Genau. Inoovation ist nicht gleichbedeutend mit besser. Den Entwicklern gelingt erfahrungsgemäß eher ein Hit, wenn sie Konventionelles auf ein ganz neues Level bringen. BotW zB hat das Rad nicht wirklich neu erfunden, aber zB in Sachen Rätseln brilliert. Auch das Sandbox-Thema, das mich zum Experimentieren einlädt, hat viele Spielereien zugelassen. Viele Situationen waren unterschiedlich lösbar. Alles keine Innovation, aber qualitativ hochwertig umgesetzt, was dem Spiel Bestwertungen einbrachte.
Innovation bei Pokemon: Der Dynomax-Kram ist streng genommen innovativ. Die Raids sind es - für Pokemon-Verhältnisse - auch. Aber man muss die Serie als ganzes betrachten und da klingen Raids in der beschriebenen Form für mich nicht als Heilsbringer. Und nach Mega-Entwicklungen, Super-Attacken aus Sonne-Mond (oder wie die Dinger auch hießen, die man nur einmal pro Kampf einsetzen konnte) und jetzt den Dynamos, die auch nur begrenzt wirken, ist das einfach ein zu ähnliches Konzept. Es ist weder innovativ, noch lädt es mich zum experimentieren ein.
Die Megaentwicklungen dagegen waren innovativ und sie haben für mehr Balance im Meta-Game gesorgt. Früher nutzlose Pokemon wie Bibor konnten damit wieder eine Daseinsberechtigung erhalten. Aber warum etwas sinnvolles beibehalten, wenn man Gamefreak heißt? Lieber das Konzept über Bord schmeißen und stattdessen mit wenig Aufwand Pokemon aufblasen.
Andererseits muss man Gamefreak in Schutz nehmen: Es gibt verdammt viele Pokemon und da wird es nunmal schwer, sich was neues einfallen zu lassen. Mittlerweile gibt es keine neuen Tierarten, die "pokemonisiert" werden, sondern bereits bestehende, wie das Schaf, erhalten weitere Vertreter. Ganz aktuell dieses Wollviech, wie man oben sieht. Stichwort: Waaty, Ampharos...
Und das Kampfsystem grundlegend zu ändern ... das wäre wie die Regeln eines Sammelkartenspiels zu ändern, das seit 20 Jahren im Kern unverändert blieb. Pokemon ist im Kern ein Sammelspiel, das stetig erweitert wird, aber nicht im Kern verändert. Daher werden auch seit Schwarz-Weiß dauernd neue Konzepte eingeführt und teilweise wieder verworfen (s.o.).
Auch die geforderten Spin-Offs sind nicht leicht umsetzbar. Wir reden hier von Spielen, die eine Pokemon-Anzahl von über 700 thematisieren sollen. Nur mal als Denkanstoß.
Ich finde, die Serie kann ja prinzipiell bleiben wie sie ist. Dann soll aber endlich ein neuer Schwierigkeitsgrad eingeführt werden oder Endgame-Content, der wie in der Stadium-Reihe ein bestimmtes Level vorgibt, auf dem gekämpft wird. Und dann auch nicht irgendwelche Türme, bei denen ich durch Horden von Nichtskönnern pflüge und nach 70 Kämpfen dann ein schwerer Metagross-Kampf wartet, den ich verliere und ich mich dann nochmal durch 70 Kämpfe quälen muss, um eine Herausforderung zu bekommen.
Manches ist einfach so offensichtlich schlecht, aber so leicht auszumerzen... da frage ich mich, ob das keine gezielte und gewollte Diskriminierung von Meta-Spielern ist. Oder auch Nicht-Meta-Spielern, die nur mal den Hauch einer Herausforderung wollen.
