eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Natürlich wird dabei auch wieder ignoriert, dass es ähnlich Acchievements dafür geben wird, tausende Männer zu töten.
Es ist durchaus ein Unterschied da, ob 1000 Gegner erledigt werden müssen, oder ob explizit eine Frau dran glauben muss, oder? Zumal die Männer, die in Red Dead Redemption auftauchen wenigstens bewaffnet sind, wohingegen eine wehrlose Frau ohne Zweck umgebracht wird. Um dabei noch kurz auf Seths Einwand zu sprechen zu kommen: Ja, normalerweise wird die Frau gerettet in Western. Also wieso bekommt das Achievement nicht, wenn man sie kurz vorm Tod von den Schienen nimmt, sondern erst, wenn sie überfahren wird?
Ohne es wahrscheinlich zu wissen, näherst du dich hierbei dem an, was Warren Farrell als den "disposable male" bezeichnet. Zwar nicht auf Videospiele bezogen, sondern leider gar auf die Realität. Er meint damit, dass gesellschaftlich das Sterben einer Frau als schlimmer empfunden wird, als das eines oder gar vieler Männer. Dahinter vermutet er schon seit Jahrmillionen eingeübte Schemata; quasi evolutionäre Überlebensstrategien, die sich, obwohl längst dysfunktional, noch immer irgendwo in unserem Unterbewusstsein befinden.
Ein noch recht frisches Beispiel war die internationale Zurkenntnisnahme der Terrormiliz Boko Haram, die irgendwie erst so richtig auffiel, als sie Mädchen entführten ("Bring Back Our Girls"-Kampagne). Da wurde die Gewalt dieser Gruppe direkt als klar gegen Frauen gerichtet dargestellt, obwohl sie monatelang zuvor ausschließlich Männer und Schuljungen massakriert haben (tausende) und bei den Massakern an Schulen Mädchen gar nach Hause jagten, bevor sie die Gebäude, mit den Jungen noch darin anzündeten und alle, die zu fliehen versuchten erschossen oder mit Majeten umbrachten.
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Aber Gewalt gegen Männer kann nicht sexistisch sein, weil, wohlgemerkt, Sexismus gegen Männer nicht existiert.
Hää?? Das ist weder meine Aussage noch die von Sarkeesian.
Äh, ohne dich enttäuschen oder vorführen zu wollen, aber doch, genau das sagt sie.
Diese Annahme ist übrigens konstituierend für die Ausrichtung der feministischen Ideologie, der sie angehört (intersektionaler Feminismus). Das zu wissen, ist im Übrigen zwingend notwendig, wenn man ihre Aussagen mit ausreichend Kontext einordnen können will. Also im Prinzip trifft hierbei auf dich genau das zu, was du ihren Kritikern vorwirfst.
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Männermorden ist völlig ok, Frauenmorden böse anti-Frauen Propaganda.
Nein. Wie ich im obigen Bereich bereits geschrieben habe, besteht halt ein Unterschied darin, ob ich Frauen umbringe, die mich umbringen wollen, oder ob ich Frauen umbringe, die allein durch die Spielregeln gar nicht dazu in der Lage sind sich zu wehren und dafür noch ein Achievement zu erhalten.
Und davon sind mehrheitlich Frauen betroffen??? Also in meiner Zockervita waren wohl gewiss minestens 90 % der wehrlosen Charaktere, die einen das Spiel, wie auch immer, zu töten gezwungen hat, männlich. Es war ja auch schon bezeichnend, dass sie sich bei God of War III ausgerechnet an der Szene mit Poseidons Geliebter hochgezogen hat, obwohl nicht nur in der Serie, sondern auch explizit in demselben Teil zahlreiche männliche Charaktere in hilfloser Position weit brutaler und, im Gegensatz zu Poseidons Geliebter, nicht im Off sondern mit voll draufgehaltener Kamera abgeschlachtet worden sind.
Mir erscheint es viel mehr so, als würde hier einfach nur der "disposable male" zu rationalisieren versucht.
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Stimmt, für hundertausend+ Dollar kann man keine gute Recherche betreiben.
Nein, für das was du verlangst, müsste man eine sauber durchgeführte, repräsentative Umfrage starten und sie dann noch statistisch auswerten. Wie soll sie das denn finanzieren?
Also mit 160.000 Dollar (ich glaube, das war die Summe, die ihr ihre Backer eingebracht haben) kriegt man nicht mehr hin, als eine Serie wie diese, mit Monaten Abstand zwischen jeder Folge, wo auch das Ergebnis nicht erkennen lässt, dass diese Monate für Recherche und wissenschaftliches Arbeiten draufgegangen sind? Da müssen zahlreiche Youtuber Millardäre sein, denn die kriegen ohne Backer Videos von mindestens gleichwertiger handwerklicher Qualität und nich selten sinnvollerem, besser recherchiertem Inhalt hin.
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Falsch. 'Damsel in Distress' sind schon lange außer Mode gewesen, selbst, als das erste Video rauskam. Die überwältigende Merhheit, kommst du dir da nicht selbst lächerlich vor?
Siehst du? Hier hätte es geholfen, wenn du einfach mehr als nur die ersten beiden Videos gesehen hättest. Denn es geht nicht nur um die Damsel in Distress, sondern insgesamt darum, dass Frauen in verhältnismäßig schwachen Positionen vorkommen. Ein Beispiel aus dem aktuellen Video, dass du nicht gesehen hast: Frauen, die dir als "Companion" zur Seite gestellt werden mögen durchaus für die Geschichte wichtige Dinge vollbringen, hilflos sind sie meistens aber ohne dich als Spieler trotzdem. So etwas wie Farrah aus Prince of Persia: Two Thrones kommt nicht so häufig vor.
Und hier ist dasselbe Problem, wie bei der Gewalt gegen Frauen, die sie ja scheinbar so in Rage versetzt. Wie oft ist der Sidekick ein Mann? Gewiss zigfach häufiger. Und haben diese dann tatsächlich in Game stets mehr drauf, als einfach nur als Partner für ein paar Gemeinschaftsaktionen da zu sein.
Übrigens gilt es als Klassiker in Filmen, speziell aus dem Actiongenre, dem Protagonisten regelmäßig einen Sidekick zu verpassen. Dieser soll für auflockernde Lacher gut sein und ist darum meist tolpatschig und / oder dämlich. Und dieser Sidekick ist irgendwie immer ein Mann. Regt sich aber komischerweise auch kein Mann drüber auf. Die meisten Männer lachen stattdessen herzhaft drüber. Hmmm... Tjaja... If men acted like feminists...
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Wie werden Frauen schlecht dargestellt?
Nun sagst du also plötzlich, dass die Videos aktiv frauenfeindlich sind, wo kommt das her?
Nochmal: Du kannst dich nicht weigern ihre Videos anzuschauen und dann erwarten, dass du jede meiner Äußerungen auch ohne Kontext verstehst. Es geht zum Beispiel darum, dass Frauen häufig, wenn sie dein Begleiter sind eigentlich nur ein zusätzliches Tool sind, damit du bestimte Dinge tun kannst, aber darüber hinaus besitzen die Frauen häufig keine weitere Relevanz. Das würde ich nicht gerade als gut dargestellt bezeichnen.
Naja, da habe ich eben eigentlich schon alles zu gesagt. Das Problem ist da nicht das Geschlecht, sondern einzig die Eigenschaft des Sidekicks, die auch nicht anders aussieht, wenn der Sidekick männlich ist.
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Aber du hast selbst gerade geschrieben, dass Frauen schlecht dargestellt werden? Jetzt ist es plötzlich nur noch, dass es nicht andersrum gemacht wird?
Man.... es ist echt anstrengend mit dir zu sprechen.... Nein, das meine ich nicht. Es gibt Frauen, die werden schlecht dargestellt und es gibt sowas wie die Damsel in Distress. Das eine ist aber nicht dasselbe wie das andere. Und mal eine männliche Damsel zu haben, die von einer Frau gerettet wird, ist wohl sicherlich nicht der Normalfall in Videospielen, oder habe ich da eine ganze Nische verpasst?
Erstens hat Temeter schon Recht, dass die Jungfrau in Nöten schon lange kein konstituierendes Narrativ mehr in den Stories von Spielen darstellt. Sie stammt eher aus Zeiten, in denen die Geschichte in Spielen nicht mehr war, als ein in zwei Sätzen erzählter Rahmen, um dem ganzen Gehüpfe und Geballere zumindest einen alibimäßigen Grund zu geben.
Davon ab ist dieses Narrativ direkt klassischen Märchen und Sagen entnommen. Und dort hat es sich wohl, sage ich jetzt mal ganz ketzerisch, auf Basis der Lebenswirklichkeiten entwickelt. Und diese Lebenswirklichkeiten sind auch heute nicht so viel anders. Es hat schon seine Gründe, warum 95 % der während der Ausübung ihrer Arbeit jährlich zu Tode kommenden Menschen männlichen Geschlechts sind. Und auch sonst ist es doch auffällig, dass, wenn man Bilder aus Katastrophengebieten sieht, die Helfer, die an vorderster Front ihren Arsch riskieren, komischerweise nahezu ausnahmslos immer diese bösen Männer sind; wahrscheinlich allesamt gerade dabei, in vollen Zügen ihre patriarchale Dividende auszukosten, genau wie auch schon jene in den Schützengräben während der Kriege des letzten Jahrhunderts und auf allen Schlachtfeldern der Menschheitsgeschichte.
Natürlich kann man in einem Unterhaltungsmedium mit fiktiven Geschichten gerne Stereotypen aufbrechen, sich aber an ihnen unter der Prämisse Sexismus abzuarbeiten (welchen es eben nach Ansicht der Leute aus dem ideologischen Dunstkreis, dem auch Annita angehört, tatsächlich nur gegen Frauen geben KANN!!!) hat mit tatsächlicher tiefgehender Analyse nicht das geringste zu tun.
Klischees treffen, in mal mehr, mal weniger deutlicher Art, nicht deshalb immer wieder zu, weil sie von irgendwelchen bösen Leuten (weißen, heterosexuellen Männern wahrscheinlich) mal erdacht worden sind und sich seitdem alle entschlossen haben, sich sklavisch nach ihnen zu richten, sondern sie sind schlicht aufgrund von Erfahrungen entstanden, die Menschen (z. B. Männer und Frauen) über tausende von Generationen miteinander gemacht haben. In Medien werden sie dann gerne übersteigert dargestellt. Das trifft aber auf alle Klischees zu, nicht nur die zu Frauen. Das muss man nicht mögen, das kann man gewiss kritisieren, aber wer sich immer nur auf Teilaspekte fixiert und alles andere ausblendet, vor allem, wenn dieses Ausblenden wie im vorliegenden Fall aufgrund ideologischer Scheuklappen und selbstauferlegter Denkverbote geschieht, dann wird man auch nie zu einer vernünftigen Analyse sowie Kritik finden.
Dass zum Beispiel das zwingende narrative Gegenstück zur Damsel in Distress der männliche Held ist, der seine einzige Existenzberechtigung in der Geschichte daraus bezieht, sein Leben zu riskieren um ihres zu retten, dies würde eine Annita nie erkennen können, weil dies ihr ganzes Weltbild ins Wanken bringen würde. Schon allein, weil diese Sicht auf dieses Sujet die Frage aufwerfen könnte, wessen
LEBEN denn im Kontext der Erzählung offensichtlich die größere Wichtigkeit beigemessen wird. Und da wäre er wieder, der "disposable Male".
eigentlichegal hat geschrieben: ↑30.04.2017 23:04
Temeter hat geschrieben: ↑30.04.2017 22:34
Und nein, es gibt weniger Spiele mit Frauen in der Hauptrolle, weil das Groß der Spieler und Entwickler männlich sind. Wieder ein offensichtlicher, ignorierter Fakt, weil mans so besser auf Sexismus schieben kann.
Allerdings, aber wohl eher Sexismus von deiner Seite. Woher nimmst du denn die Gewissheit, dass die Mehrheit der Männer unbedingt männliche Protagonisten haben möchten? Ich zum Beispiel spiele fast immer, wenn es geht, eine Frau. Zuletzt erst bei Mass Effect. Und ich habe auch noch nie den Kommentar gehört: Mensch, Bayonetta wäre ein viel besseres Spiel, wenn ich einen Mann spielen könnte um Engel zu schlachten. Also woher nimmst du diese Gewissheit?
Ich glaube auch nicht, dass die Mehrheit der männlichen Spieler unbedingt männliche Protagonisten möchte. Es ist aber auch nun weiß Gott nicht so, dass man mit der Lupe suchen muss, um Spiele mit weiblichen Helden zu finden. Es gibt mehr mit männlichen Helden, aber Spiele mit weiblichen Helden sind nun auch wirklich schon lange keine wilden Exoten mehr. Dieses Gefühl kann man eigentlich nur haben, wenn man gerade mal die Titel kennt, die so ziemlich jeder, selbst Leute, die noch nie nen Controller in der Hand hatten, schon irgendwo mal gehört hat. Und zu besagten Leuten scheinen Annita und ihre Crew leider zu gehören.
Warum aber nun einmal mehr Männer in Spielen diejenigen sind, die die Kastanien aus dem Feuer holen, das dürfte sich aus den Absätzen hierüber bereits ableiten.