Doc Angelo hat geschrieben:
Also könnte man das vielleicht so zusammenfassen:
- Werden 0€ für eine illegale Kopie bezahlt, ist kein Schaden für den Urheber entstanden, da kein Schaden nachweisbar ist.
- Werden x€ für eine illegale Kopie bezahlt, ist ein Schaden in Höhe von x€ entstanden, da der Schaden in Höhe von x€ nachweislich entstanden ist.
Japp.
Warum unterscheiden sich die beiden Sachen so eindeutig?
Weil das eine nur Spekulation (!) ist. Das andere ist eine nachweisliche (!) Geldausgabe. Der Unterschied liegt in der Nachweisbarkeit.
Ich verstehe die Aussage, das eine Person die nur bereit ist 0€ für ein Spiel auszugeben, es nicht gekauft hätte wenn 60€ die einzige Option wären. Klar, so kann man argumentieren, das es in diesem Falle keinen ausbleibenden Absatz gegeben hätte.
Dem ist auch so. Denn das enorme Wachstum von z.B. all den Streaming-Anbietern kommt ja nicht aus dem blauen Himmel. Das sind die Leute, die das Internet-Äquivalent von Radio und TV haben wollen und nur in Ausnahmefällen für Einzelinhalte zahlen würden. Die haben früher kopiert, jetzt zahlen sie halt ein paar Euro fuffzig pro Monat und sind glücklich.
Aber was, wenn jemand nur bereit ist, 10€ für ein Spiel auszugeben?
Für die gab es früher den Gebrauchtmarkt, von dem die Erstverkaufsanbieter durch Freisetzung von Kaufkraft bei den Erstkäufern profitiert haben. Heute gibt es denn Sale, der entsprechend genutzt wird.
Wie sähe ein Nachweis im zweiten Falle aus? Und wie hoch ist der entstandene Schaden bei Fall 2?
Im Grunde kannst Du hier so gut wie nichts nachweisen. Der Einfluß von Kopien auf den Umsatz ist eine große Grauzone. Indizien von halbwegs seriösen Studien deuten in manchen Fällen eine positive Wirkung an (also nicht grundsätzlich), andere lassen vermuten, dass der Einfluß von Kopien auf den Umsatz (positiv, wie auch negativ) kaum über normale statistische Umsatzschwankungen hinausgeht, also keinen meßbaren Einfluß hat. Auf jeden Fall NICHT nachweisbar waren die angeblich so klaren negativen Folgen von Kopien für den Umsatz. Dafür gibt es keinen Beleg, nicht einmal Indizien.
Einfluß auf den Umsatz haben da eher so Dinge wie Marketing, Verfügbarkeit, Preismodell und Kaufkraft.
Aus meiner Sicht wird hier ein Nicht-Problem zu einem riesengroßen Popanz aufgeblasen. Vor allem, damit man als Anbieter im Falle eines kommerziellen Scheiterns einen Sündenbock hat und zum anderen, um den Gesetzgeber mit erfundenen Horrorstories zum Verabschieden gefälliger Gesetze zu bewegen. Ich weiß, dass vor allem die börsennotierten Konzerne DRM und Kopierschutz in erster Linie als Showveranstaltung für die Investoren verwenden, um im Rahmen des Geschäftsplanes die verpflichtende Risikoabdeckung nachweisen zu können. Die mit "Schaut, wir verwenden hier diesen tollen Kopierschutz" ganz einfach abzuwickeln ist, ohne dass man noch großartig Hirnschmalz investieren muss.