Ich erweitere die Argumentation (SethSteiner vs. Kajetan) mal um folgenden Gedanken: Wenn schon nach kurzer Zeit klar ist, dass der Putsch - im Vergleich zu den früheren in der türkischen Geschichte - so minimalistisch und aussichtslos durchgeführt wird, gleicht es politischem Selbstmord, als CHP oder HDP zu twittern: "Putschversuch in der Türkei! Wir sind gespannt und verhalten uns neutral. *Smiley*" Auch allein schon das Nichtreagieren und Nichtverurteilen des Putschs hätte gravierende innenpolitische Folgen gehabt, wenn sich die zugehörigen Parteivertreter im Parlament für ihre nicht klare Haltung hätten verantworten müssen.
In diesem Kontext ist es übrigens ganz erhellend nochmal (ich hatte da irgendwas im Kopf) nachzuschauen, wie die allerersten internationalen Reaktionen waren, just als der Putsch losging und man noch nichts über die Machtverhältnisse und den Ausgang wusste. Sätze wie...
"Die demokratische Ordnung in der #Türkei muss respektiert werden. Alles muss getan werden, um Menschenleben zu schützen." (Steffen Seibert)
"Wir hoffen, dass es Stabilität, Frieden und Kontinuität in der Türkei geben wird." (John Kerry)
"Blutige Zusammenstöße müssen vermieden und sämtliche Probleme ausschließlich verfassungskonform gelöst werden." (Sergej Lawrow)
...deuten zwar auf die Betonung der Rechtmäßigkeit der gewählten Regierung (und ihren Erhalt) hin, sind aber sprachlich betrachtet keine klare Position, wie man sie seinem liebsten außenpolitischen Freund übermitteln würde. Insbesondere die beiden ersten Einträge lassen noch eine leicht abwartende Haltung erkennen.
Völlig den Vogel abgeschossen hat allerdings Kollegin Roth:
"Das ist eine dramatisch gefährliche Situation. Egal, wer an der Macht ist oder an die Macht kommt: Er hat eine enorme Verantwortung, jetzt Blutvergießen und einen Bürgerkrieg zu verhindern."
*Popcorn*
[...]
Fazit: Eine krasse Fehleinschätzung der Putschisten, deren Bumerang-Effekt nun derbe zu spüren ist!
Ansonsten gewiss Kajetans Argument, dass der Weg des Wandels in der Türkei demokratisch via Wahlen geschehen muss. Quälend langsam, wie es nun auf lange Zeit aussieht, aber notwendig. Aber darauf müssen die türkischen Wähler, auch in Deutschland, von selbst kommen.