Resident Evil 7 biohazard: Epilog

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4P|BOT2
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Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von 4P|BOT2 »


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Usul
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von Usul »

Ein erfreulich positiver Kommentar, den ich persönlich größtenteils teile.

Dieses Teilfazit möchte ich jedoch gesondert kommentieren:
Denn innerhalb der aktuellen Spielewelt kann man sich nur noch mit Qualität durchsetzen und nicht mit der Anbiederung an irgendwelche westlichen Kaufmaßstäbe.
Was genau ist aber "Qualität"? Man kann ja auch langweilige Inhalte in höchster Qualität veröffentlichen und sich damit anbiedern. Das steht meines Erachtens nicht unbedingt im Gegensatz zueinander.

Von daher würde ich "Qualität" da mit "eigenen Ideen, Rückbesinnung auf eigene Traditionen und dem Mut zum Andersmachen" ersetzen, was im Video auch teilweise erwähnt wird.

Dabei kommt aber auch den Spielern und Journalisten eine entscheidende Rolle zu: Nicht immer alles sofort alles verdammen, wenn es eben nicht herausragend ist, sondern sich auch mal mit etwas "durchschnittlicheren" Ergebnissen zufrieden geben, solange es nur nicht ein Wiederkauen alter, langweiliger Inhalte ist. Das würde den Publishern zeigen, daß sie nicht immer nur ein oder zwei megaerfolgreiche Richtungen einschlagen müssen, um das maximale Geld zu verdienen, sondern auch mal den Mut zur Abwechslung haben können.

Wenn ich dann aber das fast schon reflexartige Geblöke höre, das irgendwelche Indie-Games abbekommen, weil sie nicht fotorealistische Grafik haben, sehe ich in der Hinsicht durchaus schwarz.
johndoe711686
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von johndoe711686 »

"Spielepolitisch" ist Jörgs neues Lieblingswort glaube ich, ist mir im letzten Switch Talk mit den 3 anderen Jungs schon aufgefallen. ;-)
CritsJumper
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von CritsJumper »

Der Chris hat geschrieben:...Qualitäten..
Hah, im letzten Absatz hast du noch mal die Kurve bekommen. Denn zuvor konnte ich nur mit Kopf schütteln. Aber Wahrscheinlich weil ich es auch die ganze Zeit falsch verstanden hab. Das was Jörg da sagte konnte ich zu 100% Nachvollziehen, aber es ist einfach ein unterschiedlicher Betrachtungspunkt.

Euch ging es bei Qualität eben um die handwerklichen Merkmale von Software-Programmen. Wie du schon schriebst verliert man sein Alleinstellungsmerkmal (USP) wenn man den anderen zu sehr Nacheifert. Ich denke halt das diese Kombination aber genau das war was Jörg auch unter Qualität zusammen fassen wollte und was er meinte mit "Besinnung auf die eigenen Wurzeln".

Denn im Grunde mach Activision Blizzard das, was sie mit COD machen Handwerklich gut. Trotzdem finde ich die Spiele schrecklich und mache einen Bogen um die Titel. Genau wie (zunehmend) die Titel von EA.

Ich freue mich umso mehr das Capcom anscheinend die Kurve bekommt. Ein zweites Konami hätte ich nicht ertragen. Also im Sinne von, wenn die alten Firmen sich über die Jahre so auflösen und zerstören.

Ah eins noch:
Aus verkäuferischer Sicht war es eben nicht dumm von Capcom sich an andere Titel anzubiedern...
Also die RE Reihe ist da was besonders. Sicher, es gibt vielleicht nur noch eine sehr sehr kleine Basis von Fans der ersten Teile, die sich aber wahrscheinlich schon über den vierten Teil geärgert hatten.. was ich meine wenn du diese Fans fragst. Dann sind sie ohnehin schrecklich Enttäuscht. Ganz gleich wie Erfolgreich der Titel war, für Menschen dessen Reihe zerstört wurde ist es furchtbar und in jeder Hinsicht schlecht das überhaupt in anderen Bereichen ausprobiert wurde.

Dennoch. So dachte ich auch über Resident Evil 4, bis ich es mal gespielt hatte. Dann hatte es mir doch ganz gut gefallen. Ich denke mit diesem Teil, werden vielleicht einige Fans ebenfalls über ihren eigenen Schatten springen. Allerdings ist das Spiel ja sehr offensichtlich kein normales Resident Evil.

Es muss halt eine Linie geben, entweder man macht mehr Untergruppen oder Nennt die Spiele direkt anders, damit die Fans sich bei einem Namen auch darauf verlassen können was sie bekommen werden.
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Usul
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von Usul »

ChrisJumper hat geschrieben:Euch ging es bei Qualität eben um die handwerklichen Merkmale von Software-Programmen. Wie du schon schriebst verliert man sein Alleinstellungsmerkmal (USP) wenn man den anderen zu sehr Nacheifert. Ich denke halt das diese Kombination aber genau das war was Jörg auch unter Qualität zusammen fassen wollte und was er meinte mit "Besinnung auf die eigenen Wurzeln".
Ja, ich habe das eher handwerklich bzw. technisch interpretiert, das stimmt. Das finde ich auch leichter zu greifen, als die Art von Qualität, die du meinst - denn da kommt wieder der persönliche Spielegeschmack rein. Denn wenn jemand CoD absolut megageil findet, würde er die Qualität in dieser von dir genannten (und ich glaube tatsächlich auch von Jörg gemeinten) Lesart eher als hoch bezeichnen.

Aber um es nochmal zu wiederholen: Wichtiger als eine wie auch immer geartete Qualität wäre für mich Abwechslung. Viele rümpfen ja über Ubisoft die Nase, aber wenn man so z.B. an Grow Home/Up, Child of Light, Rayman, Blood Dragon, The Crew, Valiant Hearts etc. denkt, haben sie neben ihren teils generischen Open-World-Titeln auch eine recht breite Palette an ungewöhnlichen Spielen zu bieten. Und selbst wenn nicht alle absolute Top-Qualität bieten, sind sie meines Erachtens wichtig und lobenswert. Das gilt für andere Entwickler/Publisher umso mehr.

Mit 4P-Wertungen argumentiert: Die Spieler sollten auch mal ein 60%-Spiel honorieren können, wenn es vllt. nicht alles richtig macht, dafür aber neue Wege einschlägt.
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KalkGehirn
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von KalkGehirn »

Der Chris hat geschrieben:Ich denke grundsätzlich ist eine "Anbiederung an westliche Kaufmaßstäbe" schon das was gefragt ist.
Die Ausrichtung von RE ist seit je her International. Absatzmärkte bestimmen nun einmal wie ein Produkt ausschaut.
Ich finde, dieses "anbiedern" schließt aber in Folge nicht aus, dass ein Titel gleichwohl seine eigene Note mit einbringen kann, selbst wenn es schlussendlich nur durch die richtige Komposition der zutaten geschieht.
Der Chris hat geschrieben:Nur ist Resident Evil dann am Ende auch darüber gestolpert, dass es zum einen viel negative Presse und schlechte Mundpropaganda bekommen hat und die Spiele wie Gears of War, Call of Duty und Uncharted schon da liegen und es keinen echten Grund gibt sich dann ein Resident Evil zu kaufen, das so ähnlich sein will, aber dann auch wieder nicht. Es hat insgesamt eine Dynamik zu Capcoms Ungunsten angenommen.
Die schlechte Mundpropaganda lag ja daran, dass RE6 einfach kein sonderlich gelungenes Spiel war. Verkauft hat es sich trotzdem über 6 Mio. mal, was unter allen Serienablegern die größte Absatzzahl sein dürfte wenn ich mich nicht irre?!
Man stelle sich mal vor wie sich der Teil verkauft hätte wenn er mit Lob überhäuft worden wäre.
Bei RE6 war es einzig ein Qualitätsproblem, welches noch deutlich höherer Verkaufszahlen verhinderte. Weder GoW, CoD oder Uncharted hatten daran nur den geringsten Anteil.
Ein kurzer Gedanke daran, dass sich RE6 besser verkauft hat als sein Vorgänger, der seinerzeit sehr gelobt wurde, genügt, um festzustellen, dass es auch nicht an der Ausrichtung gelegen hat. "Third- Person/ ballern!"
Ich finde hingegen jetzt, mit RE7, gehen sie gehörig Risiko ein.
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GabbaGabbaHey
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von GabbaGabbaHey »

Chapeau! Herr Luibl! Alles richtige und wichtige gesagt! Danke...weitermachen!
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KalkGehirn
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von KalkGehirn »

Natürlich, kann man nicht Wissen. Ich denke man will sich mit der Ausrichtung von Teil 7 ganz einfach vom 6er abgrenzen. Ist ja irgendwie nen ziemlich großer Schandfleck auf der Weste.
Der Schritt war jetzt vielleicht wirklich auch einfach nötig, wäre der 7 jetzt ganz in der Tradition von 4- 6 präsentiert worden, wären dem Spiel womöglich viele wegen dem letzten Ableger Überkritisch entgegengestanden. Dies hat man Versucht zu vermeiden denke ich mal.
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drfontaine92
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von drfontaine92 »

Schön, dass es Dir gefallen hat, Jörg. Habe es nach Deinem Kommentar gleich mal auf meine Amazon Wunschliste ;-)
Pulsedriver30
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von Pulsedriver30 »

Der Chris hat geschrieben:
KalkGehirn hat geschrieben: Die schlechte Mundpropaganda lag ja daran, dass RE6 einfach kein sonderlich gelungenes Spiel war. Verkauft hat es sich trotzdem über 6 Mio. mal, was unter allen Serienablegern die größte Absatzzahl sein dürfte wenn ich mich nicht irre?!
Okay, spannende Info. Das hätte ich nicht gedacht, wo man über das Spiel ja quasi überhaupt kein einziges gutes Wort gehört hat.
KalkGehirn hat geschrieben: Ein kurzer Gedanke daran, dass sich RE6 besser verkauft hat als sein Vorgänger, der seinerzeit sehr gelobt wurde, genügt, um festzustellen, dass es auch nicht an der Ausrichtung gelegen hat. "Third- Person/ ballern!"
Ich finde hingegen jetzt, mit RE7, gehen sie gehörig Risiko ein.
Müssen sie vielleicht auch? Man weiß es ja nicht. Also wenn der 6er sich echt so gut verkauft hat, dann werden sie schon ihren Grund gehabt haben jetzt etwas anders zu machen. Da würd ich ja echt vermuten, dass das Ziel dann ein eher langfristiges ist, um die Serie für die Zukunft besser aufzustellen. Ein 7er im Stil des 6ers wär dann womöglich auch nicht mehr auf die Verkaufszahlen gekommen...weiß man ja nicht.
Ich meine mich erinnern zu können, das Capcom damals nach dem 5er mal gesagt haben, sie wollen mit dem sechsten Teil wieder zurück zu den Wurzeln. Zumindest hatte es damals die Runde gemacht, in meinem Freundeskreis. Später, leider zu spät, hatte ich dann gesehen das Sie sich Call of Duty zum Vorbild nahmen. Hat bestimmt auch zu verkäufen geführt.
Mich hat es dazu gebracht, entweder eine Demo zu spielen, sofern vorhanden wie hier beim siebten Teil, oder auf Tests zu warten. Und dieses mal ist alles gut gelaufen. ^^
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Jörg Luibl
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von Jörg Luibl »

Es ist schwierig allgemeingültige Definitionen aufzustellen, weil es innerhalb dieser Spielewelt so viele Grauzonen gibt. Mein Begriff von "Qualität" bezieht sich in diesem Video-Epilog auf ein Spieldesign, das sich der "hauseigenen" Tradition und der externen Faszination der Fans bewusst ist, die ja zusammen den Grundstein für den Erfolg der Serie gelegt haben. Es geht nicht um Stillstand oder das ewige Festhalten an alten Mechaniken. Deshalb war Resident Evil 4 ja auch so ein wichtiger Meilenstein. Es geht darum, dass man nur mit diesem Selbstbewusstsein (im kreativen Sinne) an eigene Werte anknüpfen und diese weiterentwickeln kann.

Auf den enormen Erfolg von Resi 4 folgte der schleichende Abstieg. Man hätte aus diesem Fundament etwas ganz anderes entwicklen können und Resi 5 zeigt noch einige richtig gute Tendenzen. Aber schon dort deutete das letzte Drittel an, was folgen würde. Auch wenn es finanziell vielleicht notwendig oder verlockend war, war es Gift für Capcom, dass man sich dann so deutlich an Call of Duty orientierte und sowohl Fans als auch Presse auch noch verarschte, als man 2012 tatsächlich behauptete, dass Resi 6 "zurück zu den Wurzeln" gehen würde. Das war eine Frechheit, weil alle Beteiligten wussten, was man da an Leveldesign nach dem Abschnitt mit Leon fabriziert hatte. Oder anders: Man hat umsatzgeil auf die eigene Tradition geschissen und Rambo spielen lassen - weil man dachte, das wollen die Leute. Und Capcom weiß, dass man damit kräftig überdreht hatte. Weil sie das wissen, weil man den Imageverlust sogar messen kann, hat man ja 2016 die "Qualitätsoffensive" angekündigt, hat betont, dass man an die "Weltspitze" der Spielentwicklung will, dass man Studios länger Zeit geben werde etc. So eine laute PR-Trompete sagt immer viel aus über die aktuelle Moral der Truppe. Das war ein sehr deutliches Zeichen, dass man die Kurve zurück zu den Vollblut-Zockern kriegen will, weil man so langsam Angst um seine eigentliche Zielgruppe bekommt. Capcom selbst steht mit all seinen Titeln für nichts anderes als Hardcore. Das ist spielkulturell die DNA der Japaner.

Natürlich kann man auch sehr erfolgreich aka umsatzstark sein, wenn man sich am Massengeschmack und Fokusgruppentests orientiert. Man kann auch innerhalb dieses Fahrwassers eine Qualität anbieten. Aber meist sind das auch die Spiele, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Kurz zum Begriff "Spielepolitik": Das ist all das, was vor und hinter den Kulissen dieser Branche besprochen wird, um im weitesten Sinne des Wortes "mächtiger" zu werden an Usern, Einfluss, Umsatz, Metascore, Klicks, Awards, Atomraketen - oder Posts in irgendwelchen Foren.;)
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EllieJoel
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von EllieJoel »

Sehr schönes Epilog Jörg , ich liebe deine Epiloge für Spielekenner ein Genuss für das Ohr. Gibt kaum eine Meinung in der Gamingpresse Branche die ich mehr schätze. Spiel ist schon hier und heute Nacht geht es auch für mich ins Horror Haus bin sehr gespannt.
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muecke-the-lietz
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von muecke-the-lietz »

4P|T@xtchef hat geschrieben:Es ist schwierig allgemeingültige Definitionen aufzustellen, weil es innerhalb dieser Spielewelt so viele Grauzonen gibt. Mein Begriff von "Qualität" bezieht sich in diesem Video-Epilog auf ein Spieldesign, das sich der "hauseigenen" Tradition und der externen Faszination der Fans bewusst ist, die ja zusammen den Grundstein für den Erfolg der Serie gelegt haben. Es geht nicht um Stillstand oder das ewige Festhalten an alten Mechaniken. Deshalb war Resident Evil 4 ja auch so ein wichtiger Meilenstein. Es geht darum, dass man nur mit diesem Selbstbewusstsein (im kreativen Sinne) an eigene Werte anknüpfen und diese weiterentwickeln kann.

Auf den enormen Erfolg von Resi 4 folgte der schleichende Abstieg. Man hätte aus diesem Fundament etwas ganz anderes entwicklen können und Resi 5 zeigt noch einige richtig gute Tendenzen. Aber schon dort deutete das letzte Drittel an, was folgen würde. Auch wenn es finanziell vielleicht notwendig oder verlockend war, war es Gift für Capcom, dass man sich dann so deutlich an Call of Duty orientierte und sowohl Fans als auch Presse auch noch verarschte, als man 2012 tatsächlich behauptete, dass Resi 6 "zurück zu den Wurzeln" gehen würde. Das war eine Frechheit, weil alle Beteiligten wussten, was man da an Leveldesign nach dem Abschnitt mit Leon fabriziert hatte. Oder anders: Man hat umsatzgeil auf die eigene Tradition geschissen und Rambo spielen lassen - weil man dachte, das wollen die Leute. Und Capcom weiß, dass man damit kräftig überdreht hatte. Weil sie das wissen, weil man den Imageverlust sogar messen kann, hat man ja 2016 die "Qualitätsoffensive" angekündigt, hat betont, dass man an die "Weltspitze" der Spielentwicklung will, dass man Studios länger Zeit geben werde etc. So eine laute PR-Trompete sagt immer viel aus über die aktuelle Moral der Truppe. Das war ein sehr deutliches Zeichen, dass man die Kurve zurück zu den Vollblut-Zockern kriegen will, weil man so langsam Angst um seine eigentliche Zielgruppe bekommt. Capcom selbst steht mit all seinen Titeln für nichts anderes als Hardcore. Das ist spielkulturell die DNA der Japaner.

Natürlich kann man auch sehr erfolgreich aka umsatzstark sein, wenn man sich am Massengeschmack und Fokusgruppentests orientiert. Man kann auch innerhalb dieses Fahrwassers eine Qualität anbieten. Aber meist sind das auch die Spiele, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Kurz zum Begriff "Spielepolitik": Das ist all das, was vor und hinter den Kulissen dieser Branche besprochen wird, um im weitesten Sinne des Wortes "mächtiger" zu werden an Usern, Einfluss, Umsatz, Metascore, Klicks, Awards, Atomraketen - oder Posts in irgendwelchen Foren.;)
Das Problem bei Resi 5 und wesentlich stärker bei Resi 6 war ja vor allem, dass man etwas machen wollte, aber gar nicht in der Lage war, das auch umzusetzen.

Ein Gears of War 1 und 2 haben ja bewiesen, dass man trotz brachialer Action immer noch ein atmosphärisch beklemmendes Spiel machen kann.

Gerade Reis 6 war vor allem handwerklich katastrophal. Die Anbiederung an den Massengeschmack war sicher ein großer Fehler, aber vor allem auf der spiemechanischen und technischen Seite hat man komplett versagt.

Das war Videospiel Trash der schlimmsten Sorte und konnte nicht an einer Stelle die Qualität der neu gesetzten Vorbilder erreichen, die irgendwo zwischen Gears of War, Uncharted und natürlich Call of Duty lagen.

Hätte man einen stimmungsvollen Shooter eines Kalibers wie Gears of War 2 inszeniert, mit einer guten Steuerung, sauberer Technik und eigener Identität wäre das doch unterm Strich alles halb so wild gewesen. Es wäre sicher nicht optimal gewesen, hätte aber dem Ansehen der Reihe nicht derart geschadet.

Ich finde es daher falsch, die Probleme von Resi 6 rein auf die Anbiederung an erfolgreiche Shooter Marken zu reduzieren. Es war in erster Linie schlicht ein sehr schlechtes Spiel, und erst in zweiter Linie die Kopie einer Kopie.

Man könnte jetzt hier stundenlang schwadronieren, was Resi 6 mechanisch alles falsch gemacht hat, aber ich denke, das ist unnötig, da jeder die Probleme kennt.

Aber auch Resi 5 konnte nur in der ersten Hälfte halbwegs interessante Akzente setzen und ist danach zu einer Schießbude mit einer sperrigen und altmodischen Steuerung verkommen, während Spiele wie Dead Space 1 und 2 gezeigt haben, wie man brachiale und moderne Horroraction inszeniert, ohne den Spieler mit unsinnigen Einschränkungen in der Steuerung zu schikanieren.

Dead Space 1 war de facto das, was Resi 5 hätte werden müssen, wenn man schon an der actionlastigen Ausrichtung festhalten wollte. Aber stattdessen hat man Grabbeltisch Action produziert, und diese mit ein bisschen Fan Service für alte Survival Game Veteranen angereichert.
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Jörg Luibl
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von Jörg Luibl »

Die Anbiederung an Call of Duty (oder den amerikanischen Markt) führte ja erst zu diesem Design, weil man sich überlegt hatte, wie man das innerhalb der eigenen Serie replizieren könnte. So eine Strategie wirkt sich direkt auf die Entwicklung aus. Das Ergebnis war weder Fisch noch Fleisch, eben kein klares Statement wie Gears oder Dead Space, sondern ein Flickwerk. Man wollte mit der dreigeteilten Struktur quasi mehere Spielerlebnisse anbieten, um möglichst viele Leute vom alten Resi-Fan über den Shooterzocker bis zum Neuling zufrieden zu stellen. Jetzt will man nur noch den Survival-Horror-Fan ansprechen. Das funktioniert besser.;)
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muecke-the-lietz
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Re: Resident Evil 7 biohazard: Epilog

Beitrag von muecke-the-lietz »

4P|T@xtchef hat geschrieben:Die Anbiederung an Call of Duty (oder den amerikanischen Markt) führte ja erst zu diesem Design, weil man sich überlegt hatte, wie man das innerhalb der eigenen Serie replizieren könnte. So eine Strategie wirkt sich direkt auf die Entwicklung aus. Das Ergebnis war weder Fisch noch Fleisch, eben kein klares Statement wie Gears oder Dead Space, sondern ein Flickwerk. Man wollte mit der dreigeteilten Struktur quasi mehere Spielerlebnisse anbieten, um möglichst viele Leute vom alten Resi-Fan über den Shooterzocker bis zum Neuling zufrieden zu stellen. Jetzt will man nur noch den Survival-Horror-Fan ansprechen. Das funktioniert besser.;)
Ja, natürlich. Aber ich sehe halt schon viele Probleme bei Resi 5, was ebenfalls schon unter vielen Problemen litt. Bei Resi 6 hat man sich natürlich mit den 4 verschiedenen Kampagnen komplett selbst disqualifiziert, weil man nichts davon auch nur annähernd gut umgesetzt hat.

Aber schon Teil 5 wirkt heute stellenweise unglaublich trashig, steif und extrem veraltet, während man ein Dead Space oder Gears of War immer noch problemlos spielen kann und immer wieder ob der Qualität überrascht ist.

Wie gesagt: Die Anbiederung an den westlichen Markt sehe ich nicht als größtes Problem, denn Resi 7 ist bei aller Rückkehr zu alten Wurzeln im Prinzip auch eine Anbiederung an den westlichen Markt, in dem es sich viele Spiele wie Outlast und Alien: Isolation zum Vorbild nimmt und das ganze dann auch noch in ein klassisches sumpfiges Südstaatenseeting verlegt. Nur nimmt man sich hier einerseits die richtigen Vorbilder, und achtet andererseits darauf, dass am Ende auch die Qualität stimmt.

Und man hatte mal wieder eine Vision. Und man hatte Bock, diese auch umzusetzen. Ob das nun japanisch ist, westlich ist, Action oder Nicht Action, ist dabei fast egal, solange man eine eigenständige Vision hat, die man konsequent und mit der nötigen Liebe umsetzt.

Ein guter, moderner 3rd Person Shooter im Resi Universum hätte doch niemanden gestört - also quasi ein The Last of Us. Das war modern inszenierte Survival Action der eine Vision zugrunde lag. Und trotzdem dem amerikanischen Massenmarkt genug angepasst, um extrem erfolgreich zu sein.