Erynhir hat geschrieben:Ach Beam, du schreibst und schreibst und schreibst, aber den eigentlichen Punkt, nämlich dass das PEGI-System in den entsprechenden EU-Staaten schlichtweg funktioniert, kannst du nicht widerlegen. Oder sind niederländische, schwedische, englische oder spanische Jugendliche/Kinder soviel verrohter und brutaler das deutsche?
Die USK ist eine unnütze, teure Einrichtung. Der sog. Jugendschutz in Deutschland ist eine hysterische Sache, der durch wenige, tragische Amok-Läufe (die aber bisher nie endgültig nachweisbar mit Videospielen in Verbindung gebracht wurden, da waren immer andere Sachen ausschlaggebend) viel zu strikt und unnötig regelnd ist.
Wenn wir uns darauf einigen, woran man das Funktionieren bzw. Nicht-Funktionieren messen will, können wir das gerne weiter durchexerzieren.
Amtliche Statistiken über die Jugendkriminalität zu bekommen sollte für Deutschland nicht allzu schwierig sein, keine Ahnung wie leicht / schwer man an die Statistiken der anderen EU-Länder kommt.
Nur ist dann die Frage, ob die Jugendkriminalitätsrate ausreichend ist, um den Erfolg bzw. Misserfolg der einzelnen Jugendschutzmaßnahmen zu messen.
Wie es in der Psyche einzelner Kinder bzw. Jugendlicher aussieht weiß leider niemand von uns, denn nicht immer offenbaren sich psychische Beeinträchtigungen in äußeren Handlungen. Ob also deutsche, spanische, französische oder englische Kinder und Jugendliche durch Videospiele ausgelöste / beeinflusste Gewaltfantasien haben, wie stark sich diese unterscheiden und ob, und wenn ja wie, sich das auf die spezifischen Jugendschutzmaßnahmen zurückführen lässt, ist somit leider nur schwer herauszufinden.
Ich sehe zumindest nicht, dass das deutsche Jugendschutzsystem nicht funktionieren würde. Und dann stellt sich doch die Frage: Warum sollte man ein funktionierendes System, dass sich über 17 Jahre bewährt hat, nur um der Vereinheitlichung Willen ersetzen? Mit der Regelung der Altersfreigaben über die USK hat man seinerzeit in Deutschland einen gesellschaftichen Konsens herbeigeführt, mit dem alle Beteiligten gut leben konnten und können. Auch der BIU und G.A.M.E ev. konnten mit dieser Lösung immer gut leben, schließlich haben sie diese ja seinerzeit miterarbeitet und fungieren nach wie vor als Gesellschafter der USK.
Nur sind in der Vergangenheit mal namhafte Mitglieder des Verbandes, allen voran EA, ausgeschert, weil ihnen einige Bewertungen gegen den Strich gegangen sind. Und weil die Lobby auf der EU-Ebene einfach erfolgreicher war, was man am gesamtem PEGI-System gut sehen kann, proklamiert EA jetzt natürlich den Beitritt Deutschlands zu diesem System.
Allein die Tatsache, dass die großen Publisher PEGI in den höchsten Tönen loben müsste einen doch eigentlich schon stutzig machen. Die sehen, und das ist nur verständlich, in erster Linie ihren Gewinn. Jetzt kommt es dazu, dass Spiel XY in DE, einem der größten Absatzmärkte Europas, keine Freigabe erhält, von der BPjM kassiert wird und damit nicht mehr öffentlich ausgestellt / beworben werden darf. Schlecht für das Geschäft von EA, Activision und Co.
Auch schlecht für alle Spieler, nach derem egozentrischen Weltbild alles nur um sie kreist. Denn jetzt muss man ja ein paar Umwege in Kauf nehmen, um in den Besitz von Spiel XY zu gelangen.
Dass die Entscheidung der Freigabeverweigerung evtl., vielleeeeeicht doch gar nicht so unbegründet war interessiert die Publisher und die eben erwähnten Spieler (erstmal) nicht. Denn es gilt ja in erster Linie persönliche Interessen zu befriedigen.
Die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft wird in den obersten Gremien der USK repräsentiert, anders als beim PEGI-System. Daran sind letztendlich nur die Publisher selbst, der ISFE als deren Interessenvertretung und ein Institut in den Niederlanden (NICAM), welches nicht im Geltungsbereich des Grundgesetzes liegt und auch sonst keinerlei Bezug zu deutschen Jugendschutzbehörden hat, beteiligt. Weder Vertreter der Landesjugendschutzbehörden, noch der Medien, noch der Kirchen, noch der bundesdeutschen Politik sind dort vertreten oder gar an den Entscheidungen beteiligt. Wie soll man dafür in der Bundesrepublik, wo das Miteinbeziehen von nicht-staatlichen Akteuren von jeher integrativer Bestandteil des politischen Aushandlungs- und Entscheidungsprozesses ist, einen gesellschaftlichen Konsens herbeiführen?
@Infi88:
Wo du gelesen haben willst, dass ich einen direkten Zusammenhang zwischen Videospielkonsum und Amokläufen hergestellt habe, zeigst du mir dann bitte nochmal. Wir wissen bis heute nicht, ob es da einen direkten oder gar nur indirekten Zusammenhang gibt. Aber wie wissen eben auch nicht mit Sicherheit, dass es nicht so ist.
Darum ging es mir auch überhaupt nicht. Was ich gesagt habe, und dabei bleibe ich, ist, dass es schlicht und ergreifend Spiele gibt, die definitiv nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen gehören.
Wer meint, dass man einem Kind jede Form der Gewaltdarstellung zumuten könne verschließt seine Augen schlicht und ergreifend vor der Wirklichkeit.
Indizierungen sind für die Publisher natürlich unschön, geht ihnen doch wie gesagt eine ganze Menge Gewinn durch die Lappen. Und als Zocker muss man eventuell den Umweg des Imports in Kauf nehmen.
Aber daran, dass Kinder im Laden keine Spielverpackung in die Hand nehmen können oder im TV Werbung sehen, in der dass Töten möglichst vieler Gegner auf möglichst kreative Art und Weise angepriesen wird, sehe ich persönlich nichts verwerfliches.
Bei manchen Indizierungsverfahren der BPjM kann ich auch nur den Kopf schütteln, genau wie bei manchen Aussagen gewisser meist konservativer Politiker. Aber das hat mit der Arbeit der USK absolut nichts zu tun.
Die ist über die letzten 17 Jahre deutlich toleranter geworden, sie handelt im Interesse der Spieler, und ihre Freigabe schützt Spiele vor der Indizierung.
Das Feindbild USK hat schlicht und ergreifend keine Grundlage.