Sir Richfield hat geschrieben:
Sprich, du kannst Kajetan schlecht dafür kritisieren, dass er Links setzt zu Personen, die seine These stützen, wenn du nicht mindestens denselben Aufwand treiben willst.
Berechtigter Einwand.
Erstens haben Majors - insbesondere börsennotierte - Zeitpläne für Investitionen, Entwicklung, Marketing, Werbung etc. etc., die auf eine bestimmte Weise getaktet und auch miteinander verzahnt sind (z.B. auch mit Quartalsberichten oder damit, Verluste oder Gewinne aus steuerlichen Gründen in bestimmte Monate zu schieben). Da sieht man es nun mal gerne, wenn ein Spiel, das für Tag X geplant ist, dann auch tatsächlich am Tag X erscheint. Natürlich sind Verschiebungen prinzipiell möglich, verursachen aber nun mal Kosten und einen Rattenschwanz von unerwünschten Folgeänderungen, und werden deshalb logischerweise nur dann vorgenommen, wenn es wirklich absolut gar nicht anders geht.
Zweitens (und das ergänzt sich mit dem ersten Punkt), sind wir - zumindest wird das publisherseitig angenommen - alle permanent breitbandonline, d.h. Spiele können in nahezu jedem beliebigen Zustand veröffentlicht werden. Je schlechter der Zustand, desto umfangreicher halt der gegebenenfalls erforderliche Day-One-Patch. Und wenn ein Spiel in den ersten ein, zwei Wochen unter Hochdruck gleich mehrere Patches verpasst bekommt, beschwert sich mittlerweile auch keiner mehr. So wird der Druck für einer Verschiebung des Veröffentlichungstermins weiter reduziert.
An diesem generellen und sehr grundlegenden Szenario würde sich absolut null ändern, wenn man nun plötzlich auf Vorbestellungen verzichtet. Die sind einfach nur eine totale Randerscheinung obiger Gegebenheiten und dienen dazu, möglichst frühzeitig und möglichst vollständig an das Geld interessierter Käufer zu kommen. Natürlich fühlt man sich verarscht, wenn man ein Spiel Monate zuvor vorbestellt, nur um dann am Veröffentlichungstag eine Software-Ruine in die Hand gedrückt zu bekommen, aber an die These zu glauben, dass das Spiel deutlich besser geworden wäre, wenn man keine Gelegenheit zur Vorbestellung gehabt hätte, dafür fehlt mir ehrlich gesagt die Fantasie.
Letztlich ist das Ganze auch eine natürliche Reaktion auf Leute wie mich: Ich kaufe niemals ein Spiel zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung, sondern frühestens nach einem Jahr oder als GOTY. Neben den üblichen Vorteilen, die jedem bekannt sind, liegt das bei mir auch daran, dass ich meinen Rechner sowieso nur alle paar Jahre mal aufrüste und daher auch gar nicht immer in der Lage bin, topaktuelle Titel in all ihrer Pracht zu spielen. Deswegen lasse ich für Spiele auch nur einen Bruchteil des Geldes im Laden wie das Leute tun, die diese sofort kaufen (oder vorbestellen). Natürlich kann ich verstehen, dass die Publisher da irgendwelche Anreize schaffen wollen, sofort 50 Euro abzudrücken (und eben nicht 10 oder 20 Euro nach ein oder zwei Jahren) und da sind Preorder-Boni halt eine - etwas perfide und lästige, aber trotzdem nicht ganz illegitime - Methode, insbesondere wenn man den schnellen Preisverfall und die häufigen Sales bei PC-Spielen bedenkt.