LePie hat geschrieben:
Sharkie hat geschrieben:Meinen Dank an die armen Kerle von bitComposer für Shadowrun Returns, Giana Sisters und das großartige Expeditions: Conquistador.
Unsinn. Bei Giana Sisters und Shadowrun Returns hatte bitComposer nichts mit der eigentlichen Entwicklung am Hut, bei Expeditions: Conquistador ging es überdies auch nicht ohne Kickstarter.
Sehe ich nicht so. Vielmehr denke ich, dass auch das Veröffentlichen (und nicht nur das Entwickeln) von Spielen angemessene Würdigung verdient, vor allem vor dem Hintergrund einer seit x Jahren immer konservativer werdenden Publisherlandschaft. Die von mir genannten Spiele sind allesamt aus unterschiedlichen Gründen Nischenprodukte mit eher spitzen Zielgruppen (Pen&Paper-Umsetzung, Oldschool-Jump'n'Run, Rundentaktik in ungewöhnlichem und mutigem Szenario), für deren Unterstützung, die sich viele Publisher sicher nicht getraut hätten, ich bitComposer einfach dankbar bin. Ändert freilich nichts daran, dass die Herren auch Müll wie Schlag den Raab verantwortet und die Jagged Alliance-Marke weiter beschädigt haben.
GrinderFX hat geschrieben:
Zum kotzen sind nur Leute wie du, die schlechte Firmen mit aller Gewalt und am besten noch mit Rettungen und Subventionen am Markt halten wollen. Das dadurch allerdings gute Produkte vom Markt verschwinden, ist ihnen dann scheiß egal. Denn wenn ich nämlich auch für richtig schlechte Produkte dennoch mein Geld bekomme, dann macht niemand mehr irgendwas gutes. Warum auch?
Auch sind die Arbeitsplätze nicht weg, sie sind einfach woanders, bei einer Firma die vernünftige Produkte macht, so wie es sich gehört!
Häh? Wo habe ich denn bitte Subventionen gefordert? Ich habe mich über diese Unkultur aufgeregt, bei Insolvenzen zu jubilieren nach dem Motto "Geil, jetzt bringen die nicht noch mehr schlechte Spiele raus", was ich angesichts der mit einer Insolvenz verknüpften persönlichen Schicksale für kurzsichtig und extrem einseitig halte. Gamer-Tunnelblick, wie ich schon sagte. Mit keinem Wort habe ich irgendwelchen Aktionismus zur Rettung von bitComposer gefordert, welcher bei dieser Firma wohl kaum sinnvoll wäre. Mir tun einfach die Leute leid, die da arbeiten, während ich das Verhalten der Leute, die wiederum Befriedigung daraus ziehen, gegen solche armen Socken nochmal nachzutreten, schäbig finde - das ist alles. Aber interessant: Da wird munter auf Leute eingebasht, die eh schon am Boden sind, und wenn dann jemand ein bisschen mehr Menschlichkeit anmahnt, ist er gleich Sozialist oder (schlimmer) Ned Flanders.
FuerstderSchatten hat geschrieben:
Ich weiß wirklich nicht, warum du hier rumheulst und andere als asozial bezeichnest. Wir leben doch nun mal im Kapitalismus und den Firmen sind Menschen ja nun auch nicht besonders wichtig und die zögern auch keine Minute, Leute zu entlassen, wenn sie dafür einen Vorteil bekommen, warum sollen wir uns also darum scheren, wenn wir ihnen auch egal sind?
Gerade weil wir "nun mal" im Kapitalismus leben, sollte man dessen unschöne Auswüchse benennen und kritisieren, denn der Kapitalismus neigt nun wirklich nicht zu gutem Benehmen, wenn man ihn komplett von der Leine lässt. Darum ging es mir aber eigentlich gar nicht, ich will jetzt hier auch gar nicht den großen Systemkritiker spielen. Zu den unschönen Auswüchsen des Kapitalismus zählen aber meiner Ansicht nach auch psychologische und/oder soziale Phänomene wie z.B. Empathielosigkeit angesicht von Kündigungen oder sogar das Verhöhnen von Betroffenen. Bezüglich dieser habe ich "rumgeheult" und werde es auch weiterhin tun. Ich Heulsuse.
FuerstderSchatten hat geschrieben:
Tausende Menschen, die was gelernt haben, beziehen in Deutschland Hartz 4, um die interessiert sich auch kein Schwein, auch nicht darum was die für Ängste haben. Deine Programmierer finden aber ganz sicher schnell wieder nen Job und wenn nicht müssen sie halt auch Hartz 4 beziehen und werden ein Teil der Statistik.
In Indien arbeiten Menschen für nen Appel und nen Ei, für die ist Hartz 4 eine unglaublich hohes Gehalt und du jammerst uns hier was von Typen voll, die bisher 3000 € Netto verdient haben.
Dass wir in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ein stark ausgeprägtes soziales Sicherungssystem haben (auch wenn die Einführung von Hartz 4 für dieses aus Arbeitslosenperspektive eher ein Downgrade bedeutete) ist richtig, zeigt jedoch vielmehr, dass diese Leute anscheinend eben doch ein paar Schweine interessieren. Oink.
Mir ist durchaus klar, dass es uns hierzulande im Vergleich zu den allermeisten anderen Ecken dieser Welt sehr, sehr gut geht - ich denke was dies betrifft müsste hier absoluter Konsens herrschen. Ich lebe aber nicht in Indien, ich lebe in Deutschland, und hier kehre ich mit meiner Kritik vor
meiner Haustüre. Was selbstredend
nicht bedeutet, dass mir die Zustände in Entwicklungs- und Schwellenländern egal wären; bevor mir das hier jemand in den Mund legt. Insofern kann man die "Indien-Keule" in solchen Diskussionen gerne stecken lassen. Auf andere (zweifelsfrei größere), weit entfernte Probleme verweisen taugt nämlich nicht, um die Diskussion voranzubringen über (zweifelsfrei kleinere) Probleme, wie sie hier vorliegen. Das ist pure Rhetorik.