Raskir hat geschrieben: ↑17.10.2017 16:38
SethSteiner hat geschrieben: ↑17.10.2017 16:12
Ich finde es ja schon etwas absurd, wenn man die Verantwortung von Firmen auf die Kunden schiebt. Man stelle sich vor, man lässt ein Haus bauen und einer der Bauarbeiter wird von seinem Chef mit einer Nagelpistole attackiert und auf den Einspruch des Kunden käme dann ein "Das ist deine Schuld, du könntest ja eine andere Firma beauftragen oder mehr Geld bezahlen können oder aber du baust überhaupt kein Haus, jawoll!".
Naja es ist aber eben auch so dass sich Publisher an der Nachfrage orientieren. Nehmen wir einfach mal witcher 3. Es war ein gewaltiges Projekt, hat komplett auf kleine dlc und mt verzichtet und kam zu einem guten Preis raus. Qualitativ war es sehr gut und auch auf technischer Seite hat es Maßstäbe gesetzt. Ein RPG auf das viele Leute sehnlichst gewartet haben. Die Gewinne wurden vermutlich überwiegend in die nächsten Projekte gesteckt. Um so ein Werk zu erschaffen haben scheinbar die Arbeitsbedingungen etwas (oder etwas mehr) gelitten. Was wäre die alternative gewesen? Ein höherer Preis damit auch die normalen mA mehr Geld bekommeb wäre super. Aber ansonsten? Weniger budget ins neue Projekt? 2 jahre mehr Entwicklungszeit und währenddessen keine Einnahmen von Games? Am Spiel selber einsparen? Mt einbauen? Es ist auf jeden Fall verzwickt, man kann in der Branche nur schwer alle Parteien zu 100% fair behandeln. Ich finde immer noch,
Games sollten teurer und preisstabiler werden. Aber eben auch nur um Projekte und mA zu finanzieren.
Also Raskir, bei aller Sympathie für deine in der Regel recht vernünftigen Kommentare, kann ich deine in meinen Augen regelrecht absurde Position in dieser Diskussion sehr schwer nachvollziehen. Ich weiß gerade gar nicht genau, wo ich da anfangen soll, versuche aber trotzdem mal so strukturiert wie mir möglich darauf einzugehen.
Zunächst finde ich den Ansatz falsch, den Verbraucher so stark in die Verantwortung zu nehmen. Du klingst mir da ein bisschen nach Neukantianer, nach dem Motto: "Wenn nun aber alle so und so handeln würden, dann würde dieser und jener Missstand nicht bestehen." Erstens möchte ich hier einwerfen, dass selbst da nicht Gewiss ist, dass die Konsequenzen den eigenen Wünschen entsprechen und zweitens muss man doch irgendwann empirisch betrachtet verstehen, dass dieser Ansatz nur begrenzt funktioniert. Er funktioniert schon gar nicht, wenn die Leute, die du adressierst, sich überhaupt nicht in der Verantwortung sehen. Das ist hier für mich der Fall, da du die Verantwortung von dem Publisher an den Verbraucher weiterschiebst. Das ist doch nicht das Problem des Kunden, wenn CD Projekt wachsen will ohne Ende und in dem Zuge Raubbau an den eigenen Mitarbeitern betreibt. Ich sage ja noch nicht mal, dass dem so sei, ob das alles so dramatisch ist, lasse ich einfach mal so dahingestellt, weil ich es nicht genau wissen kann.
Jedenfalls löst das Ausgangsszenario bei mir weder einen Reflex aus, CD Projekt zu boykottieren, noch denen noch mehr Geld hinterherzuwerfen. Die GOTY noch mal kaufen? Hä? Was zur Hölle? Danke, ich hab's schon zweimal, jeweils für PC und PS4, inklusive DLCs. Aber deswegen habe ich doch nicht mehr Verantwortung für die Mitarbeiter bei CD Projekt übernommen als ein anderer, der das Game nur einmal, möglicherweise sogar bei einem Sale gekauft hat. Das scheint ja sowieso das Letzte für dich zu sein. Das ist für mich ein weiteres Problem. In deinen Augen ist der Kunde gewissermaßen böse, wenn er Sales nutzt. Wieder genau die gleiche Umkehrung von Kausalität. Wenn der Markt das hergibt, warum dann den Kunden dafür verantwortlich machen? Zumal du ja gar nicht weißt, was wer in der Tasche hat.
Es ist auch ganz normal, dass sich an dem Markt Teilnehmer an Projekten überheben, Pleite gehen usw. usf. aber ich kann die Dramatik darin nicht erkennen, wir reden hier ja nicht von Lebensmittelherstellern, die von Discountern gedrückt werden oder so, sondern von einem Luxuszweig, den niemand essentiell braucht. Zugegenermaßen ist der Markt für mich schon essentiell aber du weißt hoffentlich, was ich meine

. Aus diesem Umstand oder auch den angeblich schlechten Bedingungen bei den Developern ein Plädoyer für eine Preissteigerung für Videospiele zu halten, ist für mich dann wirklich der Gipfel der Absurdität. Die Publisher wissen schon, was sie an den Kunden verdienen können und was nicht, das wird in diesem Fall tatsächlich mal vom Markt geregelt und ist auch nichts Schlimmes. Wenn es ein großes Angebot gibt, dann gibt es halt auch einen raschen Preisverfall. Wieso muss ich da jetzt mit irgendwem Mitleid haben? Oder gar noch den Verbrauchern den Schwarzen Peter zuschieben?
Ich könnte jetzt noch ewig Ausführungen dazu machen aber ich bremse mich jetzt einfach mal selbst ein bisschen. Ich hoffe du siehst, dass ich zwar deinen kompletten Ansatz absolut nicht teilen kann aber dennoch halbwegs konstruktiv mit dir diskutieren will.