Der 4P-Kommentar: Zeit für "Miramax Games"
Moderatoren: Moderatoren, Redakteure
- johndoe869725
- Beiträge: 25900
- Registriert: 29.04.2007 03:08
- User ist gesperrt.
- Persönliche Nachricht:
@ Fahrenheit
Fahrenheit war in den ersten Stunden wirklich gut. Tolle Atmo, sehr gute Story (zumindest für ein Spiel). Okay, spielerisch war es schon da ziemlich schwach, aber die oben erwähnten Punkte haben das kompensiert. Dann wurde die Story massiv schlechter, die dämlichen Reflexsequenzen immer länger und unmotivierter und das Spiel verkam zu einem entsetzlichen Quark. Das Ende von Fahrenheit gehört übrigens storytechnisch zum schlechtesten, was ich jemals in einem Spiel gesehen habe. Selbst Doom3 hat mir da besser gefallen, weil das Spiel wenigstens durchgehend auf eine Story so ziemlich verzichtet hat.
Fahrenheit war in den ersten Stunden wirklich gut. Tolle Atmo, sehr gute Story (zumindest für ein Spiel). Okay, spielerisch war es schon da ziemlich schwach, aber die oben erwähnten Punkte haben das kompensiert. Dann wurde die Story massiv schlechter, die dämlichen Reflexsequenzen immer länger und unmotivierter und das Spiel verkam zu einem entsetzlichen Quark. Das Ende von Fahrenheit gehört übrigens storytechnisch zum schlechtesten, was ich jemals in einem Spiel gesehen habe. Selbst Doom3 hat mir da besser gefallen, weil das Spiel wenigstens durchgehend auf eine Story so ziemlich verzichtet hat.
- baikinman
- Beiträge: 105
- Registriert: 15.02.2008 06:33
- Persönliche Nachricht:
Filmfirmen wie Fox Searchlight oder Miramax bieten anspruchsvolles Kino, aber auch dort haben die Analysten das Sagen. Wer sich mal die Muehe macht, das Bonusmaterial entsprechender Filme anzusehen, wird feststellen, dass die meisten Regisseure immer Abstriche machen bzw. Kompromisse eingehen muessen, weil einem Produzenten irgendetwas nicht gefaellt. Selbst Regisseure wie Scorsese duerfen meistens nicht so, wie sie gerne wollen. Dazu ein Beispiel: Wer Herbert Asburys Chronik ueber die Strassengangs New Yorks gelesen hat, wird wissen, dass die Feuerwehrleute zur damaligen Zeit ziemlich korrupt waren und ein Feuer mal eben nicht loeschten, wenn sie dazu keine Lust hatten. Scorsese wollte das gerne im Film thematisieren, aber Miramax, die Produktionsfirma, wollte das nicht - Begruendung: Nach dem 11. September wolle man die Feuerwehrleute New Yorks nicht diskreditieren. Zwar ist schlussendlich im Film eine kurze Einstellung zu sehen, in der sich Feuerwehrleute pruegeln, aber dem Buch und der wahrscheinlichen Intention Scorseses wird sie nicht gerecht.
Meiner Meinung nach sind Miramax und Co. nur die "Kunstlabels" der grossen Studios und mitnichten so kreativ und innovativ, wie sie von vielen gemacht werden. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass ein Film wie "There will be blood" die Kritiker begeistert - auch ich war sehr angetan von dem Film, aber so herausragend und aussergewoehnlich fand ich ihn dann doch nicht. "No country for old man." Auch das ein sehr guter Film, aber was hebt ihn von anderen Filmen ab? Javier Bardems Frisur?
Die Reihe liesse sich uebrigens beliebig fortsetzen. Zwangslaeufig wuerde man irgendwann bei "Pulp Fiction" landen, denn das ist der letzte Film Hollywoods, der noch "innovativ" war. Das ist aber schon 14 Jahre her und auch Tarantino ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst, wie er mit "Death Proof" eindrucksvoll bewiesen hat.
Am Kommentar im eigentlichen Sinne gibt es nichts zu meckern. Trotz der Vorfreude auf Titel wie Metal Gear Solid 4, GTA 4 und dem x-ten Mario waeren innovativere Spielkonzepte wuenschenswert.
Meiner Meinung nach sind Miramax und Co. nur die "Kunstlabels" der grossen Studios und mitnichten so kreativ und innovativ, wie sie von vielen gemacht werden. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass ein Film wie "There will be blood" die Kritiker begeistert - auch ich war sehr angetan von dem Film, aber so herausragend und aussergewoehnlich fand ich ihn dann doch nicht. "No country for old man." Auch das ein sehr guter Film, aber was hebt ihn von anderen Filmen ab? Javier Bardems Frisur?
Die Reihe liesse sich uebrigens beliebig fortsetzen. Zwangslaeufig wuerde man irgendwann bei "Pulp Fiction" landen, denn das ist der letzte Film Hollywoods, der noch "innovativ" war. Das ist aber schon 14 Jahre her und auch Tarantino ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst, wie er mit "Death Proof" eindrucksvoll bewiesen hat.
Am Kommentar im eigentlichen Sinne gibt es nichts zu meckern. Trotz der Vorfreude auf Titel wie Metal Gear Solid 4, GTA 4 und dem x-ten Mario waeren innovativere Spielkonzepte wuenschenswert.
- 4P|Benjamin
- Beiträge: 1659
- Registriert: 20.06.2005 13:45
- Persönliche Nachricht:
Deshalb erstens das "oft" im Satz. Zweitens gehören beide tatsächlich nicht in die Kategorie "Sommer-Blockbuster".EZR hat geschrieben:An der Stelle, an welcher Filme wie "The Hills Have Eyes" und "Silent Hill" als anspruchsvolle Filme abseits des Mainstreams bezeichnet werden
Die fehlen mir auch.louplex hat geschrieben:schade, dass der kolummne die letzte konsequenz fehlt. du forderst inständig mehr nischen- und independentproduktionen im spielebereich, vergleichst es aber im filmbereich mit doch ziemlich großen major labels wie miramax oder tristar. zugegeben, die genannten filme waren allesamt sehr gut, sind aber dennoch meilenweit vom independent entfernt. wo sind die lars von triers und jim jarmuschs der spieleindustrie?
Übrigens bezeichne ich Miramax & Co. gar nicht als Nische oder Indie.
Ben
-
louplex
- Beiträge: 127
- Registriert: 25.07.2004 16:46
- Persönliche Nachricht:
direkt als indie bezeichnet hast du sie nicht, stimmt... aber nanntest miramax als unterschied zu "großen" studios, was so irgendwo auch nicht ganz stimmt.4P|Benjamin hat geschrieben:Die fehlen mir auch.louplex hat geschrieben:schade, dass der kolummne die letzte konsequenz fehlt. du forderst inständig mehr nischen- und independentproduktionen im spielebereich, vergleichst es aber im filmbereich mit doch ziemlich großen major labels wie miramax oder tristar. zugegeben, die genannten filme waren allesamt sehr gut, sind aber dennoch meilenweit vom independent entfernt. wo sind die lars von triers und jim jarmuschs der spieleindustrie?Aber: Mir geht es gar nicht um die Nische um jeden Preis. Ich will auch ungewöhnliche, einfallsreiche Spiele, die, überspitzt gesagt, nicht nach "im Wohnzimmer programmiert" aussehen.
Oder, wenn ich mich schon lapidar ausdrücke: halbgroße Spiele.
Übrigens bezeichne ich Miramax & Co. gar nicht als Nische oder Indie.Zu den Majors gehören sie allerdings auch nicht. Das sind nur die Hand voll ganz Großer - Warner, Vivendi usw. Dass ein "Miramax Games" nicht Independent wäre, sondern nur diesen Stempel tragen könnte, ist auch klar. Genau darum geht's ja: Intelligente Spiele, vorrangig für ein erwachsenes Publikum, die halbwegs aufwändig produziert werden.
Ben
klar, miramax ist auch "nur" ne tochter von disney, gehört aber zu den 10 erfolgreichsten labels der filmindustrie... weinstein halt, also doch in dem sinne schon ziemlich groß und "major", wobei major nicht als massentauglich oder kommerz gesehen werden sollte.
im grunde genommen sind wir da ja einer meinung, ich hätte mir halt in der kolummne nur ein paar gewagtere ausreißer gewünscht als die genannten titel.
das problem ist ja leider, dass sich die spieleindustrie scheinbar auf die fahnen geschrieben hat, geschichten zu erzählen (was an sich weder im film noch im spiel eine notwendigkeit ist) und diese geschichten in spielen meist ziemlich trivial bleiben.
eine geschichte wie "irreversible", "waking life" oder "dancer in the dark" sind auch nicht leicht als spiel zu erzählen... sagt wer eigentlich?
ich wünsche mir mal drehbuchautoren, die genau das leisten können!
in spielen wird die geschichte schnell mittel zum zweck, es geht um dramaturgie und wie man einen roten faden zwischen einzelnen levels spannen kann, aber größtenteils dient sie dem zweck, eine engine (havok in hl2), spielmechanik (bullet time bei max payne) oder special effects (cell shading bei XIII) zu präsentieren... jörg hatte es mal waffenporno genannt und das trifft es eigentlich ganz gut.
wenn wir also schon geschichten in spielen erzählen müssen, wünsche ich mir mal ein drehbuch, um das ein spiel gestrickt wird und nicht umgekehrt.
- johndoe869725
- Beiträge: 25900
- Registriert: 29.04.2007 03:08
- User ist gesperrt.
- Persönliche Nachricht:
Warum sollte ein Publisher das Risiko eingehen und ein Spiel entwickeln lassen, dass spielerische oder inhaltliche Dinge neu versucht und damit das Risiko eingeht, eventuell zu scheitern? Wir bekommen die Spiele, die wir verdienen und das sind nun einmal Titel wie CoD4, die inhaltlich und spielerisch (zumindest im SP) sich in, abgesehen von der Grafik, nur einer Weise von den Spielen unterscheiden, die wir schon vor Jahren gespielt haben, nämlich, dass es einiges deutlich schlechter macht. Solche Spiele werden aber reihenweise gekauft und von den Testmagazinen mit Traumnoten bedacht. Also warum sollte man was anderes machen, wenn so simple Konzepte so gut funktionieren?
Dazu kommt, dass Spiele zu teuer in der Produktion sind, als dass man auf wirklich hohem Niveau etwas unabhängiges basteln könnte und wie hier in diesem thread bereits gesagt wurde. Wenn ein Entwickler so etwas machen, aber eben aufgrund nicht so hoher Mittel keine Bombengrafik und keine 100 Quadratkilometer große Welt auf die Beine stellen kann, würde das betreffende Spiel in den Testmagazonen seine Quittung in Form von niederigen Wertungen schon erhalten. Auch hier auf 4P
Dazu kommt, dass Spiele zu teuer in der Produktion sind, als dass man auf wirklich hohem Niveau etwas unabhängiges basteln könnte und wie hier in diesem thread bereits gesagt wurde. Wenn ein Entwickler so etwas machen, aber eben aufgrund nicht so hoher Mittel keine Bombengrafik und keine 100 Quadratkilometer große Welt auf die Beine stellen kann, würde das betreffende Spiel in den Testmagazonen seine Quittung in Form von niederigen Wertungen schon erhalten. Auch hier auf 4P
-
louplex
- Beiträge: 127
- Registriert: 25.07.2004 16:46
- Persönliche Nachricht:
weil wir ohne risikofreudige menschen immer noch mit windows 3.11 arbeiten würden, der fänger im roggen nie geschrieben worden wäre, die mauer immer noch stehen würde und der mond für uns nur ein dreckiger fleck am gespannten himmelszelt über uns wäre...TGfkaTRichter hat geschrieben:Warum sollte ein Publisher das Risiko eingehen und ein Spiel entwickeln lassen, dass spielerische oder inhaltliche Dinge neu versucht und damit das Risiko eingeht, eventuell zu scheitern? ... Also warum sollte man was anderes machen, wenn so simple Konzepte so gut funktionieren?
"never change a running system" ist wohl der schlimmste grundgedanke der menschheit.
-
necrowizard
- Beiträge: 810
- Registriert: 05.03.2008 01:48
- Persönliche Nachricht:
man kann aber auch immer wieder sehen, wie all der idealismus über bord geworfen wird, wenn die leute begreiffen, dass sie mit dem was sie machen, richtig viel geld verdienen können.louplex hat geschrieben:weil wir ohne risikofreudige menschen immer noch mit windows 3.11 arbeiten würden, der fänger im roggen nie geschrieben worden wäre, die mauer immer noch stehen würde und der mond für uns nur ein dreckiger fleck am gespannten himmelszelt über uns wäre...TGfkaTRichter hat geschrieben:Warum sollte ein Publisher das Risiko eingehen und ein Spiel entwickeln lassen, dass spielerische oder inhaltliche Dinge neu versucht und damit das Risiko eingeht, eventuell zu scheitern? ... Also warum sollte man was anderes machen, wenn so simple Konzepte so gut funktionieren?
"never change a running system" ist wohl der schlimmste grundgedanke der menschheit.
und wenn man dann auch noch, wie auf dem momentanen spielemarkt, mehr geld für eher weniger aufwand(casualgames) bekommt, wird die motivation zu komplexeren, teurer zu prodizierenden titeln sicher nicht gefördert.
-
louplex
- Beiträge: 127
- Registriert: 25.07.2004 16:46
- Persönliche Nachricht:
- 4P|Benjamin
- Beiträge: 1659
- Registriert: 20.06.2005 13:45
- Persönliche Nachricht:
Da wir im Grunde voll auf einer Linie sind, zitiere ich dich nur hier noch mal, um deine letzten drei Worte ganz fett zu unterstreichen.louplex hat geschrieben:eine geschichte wie "irreversible", "waking life" oder "dancer in the dark" sind auch nicht leicht als spiel zu erzählen... sagt wer eigentlich?
Gegen Letzteres lege ich guten Gewissens Veto ein.TGfkaTRichter hat geschrieben:Wenn ein Entwickler so etwas machen, aber eben aufgrund nicht so hoher Mittel keine Bombengrafik und keine 100 Quadratkilometer große Welt auf die Beine stellen kann, würde das betreffende Spiel in den Testmagazonen seine Quittung in Form von niederigen Wertungen schon erhalten. Auch hier auf 4P
Ben
-
Help
- Beiträge: 477
- Registriert: 03.11.2006 15:57
- Persönliche Nachricht:
Ich kann jedem Spieler nur ans Herz legen, mit Bedacht Spiele zu kaufen. In meinem Regal befinden sich bspw. alle Homeworld-Teile, Supreme Commander, diverse Simulationen. Klar befindet sich mal ein Standard-Game dazwischen, aber sehr wenige. Bspw. habe ich kein CoD4 oder Crysis, auch kein C&C3 Gedöhns. Nur durch unser Kaufverhalten können wir etwas ändern.
Ich möchte hier auch nochmal "Sin of a Solar Empire" aufgreifen. Das Game hat basierend auf 35 Reviews 89% erhalten ( http://www.gamerankings.com/htmlpages2/935993.asp ). Bei den Entwicklern handelt es sich um eine Independet-Schmiede. Das Game hat keine Bombengrafik, aber auch keine miese... und doch ist es erfolgreich (nicht nur in Mags, sondern auch in den Verkaufszahlen), wenn gewisse spielerische Dinge berücksichtigt werden. Ein 4X - Spiel mit RTS zu kombinieren, halte ich für gewagt... aber es scheint erfolgreich aufgegangen zu sein. Deshalb kauft euch im März oder April dieses Game, damit Risiko belohnt wird! (Es seit denn, ihr habt mit Strategie und Weltall eh nichts am Hut)
Gerade der Erfolg von CoD4 hat mir, in meiner kleinen egoistischen Welt, keine Freude bereitet. Schon wieder verkauft sich ein 0815-Shooter mit (fairerweise) genialen Inszenierungen bombenmäßig, während andere Spiele links liegen gelassen werden. So bekommen wir kein neues Tie-Fighter
Ich möchte hier auch nochmal "Sin of a Solar Empire" aufgreifen. Das Game hat basierend auf 35 Reviews 89% erhalten ( http://www.gamerankings.com/htmlpages2/935993.asp ). Bei den Entwicklern handelt es sich um eine Independet-Schmiede. Das Game hat keine Bombengrafik, aber auch keine miese... und doch ist es erfolgreich (nicht nur in Mags, sondern auch in den Verkaufszahlen), wenn gewisse spielerische Dinge berücksichtigt werden. Ein 4X - Spiel mit RTS zu kombinieren, halte ich für gewagt... aber es scheint erfolgreich aufgegangen zu sein. Deshalb kauft euch im März oder April dieses Game, damit Risiko belohnt wird! (Es seit denn, ihr habt mit Strategie und Weltall eh nichts am Hut)
Gerade der Erfolg von CoD4 hat mir, in meiner kleinen egoistischen Welt, keine Freude bereitet. Schon wieder verkauft sich ein 0815-Shooter mit (fairerweise) genialen Inszenierungen bombenmäßig, während andere Spiele links liegen gelassen werden. So bekommen wir kein neues Tie-Fighter
- johndoe869725
- Beiträge: 25900
- Registriert: 29.04.2007 03:08
- User ist gesperrt.
- Persönliche Nachricht:
@ louplex
Die Sache mit Windows ist ein dämlicher Vergleich, aber ansonsten hast du recht. Ich finde es nicht toll, dass Publisher praktisch kein Risiko eingehen, aber wenn du dir die Realität auf dem Spielemarkt ansiehst, entspricht meine Beschreibung leider exakt den aktuellen Gegebenheiten.
@ 4P|Benjamin
Würde ich dir gerne glauben, kann ich aber leider nicht. Allein schon weil ihr, genauso wie alle anderen Spielemagazine, einem Spiel, für das nicht im Voraus schon großartige die Werbetrommel gerührt würde, den nötigen Platz einräumen würdet.
Die Sache mit Windows ist ein dämlicher Vergleich, aber ansonsten hast du recht. Ich finde es nicht toll, dass Publisher praktisch kein Risiko eingehen, aber wenn du dir die Realität auf dem Spielemarkt ansiehst, entspricht meine Beschreibung leider exakt den aktuellen Gegebenheiten.
@ 4P|Benjamin
Würde ich dir gerne glauben, kann ich aber leider nicht. Allein schon weil ihr, genauso wie alle anderen Spielemagazine, einem Spiel, für das nicht im Voraus schon großartige die Werbetrommel gerührt würde, den nötigen Platz einräumen würdet.
-
louplex
- Beiträge: 127
- Registriert: 25.07.2004 16:46
- Persönliche Nachricht:
wundert mich, dass du das mit windows ansprichst, weil gerade das gerne als veranschaulichung für die dummheit der metapher "never change a running system" genommen wird.TGfkaTRichter hat geschrieben:@ louplex
Die Sache mit Windows ist ein dämlicher Vergleich, aber ansonsten hast du recht. Ich finde es nicht toll, dass Publisher praktisch kein Risiko eingehen, aber wenn du dir die Realität auf dem Spielemarkt ansiehst, entspricht meine Beschreibung leider exakt den aktuellen Gegebenheiten.
- johndoe869725
- Beiträge: 25900
- Registriert: 29.04.2007 03:08
- User ist gesperrt.
- Persönliche Nachricht:
Der Vergleich ist in diesem speziellen Kontext hier nicht angebracht, weil viele der Veränderungen an Windows ja von MS gemacht wurden, um mehr Rechner zu erreichen und somit immer mehr und auch immer wieder neue Windows Systeme zu verkaufen. Die Spiele verändern sich nicht, weil sie sich so wie sie sind eben gut verkaufen. Außerdem braucht man immer wieder neue Spiele, während man normalerweise nicht andauernd neue Betriebssysteme braucht.
-
louplex
- Beiträge: 127
- Registriert: 25.07.2004 16:46
- Persönliche Nachricht:
naja, eine neue windows version will auch produziert werden, kostet investitionen und kann böse nach hinten losgehen, wenn man sich verkalkuliert.
es ging jetzt prinzipiell nur um das "never change a running system", aber ich stimme dir da auch zu, den windows vergleich könnte man auch mit einem "fifa 98 - fifa 08" vergleich sehen und bezieht sich nicht wirklich auf etwas eher subversives.
ist vielleicht etwas unglücklich gewählt in diesem kontext... aber du hast ja gemerkt, worauf ich hinaus wollte.
es ging jetzt prinzipiell nur um das "never change a running system", aber ich stimme dir da auch zu, den windows vergleich könnte man auch mit einem "fifa 98 - fifa 08" vergleich sehen und bezieht sich nicht wirklich auf etwas eher subversives.
ist vielleicht etwas unglücklich gewählt in diesem kontext... aber du hast ja gemerkt, worauf ich hinaus wollte.
- Max Headroom
- Beiträge: 1856
- Registriert: 05.08.2002 13:11
- Persönliche Nachricht:
Innovation vs. $$$
Kleine Frage: Wollt ihr innovative Spiele, oder wollt ihr tolle Texturen ?
Um beides zu machen, benötigt man einen Producer, bzw. einen Geldgeber, der "volles Vertrauen" in das Team steckt. Zuletzt habe man dies in Portal gesehen. Aber in den allermeisten Fällen haben Spieler eine Erwartung. Sie wollen für ihre $450 Grafikkarte auch einen Titel, der sämmtliche Shadereinheiten zum glühen bringt und das VideoRAM so richtig füllt. Und nun der Knackpunkt... eine innovative Idee füllt ebenfalls kein VideoRAM.
Was die Hersteller gerne hätten: Einen Titel, der das letzte Quäntchen Pixelpolitur nutzt... und das ganze gepaart mit ein Arcade-geprüftes "Rein-und-los!" Gameplay. Und seien wir mal ehrlich... da sind Egoshooter und Rennspiele doch prädestiniert für, oder ?
Steigt man von seinem $45-Spieleverpackungsthron hinunter, entdeckt man nicht gerade wenige abgedrehte Spiele. GERADE jetzt haben wir doch einen echten Boom an neuen und unkonventionellen Ideen. Dank Flash, X-Box Live, PSN, Gratis DevKits/Engines und organisierten Internetforen haben wir heute viel mehr Möglichkeiten, abseits der gewohnten Gameshop-Pfaden fündig zu werden.
Was wäre passiert, hätte ValvE Portal verschlafen ? Ganz einfach, es wäre ein freies Projekt irgendwo auf einer Uni-Seite geworden. Vielleicht ein Geheimtip ? Oder doch bis in alle Ewigkeit unbeachtet als Gratisbeilage auf irgendeiner Heft-DVD ??
Was ist mit Line-Rider ? Oder dem halbes dutzend Physik-basierten Puzzlespielen ? Den Geschicklichkeitsgames und den Tetris-Puzzlern ? Organisierter Spaß bringt Zack McKracken 2 hervor, genauso wie die unzähligen anderen Fan-Remakes, an die der Urentwickler aufgrund "noch neuerer" Ideen nicht mehr denkt.
Doch diese Games - diese Ideen - sind nicht von einer PR-Firma und ganzseitigen Werbeschaltungen in allen Mags gefördert. Sie haben keine 45-Mann starke Grafikabteilung und deren QA-Team besteht aus Forenteilnehmern, die in die Bugtraq-Liste tippern.
Und doch beobachten wir auch hier eine leichte Kommerzialisierung. Die Micropayment-Welt hat uns downloadbare Minigames für die aktuellen Konsolengeneration gebracht. Über "Steam" haben auch PC-Verwöhnte eine Plattform zum weniggeldausgeben. Und als Entwickler eröffnet sich eben mit Steam oder X-Box Live / XNA eine Möglichkeit, seine Ideen gegen $Dollarnoten$ einer breiten Masse zu präsentieren. Etwas, was zur SuperNES-Zeit wohl mehr als utopisch erschien, oder ?
Ich schlage vor... trauert nur kurz über mangelnde Independent-Studios und begibt euch dann auf ein anderes Gleis, wo der nächste Independent-Zug fährt... bevor (schon wieder) eine gute Idee ohne Fahrgast abfährt
Introversion Software hatte sein Hackspiel auch als Indie-Titel im absolutem Low-Budget Markt "vermarktet". Es war fast wortwörtlich auf einem CD-Brenner zuhause kopiert und persönlich vom Programmierer per Post verschickt, so wie damals zu C64er-Zeiten. Heute haben sie sich einen winzig-kleinen, aber respektablen Namen gemacht und spielen auf Steam mit. Und sie sind wahrlich nicht die einzigsten kleinen Entwickler im WWW, wwwetten ?
Haben Zocker allerdings das Bedürfnis, Indie/Remakes in toller DX10-Optik spielen zu wollen, dann müssen sie damit rechnen, dass sie sich in einer Zielgruppe befinden, die sich wahrlich in der Minderheit befindet. Das spaßige (IMHO sauhart-gewesene) Bionic Commando kommt als aufpoliertes Remake im Stile von Dukes: Manhattan Project bald auf dem Markt. Doch ihr könnt sicher sein... es werden $40 Millionen Dollar für die Vermarktung des nächsten Call of Duty Titels ausgegeben, aber nur $59,95 für die Schaltung einer Flash-Animation auf einer Spieleseite für die "Vermarktung" von Bionic Commando ReArmed. Es ist möglicherweise genauso "lang" wie CoD, doch es ist "nur" ein Plattformer. Call of Duty hingegen ist ... ja, was ist es denn... ein Ego-Shooter mit hochaufgelösten Texturen und Ingame-Cinematics. Also eigentlich Spieletiefe-mäßig auch nichts besonderes, oder ? Naja, im Zeitalter, wo man selbst zu Doom und Super Mario Bros. einen Kinofilm produziert, regiert eben die Kette "Spielidee -> Name -> Geld". Ist eine Idee gut, bzw. die motivierende Geschichte hinter der Spielemechanik, macht man sich einen Namen und den kann man weiterverkaufen/-verwerten. Das ist das Konzept der (Spiele-)Serien. Und da wir, die Käufer, dies auch regeln - müssen WIR handeln. Und es funktioniert auch. Der letzte Splinter Cell Teil war im Vergleich "unoptimal". Resultat: Verkaufszahlen schlecht = neue Ideen werden gesammelt. Gothic 3 hatte die Spieler sehr enttäuscht ? Verkaufszahlen im Keller = neues Team/Konzept.
Es geht auch umgekehrt. Wenn ein Entwicklerteam auch noch mit den Konsumenten per Forum im direkten Kontakt steht, dann kann intensiver und zielgerichteter an der Software gefeilt werden. Egosofts X-Serie hat die Fans noch nie enttäuscht, doch für das Massenpublikum war es nicht "Mainstream" genug. Und Casual Games auf dem Wii sind zwar auch für Großmütter ein Renner, ambitionierte Abenteurer mit Point-and-Click Affinität werden mit diesem Spielkonzept wohl kaum satt werden.
Dennoch... HEUTE haben wir schon eine große Auswahl an verschiedensten Titeln, und sie wird sicherlich nicht weniger. Es werden mal einige Konzepte und Ideen auf die große Leinwand schaffen - ein Publisher vermarktet es - doch dank der immer größer werdenden Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten werden wir in Zukunft weiterhin neue Konzepte von unbekannten Menschen zu Gesicht bekommen. Vielleicht nicht unter dem Konami-Logo oder dem Sierra-Label, doch sie werden existieren. Jedenfalls solange man einer solchen Freiheit im Netz keinen Riegel vorschiebt und jedem Dev-Tool einen Bundestrojaner hinten reinschiebt
Da aber die Programmierer/Grafiker/Musiker dies nicht als Hauptberuf ausüben und sie sich mit normaler Arbeit das Geld fürs Leben verdienen, werden solche Indie-Projekte wohl nur im Ausnahmefall die Qualität eines Big-Budget Games erreichen. Darauf muss man sich einstellen, ansonsten wird man schnell enttäuscht und verlässt das Projekt, welches eine potenzielle Perle sein könnte. Und mangelns Motivation kann selbst die schillernste Perle im Sourcecode-Verzeichnis vergammeln, bis der nächste Plattencrash sie begräbt.
In diesem Sinne... Kopf hoch und rein in den Kampf der abgedrehten (freien) Spielewelten. Sie ist noch lange nicht verloren
Um beides zu machen, benötigt man einen Producer, bzw. einen Geldgeber, der "volles Vertrauen" in das Team steckt. Zuletzt habe man dies in Portal gesehen. Aber in den allermeisten Fällen haben Spieler eine Erwartung. Sie wollen für ihre $450 Grafikkarte auch einen Titel, der sämmtliche Shadereinheiten zum glühen bringt und das VideoRAM so richtig füllt. Und nun der Knackpunkt... eine innovative Idee füllt ebenfalls kein VideoRAM.
Was die Hersteller gerne hätten: Einen Titel, der das letzte Quäntchen Pixelpolitur nutzt... und das ganze gepaart mit ein Arcade-geprüftes "Rein-und-los!" Gameplay. Und seien wir mal ehrlich... da sind Egoshooter und Rennspiele doch prädestiniert für, oder ?
Steigt man von seinem $45-Spieleverpackungsthron hinunter, entdeckt man nicht gerade wenige abgedrehte Spiele. GERADE jetzt haben wir doch einen echten Boom an neuen und unkonventionellen Ideen. Dank Flash, X-Box Live, PSN, Gratis DevKits/Engines und organisierten Internetforen haben wir heute viel mehr Möglichkeiten, abseits der gewohnten Gameshop-Pfaden fündig zu werden.
Was wäre passiert, hätte ValvE Portal verschlafen ? Ganz einfach, es wäre ein freies Projekt irgendwo auf einer Uni-Seite geworden. Vielleicht ein Geheimtip ? Oder doch bis in alle Ewigkeit unbeachtet als Gratisbeilage auf irgendeiner Heft-DVD ??
Was ist mit Line-Rider ? Oder dem halbes dutzend Physik-basierten Puzzlespielen ? Den Geschicklichkeitsgames und den Tetris-Puzzlern ? Organisierter Spaß bringt Zack McKracken 2 hervor, genauso wie die unzähligen anderen Fan-Remakes, an die der Urentwickler aufgrund "noch neuerer" Ideen nicht mehr denkt.
Doch diese Games - diese Ideen - sind nicht von einer PR-Firma und ganzseitigen Werbeschaltungen in allen Mags gefördert. Sie haben keine 45-Mann starke Grafikabteilung und deren QA-Team besteht aus Forenteilnehmern, die in die Bugtraq-Liste tippern.
Und doch beobachten wir auch hier eine leichte Kommerzialisierung. Die Micropayment-Welt hat uns downloadbare Minigames für die aktuellen Konsolengeneration gebracht. Über "Steam" haben auch PC-Verwöhnte eine Plattform zum weniggeldausgeben. Und als Entwickler eröffnet sich eben mit Steam oder X-Box Live / XNA eine Möglichkeit, seine Ideen gegen $Dollarnoten$ einer breiten Masse zu präsentieren. Etwas, was zur SuperNES-Zeit wohl mehr als utopisch erschien, oder ?
Ich schlage vor... trauert nur kurz über mangelnde Independent-Studios und begibt euch dann auf ein anderes Gleis, wo der nächste Independent-Zug fährt... bevor (schon wieder) eine gute Idee ohne Fahrgast abfährt
Introversion Software hatte sein Hackspiel auch als Indie-Titel im absolutem Low-Budget Markt "vermarktet". Es war fast wortwörtlich auf einem CD-Brenner zuhause kopiert und persönlich vom Programmierer per Post verschickt, so wie damals zu C64er-Zeiten. Heute haben sie sich einen winzig-kleinen, aber respektablen Namen gemacht und spielen auf Steam mit. Und sie sind wahrlich nicht die einzigsten kleinen Entwickler im WWW, wwwetten ?
Haben Zocker allerdings das Bedürfnis, Indie/Remakes in toller DX10-Optik spielen zu wollen, dann müssen sie damit rechnen, dass sie sich in einer Zielgruppe befinden, die sich wahrlich in der Minderheit befindet. Das spaßige (IMHO sauhart-gewesene) Bionic Commando kommt als aufpoliertes Remake im Stile von Dukes: Manhattan Project bald auf dem Markt. Doch ihr könnt sicher sein... es werden $40 Millionen Dollar für die Vermarktung des nächsten Call of Duty Titels ausgegeben, aber nur $59,95 für die Schaltung einer Flash-Animation auf einer Spieleseite für die "Vermarktung" von Bionic Commando ReArmed. Es ist möglicherweise genauso "lang" wie CoD, doch es ist "nur" ein Plattformer. Call of Duty hingegen ist ... ja, was ist es denn... ein Ego-Shooter mit hochaufgelösten Texturen und Ingame-Cinematics. Also eigentlich Spieletiefe-mäßig auch nichts besonderes, oder ? Naja, im Zeitalter, wo man selbst zu Doom und Super Mario Bros. einen Kinofilm produziert, regiert eben die Kette "Spielidee -> Name -> Geld". Ist eine Idee gut, bzw. die motivierende Geschichte hinter der Spielemechanik, macht man sich einen Namen und den kann man weiterverkaufen/-verwerten. Das ist das Konzept der (Spiele-)Serien. Und da wir, die Käufer, dies auch regeln - müssen WIR handeln. Und es funktioniert auch. Der letzte Splinter Cell Teil war im Vergleich "unoptimal". Resultat: Verkaufszahlen schlecht = neue Ideen werden gesammelt. Gothic 3 hatte die Spieler sehr enttäuscht ? Verkaufszahlen im Keller = neues Team/Konzept.
Es geht auch umgekehrt. Wenn ein Entwicklerteam auch noch mit den Konsumenten per Forum im direkten Kontakt steht, dann kann intensiver und zielgerichteter an der Software gefeilt werden. Egosofts X-Serie hat die Fans noch nie enttäuscht, doch für das Massenpublikum war es nicht "Mainstream" genug. Und Casual Games auf dem Wii sind zwar auch für Großmütter ein Renner, ambitionierte Abenteurer mit Point-and-Click Affinität werden mit diesem Spielkonzept wohl kaum satt werden.
Dennoch... HEUTE haben wir schon eine große Auswahl an verschiedensten Titeln, und sie wird sicherlich nicht weniger. Es werden mal einige Konzepte und Ideen auf die große Leinwand schaffen - ein Publisher vermarktet es - doch dank der immer größer werdenden Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten werden wir in Zukunft weiterhin neue Konzepte von unbekannten Menschen zu Gesicht bekommen. Vielleicht nicht unter dem Konami-Logo oder dem Sierra-Label, doch sie werden existieren. Jedenfalls solange man einer solchen Freiheit im Netz keinen Riegel vorschiebt und jedem Dev-Tool einen Bundestrojaner hinten reinschiebt
Da aber die Programmierer/Grafiker/Musiker dies nicht als Hauptberuf ausüben und sie sich mit normaler Arbeit das Geld fürs Leben verdienen, werden solche Indie-Projekte wohl nur im Ausnahmefall die Qualität eines Big-Budget Games erreichen. Darauf muss man sich einstellen, ansonsten wird man schnell enttäuscht und verlässt das Projekt, welches eine potenzielle Perle sein könnte. Und mangelns Motivation kann selbst die schillernste Perle im Sourcecode-Verzeichnis vergammeln, bis der nächste Plattencrash sie begräbt.
In diesem Sinne... Kopf hoch und rein in den Kampf der abgedrehten (freien) Spielewelten. Sie ist noch lange nicht verloren
