Kajetan hat geschrieben: ↑08.10.2018 15:18
muecke-the-lietz hat geschrieben: ↑08.10.2018 14:59
Ich finde diesen Rosenkrieg als Fan beider Sachen aber wirklich fürchterlich, und bin enttäuscht von beiden Seiten, aber von S. noch ein ganzes Stück mehr, weil er sich aus kaufmännischer Sicht ekelhaft verhält. Vertrag ist Vertrag. Eine der Grundregeln für jeden Kaufmann, und wenn beide Seiten ihre Pflichten erfüllt haben muss man eben mit den Konsequenzen leben. 10 Jahre später zu kommen, um einen abgeschlossen Vertrag, den beide Seiten im Prinzip ebenbürtig beschlossen haben, für nichtig zu erklären ist kaufmännisch kein besonders ehrenhaftes Verhalten. Auch wenn jeder Kaufmann immer versucht, das Beste für sich raus zuschlagen, gibt es auch sowas wie einen Kodex, und der ist einfach Vertrag ist Vertrag. Vorher kann man alle Spitzfindigkeiten nutzen, um einen Vorteil raus zuschlagen, aber mit dem Abschluss des Vertrages muss man mit den Folgen leben, wenn der Vertrag rechtsgültig ist, keine unerwarteten Klauseln enthält, und beide ihren Pflichten nachkommen.
Nun, Sapkowski ist kein Kaufmann (ein Kaufmann hätte sich wahrscheinlich für Türchen 2 entschieden) und ich kenne genug Kaufmänner, die ALLES versuchen, um nachträglich etwas Besseres für sich herauszuschlagen, wenn es eine legale Möglichkeit dazu gibt.
Wenn CDP schlau ist, einigt man sich aussergerichtlich und wird via Gwent weiterhin gute Geschäfte machen, diesmal mit ein paar Prozent vom Gewinn gleich an Sapkowski, ohne dass dieser klagen muss. Weil ... als gute Kaufleute sollten CDP wissen, dass dies alles nichts persönliches ist, weil es nur um Geld geht und man schön blöd wäre auf künftige Spiele aus dem Witcher-Universum zu verzichten, nur weil man Sapkowski auf zwischenmenschlicher Ebene für einen Drecksack hält. Es ist wirklich nur Geld
Jemanden in dieser Situation für einen Dreckssack zu halten, weil er mehr Geld möchte, ist sowieso Quatsch. Dafür ist das nur allzu menschlich.
Aber deine Verteidigung seines Verhaltens nimmt langsam trotzdem manische Züge an. Man muss ihn jetzt nicht schlechter reden, als er ist, aber man muss sein Verhalten jetzt auch nicht besser reden, als es ist.
Jeder versucht ständig bessere Konditionen für sich rauszuschlagen, wenn ich aber einen Vertragspartner habe, der nachträglich versucht, mich übers Ohr zu hauen, dann wird die Situation ausgefochten, und danach nie wieder ein Geschäft mit ihm gemacht. Vor Abschluss des Vertrages kann ich jede Sch**ße akzeptieren, aber nicht danach, sorry. Und wohlgemerkt, ich rede von einer gleichberechtigten Situation, nicht von einer Situation, in der du im Prinzip gar keine Wahl hast.
Und mach mal nicht immer gleich die Menschheit schlechter, als sie ist. Im normalen Arbeitsalltag gilt Vertrag ist Vertrag. Zumal man ja mit den meisten Geschäftspartnern in den der Regel ein gutes Verhältnis pflegt, weil man für gewöhnlich ja vor hat, noch länger mit diesen zusammen zu arbeiten.
Den juristischen Weg versucht man eigentlich immer zu vermeiden, weil es auch bei Geld irgendwann persönlich werden kann. Es wäre eine Illusion, zu glauben, es wäre nicht so.
Deswegen bin ich von S. Verhalten ja so verdutzt. Du machst in deiner ganzen Argumentation die Firma CDPR mächtiger und unpersönlicher, als sie es ggf. ist. Du hebst das ganze auf ein rein professionelles Verhältnis, was aber in so einer Situation gar nicht sein kann, weil an der ganzen Sache immer noch Menschen beteiligt sind, und Menschen Dinge oft auch persönlich nehmen und Dinge manchmal emotional betrachten, auch wenn sie in einer stärkeren Situation sind. Diese Firma wurde von Fans gegründet, die jetzt vom Schöpfer der Welt, an der sie nun auch jahrelang gearbeitet haben, verklagt werden. Dabei ist es egal, wie groß CDPR geworden sind, im Kern wirst du immer noch die Leute von damals haben, die das Ding aus Liebe gegründet und aufgezogen haben.
Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, was da vorher gelaufen ist. Wissen wir ja alle nicht. Aber da wird schon der ein oder andere nicht froh drüber sein, dass S. ihnen da so offensichtlich in den Rücken fällt. Denn die werden das Anwaltsschreiben nicht nur aus strategischer Sicht veröffentlicht haben. Die gehen damit gleich an die Öffentlichkeit, weil sie nicht nachher als die Arschlöcher da stehen möchten, die den Schöpfer ihrer Welt kein Geld geben möchten. Denn das wird für die auch einen ideellen Wert haben.
Du reduzierst alles aufs rein rationale, und das ist in dieser speziellen Sache ein großer Fehler, da hier mittlerweile auf beiden Seiten auch emotionale und ideelle Werte an der Sache hängen. Deswegen reagiert die Öffentlichkeit da ja auch relativ emotional.
Weil es hier nicht um EA, Activision oder Ubisoft geht, die eine Geschichte verwerten, ohne den Schöpfer dieser (ausreichend) zu bezahlen, und mit seiner Geschichte Millionen machen. Große gesichtslose Firmen, mit zig Tochterfirmen und deren Firmengeflecht man gar nicht mehr genau entknoten kann.
Bei solchen 2 Seiten hätte ich gedacht, dass Vertrag ist Vertrag schon alleine deshalb gilt, weil am Ende ja jeder davon profitiert hat, und das Werk als solches auf so vielen Ebenen nach vorne gebracht wurde.
Du kannst hier gerne den Zyniker geben, der davon ausgeht, dass alle Menschen nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind, ohne nach einer Moral zu handeln, aber ich sehe das einfach nicht so. Auch im geschäftlichen Bereich nicht, und bin damit immer gut gefahren. Schon alleine, weil das eigene Verhalten auch oftmals zurück halt.
@ronny_83
Ja, genau das denke ich irgendwie auch. Dass sie da nun scheinbar so gar keine Anstrengungen unternommen haben, hat für mich auch einen bitteren Beigeschmack. Bei Teil 1 mag das Gesagte ja alles noch gegolten haben, aber spätestens nach Teil 2 und den positiven Resonanzen und guten Verkaufszahlen hätte man nochmal auf ihn zugehen können. Und allerspätestens als man gesehen hat, wie TW3 explodiert. Egal wie grummelig und skeptisch er dem Medium an sich ggü. ist. Man kann ja niemanden dazu zwingen, Games zu lieben.
Ich sehe CDPR hier zwar nicht in der Pflicht, aber aus solidarischer Sicht, weil S. ja mehr als nur ihr Vertragspartner war, sondern ihr Vorbild und der Schöpfer ihrer Welt, und ein kreativer Kollege, hätte ich schon noch was rüber wachsen lassen. Da wären die ja nicht arm durch geworden.
Aber wer weiß. Wir kennen die Vorgeschichte hinter den Kulissen nicht. Dass es nun den juristischen geht, finde ich auf jeden Fall schade und ein gutes Licht wirft das auf beide Seiten nicht, auch wenn mich S. Undankbarkeit und völlige Uneinsichtigkeit doch manchmal noch mehr verärgert. Er sieht ja nun offensichtlich überhaupt nicht ein, welche Bedeutung die Videospiele für seine eigenen Bücher hat. Er kann die Games ja scheiße finden, aber ihnen nun beinahe jede Bedeutung abzusprechen, halte ich für vermessen.