greenelve hat geschrieben: ↑28.04.2017 00:38
Und ich wiederhole mich gerne: Der Kampf basiert darauf, dass Luke seinen Gegner tötet und damit dem Bösen verfällt. Erst durch seine Aufgabe gewinnt er letztlich. Der Gute verhält sich nicht wie der Böse und lehnt das Töten ab.
Und erneut, wie gesagt, die Sith/Jedi Relgion baut auf den Kontrast Böse/Gut auf. Wofür beide Seiten der Macht stehen, wie man ihnen verfällt und wie man ihnen folgt. Strikte Trennung von Gut und Böse. Der Imperator sagt es Luke sogar ins Gesicht, dass er sich böse verhalten soll, Hass spüren, Zorn, seinen Gegner töten, um der dunklen Seite der Macht zu verfallen.
Ja, aber ich denke nicht, dass es der Akt des Lebens nehmen ist, der hier wichtig ist. In diesem Falle nur, weil Luke damit seinen negativen Emotionen nachgegangen wäre, hätte er Vader in Raserei erschlagen. Eben diese Emotionen sind der Dreh- und Angelpunkt der Sith/Jedi Philosophie. Die Sith ergeben sich aller als negativ empfundenen Emotionen, Yoda sagt dazu alles, was man wissen muss.
Die Jedi stehen dem konträr gegenüber und unterdrücken ALLE Emotionen. Bzw. sie reden immer darüber, dies tun zu wollen, versagen aber, gerade in den Prequels, spektakulär dabei.
Der Gegenentwurf der Jedi zu den Sith ist nicht, sich in positiven Emotionen zu ergeben, Liebe, Freundschaft, Freude, etc., sondern keine Emotionen oder Bindung zuzulassen, aus (ironisch, oder) Angst, dass daraus langfristig negative Emotionen werden können, gegen die man sich nicht wehren kann. Das kommt in den alten Filmen so nicht rüber, weil den Jedi nicht viel Backstory gegeben wird und wenn, dann ausgerechnet von Ben "point of view" Kenobi. Und den Ruf hat er sich nicht nur mit den Prequels verdient, er erzählt Luke auch nur Teile der Wahrheit.
Mit dem Tod an sich und dem Nehmen von Leben haben die Jedi überhaupt kein Problem. Wichtig ist nur, dass man es nicht aus "niederen Beweggründen" tut.
Was soll z.B. heldenhaft daran gewesen sein, Ponda Baba den Arm abzuschlagen?
Gut, '77 hat man sowas halt gemacht und es interessiert eigentlich auch keine Sau. Auch dass unsere Helden den Kampf gegen das unterdrückende Imperium als großes Abenteuer sehen und das Abschießen von Tie Piloten als Zielübung betrachten.
Es wird halt nur dann komisch, wenn man anfängt zu sehr drüber nachzudenken. Denn dann muss man zu dem Schluss kommen, dass Obi Wan kein alter weiser Mentor ist, sondern ein dummes Arschloch.
Gerade in der Cantina Szene: Zückt sein Lichtschwert, was ihn als Jedi outen wird und hackt dem Mann den Arm ab, was ziemlich unverhältnismäßig ist. Und unnötig, stehen ihm doch mehr und deutlich subtilere Methoden zur Verfügung.
Für den FILM ist die Szene richtig. Zu dem Zeitpunkt kennt der Zuschauer die Macht noch nicht so wirklich, wenn ich das richtig erinner, dann nur von "Das sind nicht die Druiden, die wir suchen". Und das lässt sich mit dem offensichtlichen Space Wizard wegerklären. (Der trägt eine Robe um der Götter Willen)
Die Szene zeigt dann, dass der alte Zausel nicht (nur) Merlin ist, sondern einer der Ritter der Stuhlrunde (Anspielung auf den Jedi Tempel in I-III)...
Aber darum geht es am Ende von VI auch gar nicht. Da geht es, wie du sagtest, alleine darum, dass Luke gewinnt, indem er heldenhaft NICHT der Versuchung erliegt, wie sein Vater zu werden.
Er (und der Zuschauer) sieht ganz deutlich, dass ihm die dunkle Seite enorme Kraft verleiht. Die Kraft, einen Sith Lord zu besiegen. UND er wäre sogar bereit gewesen, sich für dieses Ideal zu opfern. Palpatine hätte ihn vernichtet, denn ohne die Kraft der Dunklen Seite ist Luke halt nur ein unerfahrener und nur rudimentär ausgebildeter Junge, den die Midichlorianer halt lieb haben.
Äh, wo war ich?
Achso, dass es eigentlich nicht um Leben lassen oder Töten geht, sieht man auch daran, dass Vader den Imperator umbringen darf. Das ist sogar der Punkt seiner Erlösung. Also, in den Augen der Protagonisten!
Man darf da nicht zu sehr in die Tiefe sehen. Wichtig ist, dass jemand die Kraft hat, sich für das (in den Augen der Gesellschaft) richtige zu entscheiden, egal wie groß die Verlockung ist.
Das halte ich für die Kernaussage von Episode VI.
(Ob das jetzt historisch ein Klischeebrecher ist, dass das Richtige an dieser Stelle halt nicht das ermördern des Antagonisten ist, da müsste ich recherchieren. Ich wollte das mit Conan vergleichen, aber der Film mit Arnie kam gerade mal ein Jahr früher raus als Episode VI...)
Aber das ist halt das Schöne am Star Wars Universum. Man kann stundenlang drüber philosophieren.
Im nächsten Post dann: Warum die Jedi das mit der Balance irgendwie komplett missverstanden haben müssen.