allerdings als Beschneidung künstlerischer Freiheit und als Bevormundung Volljähriger.
Von all dem einmal abgesehen, warum interviewen Sie nicht mal die Eltern der von Ihnen im Beitrag gezeigten Kinder. Warum interviewen Sie nicht mal Eltern aus verschiedenen sozialen Schichten über die Inhalte der Spiele die Ihre Kinder spielen? Vorausgesetzt Sie zeigen keine gestellten Interviews, in denen Sie sich Ihre Meinung noch einmal von anderen bestätigen lassen, werden Sie bemerken, dass nur ein Bruchteil deutscher Eltern wirklich genau weiß, worum es da eigentlich in dem Spiel geht, dass ihre Kinder spielen. Wenn der kleine Thomas in einem deutschen Kinderzimmer Aliens zerstückelt und Menschen mit Autos überfährt ist das nicht die Schuld der Videospielindustrie oder des Einzelhandels, sondern Vernachlässigung der elterlichen Aufsichtspflicht, was meiner Meinung bestraft werden sollte. Ob Kevin jetzt ein Videospiel ab 18 spielt oder sich einen Porno oder das Texas Chainsaw Massacre anguckt spielt hierbei keine Rolle.
Das ist für mich allerdings keine Rechtfertigung für ein Herstellungsverbot.
Meiner Meinung nach ist Ihr Bericht sehr einseitig, weil er nur Ihre Meinung verdeutlicht. Was fehlt sind Interviews mit Spielern verschiedener sozialen Schichten. Denn Videospiele sind kein Unterhaltungsmedium der Unterschicht. Diese Banalität behaupteten Sie gleich zu Beginn Ihres Berichts. Darüberhinaus wäre es sinnvoll ein paar Beamte der BPjM vor der Kamera zu befragen und einige Spieletester namhafter Zeitschriften, wie z.B. der "Gamestar" oder der "Playzone" oder Redakteure von Onlinemagazinen, wie z.B. "
www.4players.de".
Ihr Bericht ist ein gutes Beispiel dafür, wie man auch mit "neutraler" Berichterstattung Meinungen diktieren kann und Vorurteile schafft. Reportagen, wie die Ihre oder der Frontal21-Bericht über "Killerspiele"- der Ihnen ja bekannt sein dürfte - führen dazu, dass man beim Kauf eines Videospiels misstrauisch beäugt wird und unwissende Bürger einem mit Vorbehalten begegnen, nur weil sie mitbekommen haben, dass man ein Videospiel spielt und letztendlich womöglich zu einem Verbot eines Großteils an Videospielen.
Dass der Konsument dann gezwungen wird Kapital im Ausland auszugeben, weil die Spiele nur noch als Import zu haben sind wird außer Acht gelassen. Bei der Videospielindustrie handelt es sich um eine milliardenschwere Branche an der internaltionale und nationale Firmen beteiligt sind. Die Branche boomt seit geraumer Zeit und es ist momentan stark wie noch nie. Durch ein Verbot gingen dem Staat Steuereinnahmen in geraumer Höhe verloren und dem deutschen Einzelhandel Millionen-Umsätze. Dies würde letztendlich zu einer weiteren Verschlechterung des Standortfaktors Deutschland beitragen.
Für altersgerechte Unterhaltung der jeweiligen Altersgruppen und eine Erziehung frei von oben beschriebenen Einflüssen sind in erster Linie die Eltern zuständig. Für Fehlverhalten deutscher Eltern dürfen nicht unschuldige volljährige Spieler bestraft werden.
Ein Spieler