Silenter hat geschrieben:Prinzipiell denke ich, dass es keine Form von Respektlosigkeit ist, Krieg und seine Ausläufer, in welcher Form auch immer, künstlerisch darzustellen (Film, TV, Kunst, Literatur, Videospiele), solange das Verantwortungsbewusstsein der Kreativen dieser Thematik zumindest in der Sache gerecht wird. Beispielsweise fällt mir hier der Film "Schindlers Liste" ein, der in seiner Form und Fassung selbstverständlich das empfindliche und hochachtungswürdige Schicksal vieler verstorbener und noch lebender Menschen auf einer sehr sensiblen Ebene berührte, doch dies mit einem hohen Grad an Verantwortungsbewusstsein tat und dafür Anerkennung denn Empörung erhielt.
Um den Bogen mal etwas zu spannen - weil Videospiele diesem Anspruch der Thematik Krieg meiner Meinung nach bis heute nicht einmal ansatzweise gerecht werden (und es manchmal auch gar nicht wollen), halte ich bildungstechnisch und moralisch gesehen nicht viel von den Ausritten in CoD oder dem nun neuen MoH. Denke ich parallel an ein Heavy Rain, das sich das Ziel setzt, mit der nötigen Sensibilität aber auch überzeugenden Umsetzung seiner Handlung gerecht zu werden und den Spieler moralisch so zu konfrontieren, dass er Gefühle wie Traurig- und Fassungslosigkeit, Angst oder Wut während des Spielens empfindet, dann kommt mir beim Gedanken an Call of Duty: MW nur eins in den Sinn: Schwachsinn hoch 10!
Es gibt viele Werke, die die Thematik Krieg in seiner reinen gleich brutalen und unmenschlichen Art dokumentiert haben, doch ist es meiner Meinung nach auch die einzig richtige, da sie nicht verherrlicht. Einen Shooter zu spielen, in dem man von einem Level zum anderen hetzt, die Knarre nahezu auf Dauerfeuer gestellt ist und es nur darum geht, letztlich den Bösewicht zu stellen, währenddessen man noch einen Luftstreik ordert oder einer Atombombenexplosion zusieht, kann in erster Linie nur einer Form von teils absurder Unterhaltung dienen. Noch schlimmer wird es für mich eigentlich nur, wenn sich diese Spiele auch noch echter Kriegsschauplätze bedienen.
@Mueller,
deswegen beispielsweise teile ich auch nur gering deine Meinung, dass ein Kriegsspiel 50 Jahre nach Kriegsende eine vertretbare Sache ist, nur weil der Zeitfaktor das Leid der Menschen in Vergessenheit geraten ließ. Genauso wenig teile ich deinen Hintergrund zur Frage des gestorbenen Bruders und dem Spielen des Multiplayers. Ich verstehe, worauf du hinaus möchtest, allerdings bieten Kriegsspiele unserer Zeit in keinster Weise überhaupt irgendeine Rechtfertigung, sich nach dem Tod des hier anzunehmenden Bruders überhaupt die Frage zu stellen, jetzt doch mal eine Runde MoH Multiplayer zu spielen.
Die Frage müsste, wenn überhaupt dann viel grundsätzlicher so gestellt werden, weshalb es überhaupt solche Multiplayer gibt. Das pure Punkte- und Trophäensammeln als Anreiz? Mh, irgendwie sehr bedenklich.
Ich versuche ja auch nicht Spiele zu unterstützen die den 2.Weltkrieg thematisieren. Ich finde sie sogar sehr fragwürdig, da sie der Vergangenheit so gut wie nie gerecht werden, aber ich finde halt, dass EA mit MoH den eh schon sehr gespannten Bogen überspannt hat, da halt in diesem Moment noch Leute sterben. Bei meinem Vergleich mit dem Bruder war dessen Tod gar nicht vorgesehen. Ich wollte nur zeigen wie Absurd so ein Spiel vermutlich auf jemanden wirkt der gerade mit seinen Angehörigen mitfiebert. Zu deiner letzten Frage: Ich vermute, dass das Prinzip war eine simple Spielmechanik in einem actiongeladenen Mantel zu verpacken , doch das mit spielen wie Cod und MoH immer weiter ausartete und wie du bereits sagtest sehr bedenklich geworden ist.