Jetzt wird es erst richtig spaßig. Ich liebe es, wenn sich Forentrolle selbst demontieren... Aber öffnen wir den Vorhang:
שִׁ hat geschrieben:
Für mich ist es gleich zu setzen.
Nur interessiert es nicht, ob du es gleich setzt, wenn es in der Wissenschaft eben nicht gleich gesetzt wird.
Um es an einem Beispiel der Popkultur fest zu machen:
In dem Film Watchmen gibt es einen Helden, der lieber die Welt in den Abgrund gehen sehen würde, als dass er ihr Überleben um den Preis, der letztendlich gezahlt wird, ermöglicht. So stark ist sein Rechtsempfinden.
Moralisch richtig?
Auf der anderen Seite, seine Kumpane töten ihn daraufhin, nachdem sie bereits Millionen Menschen vernichtet haben, um eben den Tod aller zu verhindern?
Rechtmäßig?
1. Wäre schön gewesen, wenn du den Film/Comic wenigstens richtig gesehen/gelesen hättest, anstatt hier frei Schnauze die Handlung falsch wiederzugeben. Nicht seine Freunde (von denen einer ihn dann schließlich umbringt), hatten bereits Millionen Menschen vernichtet, sondern der Antagonist Veidt. Als dies bereits geschehen war, bleibt ihnen nur noch die Wahl zwischen schweigen oder an die Öffentlichkeit gehen. Würden sie an die Öffentlichkeit gehen, würde die Zusammenarbeit aller Nationen (die durch die Katastrophen dazu gezwungen wurden) wieder zunichte gemacht werden, der Tod der Millionen wäre also vollkommen umsonst gewesen. Rorschach (der in seinem simpel gestrickten Gerechtigkeitswahn die großen Zusammenhänge nicht akzeptieren will) muss daher sterben. Ja, es handelt sich um eine moralische Frage. Aber sie hat mit der Diskussion absolut nichts zu tun, denn:
2. ...ist das ganze Beispiel komplett schwachsinnig innerhalb der hier diskutierten Thematik, da keine der beiden Seiten rechtmäßig (also nach geltendem Recht) handelt, sie sind durchweg Vigilanten, die für die Durchsetzung ihrer eigenen Moralvorstellungen regelmäßig Gesetze brechen. Gerade Rorschach, dem du ein starkes Rechtsempfinden unterstellst, handelt allein aus Gerechtigkeitssinn so, er ist ja gerade der Protagonist, der sich am weitesten von Gesetzen und Rechtsempfinden entfernt hat.
Wenn man es genau nimmt, hast du eigentlich eher das perfekte Beispiel dafür gebracht, dass moralisch eben _nicht_ mit rechtmäßig gleichzusetzen ist.
Diese Einstellung sollte dem Bürger aber ausgetrieben werden. Denn daran ist nichts moralisch richtig, auch wenn es jeder so empfindet.
Eine gesunde Skepsis an geltenden Gesetzen ist notwendig und richtig. Oder um Brecht zu zitieren: "Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht."
Zum Dritten Reich möchte ich auch noch etwas sagen, im Bezug auf die dort geschehenen Verbrechen. Es ist nicht grundlos so, dass grade die ausführenden Organe, sprich der einfache Soldat am Boden, von den Gräueltaten, die er zweifellos begangen hat, freigesprochen wurde.
Du lenkst nur ab, denn deine Beispiele ändern nichts an der Aussage, dass die Gesetze 3. Reiches in verschiedenen Fällen nachträglich als nicht rechtsverbindlich erklärt wurden (da sie der Gerechtigkeit und dem Völkerrecht widersprachen). Damit wird also wieder deine Aussage widerlegt, dass moralisch mit rechtmäßig gleichzusetzen sei.
Wärst du tatsächlich Jurist, hättest du spätestens hier meinen Hinweis auf die Radbrusche Formel aufgreifen müssen, die eben insbesondere in der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Rechtssprechung Anwendung fand. Dass der einfache Soldat häufig nicht angeklagt bzw. verurteilt wurde, hatte weitaus komplexere Gründe.
Also auch hier wieder komplett daneben gegriffen Herr Pseudojurist.
In der heutigen Zeit aber, in denen der Staat an sich kein verbrecherisches System ist, denke ich darf man Moral und Rechtmäßigkeit gleich setzen. Nicht umsonst wird auf diesen Punkt, bei Freispruch wie Verurteilung, in den Urteilsbegründungen stets eingegangen.
Ich weiss ja nicht, wo du die letzten Jahre verschlafen hast, aber hier kann die geneigte Leserschaft endgültig in schallendes Lachen ausbrechen. Das Bundesverfassungsgericht hat im letzten Jahrzehnt etliche Gesetze als unrechtmäßig (da nicht mit dem Grundgesetz vereinbar) erklärt. Die pauschale Gleichsetzung von Moral und Rechtmäßigkeit ist also komplett verfehlt.
Kann man Professionellen vorwerfen nur über "Pseudofachwissen zu verfügen", dass man auf Wikipedia erlangt hat? Ich sehe dadurch meine Reputation angegriffen.
Du bist vieles, aber ganz sicher kein professioneller Jurist. Zumindest nicht auf dem Gebiet, über dass du dich hier auslässt. Steuerrecht vielleicht? Oder vielleicht bist du auch nur einfach schlecht in deinem Beruf, ist ja alles möglich.