Lebensmittelspekulant hat geschrieben: ↑30.05.2017 23:09
Das hätte ich nicht gedacht.
Normalerweise sind MMA-Regelwerke doch ziemlich freizügig. Kung Fu müsste auch dort weitesgehend erlaubt sein, und dementsprechend erfolgreich. Ich kann mich aber nicht erinnern jemals einen Kung Fu Kämpfer im Ring gesehen zu haben.
Cung Le, Alex Caceres und Roy Nelson wären drei, von denen ich zumindest sicher weiß, dass sie auch Kung Fu als Kampfkunst, also mit Choreographie und so, praktiziert haben. Erster hat auch in San Da gekämpft, was so ziemlich chinesisches Kickboxen mit Würfen ist. Und jede chin. Kampfkunst ist irgendwo Kung Fu, weil das ja eben nur ein schwammiger Überbegriff ist. Kung Fu bedeutet "durch harte Arbeit erreicht" und wenn man sich gaaaanz weit aus dem Fenster lehnt, kann man sagen, jeder MMA Fighter macht Kung Fu weil er "hart trainiert"

Ich denke, es gibt eben neben dem westlichen MMA das chinesische San Da, das bei denen eben beliebter ist, weshalb es auch nicht besonders viele chinesische Kämpfer ergo "Kung Fu Kämpfer" in der UFC gibt. Irgendwo ist es eh gehüpft wie gesprungen, denn es sollte nicht primär um den Background eines Kämpfers, sondern um die Technik und deren Effizienz an sich gehen. Und da gibt es eben viel Überschneidungen, also man kann gar nicht wirklich sagen ob diese oder jene Technik jetzt Kung Fu oder Karate oder sonstwas ist:
https://www.youtube.com/watch?v=7-5PyZVy7Fc Manche Techniken sind mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Aber man sieht definitv schön den Unterschied zwischen Techniken, wie man sie in der Schule lehrt und wie man sie in einem realen Kampf anwenden könnte. Schönes Beispiel ist gleich die zweite (ernst gemeinte) Technik. Der Instructor trägt eindeutig Kung Fu Kleidung, der Kämpfer (Lyoto Machida) ist ein Karateka. Die Technik ist natürlich repräsentativ für beide Künste. Auf jeden Fall ein sehenswertes Video.
Zu den verbotenen Techniken: MMA ist so ziemlich der freizügigste Kampfsport, den es gibt - as real as it gets - aber trotzdem ist es ein sportlicher Wettkampf, bei dem Fairness und Sicherheit der Kämpfer hohe Priorität haben. In vielen Kampfkünsten trainiert man aber für den "Worst Case", es geht um Leben und Tod - da gibt es weder Ehre noch Fairness, also trittst du deinem Gegner in die Eier und stichst ihm ein Auge aus. Wenn man dann bedenkt, dass in der UFC regelmäßig Kämpfe wegen versehentlichen "Groin Kicks" und "Eye Pokes" unterbrochen werden, sieht man, was für ein Schadpotential dahinter steckt, und wie relativ einfach sie durchzuführen sind. Es gibt eine Gegnerschaft von Jon Jones, die felsenfest behauptet, er sei nur so gut gewesen, weil er immer mit ausgestreckten Fingern den Gegner "ausfühlt" und dadurch viele "unbeabsichtigte" Eye Pokes begeht, die den Gegner dann fortan einschüchtern. Darüber hinaus gibt es noch Regeln, die das Schlagen auf den Hinterkopf und Rücken, sog. Fish-Hooking, Beißen, Einfinger-Manipulation und noch weitere Kleinigkeiten, die mir grad entfallen sind, verbieten. Alles potentielle Waffen, mit denen man hochkarätige Ringer und BJJler von sich halten kann. Achte mal bei einem Takedown darauf, der nicht sofort auf dem Boden landet, wie völlig offen der Angreifer dabei Rücken und Hinterkopf lässt. Das funktioniert nur, weil er genau weiß, dass das eine No-Go-Area ist. Man könnte jetzt argumentieren, ob solche "fiesen Tricks" überhaupt als Kampfkunst zählen, aber meiner Meinung nach schon, da viele von denen auch trainiert werden müssen. Es gibt auch ein lustiges Video von Bruce Lee, wo er erklärt, wie man beißen soll, wenn man aus einem Griff nicht rauskommt (Knabbern!)
Du kannst beides sein
Sag ich doch, schizophren
