Paulaner hat geschrieben: ↑09.06.2019 17:07Rassismus als kreatives Moment sozusagen. Darf man wahrscheinlich auch nicht zu laut sagen. Nicht, dass das noch zur Nachahmung ermuntert
Srry, super spät von mir.
Exakt das wird von vielen Stimmen, die sich mit Lovecraft auseinandersetzen auch bestätigt.
Nochmal: ich bin selber großer lovecraft-Fan, ich finde halt man muss sich mit dem Thema irgendwie auseinandersetzen. Was man dann draus macht, ist ja jedem selber überlassen.
Wenn ich die Geschichten lese, blende ich das Ganze auch aus. Die Geschichten funktionieren ja eben auch ohne diese politische Komponente und ich möchte beim Lesen von Lovecraft´schen Geschichten auch einfach den Horror vor dem Unbekannten/Unfassbaren fühlen - nicht die Ängste eines Rassisten.
Wie gesagt, was man daraus macht bleibt jedem selbst überlassen. Man sollte sich einfach Dementsprechenden bewusst sein.
Na ja, das einzige, was ich als gesichert gelten lassen würde, ist die Angst als kreatives Moment. Warum? Weil das in Interviews auch andere Horrorautoren, wie z.B. Fitzek oder King, als ihre Triebfeder genannt haben. Sie entdecken eine Angst vor etwas Bestimmten und dann setzen sie sich hin und schreiben sie auf. Sie externalisieren ihre Ängste über die Schriftstellerei und verarbeiten sie auf diese Art und Weise. Und Ängste kann man vor Klowns haben, vor Friedhöfen, vor dem Fliegen, aber eben auch vor Überfremdung. Und gerade die USA waren zu Lovecrafts Lebzeiten noch rasant wachsendes Siedlungsgebiet für Menschen aus aller Herren Länder.
Eine Überfremdungsangst ist zu einem gewissen Grad legitim und mag Lovecraft die Grenzen dieser Legitimität auch als politischer Mensch überschritten haben und in Rassismus und "Xenophobie" abgedriftet sein, so ist er doch bei seiner künstlerischen Verarbeitung dieser Ängste stets im Bereich des Sagbaren geblieben. Es wird dort kaum eine Äußerung getroffen, die jemand, egal welcher Ethnie er angehört, als Beleidigung auffassen kann, da alle Geschichten derart abstrakt und fantastisch verbrämt sind, dass sie kein politisches Statement hergeben.
Rassismus in z.B. Schatten über Innsmouth kann man nur hineininterpretieren, wenn man die psychoanalytische Schiene fährt, also etwa unterstellt, die Fischmenschen symbolisieren unterbewusst feindliche Mächte, die mit Ausländern gleichzusetzen sind. So würde man Angst vor Überfremdung als kreatives Moment in Rassismus als kreatives Moment umdeuten können. Aber das wäre eine sehr konstruierte Interpretation, die man mit selben Mitteln auch anzweifeln könnte, da den Fischmenschen von Lovecraft ja auch positive Eigenschaften zugesprochen werden, ewiges Leben etwa. So könnte man mit der selben psychoanalytischen Logik behaupten, die Fischmenschen seien den sterblichen Menschen überlegen und keine feindlichen Mächte, sondern die Heilsbringer, sobald sie sich mit den Menschen genetisch vermischen. Damit wäre der Rassismus vom Tisch. Also man kann allerhand konstruieren, sobald man sich der Küchenpsychologie hingibt.