stefan251 hat geschrieben: ↑29.06.2018 05:37
Man entschuldige mir meinen großteils Offtopic-Post, ich sags gleich mal im Vorhinein, dass das eher ein allgemeiner Rant und Rage gegen Wirtschaft/Kapitalismus wird.
Jedes Mal wenn ich die nächste Nachricht über irgendwelche neuen Mechaniken lese, wie dem Spieler sein Geld aus der Tasche gezogen werden kann, kommt mir eine Mischung aus kalten Kotzen und "Ich hab eigentlich im Großen mit dieser Industrie abgeschlossen und erwerbe nur gelegentlich etwas, sodass es mir subjektiv nicht so vorkommt, als wäre ich ein blindes Huhn, dass alles was ihm vorgeworfen um jeden Preis wird (im wahrsten Sinn des Wortes), frisst." Ich mein, das kann jetzt auch nur Form des Bias sein, bei dem jeder Mensch glaubt, unbeeinflusster von seinem Umfeld zu sein als alle anderen, aber ich war zumindest noch nie bei der Superneueröffnung von Saturn XY, mit seinen WAAAAAAHNSINNSschnäppchen und hab mich mit irgendwelchen Random Dudes um den vorletzten Superflach TV geprügelt, weil er statt 5000 nur 4999 Euro kostet...
Wenn ich so in der Phase des kalten Kotzens bin, denk ich mir halt immer die übliche (rhetorische) Kapitalismuskritik: Können diese Gierälde von Aktionären nicht die Hälse voll kriegen und müssen dem in ihrem Vergleich bettelarmen Endkunden noch das Weiße aus den Augen abnehmen?! Ja, so funzt unser Wirtschaftssystem nun mal. Und ja ich finde es moralisch schlichtweg falsch und unethisch bis dorthinaus. Dabei muss man halt sagen, auch wenn unsere liebgewordenen Games bei vielen von uns ein sehr zentraler Punkt des Lebens sind, sind sie halt rein wirtschaftlich gesehen Luxusartikel, die man halt nicht zum Überleben braucht. Das machts für mich subjektiv jetzt nicht besser, lässt aber halt das Totschlagargument, das man dann gerne hört "Ja, wenn du das nicht unterstützen willst, kaufs halt nicht. Easy" schwerer zu entkräftigen - weils halt im Grunde genommen leider stimmt. Ich hätts halt trotzdem gern, aber nicht zu irgendwelchen diktierten Bedingungen von irgendwelchen Krösusen... Dann kommt normalerweise "Das ist halt Angebot und Nachfrage in der Marktwirtschaft. Wenn wer bereit ist, das zu zahlen, wirds um den Preis verkauft." Naja... nur ich als Individuum bin nicht bereit, das dafür zu zahlen oder - um mal endlich ein bisschen on-topic zu kommen - für Lootboxen, DLC oder sonstiges Zusatzwerk jedes Mal erneut den Geldbeutel zu öffnen, damit sich welcher-Konzern-auch-immer ne neue Gelddusche gönnen kann. Und wenn ich jetzt zum nächstbesten Mediamarkt geh und sag: "Das Spiel ist mir keine 60 Euronen wert, sondern maximal 30. Die geb ich ihnen. Das ist mein Angebot auf das Ihrige", werd ich einmal hardcore ausgelacht. Denn ich hab keinen persönlichen Einfluss auf die Unverbindlichkeit des Kaufpreises, was in meinen Augen das ganze Geschwafel von Angebot und Nachfrage ziemlich ad absurdum führt. Und das ist dann besagte Kaufpreisdiktion. Die "oben" sagen was sie wollen dafür, friss oder stirb. Das is kein Verhandeln auf gleicher Ebene, aber nachdem ich kein Wirtschaftsexperte bin, ist das ja vl auch gar nicht gewollt. Es wäre aber halt das, was ich mir unter Angebot und Nachfrage vorstelle. Wie mein Vorschreiber schon so treffend geschrieben hat, ist das ganze halt auf die Masse ausgelegt und nicht auf die Einzelperson, was halt aus den Augen lässt, dass jede Masse im Ende dennoch aus diesen Einzelpersonen besteht - und ich bin da mal so egoistisch zu sagen, was interessiert mich mit meinem tatsächlichen Geld, ob die Masse bereit ist, den vorgeschriebenen Preis für einen Artikel zu zahlen, wenn ich es nicht bin?
Vl fällt uns als Gaming Community dieses Gehabe halt auch nur deswegen so auf, weil wir da halt interessiert dran sind und weil unsere Spiele halt im Vergleich doch noch absolut gesehen leistbare Luxusartikel sind, sodass einem das leichter auffällt, dass für die metaphorische Luft zum Atmen Geld verlangt wird, anstatt dass sie im Basispaket Leben inkludiert ist. Wenn man das mal mit der Autoindustrie vergleicht: Dort kostet auch jeder Scheiß bedeutend mehr in der Ausstattung des Autos und zwar bei weitem nicht nur Schönheitsverbesserungen. Nur ist es dort halt auch so, dass man als Endkonsument eig schön deppat ist, wenn man den Listenpreis zahlt. Oder noch besseres Beispiel: Uhren. Dort kommt man ohne großes Verhandeln im Normalfall mit 25 - 30% vom Preis weg. Warum nicht auch in der Gamingbranche? Weil Games absolut gesehen weniger kosten? Aber wenn ich jetzt noch tiefer gehe und nachdenke, dass mir auf Artikel meines Wunsches knapp n Drittel des Preise nachgelassen wurde ohne mit der Wimper zu zucken und diese Leute aber dennoch alle ihren Reibach damit machen, kann man sich nur fragen, was denn der eigentliche tatsächliche Wert wäre, dass denen kein Gewinn und kein Verlust entstehen würde.... Aber wenn man das schon hinterfragt, kann man eigentlich nur mehr aufmagaziniert sämtliche Firmenzentralen aller Unternehmen stürmen... Das ist dann normalerweise der Punkt wo ich übergehe, zu "Ich hab mit dem abgeschlossen", denn es bringt mir nichts mich aufzuregen, das System ändert sich nicht. Jaja, ich weiß, das klingt nach dem desillusionierten, verbitterten, idealistischen Revoluzzer, was bis zu einem Grad auch stimmt. Aber es ist halt so, solange die Masse mitmacht, wird sich nix ändern. Auch wenn 500, 1000 oder ne Million Individualisten dagegen plärren. Solang die restliche Milliarde brav weiter das Schaf gibt, who cares? Was mach ich als Einzelperson jetzt? Wenn ich etwas egoistisch haben will, aber nicht um die mir vordiktierten Bedingungen? Mir fiele hier ad hoc als Spontanlösung nur der Gang in die Illegalität ein, auch wenn ich bezweifle, dass viele das hier nachvollziehen oder gar verstehen oder gutheißen können oder wollen. Und das ist halt schlussendlich mit gewaltigen Risiken verbunden und ob es sich lohnt, die einzugehen, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Wirklich zum Aufregen sind diese Entwicklungen ja bei den Grundbedürfnissen, wenn ich mir kein Dach über dem Kopf leisten kann ohne Double Income no Kids zu sein oder nicht weiß, ob ich mir was zum Fressen kaufen kann oder lebenswichtige Medikamente - weil die Preise halt vom Markt diktiert werden - is halt so. Dann zieht das "Kaufs halt nicht" Argument a nimma und die Ignoranz und die Menschenverachtung, die dann bei den Leuten mitschwingt, die das dann immer noch schulterzuckend von sich geben, macht mich aggressiv genug, dass ich froh bin, diesen Personen nicht real gegenüber zu sitzen.
Um doch noch mal abschließend zum eigentlich Thema Spiele und Preispolitik im Speziellen mit Lootboxen zu kommen. Das ist der vorläufige Endpunkt eine Entwicklung, die, wie ich finde, nur im Platzen einer riiiiiiiiesigen Blase enden kann mit dem seeeehr tiefen Sturz von großen Firmen. Vl ist das auch nur karmatisches Wunschdenken und es wird noch lange so weiterlaufen, weil die Masse es ja eh mit sich machen lässt und fröhlich weiter Mikrotransaktionen durchführt und für jeden Scheiß zusätzlich zahlt, aber ich hoffe, ich werde es noch als aktiver Gamer erleben.